
Was steht denn zwischen
Begehren und Schmerz?
Du weißt es so gut –
als Fragende
wie als Trauernde
Du kanntest die Antwort
lange bevor gefragt wurde
Doch:
Du schweigst
Denn Aussprechen wäre Spüren
der namenlosen Stimme
am Rand einer schon vor langer Zeit
abgeschlossenen Handlung
selbst wenn sie
erst viel später einsetzen würde
nachdem du der Zukunft
ihren Anfang gestattet hättest
Denn noch bevor
wir jemanden lieben
haben wir bereits begonnen
ihn zu verlieren
Nur ein wenig
wie der Schatten am Nachmittag
der sich unmerklich streckt
unter der jetzt noch hohen Sonne
Alles beginnt
mit einer Verwechslung
Da ist ein Gesicht
eine Stimme
eine Bewegung der Hand
nichts Besonderes
Und doch bleibt etwas
an ihm hängen
ein Blick vielleicht
oder ein Lächeln
vielleicht sogar eine unverwechselbare Art
den eigenen Namen zu hören
ausgesprochen vom Anderen
wenn er der Einzige ist
wenn sich beim Gang die Straße hinunter
sein Gesicht auf das deine legt
wie eine Maske
ja
das trägst du mit dir fort
ohne zu wissen
warum
Später
werden sie behaupten:
dort fing alles an
Aber das stimmt nicht
Es setzte viel früher ein
in einer Unruhe
im kaum merklichen
Verrutschen der Zeit
ja
plötzlich
stand dort ein Mensch
wo vorher nur Raum war
und es erschien etwas
mit ihm
das es vorher nicht gab:
die Möglichkeit eines Fehlens
ja
das
muss das Geheimnis
sein:
Nicht
dass wir lieben
Sondern
dass wir von Anfang an wissen
dass wir nicht bleiben können
weder im Augenblick
noch im Körper
und erst recht nicht:
in dieser Nähe
Darum schauen wir so lange
Darum hören wir noch einmal hin
und erinnern uns später
an Dinge
die niemals wichtig waren:
ein Ärmel
ein Geruch
ein Satz
den niemand
aufgeschrieben hat
Denn nicht mit Gewissheit
beginnt eine Liebe
sondern mit Verwirrung
mit einer kleinen Störung
im geordneten Ablauf der Welt
mit einem Namen
der plötzlich schwerer wird
als alle anderen
Und noch bevor
du ihn aussprichst
beginnt das Echo
wunderschön wieder, berührt mich.
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