
dass niemand sie finde
irrte sie zwischen den Buchen
von Lichtung zu Lichtung
und ließ hinter sich
nichts als die Wege derer
die ihr zu folgen versuchten
die Wanderer der heutigen Zeit
verdanken ihr
Landschaften ohne Ankunft
Lyrik|Essays|Kritik

dass niemand sie finde
irrte sie zwischen den Buchen
von Lichtung zu Lichtung
und ließ hinter sich
nichts als die Wege derer
die ihr zu folgen versuchten
die Wanderer der heutigen Zeit
verdanken ihr
Landschaften ohne Ankunft

Was steht denn zwischen
Begehren und Schmerz?
Du weißt es so gut –
als Fragende
wie als Trauernde
Du kanntest die Antwort
lange bevor gefragt wurde
Doch:
Du schweigst
Denn Aussprechen wäre Spüren
der namenlosen Stimme
am Rand einer schon vor langer Zeit
abgeschlossenen Handlung
selbst wenn sie
erst viel später einsetzen würde
nachdem du der Zukunft
ihren Anfang gestattet hättest
Denn noch bevor
wir jemanden lieben
haben wir bereits begonnen
ihn zu verlieren
Nur ein wenig
wie der Schatten am Nachmittag
der sich unmerklich streckt
unter der jetzt noch hohen Sonne
Alles beginnt
mit einer Verwechslung
Da ist ein Gesicht
eine Stimme
eine Bewegung der Hand
nichts Besonderes
Und doch bleibt etwas
an ihm hängen
ein Blick vielleicht
oder ein Lächeln
vielleicht sogar eine unverwechselbare Art
den eigenen Namen zu hören
ausgesprochen vom Anderen
wenn er der Einzige ist
wenn sich beim Gang die Straße hinunter
sein Gesicht auf das deine legt
wie eine Maske
ja
das trägst du mit dir fort
ohne zu wissen
warum
Später
werden sie behaupten:
dort fing alles an
Aber das stimmt nicht
Es setzte viel früher ein
in einer Unruhe
im kaum merklichen
Verrutschen der Zeit
ja
plötzlich
stand dort ein Mensch
wo vorher nur Raum war
und es erschien etwas
mit ihm
das es vorher nicht gab:
die Möglichkeit eines Fehlens
ja
das
muss das Geheimnis
sein:
Nicht
dass wir lieben
Sondern
dass wir von Anfang an wissen
dass wir nicht bleiben können
weder im Augenblick
noch im Körper
und erst recht nicht:
in dieser Nähe
Darum schauen wir so lange
Darum hören wir noch einmal hin
und erinnern uns später
an Dinge
die niemals wichtig waren:
ein Ärmel
ein Geruch
ein Satz
den niemand
aufgeschrieben hat
Denn nicht mit Gewissheit
beginnt eine Liebe
sondern mit Verwirrung
mit einer kleinen Störung
im geordneten Ablauf der Welt
mit einem Namen
der plötzlich schwerer wird
als alle anderen
Und noch bevor
du ihn aussprichst
beginnt das Echo

Welt
unsere Ankunft
als sei dort
schon lange niemand mehr gestrandet
die Zimmer
hübsch hergerichtet
die Stimmen:
ausgewiesen
Kindheit
die frühe Kompetenz
mit Wänden zu sprechen
eine Gewohnheit
die man nicht mehr loswird
wie die Alten
die – nachdem verstorben –
endgültig einzogen
bei uns
sie saßen abends
an unseren Tischen
aßen die Vorräte
unserer Ruhe
und des restlichen Lichtes
redeten viel
hauptsächlich:
von sich
und vom Menschen
den sie sich vorgestellt hatten
bevor wir störten
breiteten
ihre Betagtheit aus
in allen Jahreszeiten
ihre Mäntel hingen
über den Stühlen
wie erschöpfte Tiere
ihre Würde
kam aus dem Mehr an Zeit
das sie an uns verschwendeten
wir dagegen
waren immer:
ihr Gegenteil
sie mussten uns erklären
wer wir gewesen seien
wir nickten
wie die Wackeldackel
nur die Tiere
durften bleiben
wie sie angekommen waren
ein Hund
musste sich nicht rechtfertigen
für sein treudoofes Gesicht
eine Katze
nicht für ihr trotziges Schweigen
nur wir
wurden dauernd
mit Bedeutung gefüttert
bis wir nachts
ihre Sätze ausatmeten
im Schlaf
und morgens
wieder fremd
standen
im eigenen Namen

Was geschieht, wenn Oper nicht mehr erzählt, sondern erinnert? Wenn der Mythos nicht auf der Bühne dargestellt wird, sondern im Körper fortlebt?
Richard Strauss‘ Elektra ist kein Historienstück. Sie ist eine offene Wunde. Ausgehend von einem radikal reduzierten Bühnenraum – Stein, Kreis, Badewanne, Beil – entsteht in Vera Nemirovas Heidenheimer Inszenierung eine Landschaft der Erinnerung: kein Abbild, sondern ein Zustand. Stimmen werden zu Spuren, Körper zu Trägern von Geschichte. Die Bühne wird zum Resonanzraum eines Schmerzes, der nicht vergeht, der sich ablagert – in Stein, in Klang, in uns. Im Zentrum: Elektra. Nicht als Rächende, sondern als Erinnernde. Nicht als Figur, sondern als Kraft. „Allein! Weh, ganz allein“ – Elektras großer Monolog ist kein Sprechen, sondern ein Aufbrechen. Eine Stimme, die nicht fragt, ob sie gehört wird, sondern die hörbar macht, was nicht verstummen kann: Trauer. Verlust. Die Unmöglichkeit zu vergessen.
Dieses Werkstattgespräch öffnet den Raum hinter der Inszenierung: Wie lässt sich ein Mythos heute erzählen, ohne ihn zu illustrieren? Wie wird Musiktheater zu einem Ort existenzieller Erfahrung? Und was bedeutet es, Elektra als Geschichte der Trauer zu lesen – nicht der Rache?
Das Werkstattgespräch mit Vera Nemirova führt Dr. Stefan Plasa (UniversitätBonn). Das Gespräch wird mit Szenen aus dem Live-Mitschnitt der Premiere in Heidenheim am 4. Juli 2025 begleitet.
Die Veranstaltung findet im Woelfl-Haus Bonn statt (Meßdorfer Straße 177, Bonn-Lessenich).
Das Woelfl-Haus Bonn ist mit den Buslinien 610 und 611 (Richtung Lessenich, Duisdorf) bequem vom Hauptbahnhof Bonn aus zu erreichen (Fahrtzeit: etwa 20 Minuten).
Anmeldung unter: haider-dechant@woelflhaus.de oder Tel.: 0151-655 18155.
Der Eintritt ist frei.

Die Opernregisseurin Vera Nemirova wurde in Bulgarien geboren und ist in Deutschland aufgewachsen. Sie ist Absolventin der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, assistierte bei Ruth Berghaus und war Meisterschülerin von Peter Konwitschny. Zu ihren wichtigsten Arbeiten zählt Wagners „Ring des Nibelungen“ an der Oper Frankfurt 2010 bis 2013, wo sie 2007 auch „Tannhäuser“ inszenierte. An der Deutschen Oper Berlin entstanden Inszenierungen von Giacomo Meyerbeers „Vasco da Gama“ und Giacomo Puccinis „La fanciulla del West“, an der Wiener Staatsoper Tschaikowskys „Pique Dame“ und Verdis „Macbeth“ sowie am Theater Basel Inszenierungen von Peter Ruzickas „Hölderlin“, „Un ballo in maschera“ und „Lohengrin“.
Weitere Arbeiten waren u.a. „Euryanthe“ und „Otello“, sowie 2021/22 „Don Carlo“ an der Semperoper Dresden, die Uraufführung von Hèctor Parras „Das geopferte Leben“ am Theater Freiburg, „Lulu“ bei den Salzburger Festspielen, „Le nozze di Figaro“ an der Lettischen Nationaloper Riga, „Otello“ beim George Enescu Festival Bukarest, „L‘elisir d’amore“ an der Nationaloper Sofia sowie „Fidelio“ am Nationaltheater Prag. An der Korea National Opera übernahm sie die Regie für Gioachino Rossinis „Guillaume Tell“. Am Staatstheater Nürnberg realisierte sie u.a. Bizets „Carmen“, und Mozarts „Don Giovanni“.
Vera Nemirova ist Gastprofessorin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin und Gastdozentin der Wiener Universität und ist regelmäßig Gast-Dozentin an der Universität der Künste Berlin sowie der Universität Bonn. Ihre
Inszenierungen führten sie unter anderem an die Oper Bonn, an das Staatstheater Mainz, dem Volkstheater Rostock, dem Theater Bremen, Theater Sankt Gallen, ans Luzerner Theater, an das Badische Staatstheater Karlsruhe, zu den Osterfestspielen Salzburg. Bei den Opernfestspielen Heidenheim inszenierte sie im Sommer 2025 den Doppelabend „Gianni Schicchi“ / „Elektra“ von Giacomo Puccini und Richard Strauss. Sie ist Trägerin des RING-Award in Graz.

I. die Namen. verenden
von einem Meer
zum anderen
Ufer
starrt sie lang genug
aufs Wasser
fern ist
der Brunnen
in den der Stein
ihres Namens fiel
sie trug ihn
von Welt zu Welt
in der Leere ihrer Hände
nicht viel
gab man der Fortgeschickten
ein paar Erzählungen
vom grauen Wasser
in dem die Namen verenden
stets am anderen Ort
ist das Paradies
zu kurz
die Arme
einzeln
sind die Orte
der Heimat
zahlreich jene
der Fremde
die Sage ging
von einer Sprache
ertrunken
die Stumme
eine Verstoßene
steht in Vitrinen
singt sich die Seele
aus dem lautlosen Leib
die Hiesigen
fressen den Klang
ihres Atems
summen
was will die denn
ein Brot
ein Bett
ein Fenster
sie aber
bleibt zurück
bestellt und
nicht abgeholt
in stillgelegter Zeit
II. AKTEN.NOTIZ
es wird berichtet:
im vereisten Gehör
anhaltend
die Weherufe
des Vaters
zur Mutter
liegt vor:
Neigung
zum Träumen
unzureichende Kraft
die verlorenen Kinder
eine weitere Nacht
zu beklagen
III. fremd. endlos
hilf mir
zu vergessen
meine Liebe
niemand
wird ertragen
den Tag der Rückkehr
viele Stimmen
zogen schon
an meiner Tür
vorbei
die meine
lieh ich
dem Schrei
der Ertrinkenden
die Flossen
wurden mir nicht
zur Zunge
die Füße
haben nicht gelernt
zu tanzen
mein Atem
ist ein Wind
durch das Hohle
der Regenrinnen
ich stieg
aus Schaum
jetzt
steht er
am Mund
des Toten
ich war
ein junger Baum
im Fenn
ich bin
ein Stein
am Wegrand
im Licht der Pfützen
steht
fremd
endlos
IV. TRANSIT.PROTOKOLL
lief
der Zeit
davon
ortlos
heimgesucht
buchte
Verbleib
im Augenblick
erfasst
war
auf Enthalt
Fernes
im Fleisch
Retour
ausgeschlossen
V. das Licht. hat sich geirrt
ich sage jetzt nichts mehr
ich bin jetzt in der Sage
zwischen die Fotos gerutscht
in die Ritze des Sofas
ich liege unter den Trümmern
der uferlosen Erzählungen
habe die Augen der Greisinnen
Flechte auf dem Gestein
ich bin: die Gesagte
ich bin nicht: die Angesagte
heiße: zur unrechten Stunde Gekommene
heiße nicht: die Abgeholte
stehe an der Haltestelle
an der Stelle ohne Halt
das Licht
hat sich geirrt
letztes licht. nach dem weg (worte eines gegangenen. vermutlich weise)

ich sah den stern. als er im sinken war. sein zeichen war schon seit langem eine erzählung der mütter, die ihre kinder mit wunderlichem gesäusel in den schlaf schicken.
ich alter mann aber hatte noch eine restwärme im auge, ein nachglühen der einstigen richtung.
dennoch: ich ging. denn gehen war das einzige, das mir nicht genommen werden konnte.
ich ging durch die bittere kälte. durch die verwaltete nacht. durch die orte des fremden gedächtnisses. obwohl ich wusste: hier wurde alles schon erklärt und nichts mehr geglaubt.
die mitgebrachten gaben waren nicht nötig. aber sie trugen den sinn des abgebens in sich. der kostbaren entlastung. denn jegliche herrschaft endet. und alles, was aufsteigt, sackt in sich zusammen. und vor allem: liebe kostet den körper.
ich erinnerte mich: das kleine lag durchaus nicht im licht. es lag am zugigen rand der welt. wo es niemanden hält, der bleiben könnte. man hätte dort noch ewig auf chorische gesänge hoffen wollen. doch es gab da nur dieses leise atmen des verletzlichen lebens. nur dieses eine, unverfügbare jetzt.
es war gleichwohl ein trügerisches bild: geburt als anfang? nein! geburt ist ein schnitt. ein verlust alter ordnungen. ein tod. der in mir begann, lange bevor ich anfing zu sterben.
die heimat hatte sich mir entfremdet. die sprache passte nicht mehr. das frühere himmlische stand nur noch als dekoware auf den anrichten.
ich aber war dem wirklichen begegnet. und lebte fortan im zwischen. unerlöst. unverloren. wach. in meinem drinnen.
und die welt draußen? wollte wieder herde sein. wollte geführt werden. gezählt. gesichert. nannte es frieden. norm und system. unter dem flackern der heiligen nächte.
in meiner stille wusste ich: das heilige kommt nicht, um uns zu beruhigen. es kommt, um uns unbrauchbar zu machen für das falsche ganze. es kommt leise. es bleibt kurz. es hinterlässt keine anweisungen. nur eine wunde, die nicht heilt, damit wir fühlen. (in vertretbarer dosierung, versteht sich)
wenn du mich fragtest, wo es heute und vielleicht immer liegt, dieses licht, das versprochene, sagte ich dir: nicht im himmel. nicht im staat. nicht im geschmückten raum.
es liegt dort, wo du bleibst, wenn alles gehen will. wo du sprichst, wenn schweigen einfacher wäre. wo du trägst, was sich nicht rechtfertigen lässt.
das ist die nacht, nachdem sie vergangen ist. das ist der stern, nachdem er erloschen ist.
nenne es weihnachten. nenne es fest- oder auszeit. was immer du willst. sei es dir auch nur diese kurze zeit dazwischen, in der du etwas schlaf nachholst und dir ein paar träume liefern lässt, bei zu viel essen und zu wenig bewegung. was immer du willst. nur frage dich selbst: was anschließend weitergeht. die welt oder du?
ich, der einmal gegangene, will ganz offen zu dir sein: ich ging, weil mich jeder schritt veränderte. ich kehrte zurück, weil ich es gerade noch konnte. doch nicht um anzukommen. sondern um zu erinnern.
aqua.rell: schmerz
in kaltfassung
haiku
mit vorrede

ich gehe jetzt immer
mit regenschirm
abzuhalten das unheilvolle
das vom himmel herabfallen kann.
oder: auf ihn gestützt
das gewicht der erde zu prüfen
an der achse der schwerkraft
an der aufhängung der welt.
wenn ich nur wüsste
wo ich stand
den abend zuvor
als das wort abschied nahm
aus küste
wurde ebene
aus sehnsucht
fläche ohne rand.
wenn ich sagen könnte
was ich mir aus den augen rieb—
wäre es nicht mehr da
zweig einer esche. zur erde
zum wasser gezogen
und wie das schicksal: nicht aufhebbar

tag der abreise
die leeren schiffe versenkt
aber so schön: der sonnenaufgang
über den trümmern
fast wie: ein erstes erwachen
küstenblick
klippe
von den oberen rängen
aufs große orchester
heute: im tiefer gefahrenen graben
unterzugehen in klängen aus vorhalt und verweigerung
f-h-dis1-a1
h-dis-fis-a
gis-h-d1-f1
mir persönlich
hätte ein steg gereicht
denn das wasser ist tückisch
und sieht nur von oben flach aus
die wahrheit ist aber: die liebenden
stehen in der mitte zwischen insel und insel
sie merken kaum
wie nah sie dem tode sind
nicht
dass der tod sie nicht kümmern würde
aber er sorgt sie nicht mehr
und ist nun zugleich alles für sie
ein ewiger sturz
ins endlich endlos verwaltete dunkel
da ist kein fragen mehr und kein warten
gewiss: sie haben für diesen dauernden moment
sehr lange einatmen müssen
vielleicht sechs-achtel eines lebens
damit ihre stimmen von küste zu küste tragen
doch alles kam
auf diesen einen gewaltigen atem an
der die seelen von den knochen riss
wie ein heftiger windstoß die segel von den masten
dass es sie wieder – ein letztes mal – landwärts zog
in die gärten des anfangs
wo die beete zu betten werden
und die gebete zu gesängen
zwischen buchsbaum und apfel und
halb zertrampelten kräuterrabatten
die alten lieder wie christbaumschmuck
an die nackten zweige zu hängen
fiebriges träumen
und angst
sich beim küssen auf die zungen zu beißen
oder überreife brombeeren zu pflücken
und sie sich auf die lippen zu legen
während sich wundern die der welt verhafteten
die von der welt verhafteten: über
so viel herzkrankheit
und kopfweh und
krampfhafte verwilderung.
welcher narr
der ein gott sein wollte
hatte ihnen nur diesen floh ins ohr gesetzt
der sodann zum wurm wuchs
und durch ihre venen rutschte
hinunter den ganzen langen weg
bis zur sackgasse des großen zehs?
ein uralter oheim
mit schütterem haar
aber
stand die ganze zerdehnte
zerdrückte zeit
über den ewigen mauern
wartend auf
ein paar reife freuden
die sie ihm gönnen mögen
sie oder er
ganz gleich
er hätte
den unterschied
nicht bemerkt

alles kommt auf die erde an. die scholle. den letzten ort. der dem ersten nicht zu fern sein darf.
hier. breiten sich die stimmen aus. hier. rufen sie sich zu. und hallen wider. in den stummen wohnungen ihrer namen. den alten gemäuern der wartenden. der noch nicht genannten.
denn erst in den echos. entstehen ihre namen. und gehen die zitternden schritte. über den schmalen, wankenden steg. von der ahnung. zur hoffnung.
ein flüstern ist dann im trockenen gras: endlich! sind sie gegangen. die pfade. am steilen abbruch der ufer. endlich! sind sie in der zeit. die endlich ist. und ihnen entgegenkommt. vom immer gleich entfernten horizont.
dort. scheint es immer still zu sein. dort. gibt es sicher viel raum. für ihre fragen. ob dort. das wasser in die spalten fällt. der ewigkeit. oder ob. es steigt. aus den falten. in den felsen. und ob. dort. die wogen enden. die jeden tag an küsten wandern. wie das wallende kleid einer tanzenden mutter. die heißt: das meer. auch wenn es reglos ist. über allem versunkenen. das sich dennoch. dann und wann. in ihren augen spiegelt.
sie werden es. vielleicht. nicht mehr sehen können. aber. sie werden. vielleicht. endlich wissen. was sie sagen sollen. dort. wo ihre wege enden. selbst wenn. niemand. sie noch hört.

vielleicht
dass ich einmal ein mensch war
vielleicht
dass ich noch zu einem ort werde
aber
ich kam aus einer gegend
da sind nicht ewig
schnee
und laub
und fruchtbeschwerte zweige
dafür halten sich dort umso länger
gerüchte
und schweigen
und ein gedächtnis
das keinen besitzer hat
klein sind die städte dort
leicht zu übersehen
schwer zu erreichen
wenn man sich fürchtet vor wäldern
und vor sich selbst
weit war das land
das ich verließ
weil es die seele beengte
weit ist das land
von dem ich träumen muss
weit ausgestreckt
dass ihm der himmel nicht zu nahe komme
weit muss das land sein
dass seine müden straßen verschwinden lässt
im nimmersatten horizont
und wer dort blieb
lernte, den wind zu überhören
wie man lernt zu murmeln
ein gebet
blind will ich sein
und einsam
zwischen dörfern und hügeln
und sollte mich eine heimkehr treffen
gib mir
verlorene schritte
und vergessene namen
lass sie zur zarge sich schließen
der ungesagten erzählungen
die sich ranken
um die steine
die unbewegten
die geschnittenen steine
um die sich alles dreht
was in erstarrung endet.
denn jedes wort
das nicht mehr gebraucht wird
kehrt heim
als moos
und wer sich niederlegt
hört eine sprache
die aus dem mund der erde kommt
ein atmen
das sich nicht mehr unterscheidet
vom windstoß
und vom gesang der verstummten
denn
der tod
ist eine sage
vom versäumten leben
ein garten voller knospen
an einem ufer ohne aufbruch
vielleicht
dass ich noch einmal sprechen werde
aus dem wasser
und aus der kühle der felsen
durch das es sich quälte