
Auswahl einiger Texte aus der Sammlung
vor der menschheit steht: das ungeheuer einer forderung. sich zu erinnern. das zeugnis wird nicht mehr genug sein. die geschichte wird sich durch ihr fleisch wühlen müssen. sie wird sich als endlosschleife durch ihre träume winden. sie wird den schmerz zurückbringen in ihr taubes gewebe. und die durch ihre träume gewanderten schrecknisse werden sich nicht mehr verschweigen lassen. sie wird bekennen müssen: ich habe gehört. ich habe gesehen. ich habe gewittert. ich habe gewusst. ich kannte die stimmen der flehenden. ich spürte den schlaffen muskel der unterlassung zwischen den schläfen. sie wird sich nicht mehr winden können. aus ihrer eigenen haut. wie die schlange. von der sie sich hat beißen lassen. alle sieben jahre. um ihre kranke sucht. um die vergiftete sehnsucht als notwendigkeit empfinden zu können. um immer wieder und neu behaupten zu können: ich wurde im paradies geboren. ich saß unter dem baum, unter den reifen früchten. ich spüre noch die beule am kopf, vom letzten apfel, der sich fallen ließ. ich blieb auf meiner seite. treu. und arglos. und stehe hier noch immer am richtigen ufer. in der friedlichen stille des siebten tages. während das leben, das sich aus diesen gärten fortmachte, das sich durch die hecken und durch die gesetze schnitt, dieses so genannte leben, diese mühsame zwischenzeit, diese lange weile zwischen geburt und tod, für immer da draußen lungert, da drüben, also dort jedenfalls, wo es sich ortlos und immer anders, immer woanders, durch das zeitliche schleppt. ich sage: ich! weil es keines echos bedarf. das den stolz meiner gewohnheit stört. ich sage: ich! weil ich mich nicht vertauschen und verwechseln lasse, mit jenen, die anders sein wollen, in ihrer albernen uneigenheit. ich sage: ich! weil die nötigen opfer nicht auf meiner seite des zaunes stehen. nein! ich gebe mich nicht auf, wie das unadressierte paket, das auf riesigen postdampfern ziellos über unendliche wasser schippert. ich mache mich jetzt ganz ehrlich. und werde nichts versprechen. und werde mich nicht versprechen. den unsäglichen verheißungen und verheimlichungen. mit diesen schalen abfindungen des gehorsamen lebens. ja! ich schlage ein raues leder des gedächtnisses um die ohren der tauben. nein! ich will kein versprochener mehr sein. keine tat mehr. die dem wort nicht entsprochen hätte. ich trage, ganz unverhohlen, das gespenst, das die hohlheit ausfüllt, das gespenst meiner inwendigen fülle, bei gleichzeitiger äußerer kargheit, das gespenst der lösung, der auflösung. aller widersprüche. und aller bedürfnisse. ich sage: ich! als ergebnis einer zucht. einer selbstzucht. eines kommens im genügsamen hiersein. eines auskommens in der bleibe. eines einkommens, das sich ausgeht, ohne ausgehen zu müssen. so bin ich in mich eingetreten. und trete für mich ein. ohne mich eintreten zu müssen. ohne den zwang der tritte und der bitte. und erst recht: einer niedrigen dankbarkeit. die einem keiner dankt. der du sprach. und ich dachte. um den lohn des unverdienten zu bejammern. und den verdienst der belohnten zu versauern. ich sage: ich! um den namen zu vergessen, den mir eine vergessliche mutter gab, um sich selbst neu benennen zu können. ich sage: ich! weil ich in der ferne ein großes gelächter höre. weil ich ein kitzeln spüre. nicht hinter mir. nicht vor mir. sondern: in meiner zunge. ich sage: ich! weil mir bis heute abend der mund abgefallen sein wird. und nichts von mir bleibt als: ein loch im gesicht. ich sage: ich! weil es das einzige wort ist, das sich nicht schreien lässt und dennoch in die ohren der vergrabenen sickert. deren fleisch sich kühlt im schutt der geschichte. ich sage es, bis niemand mehr da ist, der mich verwechselt. außer ich selbst, der ich schon weg bin.
rufe nicht zu einem. der nicht antwortet. das wort liegt in falten auf der zunge. ein papierschiffchen. oder ein segler. mit geknicktem flügel. das wort ist ein spalt. ein versteckter schrei. im schiefen mundwinkel. das wort. ist eine fußspur. quer zum weg. ein gebissabdruck. im traumgewebe. es ist: aus den gedanken entlassen. aus der nicht zählbaren stille. gefallenes. tropfen nur. wenn sie die wolken verlassen. steine aber. bei ihrem aufschlag. im moment des erwachens. zu wissen: was nie da war und immer fehlte. denn: das halten die alten, zitternden finger – ein unersetzliches. nicht sichtbar den lebenden. es redet nicht. es ist nur da. es fällt. und sein fall muss reichen.
ich glaube. die rede ist vorbei. ich spüre keinen hunger nach worten. ein toter sprang über mich schlafenden hinweg. durch meinen traum. der tropfte vom seil. das sich spannte zwischen zwei felsen. zwischen zwei dächern. zwei telegraphenmasten. über weizenfelder schauend. über wegloses ackerland. wo das taube gewebe der zeit in die vernarbte erde sickert.
[rede.n: aus der hinter.welt]
traum eines einsamen gottes. sich selbst zu vergessen. für einen kurzen moment. seines langen wartens. wohin schickte er das gespenst seiner ersten schöpfung? das der träumende nicht zu vertreiben vermag. bild und abbild stehen in einem ständigen widerspruch. dem jedoch nicht widersprochen wird. er trägt seine eigene asche zum ufer. an dem die rufenden auf ein echo warten. müdgewandert ließ er sich fallen. einen halben schritt vom offenbarten entfernt. den sehnenden, die ihm noch bis an den rand des zweifels gefolgt waren, gebot er schlaf und abschied. denn die inzwischen fast verdurstete erde sollte nicht verzweifeln ob ihrer dürren seelen. die schon zu lange versucht hatten, sich aus einem verborgenen zu ernähren. darum musste das schweigen ihre heilige sprache sein. und jede rede musste gehen vom unsagbaren. denn es ist unter allem, was klingen kann, das vom schrei am weitesten entfernte. und zugleich ist es sein unmittelbarer spiegel. das blinde glas. in dessen haut sie sich zurückwerfen. um nicht aus der eigenen fahren zu müssen. und um ihr blutleeres gewebe im roten licht des abends zu baden. der schöpfende aber. kennt den brunnen. in den er den eimer hinablässt. den er gefüllt wieder vom dunkel ans licht ziehen möchte. er wird, ohne zu trinken, nur ins flüssige schauen. eine nacht lang. bis zum anbruch des nächsten tages der frühere schmerz nur noch ein gedanke ist. der anfang einer lust. das leben zu erzählen. ohne es zu beklagen. den leib zu bewohnen. ohne ihn zu geißeln. und die seele dort zu suchen. wo die stimme ob aller kurzatmigkeit verloren ging. und also beim hauch zu beginnen. aus dem heraus sich atmen und schreiten lässt. beim ufer. aus dem – wie gezweig aus dem stamm – die pfade wachsen. die zu den breiteren wegen und straßen führen. an deren rand entlang gegangen werden kann ohne weisung. einfach der eigenen inneren güte nach. die sich den menschen nicht aufdrängt. sondern sich unmerklich als heilender schatten auf ihre zahllosen blendungen legt. und die – am äußersten rand einer wüste stehend – um einer fernen verheißung willen das öde ihrer vertrauten geborgenheit nicht verlassen. denn das bild einer tollkühnen tat. und der ihr folgende tod. wurde ihnen in die augen gestempelt. damit die angst – dieses wirksamste aller betäubungsmittel – sie hält in der lähmung. dabei hatte kein schöpfer jemals verkündet. dass die seele eine schnecke sei. und der körper das gehäuse. in das sie sich verkrieche. nein! schon seit eh und je war sie das verirrte gestirn. das – ob mütterlich oder väterlich – still zur nächtigen seite seines kindlichen planeten herabblickt. und geduldig wartet. bis es dem geist – dem sie hauch sein möchte – einmal so richtig dämmert. und da stand er nun – nicht mehr gott, nicht mehr mensch, nur atem zwischen zwei erkalteten lungen. sein auge, leer wie eine muschel, spiegelte die blicke der hungernden. und wer noch sehen konnte, sah das nichts und nannte es frieden. wir aber, kinder der aufgelösten ordnungen, standen im kreis um das schweigen. ein kreis – kein altar, kein tribunal – nur die letzte form einer gemeinschaft, die noch nicht vergessen hat, zu horchen, wenn niemand mehr spricht.
[lied_des_rand.no.tier.ten]
schreib dir dasgroßso großdass dein körper hineinpasstso schöndass nur ein verstummen zurückbleibt
leersind die wändewie formulare. wie formeln
leerdie bettenin denen – leiblos - die vermerkten lagen
hohlsind die stimmendie die protokolle verlesen
hohldie lungenauf die das gelächter wartet
schreib dir dasgroßwas im kleingedruckten standim stockduft der aktenin den spreadsheets der toten namenim winzigen blatt. im fall. im stillen: denk.mal
[rede.n: der rücken.kehr.enden]
heute früh. ein langer brief. einen anderen ort. sucht das gedächtnis. eine unterbrechung der zeit. durch die man hindurchgeht. und weiter. die im gestein verschlossenen gedanken aus den schritten zu treten. anderswo aber. wird man die spuren entdecken. und den beginn einer eigenen ordnung erklären. mitten durch alles hindurch. schmerzend. im zwang der gegenwärtigkeit. und einig zu sein. in allem. was hinter der schranke der sprache zum stehen kam. abdruck vielleicht. eines rosenkranzes. im feuchten sand. nah bei der spülung der wellen. jedenfalls so: dass man weiß, dass sein besitzer erst eine bitte entfernt sein kann. jedenfalls so: dass man still den letzten gedanken hineinlegt. nicht mehr als ein schatten. der in der dämmerung verschwindet. nicht mehr als eine hand. die den schnee des späten winters zu halten versucht. um einen namen zu wringen aus der not.
[hör.spiel_leis.es_lache.n_hinter.grund: einer radion.station_red.aktion: für glaube_und_ab.so.lut.istenion]
ab.bild: perlen im schlamm. frostfinger. hoffnung: fix.iert. ihr besitzer kommt gleich um die ecke. wird gleich um die ecke gebracht. so erklärt sich alles. auch: wieso niemand kommt. engel nicht. fischer nicht. könig nicht. gott nicht. ja. oder nein! nicht einmal: die küstenwache. höchstens: ein möwenschiss. beim blick nach oben. salzweißer kot: als letzte sakrale geste. als zeichen auf der andachtsstirn.
die stimme der alten tante ist warm. wie der kuchen in ihren händen. von ihren gebeten zerquetscht. fallen die krümel wie brocken einer steinlawine. auf ihre wunden füße. sie stößt sich an den kanten der nacht. mit der stirn. mit den endoprothesen. aber jede mauer gibt eine andere antwort. sie geht nicht – sie tastet. ein schritt im sand. ist ein schnitt in der stimme. die worte zu sammeln. die nicht mehr zurückgefunden haben. die steine: mit den eingeritzten namen. buchstaben: wie salz. an die lippen zu halten. brennend. stumm.
verlassen sie nicht den raum! mit den türen zu jeder himmelsrichtung. warten sie nicht! auf die stehende zeit. tasten sie an den narben entlang! gehen sie blind! mit der zitternden rute. ohne zu suchen. halten sie ihr ohr an die wände! um einmal zu wissen. auf welcher seite es wasser gab. bringen sie leere schalen mit. für alle fälle. für alles, was zu-fällt.
wand.putz: grob. irdische reibe. wund.putz: für fingerkuppen. schrei der bittenden: heiliger unentschlossener! patron der warte.schlangen! weich werde die mauer. wenn sie schon nicht weicht. auch beton will gestreichelt sein. nicht nur gestrichen. wir halten die pinsel: unserer einbildung. und lecken sie: gegen die trockenheit. wir kleben unsere zungen an den fugen fest. bis die endlosen male der sinnlos geopferten uns in die hohle sprache bluten.
[keiner bleibt. immer. im kindlichen staunen. immer. siegt die alte müdigkeit. schluckt ein riss. immer. die monumente]
ich rieche die kälte. die keinen namen hat. nur einen fernen ton. den ich nicht treffen kann. so genau ich auch ziele. so scharf ich auch schieße. was ich treffe, hat keine struktur. ganz: wie mein körper. der auch nicht mehr ganz beisammen ist. ich spiele mit. ich spiele auf einem instrument. das nicht zugelassen wurde für fremdere, schönere akkorde. allein für das bisschen staub. das zwischen den saiten hängt. ich stoße den finger hinein. und höre knacken: die welt. nicht laut. nur so: dass mein herz das echo nicht loslässt.
[aus. einer höhlunge. gläsern]
hier. an der schwelle. verliert sich der ton im atem. verliert sich das atemlose im ton. alles gesprochene kehrt nicht zurück. aber: alles geschwiegene. leise! der himmel hört mit. er hält die augen geschlossen. dass die träume nicht ins endlose stürzen.
[lautes schnauben. trompete der trockennasenaffen]
du bist nicht: der schlaf. nur: die unbequeme matratze. auf der sich – seit menschengedenken – himmel und erde wälzen. von einer seite zur anderen. jammere nicht! weil du quietschst. niemand hat gesagt: spiele erlösung! was stehst du? wie angewurzelt. wie in die erde gerammte säule. vom blitz getroffen. mit halb abgebrochenem heiligenschein. was wunderst du dich? dass ihn keiner poliert. Jeder idiot weiß: selbst die flügel der engel sind nichts als fascinator. das geschmückte spalier: beim rennen der fabelwesen.
[ab_flug_rampe_im nichts: ist alles. bliebe. die bleibe: im verschollenen]
ich halte den atem. nicht: um zu leben. aber: um zu wissen. ob das leben mich hält. die stille: hängt schief. an den wänden der lunge. ein hauch. und ich falle zurück. in die noch nicht gegangenen stufen.
[leg.o_klage.mauer]
ich sehe: den alten namen. unter dem lack der erinnerung. abgeschabt von zu viel gebet. und doch – da flackert’s im staub der verbrannten steine. mund: wie eine letzte glut. krapfenteig – in den die krämpfe geknetet wurden. karpfenteich – nach dem zug des stöpsels. taub geschwollene lippen des flussgründlings. auf und ab. wie das lid der müden eule. mund: der mich ruft. ohne ein wort zu kennen.
horch! die mauern singen. von denen: die sich hier durchschlugen. mit rissigen händen. und falben füßen. von denen: die nicht mehr zurückkamen. nicht: weil sie starben. aber: weil sie keinen grund mehr fanden. aufzuwachen.
ich. bin. der grund. der nicht mehr kommen wird. ich. bin. der tritt. in die leere. bis sie anfängt zu sprechen. wie glas. das zerspringt.
[test.a.ment_eines_un.gesagten_tages]
jemand stieg die treppe hinab. jemand rief hinterher. jemand ging den weg unterm fenster die gasse hinunter. jemand fuhr aus der haut. die stille aber. stand an der stelle. wo ich zu hören begann. wo ein gedanke fiel. und aufschlug. wie ein stein auf den wasserspiegel.
die welt ist fern. ich komme mir ganz unverändert vor. furchtlos. oder eher: gleichgültig. nachrichten sind jetzt wie einschläge. hinter einem bergkamm. einer grenze. die mir unüberschreitbar scheint. die stille aber. ist in den stellen. wo ich stehen blieb. ist in den rissen und rötungen. die die haut der zeit zusammenhalten. dort. wo ich nicht mitzog. wo ich das rauschen zog. aus dem verstopften gehörgang. das fließband der girlanden. die ich fliegen lasse. bis sie sich im dornigen gezweig der hecken verfangen haben.
ich bin der schweigende teil. eines mir fremden subjektivs. ich sage keinen satz. ich schreibe: die vermisstenanzeige des prädikatsverbands. ich habe viel zu tun. die tat schafft mich. ich bin der täter. der sich abschafft. in den erledigungen. das ist der grund. auf dem ich grundlos wurde. das ist der grund. ab dem ich mich loswurde. der abgrund. des loses. das sich nicht löst. selbst. wenn ich einen satz mache. einen sprung. aus dem kaffeesatz. in den sitz. der verrichtung. die keine richtung hat.
aber ich weiß noch vom eigenen tod. die kindliche angst vor dem schlund. vor dem flügelschlag. und den aufgerissenen spiegeln. ich weiß noch von den insignien. von den indizien. den kreuzungen der wege. der neige eines bitteren tages. der erzählung vom staub. der offenen tür zum garten. dem rauschen der dünen. wenngleich der wind nur durch uralte hecken kämmte. von den gedanken. die waren: wie stures, trockenes laub des vergangenen. vom gang zurück. vom übergang. vorbei. zur stunde der ruhenden seen. der wachenden seele. vom gehen. ohne schritte. vom vergehen. lautlos.
doch die einsamkeit. ist keine flucht. andere töne – tiefere. klarere. haltende – sind im schweigen des waldes. im hohlen stein. wo eine stimme haust. geschnitten aus dem tropfen der jahrhunderte.
wer also will etwas sagen vom tag und von der stunde? vom ersten schlaf getilgt. wie kurzer regen, der in die wüste stürzte. nein. die liebe zum wald und seiner kühlen verschattung ist eine liebe zum denken, das der sprache vorausgeht. ein gespürter schmerz, bevor es einen abschied gab. die trauer des brunnens, nach dem fall der goldenen kugel.
das zweite leben. nach dem schlaf. geht bald zu ende. ich nähere mich dem anfang einer inneren schau. heute abend. schrieb ich einen langen brief. das innere wollte sich äußern. hat sich gemeldet. unangemeldet. lag da. schuldig. im totschlag der zeit. im mangel an misstrauen. ein häufchen gehör. in stimmloser akzeptanz. und verdrängter wasser-sucht. doch dann. machte der tod alle gleich. auch wenn er nichts ausglich. ein kleiner mond. mit seiner stillen ferne. stand über den gräbern. über den feldern. über der wirklichkeit. eine blutspur. ein zerschundenes gesicht. vom kampf mit der wahrheit. denn die: arbeitet immer dagegen. was wirklich sein soll. als ein erschaffenes. in dem sich der schöpfer erträgt. im durchhalt. wo er feststeckt. wie in einer verjüngten, viel zu engen wasserrutsche. und was von oben nachdrückt. ist das verlassene. was jedes leben versehrt. mondkrater. kratzer im spiegel. im brillenglas. jedenfalls aura. einer verlorenheit. jedenfalls flimmern. eines unvergorenen schmerzes. so jedenfalls: sind die tage. an deren ende steht: ein unauslöschliches. das in den anfang drängt.
es war: eine erscheinung. es war: er. ein schein. ich musste erst einmal austreten. aus dem mittelpunkt. zum rand. um auf den punkt zu kommen. meiner randerscheinung. der punkt ist aber: nicht der kern. denn der lässt sich nur in der vertikalen messen. der kern aber: ist nicht der hörbare teil der stimme. nicht der aufliegende klangdeckel. nicht der pilzhut auf der tragenden säule. in der die luft zerhackt wird. um jener wellen willen. die den schall transportieren. von einem dort ins andere. von keiner stelle aber. lässt sich das ganze erblicken. jedes stehen. wo auch immer. verlangt eine abstraktion. über den engeren standort hinaus. was weiß ein sandkorn. von den wandernden dünen? was? der fallende tropfen. vom vergessenden ozean? deshalb muss die reise zuerst ein traum sein. und der traum ein beginnender atem. fern jeder sprache. nah jedem denken. jedem noch so erdenklichen. bis es sich ausgeschwiegen hat. und eingeschwungen. an der achse. zwischen sorge. und erwartung. in ihrer brüchigen aufhängung. in den kiefergelenken eines gefräßigen und zugleich ermatteten zeitgottes. er weiß schon. der traurige ewige. warum er uns zuraunt. dass schönheit ist: im vergänglichen.
darum. und allein darum. ging ich zu einem freund. den ich mir erwählt hatte. er war übriggeblieben. von der trauerschar. die sich durch leben und schmaus des verblichenen gefressen hatte. stand vor dem sperrholzkreuz. vor der verlassenen grube. der schwelle zu all den wunderschönen erinnerungen. denn: der boden dieser harten, schweren erde trägt die wandernden. wie die wartenden. viel kostet eine träne. mit der sich wieder spüren lässt: wie nah der dritte schlaf bereits ist. ja. die veränderten träume zeigen es an. der weg von der ahnung zum wissen. windet sich wie eine flüchtende schlange. durch das letzte stück wald. in der offenen landschaft angekommen, wird alles leben eine einsame fensterschau sein. durch die augen stößt dann das gras des nächsten jahres. meine stimme – nun schon gestein – würde dann sagen: spare dir endlich das ob. du löst dich als einzelnes blatt vom großen, uralten baum. landest sanft. nah bei seinen wurzeln. die denselben regen trinken. der auf die feinen äderchen fällt. die der sog des lichtes so lange hatte füllen können.
darum. denke ich: ein anfang ist gemacht. mich zu wiederholen. ohne in kreisen laufen zu müssen. es wiederzuholen. was ob seiner jugend stumm blieb. zwei drittel des lebens habe ich gewartet. bin gewandert. was jedoch nur eine andere form des wartens ist. bis es gleich war, ob ich zehn zeilen schrieb oder hundert. es blieb: ein atem, eine stimme. in jeweils unterschiedlichen ausdehnungen der augenblicke. doch jeder augenblick war und ist nur einer. er vermehrt sich nicht, wenn mehr über ihn gesagt wird als nötig. was nottut, ihn zu sagen, setzt allein das maß der worte, die es braucht, ihn zu erinnern. dies ist an sich keine neuigkeit. aber das einfachste vergisst sich rasch. und wird gedrängt an den rand und hinaus. weil das schwierige so viel raum beansprucht. und das komplizierte als ein höheres angesehen wird. als ob es einen punkt im leben gäbe, an dem genug erfahrungen gemacht worden seien, um den fremden ansprüchen zu genügen. dabei bleiben die eigenen ja immer die uneinholbaren. ja, ich denke, der tag ist gekommen, von dem an es reicht, auf die wege zu schauen, die vor einem liegen. ein anderes lebensalter hat nun begonnen: das des unerwarteten. das der betrachtung. und der verinnerlichung. aber die nun vorherrschende stille ist keine der resignation, sondern eine der erkenntnis. endlich angekommen zu sein: im schweigen. als der zärtlichsten form jeder sprache.
ich weiß: die dämmerung schlich sich in mein denken. still durch die stunden zu gehen. die jetzt pfade sind. in denen das licht versank. ich weiß: ich spreche jetzt nur noch von dingen, die sich entfernt haben. die stumm sind. und erstarrt. denn sie sind wie ich. oder ich wie sie. der ich die schrecken unserer zeit betrachte. wie es die alten tun. deren zielloses schauen mit dem glas der fenster verschmolz. ich weiß: zu groß ist das gewicht der liebe in mir. schwer wurden die füße. die sich lösen wollten von der erde. ich weiß: ich liege im krampf meiner wünsche. ich lebe im schutz der verlorenheit.
doch: der tag wird kommen. der vollkommen ist. voll einer fremden güte. zu trinken von einem gereichten wasser. das die tödlichen wege kreuzte. und mir den namen zurückbrachte. den ich selbst nicht mehr aussprechen konnte. lippen. wie: ein reifes gebinde. in jenen rahmen geflochten. dessen: was heute mit mir verging.
[ein.trag: tilg.ung]
gesell.schafftim erb.folgen.reich
auf werk.s.zu-stand
zu-rück.ge.setzt