späte zeit

die späte zeit.
in geliehenen händen. ausgestreckt.

die eine zeit. bei dem einen.
die andere. nirgends.

zweig der buche. und zweig der frage.
einen. für jeden von uns. zwei.

wanderschaft. oder heimkehr. entlang
am tau. auf der wange des steins.

kühle braucht der schlaf.
unter lichtmüdem laub.

wo?
bei dem einen.
der einsame.

wann?
sich erinnernd.
der bleibe.

vorläufig. ohne beschwerde

verzeih. wenn ich das. noch nicht. so ganz. und was mich so kühl anweht. gewiss. die unruhe auf den wegen.

es wäre wesentlich besser. sich treiben zu lassen. hingabe an eine zeit. die überwunden ist.

ohne je wundlos sein zu können. weil das verlorene an den fersen klebt. weil es nichts klareres gibt. als das versäumte.

ich bin nicht traurig. die tage sind schön genug. die zeit hinterlässt keine spuren.

ein taubes gewölle. die früheren wünsche. ein kaum gehauchter saum des schlafes. die restliche empfindlichkeit.

ein gedanke nur. der geliebte mensch. zu dem ich spreche.

heute verstehe ich besser. bin in der stille daheim. die am anfang und am ende eines jeden tages steht.

auch die herzen. aus denen ich fortgestoßen wurde. können nicht leer sein. bei all dem erinnern.

wenn die einsamkeit kein geschwätz mehr ist. wenn sie schön geworden ist. wie eine ruhende schneelandschaft.

so ist es doch wesentlich besser. als hörte man die beschwerden der zeitverweser. weil die kastanien ein zweites mal blühen. in diesem jahr.

aber wie viel mehr als eine gebärde ist das wort. und was soll schöner sein als der schlaf. sicher nicht das erwachen.

mühelos muss die liebe sein. wie das graue warten der häuser entlang zertretener straßen.

sie lassen alles durch. doch bedeutung hat nur das angekommene. was in den heimischen zimmern sitzt.

und sich nichts vornimmt. sich nichts vormacht.

bleiben ist so gut wie gehen. ohne die mühsal der hoffnung.

und arbeiten. natürlich. ist sehr gesund. gegen die schnellen flüchtigen tage.

eben: beiläufige geschehnisse. die dem allerletzten nicht im wege sind.

nach.saison

es gibt. nichts. zu erzählen
die welt will. nichts. wissen von

verlassenheit

zählt die vorhandenen ab
hier. im aufenthalt
hier. in der totenstille
jene. die klug genug waren
sich zu trennen von
endlosen sommern

nicht angekommen
oder zu spät
oder ein anderes mal

aus.fahrt
für ein warmes gefühl
der rückkehr

während am ende des alten jahres
der anfang des neuen lehnt

die andenken liegen in nummerierten kisten
unten. wo die mauern schwarz sind
von früher

wilde gegend
an ufern fast vertrockneter flüsse

blatt eines briefes
zwischen laub

verzeih
auf bald

zeit.male

[aus dem notizbuch]

beginn eines neuen langgedichts

ja. auch. die körper. sind geschichte[t] / der AB.stand. vergrößert | zwischen den bildern. übernommen. überhoben. tanz und kreuzBRUCH | auf. schnitt | zeit.scheiben | fraß. des verschobenen

ja. unter der haut. dieselbe alte verkehrslage | es zog etwas. ein. das sich auszog. um sich mit einer stelle zu bekleiden. einer starre. nach dem abzug. der reste | blut. auf dem weg. zu blut | herz. auf dem weg. zurück | nichts. kommt an | ohne. wieder. fortzumüssen | in den adern. stocken noch. die vielen kleinen kriege | an den fersen. ziehen noch. die vielen fluchten | auf den versen. liegen wieder | kaum hörbar | die gedanklichen. ablagerungen | die den raum der worte. nicht fanden. oder. den sinn der suche. sahen in der. uferlosigkeit

ja. damals. waren sie noch. ganz nah bei ihm | aber. er hatte für sie. keine namen | wo. also war. der platz. jener enge | zwischen hals und hand | jener schalter. abzustellen. den schmerz | bei den vasen. und den schalen. die das übrige. von sich stießen | nach ablauf. der duldung. allen staubs. und aller versprechungen 

ja. seitdem. läuft er. ganz leise | aber. nicht im kreis | wider. die wiederkehr | für alles. was fehlt | für jedes. mal. das etwas anderes. auflöste im gleichen | und nicht. zurückbrachte. den flehenden. die fehlenden 

ja. draußen. stand dieser baum | in seiner langsamen aufruhr | aber. jedes blatt. hielt einen fetzen luft | hielt das licht. für eine frühere verletzung | denn. darunter. die erde | nass. und voller. fortsetzungen | fraß. was fiel | ohne. es zu beenden | ohne. es zu beerben 

ja. man könnte. fast glauben | alles. habe seinen lauf | aber. der lauf. habe niemanden | und wenn er. auch läuft und läuft | steht doch. in seiner mitte. etwas. das nicht mitgeht | keine ruhe. weil. es zu wach ist | kein halt. weil. es nichts hält | eben. sehr schlicht | nur. die stelle | an der. das vorher aufhörte | nachher. zu werden | eben dort | wo. für weniger. als einen augenblick | die zeit. fällt | aus dem gehäuse. ihrer verwendung | weil. niemand sie brauchte | und die hand. nichts halten musste | und der mund. nichts erwiderte | und das auge. keinen menschen. bei sich hielt 

ja. selbst der schmerz. verlor | für einen schlag. seine zuständigkeit | so dass man | nein | auch. dieses MAN | nicht. nur diese. ungeheure. un. benötigte. gegenwart | bis der körper. sich erinnert | dass er. einer war | knochen. gewicht. hunger | eine narbe. zieht | wetter auf | und alles. was gewesen | legt wieder. seine hand | auf alles. was noch | nicht | so wird. man | vor dem. ewigen | bewahrt | durch. verschleiß | durch das. lächerliche | weiter. schlagen | eines herzens | das von. erlösung | nichts | weiß

noch

hatte
einen zagen glauben
eine kurze stille
lang

hatte
ein zähes erinnern
zu beiden seiten
der insel

hatte
ein jähes erwachen
im sturzflug
der uferschwalben

hatte
die klarheit
der unzeit

von den wundern
erschöpft

und
das lächeln
der steine
am abhang

jetzt
werfe ich
keinen schatten mehr

über
den rand
der verwitterten aussicht

jetzt
starre ich
die gassen leer

wo
ich mir einmal
entgegenkam

jetzt
bin ich

noch

fußläufig

um zu denken
schließe ich
die augen

gegen
die störende welt

so
voller gedanken
wie das gras

die bäume

trage ich
trübes wasser
zur klaren quelle
zurück

nichts
ist leichter

als dem
nicht sichtbaren
zu vertrauen

der stunde
des aufschlags
die erst
noch kommen wird

der zeit
die ist

weil sie
immer war

gleich
welchen namen
sie trägt

sie geht

immerfort
immer
fort

und folgend
gehe ich
ihr entgegen

schlicht
will ich
mich machen

und still

ein haus
bewohnen
nahe der mündung

fußläufig
zu den ufern

dicht
bei den booten

in denen
der augenblick
hockt

und harrt

eines
letzten schauens

da

wo die seele
sich ablegt

zwischen
zwei seiten

von nacht
und tag

einmal. juni. sommer. lang

ist was
ein wort
fast

sommer
verdünnt

stimmlein
falb

schnabel wie:
stachel
aus gummi

gib
dem sarg
einen stoß
dass er
zum schlitten wird

dass er sich abreibt
die schuldwickel
um seele und gedanken

die dann
dank ihrer
flieh-
kraft
hängen
am abhang

bei traum-
fetzen
und
raspel-
knochen

bis
nur noch
der name rollt

nacktschnecke
des müden züngleins

dem wasser zu
in dem sich einmal

als es früh
und still
den langen juni-
tag

der himmel spiegelte
in einem anderen gesicht

einzug. des meeres

halb
wach
heit

vor der
pausenklingel

der dienstglocke 
unter
der dunstglocke 

nicht uferlos
sei
das wasser

mond 
haut 

in der
alles papier
und
alles warten

verschwand 

mündlich
wird eine hoffnung
über-
liefert 

schriftlich 
ein name 

stündlich 
wird ein zu-
fall 
durchgesagt

täglich
ein abschied 

in booten 
treibend 
die boten 

wieder jung
im gesicht 
wie die
toten 

mütterchen 
sarg

öffnend 
die knoten 

in der
nabel 
schnur 

hängend
am bauch 
der wolke 

der uhr 

um deret 
willen 

die sehnsucht
in ihrer
dehnsucht 

sich hat wachsen lassen 
die hände 
die stillen 

der durstigen 
säuglinge 

die pfoten 
der tretenden
kätzchen 

heute | endlich_gelöst | langes gewächs

doch
wissen sie
niemals

zeit 
wohnhaft
im wunsch

mögen
sie auch
verschieden 
sein

liebe 
hinreichend 
getestet 

folgsam
geregelte 
wanderung 

schonung 
falls wild-
verbiss 

wohnung 
als riss
im verharzten
träumen 

dank 
dem zeichen

unter
verriegeltem
auge 

blieb:
nur die 
furcht
der sterne 

vor:
gegen-
seitiger 
anziehungs-
kraft 

Echo. ohne Mund | Mein erster Lyrikband, ab heute im Buchhandel erhältlich

Nach Jahren des Schreibens, Zweifelns und Überarbeitens: Echo. ohne Mund ist jetzt im Buchhandel. Ich freue mich sehr.

Kommentar des Verlags zum Buch

Was bleibt von einer Stimme, wenn niemand mehr antwortet? Was geschieht mit Namen, Erinnerungen und Landschaften, wenn Sprache selbst zu verschwinden beginnt?

In seinem ersten Gedichtband entwirft Stefan Plasa eine Poetik des Hörens. Seine Texte bewegen sich zwischen Mythos und Gegenwart, zwischen Oper und Alltagswelt, zwischen persönlicher Erinnerung und kulturellem Gedächtnis. Sie erzählen von Abschied, Fremdheit, Liebe und Verlust – nicht als abgeschlossene Erfahrungen, sondern als Bewegungen der Sprache selbst.

In einer ebenso reduzierten wie präzisen Bildwelt entstehen Gedichte, die das Unsagbare nicht erklären, sondern hörbar machen. Worte geraten ins Stolpern, Namen öffnen verborgene Bedeutungen, Schweigen wird zum Resonanzraum.

Echo. ohne Mund ist ein Debüt von großer formaler Konsequenz – ein Band über das, was bleibt, wenn die Stimme verstummt, und über das Echo, das dennoch weiterklingt.

Stefan Plasa: Echo. ohne Mund. Gedichte. EMPATHIE-Verlag 2026. Preis: € 21,70

Link zum Buchkauf über Amazon: Stefan Plasa – Echo. ohne Mund.

Link zum Verlag: EMPATHIE-Verlag.