hörweite

verbindungen. entfernungen
über die sich die missverständnisse schicken

nein
keine vorwürfe
sorge nur

wo?
mag die falsche frage gewesen sein

lebenszeichen
atem holen
sich einen atem abholen

weil die tage fliegen
und die stunde
auf der die füße stehen
wegrutscht unter den sohlen

nicht antworten
nur schreiben
über das wetter
oder etwas gekochtes

das vergangene nicht aufzuscheuchen
die ins dunkel versickerten dinge
die wenigen worte
den schlafsand

und die freude
etwas zu hören
wie das meer
wie die schritte
von den stegen
zurück ans ufer

unbeschrieben

die seele
spürte einmal
die sonne und den wind
eines anderen lebens
die dunkelheit
unter der sich die sehnsuchtsblüten öffneten

sie hörte noch
die vielen sätze
die sich nicht zu ende schrieben
von den leeren seiten angezogen

sie wanderte
durch die jahreszeiten
aus denen jemand verschwand
der ihr einmal begegnet war
in einem irrtum oder einer verheißung

manchmal
wenn die worte schwiegen
lag auf den unbeschriebenen blättern
ein herbstlicher schimmer
der nichts zurückverlangte

und jenseits
ihrer letzten erinnerung
war ein ufer
das noch nicht wusste
wen es erwartete

körper.fris[s]t

vor zehn tagen. oder vor hunderten. seither ein rauschen. vorbei. im gedächtnis. haft der gleichnisse. jetzt aber. nicht zu versäumen. den augenblick. der lautlosigkeit. zwischen dem sprechen. unentwegt. verzweifelt. verzweigt. hinaus. ein schauen. wurde zu einem gedicht. dahingesagt. klanglos. in augen. abgelegten. grau. das meer. unter dem himmel. unfrei. die anachronistin. bedrückt. und bedeckt. die zeitgebeugte. dankbar dem körper. der sie trug. der sie ertrug. unter all der befristung und sparsamkeit. geltend für alles geträumte. in bitterer stunde. wagnis der schritte. vom fremden fuß getan. oder noch warten. zehn minuten. als letzte duldung. weil die lider gerade sehr schwer. und gedämpft die erwartungen.

rest.bestand

Foto: Allan Acosta Greño

einzig. was dir gehört.
wundes. zwischen zwei saiten.
im verklingen ihrer spannung.

halbes geschehen. hälfte
eines entleerten atems.
im abrieb gefallener worte.

vermutlich. vergeblich.
versuchte erkundung.
gang eines schattens

durch das licht. das ihn verließ.

vorläufig. ohne beschwerde

verzeih. wenn ich das. noch nicht. so ganz. und was mich so kühl anweht. gewiss. die unruhe auf den wegen.

es wäre wesentlich besser. sich treiben zu lassen. hingabe an eine zeit. die überwunden ist.

ohne je wundlos sein zu können. weil das verlorene an den fersen klebt. weil es nichts klareres gibt. als das versäumte.

ich bin nicht traurig. die tage sind schön genug. die zeit hinterlässt keine spuren.

ein taubes gewölle. die früheren wünsche. ein kaum gehauchter saum des schlafes. die restliche empfindlichkeit.

ein gedanke nur. der geliebte mensch. zu dem ich spreche.

heute verstehe ich besser. bin in der stille daheim. die am anfang und am ende eines jeden tages steht.

auch die herzen. aus denen ich fortgestoßen wurde. können nicht leer sein. bei all dem erinnern.

wenn die einsamkeit kein geschwätz mehr ist. wenn sie schön geworden ist. wie eine ruhende schneelandschaft.

so ist es doch wesentlich besser. als hörte man die beschwerden der zeitverweser. weil die kastanien ein zweites mal blühen. in diesem jahr.

aber wie viel mehr als eine gebärde ist das wort. und was soll schöner sein als der schlaf. sicher nicht das erwachen.

mühelos muss die liebe sein. wie das graue warten der häuser entlang zertretener straßen.

sie lassen alles durch. doch bedeutung hat nur das angekommene. was in den heimischen zimmern sitzt.

und sich nichts vornimmt. sich nichts vormacht.

bleiben ist so gut wie gehen. ohne die mühsal der hoffnung.

und arbeiten. natürlich. ist sehr gesund. gegen die schnellen flüchtigen tage.

eben: beiläufige geschehnisse. die dem allerletzten nicht im wege sind.

Notiz: z.K.

ggf.: Wohnung. in den Resten des Himmels. d.h.: da unten. wo die Seele streut. z.B.: die Wunder. die Wunden. luftdicht verpackt. bzw.: zum Trocknen aufgehängt. an den Enden. letzte Blumen des Jahres. v.a.: für die lange Reise. poststabilisiert. der linke Fuß. für den langen Weg. den alten Gedanken: einem zu begegnen. der die Straße zog. aus anderer Richtung. und sich auch nur kannte. ein Stückchen. und auf die Frage des Fremden hoffte. u.a.: nach der anderen Hälfte. die ihm fehlte. z.Z.

zug.luft

Foto: Miriam Halfmann

statt der liebe 
anstau der nähe
kopf im geäst 
ranke der ausflucht 

haftwurzeln im glas
der geschlossenen fenster 

krause leere
zwischen den wünschen 

es setzte sich jemand dazu
legte die hand in den spalt
zwischen laub und erde 

das warten der bänke im park 
gestiftet von den verträumten 
zugleich darauf bedacht 
den himmel abzuhalten
dass er ihrer vorläufigen haut
nicht zu sehr auf die pelle rücke 

und unterm kopfkissen 
der brunnenschacht
mit kleingeld zugeschüttet 

bevor das licht die blicke aufreißt 
als ob pfingstrosen explodierten

seen.platte

ach ja

und wieder die erde
zur einsamen stunde
die wunden der ernte ausstellend
offenes feld
strohvoll
verschluckte zeit

gesicht des käuzchens
vom letzten traum
versehen

angelwurf
eines entwöhnten blicks
dass nicht zu nah komme
das einmal entfernte

3fach vergrößerter mond
in einer pfütze
die kaum ein kindliches hüpfen
zu fassen vermag

in kalter platte
das bild verwahrt
zum schutz vor den sprüngen
von ufer zu ufer

bereiche dazwischen

in der zone des
aus
bleibens
der eingegangenen hoffnung

einmal. juni. sommer. lang

ist was
ein wort
fast

sommer
verdünnt

stimmlein
falb

schnabel wie:
stachel
aus gummi

gib
dem sarg
einen stoß
dass er
zum schlitten wird

dass er sich abreibt
die schuldwickel
um seele und gedanken

die dann
dank ihrer
flieh-
kraft
hängen
am abhang

bei traum-
fetzen
und
raspel-
knochen

bis
nur noch
der name rollt

nacktschnecke
des müden züngleins

dem wasser zu
in dem sich einmal

als es früh
und still
den langen juni-
tag

der himmel spiegelte
in einem anderen gesicht

einzug. des meeres

halb
wach
heit

vor der
pausenklingel

der dienstglocke 
unter
der dunstglocke 

nicht uferlos
sei
das wasser

mond 
haut 

in der
alles papier
und
alles warten

verschwand 

mündlich
wird eine hoffnung
über-
liefert 

schriftlich 
ein name 

stündlich 
wird ein zu-
fall 
durchgesagt

täglich
ein abschied 

in booten 
treibend 
die boten 

wieder jung
im gesicht 
wie die
toten 

mütterchen 
sarg

öffnend 
die knoten 

in der
nabel 
schnur 

hängend
am bauch 
der wolke 

der uhr 

um deret 
willen 

die sehnsucht
in ihrer
dehnsucht 

sich hat wachsen lassen 
die hände 
die stillen 

der durstigen 
säuglinge 

die pfoten 
der tretenden
kätzchen