die zeit singt nicht. sie zieht an etwas übrigem. die uhr schreit: drei. und fünf. und später. wenn das haus verlassen werden muss, als sei es das eigene fleisch. und weil die seele hier nicht bleiben kann.
ab-lauf: struktur als behauptung. von ordnung. residual. stunde. für stunde. ununterscheidbar. stundung. im fluss des gleichgültigen. im ausfluss des verbrauchten
ein gang. hinaus. drei. und fünf. und später. mit allem, das sich teilt, nur durch sich selbst. damit sich legt: atem zu atem, stelle zu stelle, druck zu druck.
gedächtnis: delegierung der kenntnis des ortes. an einen körper. zurückgelassen. das fleisch als zeichen: für ein gelungenes protokoll
die stunden zählten dich. drei. und fünf. und später. bis zur ablage – die kommt nie zu spät. im schrank hängt noch: dein mantel. dein schatten. echo eines körpers, der nicht mehr passte.
rückkehr: nicht ereignis. sondern: nachträgliche lokalisierung
Wenn man ein Konzert unter das Stichwort Fin de siècle stellt, dann ist das zunächst beruhigend. Denn nichts ist angenehmer, als auf ein Ende zurückzublicken, das schon stattgefunden hat. Ein Jahrhundertwechsel, der sicher hinter uns liegt und uns nichts mehr antun kann.
Oder etwa doch? Fin de siècle – das klingt nach Samt, nach schweren Vorhängen, nach Paris bei Nacht, nach Wien im Spiegel, nach großen Gesten und noch größeren Gefühlen. Es klingt nach Abschied, aber stilvoll. Nach Untergang, aber elegant. Nach Krise, aber mit Bügelfalte. Und doch: Das Fin de siècle ist nicht einfach nur eine Epoche. Es ist vielmehr ein Zustand. Ein Zustand, in dem man sehr viel weiß und immer weniger glaubt. Ein Zustand, in dem man reist, hört, liest, sammelt, empfindet – und sich dabei zunehmend fragt, wo eigentlich man selbst geblieben ist. Oder: wo man hingehört.
Das Fin de siècle ist die Phase, in der Europa entdeckt, dass Kultur kein Heilsversprechen ist, sondern ein hochkomplexes Verdrängungssystem. Man tanzt, weil man nicht weiß, wohin mit der Angst. Man schreibt Gedichte, weil die Syntax nicht mehr trägt. Man komponiert, weil das Sprechen zu gefährlich geworden ist. Vielleicht tanzt man aber auch, weil der Körper noch weiß, was der Verstand längst vergessen hat. Vielleicht schreibt man, weil irgendwo ein Rest von Stimme übrig ist. Vielleicht klingt Heimat manchmal nur noch als Melodie.
Die Musik dieses Abends bewegt sich zwischen Salon und Abgrund, zwischen Reise und Rückzug, zwischen dem Wunsch, irgendwo anzukommen, und der leisen Ahnung, dass man bereits unterwegs verloren gegangen ist. Wir hören Musik, die sich tarnt: als Tanz, als Romanze, als Fantasie, als Caprice. Aber unter diesen wohlgeformten Stücken arbeitet etwas anderes: eine Nervosität. Ein Zögern. Ein inneres Zittern… Das Fin de siècle liebt das Schöne – aber es traut ihm nicht mehr. Es liebt die Heimat – aber es weiß nicht mehr, wo sie liegt. Oder schlimmer noch: Es weiß, dass sie nicht mehr dort liegt, wo sie einmal war. Deshalb reist man: nach Paris, nach London, nach Wien, nach Budapest, oder gar weiter weg, wo zuvor nur das Träumen hingelangte: Ägypten, China, Japan und natürlich nach Amerika. Man nennt das Weltläufigkeit. Oder Bildung. Oder Moderne. Aber vielleicht ist es auch nur Heimweh mit Fahrkarte.
Aber damit sind wir schon bei einem zentralen Missverständnis dieser Epoche: Heimat ist im Fin de siècle kein Ort mehr. Sie ist ein Gefühl mit schlechtem Gedächtnis. Ein Klang, der sich nicht festhalten lässt. Ein Rhythmus, der nur noch im Körper wohnt. Ungarische Klänge erscheinen nicht, weil man Ungarn erklären will, sondern weil man etwas sucht, das noch nicht ganz vom Diskurs verdaut ist. Spanische Tänze erscheinen nicht, weil man Spanien kennt, sondern weil man das Eigene nicht mehr erträgt. Exotik ist bekanntlich das, was man benutzt, wenn die eigene Kultur in einer Sinnkrise steckt. Und doch – und das ist wichtig – diese Musik ist nicht zynisch. Sie ist nicht kalt. Sie ist noch nicht gebrochen im späteren Sinn. Sie tastet. Sie hört. Sie hofft – manchmal verzweifelt, manchmal mit Ironie, aber immer mit einem Rest von Glauben daran, dass Klang etwas halten kann, was Sprache längst verloren hat.
Am Ende dieses Abends steht deshalb keine Lösung. Keine These. Kein historisches Fazit. Am Ende steht eine Sehnsucht, die sich nicht mehr national fassen lässt, nicht mehr eindeutig, nicht mehr sicher. Eine Sehnsucht nach einem Ort, der vielleicht nie existiert hat – aber dessen Melodie wir erkennen, wenn sie erklingt. Vielleicht ist das die eigentliche Heimat des Fin de siècle: nicht ein Land, nicht eine Stadt, sondern ein Moment des Hörens, in dem wir für einen Augenblick glauben dürfen, dass wir gemeint sind.
Einführung zum Teil II
Ein Programm unter der Überschrift Fin de siècle dieses zwingt zur Auswahl. Und damit: zum Verzicht. Es wird Texte geben, die Sie vermissen. Namen, die fehlen. Gedichte, die heute Abend nicht sprechen dürfen. Nicht, weil sie weniger bedeutend wären, sondern weil jedes Programm – gerade zum Fin de siècle – immer auch eine schmerzhafte Entscheidung gegen sehr viele Möglichkeiten ist. Betrachten wir z.B. Gustav Klimts Gemälde Der Kuss: Gold, Nähe, Umarmung. Ein Bild, das uns verspricht, dass alles gehalten ist. Dass Liebe stillsteht. Dass Schönheit genügt. Und genau darin liegt seine Ambivalenz. Feier des Schönen und zugleich ein tiefes Misstrauen in das vermeintlich Haltende. Unsere literarischen Texte folgen deshalb nicht der Erwartung, sondern dienen der Spannung innerhalb des klanglichen Schwingungsfeldes. Verlaines Clair de lune klingt wie ein Nachhall – nicht mehr der Mond selbst, sondern die Erinnerung an ihn. Bei Rilkes Spanischer Tänzerin wird Bewegung zur Verwandlung: Der Körper weiß für einen Moment mehr als das Ich, bevor alles wieder in Sprache zurückfällt. Dann Eliots Prufrock – eine Figur, die denkt, zögert, abwägt, bis das Leben leise an ihr vorbeigeht. Keine große Tragödie. Nur eine leichte Nervosität im Gang durch die nächtliche Stadt, vielleicht zur Geliebten – ein Gang vielmehr durch Zweifel und Unsicherheit – das Selbst darf sich nicht zu ernst nehmen, damit es nicht stürzt. Im Rosenkavalier lächelt und tanzt Wien noch einmal – und in allem Abgründigen und Chaotischen steht die Marschallin – wissend, elegant, im Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit. Else Lasker-Schüler denkt Heimat nicht als Ort, sondern als inneres Land, als Farbe, Traum, Verlust. Trakl führt uns schließlich an einen Punkt, an dem keine Geste mehr trägt – wir sind gefangen in der Stille nach dem letzten Ruf. Und dann, fast unverschämt leicht, Rosalindes Czardas aus Die Fledermaus. Tanz, Maske, Überschwang; auch Melancholie, ja – aber frech geschminkt und leicht beschwipst. Ein paar Worte zur Musik: Auch hier geht es nicht um Vollständigkeit, sondern um Reibung, Übergänge, kleine Verschiebungen der Temperatur. Bei Reynaldo Hahn begann alles beinahe unauffällig. Seine Romance ist ein Stück kultivierter Zurückhaltung, ein Pariser Innenraum, in dem nichts drängt und doch alles schwingt. Mit Camille Saint-Saëns und der Havanaise verschiebt sich der Akzent: Der Körper tritt hervor, der Rhythmus wird deutlicher, das Fremde verführerisch. Exotik als Projektionsfläche. Richard Strauss’ Sonate in Es-Dur führt uns noch einmal an einen Punkt selbstbewusster Setzung. Jugend, Energie, Pathos. Ein ausgelassener, affirmativer Moment vor der großen Skepsis. Mit Alexander Zemlinsky (Serenade in A-Dur für Violine und Klavier) wird der Ton fragiler. Die Schönheit bekommt Risse. Und bei Leoš Janáček (Sonate für Violine und Klavier) schließlich verdichtet sich alles. Die Sonate ist Nerv, Fragment, innere Rede. Musik als existenzielle Unruhe, als Sprache nach dem Verlust der Sprache. Und dann, zum Schluss, Franz Lehárs Ungarische Fantasie op. 45. Ein Stück über Heimatsehnsucht. Ungarn erscheint hier nicht folkloristisch, sondern innerlich: ein existentiell notwendiges Fernwärme-Echo. All das wird empfohlen einem Gehör und Gespür für die inneren Bewegungen zwischen Nähe und Distanz, zwischen Goldgrund und Abgrund, zwischen Tanz und Zweifel. Und wenn Sie dabei gelegentlich das Gefühl haben, etwas nicht ganz zu verstehen, dann machen Sie sich keine Sorgen. Das Fin de siècle war sich selbst auch nie ganz sicher. Wir sollten also ein wenig Nachsicht üben mit einer Epoche, die uns vielleicht näher ist, als uns lieb sein kann.
Das Programm des Konzerts mit Lesung
Teil I
Paul Verlaine: „Clair de lune“ (aus: Les Fêtes Galantes) Reynaldo Hahn: Romance en la majeur pour violon et piano Rainer Maria Rilke: Spanische Tänzerin Camille Saint-Saëns: Havanaise op. 83 T. S. Eliot: Liebeslied des J. Alfred Prurock Frederick Delius: Romance William Butler Yeats: Des Himmels Tücher Edward Elgar: La Capricieuse op. 17 Hugo v. Hofmannsthal: Zeit-Monolog der Marschallin aus Der Rosenkavalier Richard Strauss: Sonate in Es-Dur op. 18
Teil II
Else Lasker-Schüler: „Es rauscht durch unseren Schlaf“, „Nun schlummert meine Seele“ (aus Meine Wunder) Alexander Zemlinsky: Serenade in A-Dur für Violine und Klavier Georg Trakl: De profundis Leoš Janáček: Sonate für Violine und Klavier Johann Strauss (Sohn): Rosalindes „Czárdás“ aus Die Fledermaus Franz Lehár: Ungarische Fantasie op. 45
Mitwirkende
Margit Haider-Dechant, Klavier Tonio Schibel, Violine Bernt Hahn, Rezitation Stefan Plasa, Moderation
untauglich in der erschöpfung für die nacht für ihre gebote des träumens
gebete zu ziehen in fäden durch das feingewebe der scham
die zungen wenn sie gesprochen haben: ein durstiges holz in gefrorener erde ganz nah am saum des schweigens
den lobgesängen wird alles atmen aufgespart abgespart vom staubtrockenen munde
aus nasskalten wänden ruft es: zur eiligen phantomspeisung das nimmermüde dämmfleisch
außerorts und innerzeitlich: feierliche kollationen
in schlange stehend die schlangen zertretend vor dem heiligen tauchgang
ein hartes spazieren durch fingergeflecht kahler linden
dazwischen: die plattgeschauten schatten von hoffenden
durch.sage soli.loquium rausch.freie wider.gabe
hier endet: das tragende. hier wird die stellvertretung suspendiert. hier beginnt: die fläche. die dauer. der druck. auf den deckeln der akten. die über-leitung wurde abgeklemmt. die bilder wurden bezwungen. ein rückstand an material ist zeitnah von den linsen zu entfernen. atem ist jetzt: funktion. schritt ist: abnutzung. zeit: verbrauch. ein wiedergang wurde genehmigt, ein innehalt strikt untersagt.
chorus mono.liticus
o, ewiger flug über den hof der abgelegten stimmen die nächte tragen nummern die ordnung der müden kommt ohne namen aus
dass es dem starren genügt
blind atmen die fenster licht aus den wassersuppen ein leerer schrank lädt ein die ladung zu löschen ein stuhl mag sich erinnern
dass jemand gesessen hat
die schädel träumen flach schalen für wind und alles was vorbeizieht. alles schale. ausgestellt in reih und glied. für den fall
dass nichts folgt
unter den bänken sammelt sich alles was übrig blieb vom kauern die knie sind hartes gefels abgeschlagen vom boden
dass niemand aufbricht
es gibt ein gehen das führt nicht fort das klebt am restbestand der stunden. durch den frost der uns lehrte: wie man ordnet
dass es dabei bleibt
die höheren zeichen fallen. als ob aus allen wolken. faktisch aber vom rand. der uns bewohnte mit splittern aus licht die niemand aufliest
dass keine botschaft kommt
die münder schließen sich früh nicht aus ehrfurcht aber: aus sparsamkeit was gesagt wurde reicht für lange lange zeit
dass es nicht versiege
in den alleen verlieren die schatten ihre form sie liegen. wie etwas das nicht mehr gebraucht wird
dass es sich seiner selbst entledigt
und irgendwo nicht nah. nicht fern hält etwas an. nicht um zu beginnen. nur um nicht weiter zu müssen
vielleicht dass ich einmal ein mensch war vielleicht dass ich noch zu einem ort werde
aber ich kam aus einer gegend da sind nicht ewig schnee und laub und fruchtbeschwerte zweige
dafür halten sich dort umso länger gerüchte und schweigen und ein gedächtnis das keinen besitzer hat
klein sind die städte dort leicht zu übersehen schwer zu erreichen wenn man sich fürchtet vor wäldern und vor sich selbst
weit war das land das ich verließ weil es die seele beengte weit ist das land von dem ich träumen muss weit ausgestreckt dass ihm der himmel nicht zu nahe komme weit muss das land sein dass seine müden straßen verschwinden lässt im nimmersatten horizont
und wer dort blieb lernte, den wind zu überhören wie man lernt zu murmeln ein gebet
blind will ich sein und einsam zwischen dörfern und hügeln und sollte mich eine heimkehr treffen gib mir verlorene schritte und vergessene namen
lass sie zur zarge sich schließen der ungesagten erzählungen die sich ranken um die steine die unbewegten die geschnittenen steine um die sich alles dreht was in erstarrung endet.
denn jedes wort das nicht mehr gebraucht wird kehrt heim als moos
und wer sich niederlegt hört eine sprache die aus dem mund der erde kommt ein atmen das sich nicht mehr unterscheidet vom windstoß und vom gesang der verstummten
denn der tod ist eine sage vom versäumten leben ein garten voller knospen an einem ufer ohne aufbruch
vielleicht dass ich noch einmal sprechen werde aus dem wasser und aus der kühle der felsen durch das es sich quälte
man hört nicht mehr viel. stumpfes glas. trübe wolken. dahinter. pulsloses rauschen. man schneidet die luft des frühlings in die scheiben der erinnerung. man ist es gewohnt, ohne musik zu sein. man wähnt sich angekommen. an den stätten der langsamkeit.
da. ist uns. das schicksal. sehr rasch. losgeworden. wie ein im schweiß gebadetes kind. befreit vom schlaf. und von den nachtgespenstern.
eng sind die lichtungen des abschieds. schattenriss. der zweige. und särge. verschüttete wege. was will die zeit mit den spurlosen?
wir geben der erde leise nach. wir tragen die namen der fremden. und die anderen farben. jetzt. in der epoche des flüsterns. der im garten flatternden wäsche. während es regnet. den zwölften tag.
die hände haben schwellungen vom heimweh. füße aus stein. im strömenden wasser. das jedes gewebe aus licht und atem zerreißt.
aber. schon jetzt. hat alles ent-täuschen. die klarheit des kommenden winters. und die präzision der spindeln.
man hört jetzt sehr viel. von den verirrten. und den zurückgesandten. die ihre stimmen tauschten. gegen den wind.
wie soll es dem verlassenen schon gehen? die landschaft hat vergessen, wo er wanderte. sie ist nicht mehr da, wenn er die augen aufschlägt. sie hat die spuren seines schauens abgeschüttelt. sie hat nur platz für eine kurze zeit. nicht für einen langen tod. sie spürt die fremdheit nicht, wenn das alte jahr sein laub hat fallen lassen. sie sucht nicht sein ununterbrochenes. denn sie weiß, wann die dämmerung einsetzt.
[kein siebter tag. den ortlosen. kein nächster. nirgends. den dort erstickten]
nach regen. duftet die wüste. alles zeigt sich in umrissen. häuser. bäume. leiber. ohne füllung. ohne fühlung.
auf den stufen hinauf. sitzt ein schatten. der die sonne nicht braucht. und nicht den mond. er ließ seine knochen fahren. und blieb am mythischen ufer. in seiner gänzlichen blöße. in seiner großen entzauberung.
nach regen. duften die mauern. der bahnhöfe und der bäder. duftet der schotter. die asche. der wege. ohne rückkehr.
aber: nein! wir werden nicht duschen. der sand muss das grabtuch unserer seelen bleiben. voller licht sind die tage. licht. das uns die augen schließt.
die stufen hinab. unter den blutigen knien. auf dem nackten stein. fühlte ich meinen gott. wie er zerbrach. sub gratia. unter dem fels einer wolke. unter dem stachel einer frage.
aber: nein! unser zug hat kein ende. er öffnet jegliche himmel. als ein unendliches tunnelgewölbe. als ein nicht endender schrei. klanglos. in der schleppe unserer verbrannten häute.
nach einem nicht gesagten du. im spalt. des zerschnittenen ichs
im schatten der mauer. keine antwort. nicht in der mailbox. nicht im licht. nicht in mir.
dein schweigen ist eine landkarte. abgerieben von zu viel blick. die linien – meiner greisen hände – ohne orte. wie wege, die: nie begannen.
der mond stieg über dächer. wie eine frage. er brannte sich ein in die scheibe der tür, die du nicht mehr durchquert hast.
ich warte. nicht auf dich. ich warte auf das aufhören der bewegung deines namens in meinem mund.
eine silbe, ein schatten darin. eine stimme: verödet im gehör. eine umarmung: nicht vollzogen.
im hof: eine birke, die sich gegen das fehlen wehrt. ich schreibe in die rinde der stunden. ich schreie nicht. ich schreite kaum. ich wandle. ich verwandele nicht. und liege auf getretenem gras, in dem das schweigen deines letzten blickes blinde wurzeln schlug.
ich hätte dich halten sollen. nicht: als körper. sondern als abdruck in meinem entwohnten innern.
die welt schlief ein. als alles blühte. es war frühling. als du gingst. als das leben weiterging. als die stille deinen gang angenommen hatte. als ich aufhörte heimzugehen.
du hältst die laute. die ich nicht mehr höre. die scherben. die ich stieß durch meine wange. wie durch mein ungesagtes. dein letztes ewig… ewig…
singe die gärten, mein herz, die du nicht betratest
für Alexandra von der Weth
nicht mehr. ganz. beisammen. nur reste. auf den ziegeln: gezweig. unter dem blattwerk: das wissen um die letzten leeren seiten.
gestrandet. hier oben. im entwachsenen. in der wuchernden stimme.
hierhin gekommen. so weit. ausgegangen. abgerechnet. ganz. zum schluss. im endlosen abschied.
gehst du mit mir? durch das stille haus. das ganze. umschlossen von gärten. von jahren. vom rascheln gelöst. von den geräuschen. vom glas der verhangenen fenster. von den kalten mauern. und ihrer haut. vernäht aus den fetzen der zerrissenen. der entspiegelten. der einsam bewohnten. von wind. von wasser. der von sich entwöhnten. und ihren wünschen.
vorbei an der offenen tür. an jenem einen spalt. dem letzten. vielleicht. zwischen herz und leib. laib. und saite. schwingend. im augenblick unserer teilung. im durchgang: zur ganzheit. zur ganzen gewesenheit.
hinauf über die kargen berge. zur kleinsten, jüngsten blüte. wenn das jahr schon alt und krumm dasteht: vor der zeit, die nicht stillsteht.
trotz der stille. es ist immer: als hätte jemand gerufen. der trotzt: den lautlosen orten. der sitzt: an den gestaden der vergessenen träume. der lässt: den tag ans ende gehen. der sich findet: im echo. der sich erfindet: im schlaf. im anfang: des frühlings. immer. im trotz: der stille.
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doch auf der anderen seite des endes: trotzt ein klang. getragen vom hauch, der keine wunde scheut. wie dein letztes lied, das aus den zerschellten lippen floss: an das ufer der nacht.