am dunklen rand des augenblicks

I
ich entsinne mich keines windes unter den flügeln. ich sah zur erde herab. dem fallenden aufmerksamkeit zu schenken.
das ende als fall. der fall eines endes. kurz bevor etwas zuklappt. auf einem lesepult. zwischen zwei händen. die eigentlich applaudieren sollten. oder sich zum gebet aneinanderlegten. wie zwei liebende ihre nackten körper.
doch plötzlich hing ich ganz windschief über dem steilufer. wie kiefern, die ihre letzte sturmflut durchzittern. und völlig erschöpft von ihren hoffnungen über der brandung baumeln. und ihre wurzelfüße nicht mehr spüren. flehend um eine umarmung. in dieser namenlosen schwebe.
II
dir gefiel natürlich nicht, was ich zu sagen gehabt hätte. darum behielt ich es für mich.
der bruch im weg ist noch nicht sein ende. aber für uns war er der anfang von ferne und stille. und darunter lag so ein gefühl von trauer. fast feierlich. als hätte man den halbdunklen raum einer erhabenen not betreten.
man achtete nun anders auf die untergehende sonne. und den aufgehenden mond. und träfe man sich wieder, blickte man sich tiefer und zugleich entgeisterter in die augen. als sei eine verlorene mutter ins haus der kindheit zurückgekehrt, um einen daraus abzuholen für alle ewigkeit.
und so begännen nun von neuem die gedanken an ein zuvor im grunde unvorstellbares leben. als ein gemeinsames, furchtloses sterben. und man wüsste wieder von der klarheit der verstrichenen zeit.
III
eine weile schweigend. am dunklen rand des augenblicks. um zu warten, was wohl geschieht. wenn man selbst nichts tut fürs geschehen. aber dazusein. für alle fälle. um das wiederholte abzuzählen. und zu überlegen, ob es sich besser und gerechter verteilen ließe. in der zukunft. und zugleich den versuch zu wagen – ob des gewohnten – nicht blind zu werden für die wirklichkeit. und das auge immer noch weiter zu schärfen für das scheinbar unbedeutende, das niemals weltgeschichte werden wird. aber wie früher daran zu glauben, dass die welt sich füllen will mit geschichten. und also die ohren zu spitzen für das unbefragte leben.