
ohne weh. ohne wehen
man sieht sich selbst zu wenig. wenn man den anderen nicht begegnet. und auch der herbst, der winter nahen umso rascher. im kreisen um sich selbst. ohne weh. ohne begehren. im ständigen kreißen. ohne wehen. ohne etwas zu gebären. ohne den schmerz des erloschenen. weil man sich selbst nicht betrauern kann. und weil man nicht um seiner selbst willen nach den fernen ufern ausschau hält.
man sieht sich selbst zu wenig. wenn niemand an einem vorbeigeht. nicht einmal im flur. nicht einmal im blick. der kurz hängen bleibt. wie ein nasser mantel. man wird glatt. ohne reibung. und nennt es: frieden. eintracht. stille.
früher. kommt dann die spätzeit. der innere abend. das datum auf der stirnseite. inwändig. die ununterbrochene, unachtsame drehung. im zug der jahreszeiten. der semester. der fristen. ohne wendung. zwischen den wandungen. ohne verwandlung. in der verwendung. auf den korridoren der abgenutzten luft.
es herrscht ein permanenter druck. ohne ziel. für ein angekündigtes leben. das nie eintritt. in den lichtschattigen raum. einer unnennbaren, kaum gefühlten drangsal. in der großen leeren halle einer geräuschlosen arbeit. als wolle man, ohne zu atmen, eine leibesfrucht, eine seelenfurcht, gegen die richtung der zeit, in den tag pressen.
ohne wehen. ohne weh.