aus\wendig

nicht welt
in-
wändig

nicht raum
als
einwand

gegen
die zeit

die ihn aufzählt
auswendig

und ab-
rauscht

im be-
wegungs-
verzicht

ranke
der klänge

um die hübschen
bilder

zu grabe
getragen

stufen hinauf
der schatten harrend

letzter töne
ab-
rutsch

und wesen
der spur
im verwesten

spalt
überm ab-
tropf

des ent-
wundeten
schmerzes

lächeln
des kalt-
gesteins

sucht
ein gesicht

im ent-
spiegelten wasser

einen namen
im staub

tanzend
unter der klinge
des lichts

einzug. des meeres

halb
wach
heit

vor der
pausenklingel

der dienstglocke 
unter
der dunstglocke 

nicht uferlos
sei
das wasser

mond 
haut 

in der
alles papier
und
alles warten

verschwand 

mündlich
wird eine hoffnung
über-
liefert 

schriftlich 
ein name 

stündlich 
wird ein zu-
fall 
durchgesagt

täglich
ein abschied 

in booten 
treibend 
die boten 

wieder jung
im gesicht 
wie die
toten 

mütterchen 
sarg

öffnend 
die knoten 

in der
nabel 
schnur 

hängend
am bauch 
der wolke 

der uhr 

um deret 
willen 

die sehnsucht
in ihrer
dehnsucht 

sich hat wachsen lassen 
die hände 
die stillen 

der durstigen 
säuglinge 

die pfoten 
der tretenden
kätzchen 

heute | endlich_gelöst | langes gewächs

doch
wissen sie
niemals

zeit 
wohnhaft
im wunsch

mögen
sie auch
verschieden 
sein

liebe 
hinreichend 
getestet 

folgsam
geregelte 
wanderung 

schonung 
falls wild-
verbiss 

wohnung 
als riss
im verharzten
träumen 

dank 
dem zeichen

unter
verriegeltem
auge 

blieb:
nur die 
furcht
der sterne 

vor:
gegen-
seitiger 
anziehungs-
kraft 

Echo. ohne Mund | Mein erster Lyrikband, ab heute im Buchhandel erhältlich

Nach Jahren des Schreibens, Zweifelns und Überarbeitens: Echo. ohne Mund ist jetzt im Buchhandel. Ich freue mich sehr.

Kommentar des Verlags zum Buch

Was bleibt von einer Stimme, wenn niemand mehr antwortet? Was geschieht mit Namen, Erinnerungen und Landschaften, wenn Sprache selbst zu verschwinden beginnt?

In seinem ersten Gedichtband entwirft Stefan Plasa eine Poetik des Hörens. Seine Texte bewegen sich zwischen Mythos und Gegenwart, zwischen Oper und Alltagswelt, zwischen persönlicher Erinnerung und kulturellem Gedächtnis. Sie erzählen von Abschied, Fremdheit, Liebe und Verlust – nicht als abgeschlossene Erfahrungen, sondern als Bewegungen der Sprache selbst.

In einer ebenso reduzierten wie präzisen Bildwelt entstehen Gedichte, die das Unsagbare nicht erklären, sondern hörbar machen. Worte geraten ins Stolpern, Namen öffnen verborgene Bedeutungen, Schweigen wird zum Resonanzraum.

Echo. ohne Mund ist ein Debüt von großer formaler Konsequenz – ein Band über das, was bleibt, wenn die Stimme verstummt, und über das Echo, das dennoch weiterklingt.

Stefan Plasa: Echo. ohne Mund. Gedichte. EMPATHIE-Verlag 2026. Preis: € 21,70

Link zum Buchkauf über Amazon: Stefan Plasa – Echo. ohne Mund.

Link zum Verlag: EMPATHIE-Verlag.

weil heute mein geburtstag ist…

[geburtstag; ein verzweifelter versuch der zeit, sich kurzfristig beliebt zu machen]

ich schreibe
geburtstag
klein

und auch sonst
alles

[ständchen | für mich selbst]

heute
zeige ich
die zeit an

für die dauer
in der sie mir fehlte

gestern
stellte ich
die uhren vorsorglich

eine stunde
jünger

der spiegel bat mich
bevor ich zu bett ging
ein wahres gesicht zu zeigen

morgen

und zu vertrauen
den kerzen

und im anschluss
an die grüße

das ver-
gangene jahr
sehr sauber
zusammenzufalten

und zurück-
zulegen für
später

und
dann
über mich
zu lesen

falls
ich
noch finde

die lesebrille

Delusion of Desire – Zwischen Begehren und Verwandlung

Werkstattabend der Szeneklasse von Vera Nemirova an der UdK Berlin – mit Texten u.a. von Claus Löser und Stefan Plasa – 17. Juli 2026

Es gehört zu den schönsten Momenten künstlerischer Lehre, wenn sie nicht mehr wie Lehre aussieht, sondern bereits wie Kunst. Genau dies verspricht der Werkstattabend Delusion of Desire der Szeneklasse von Vera Nemirova am 17. Juli 2026 im Großen Probensaal der Universität der Künste Berlin.

Vera Nemirova zählt seit vielen Jahren zu den bedeutenden Opernregisseurinnen Europas. Ihre Arbeiten führten sie unter anderem an die Oper Frankfurt, die Deutsche Oper Berlin, die Dresdener Semperoper und zu den Salzburger Festspielen. Erst vor wenigen Wochen wurde ihr diese internationale Ausnahmestellung erneut bestätigt: Im antiken Theater von Plowdiw erhielt sie den erstmals vergebenen Thracian Award of Classical Music als Opera Director of the Year.

Umso bemerkenswerter ist es, dass eine Künstlerin dieser internationalen Ausstrahlung ihre Erfahrungen mit derselben Leidenschaft an die nächste Generation von Opernsängerinnen und -sänger weitergibt. Die Arbeit der Szeneklasse versteht Oper nicht als museales Erbe, sondern als lebendigen Raum des Fragens, Suchens und Erprobens. Werkstatt bedeutet hier nicht Vorstufe, sondern Labor: ein Ort, an dem sich musikalische, szenische und sprachliche Ausdrucksformen gegenseitig befragen.

Das Programm verbindet Arien und Ensembles von Mozart, Händel, Wagner, Tschaikowsky, Richard Strauss und Nico Dostal mit gesprochenen lyrischen Zwischentexten. Neben Gedichten des Berliner Lyrikers Claus Löser werden dabei auch mehrere Texte von Stefan Plasa von den Studierenden selbst zwischen den musikalischen Szenen rezitiert und bilden eigenständige dramaturgische Resonanzräume zwischen den Werken.

Gerade diese Verbindung von Musiktheater und zeitgenössischer Lyrik verweist auf eine der großen Stärken von Vera Nemirovas Arbeit: Oper erscheint hier nicht als abgeschlossenes Kunstwerk vergangener Jahrhunderte, sondern als offenes Denken in Stimmen, Körpern und Sprachen. Die gesprochenen Texte illustrieren die Musik nicht; sie treten mit ihr in einen Dialog, eröffnen Zwischenräume des Hörens und machen sichtbar, dass jede große Oper auch heute noch neue poetische Antworten hervorbringen kann.

Delusion of Desire
Werkstattabend der Szeneklasse von Vera Nemirova
Freitag, 17. Juli 2026, 18.00 Uhr
Großer Probensaal der Universität der Künste Berlin
(Gebäude Bundesallee 1-12)

wir. haben die zungen. der laiber

stoßweise
der regen

stoß in die rippen
der harrenden
die ihren durst vergaßen

die nicht mehr versuchen
aufrecht zu stehen
in gebeugten häusern

was sah die welt
in uns
?
in unserem ausschnitt
von ihr

stehend
wie uralte bäume
aber
nicht wurzelnd
wie diese
in geduld

trotz
der ruhe
unseres vergehens

wir
haben die augen
der schimmernden käfer
wenn
sie die waldpfade kreuzten
die wir –
brotkrumen streuend –
stapften als kinder

wir
haben die zungen der
laiber
wenn
sie öffnen
die steinöfen
vorgeheizt

dem kommen
der hungrigen

wenn
wir ersättigten
gehen

wo sind die ufer

wo ist das ufer

verlorenes
folgend
einem
der es riefe

hörend
verschwiegenes

gehörend
dem schattigen sehen

dem schatten
von der sonne verbrannt

die sicht nehmend
einem
der es ahnte

was da ruhte
unter der landschaft
die durch sein fleisch

gewandert war


auf bahnhöfen
unter den vielen
fühlte er sich sicherer

bei ihm
blieb
was er
ließ

hier

in den erzählungen
der anderen

schweigend


lebend
weiter
ferner

im abrieb
einer er-
innerung

wenn
ein flüchtiger blick
ihn streifte

da
wo er stand

als sei
er
das boot

vom ufer
erwartet


auf
zur arbeit

der auf-
erstehung

nach-
dem man
nutzlos
verging

auf
zum zug
der jahres-
zeiten

die kriege
fern

fort
die brücken

von denen
die helden
stürzten

in den mythos


wo sind die ufer
an denen die seelen
ausgewildert wurden

wo das schicksal
auf- und
ab-
geht

zu-
weisend

den grenzen
die riegel

den stimmen
die siegel

nicht
störend

die orte

dort
wo sie sind


schmaler
werden die
grate

je länger
er
läuft

bis an
den tag

wo
das wandern
verladen wird


das leben
hat sich
verspätet

darum
schlafe keiner
allein

oder
glaube
den seltsamen
blicken
des meeres

und wir | im fall | des glückes || im wunder | der fälle

kopf
nuss
knacker

es sind
ja
immer
die toten
die uns wecken

schlinge
der ulmenzweige

zu umarmen
die frostige luft

am rande
einer verlassenen landschaft
die sich nicht zu beklagen scheint

im gedanken
einst
reich
gewesen zu sein

feld
der ge-
schichte

archiv
alter mären

wo sich die mähren
in die schatten der helden stürzten

in die wange
der eule

vor dem krampf
eines über-
falls

der ver-
gebenen
hoffnung

hinter-
her

kopf-
über

tau-
t

mo.rph | Journal | Ein neuer Ort für Lyrik

In den vergangenen Wochen ist – zunächst ganz leise – ein neues Projekt entstanden: mo.rph | Journal für Lyrik, Poetik und poetische Gegenwart.

Das Journal versteht sich als offenes Forum für zeitgenössische Lyrik und poetisches Denken. Es möchte Gedichte veröffentlichen, neue und etablierte Stimmen miteinander ins Gespräch bringen, Übersetzungen, poetologische Essays, Rezensionen und literarische Fundstücke versammeln und einen Raum schaffen, in dem über Dichtung nicht nur geschrieben, sondern auch nachgedacht und gestritten werden darf.

Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf möglichst vielen Veröffentlichungen, sondern auf sorgfältig ausgewählten Texten, editorischer Qualität und einem respektvollen Umgang mit Autorinnen und Autoren, Verlagen sowie der Buchkultur. Das Journal versteht sich ausdrücklich nicht als Ersatz für das Buch, sondern als Einladung, Gedichte zu entdecken, weiterzulesen und den Weg zu den Verlagen und unabhängigen Buchhandlungen zu finden.

Die ersten Beiträge sind inzwischen online. In den kommenden Wochen soll das Journal Schritt für Schritt wachsen.

Ich freue mich sehr, wenn ihr mo.rph abonniert, die Beiträge lest, weiterempfehlt und das Projekt begleitet.

Ebenso herzlich lade ich Lyrikerinnen und Lyriker, Übersetzerinnen und Übersetzer sowie literarisch Schreibende ein, Texte einzusenden. Willkommen sind insbesondere unveröffentlichte Gedichte, poetologische Essays, Übersetzungen sowie andere Beiträge, die das Gespräch über Dichtung bereichern.

Einsendungen und Anfragen gerne per E-Mail an: texte@morphjournal.de

Ich freue mich auf neue Stimmen, neue Begegnungen und auf alles, was aus ihnen entstehen kann.

Euer Stefan Plasa

Link zum Lyrikjournal mo.rph