vielleicht. jeden tag

ich wurde geboren. in einer zeit. als es nichts besseres zu tun gab. es passierte viel. aber wenig von bedeutung. eine unbedeutende zeit schickt unbedeutende menschen in die welt.
speise der seele. spurloser himmel. glückloses schauen. unbewegtes meer. ohr an den segeln. den schienen. dem laub. aber wolken: wie frisiert. oder gott: mit schaum vorm mund. ach! seine sehnsucht nach ruhe. und will ja zugleich: dass die ufer blühen.
was würde ich dir schenken? nach der dritten begegnung. die zeit allein, die wir teilten, mag nicht genug sein. und letztlich versteckt sich in jedem geschenk der wunsch, beschenkt zu werden. aber: wie lange kann es dauern, bis der abschied zu einem augenblick der not wurde?
die liebe kann alles dulden. der mensch kann es nicht. aber vielleicht schreibe ich dir einfach einen brief. dass ich hier bin. dass du vorbeikommst. vielleicht. falls in der nähe. vielleicht. im falz. einer kleinen zeit. die erübrigt sein könnte. weil sie. vielleicht. viel leichter zu betreten wäre als der raum, in dem ich wartete. ich würde fragen: was will denn die liebe? dir fiele vor schreck etwas aus der hand, das du mir hast geben wollen. ich fing es auf, mit blitzschneller hand, wie die zunge eines chamäleons. dann aber wollte ich etwas wichtiges sagen. doch mir fiel ein ganz bestimmtes wort nicht ein. und du könntest mir auf die sprünge helfen. wahrscheinlich dachten wir beide nur in diesem moment der unsagbarkeit: lass uns weiter warten; wir sehen uns sicher wieder; und könnten es dann noch einmal versuchen. und nachdem du dann gegangen wärst, ließe ich die tür unverschlossen. dass du ohne schlüssel zurückkommen magst. oder vielleicht auch nur ein dieb, der hier nicht viel fände und mich erschlüge im schlaf, in seinem zorn.
jeden tag. nehme ich den zug. zur arbeit. es ist viel zu tun. jeden tag. ich habe keine zeit zurückzublicken. fluten rauschen die täler hinab. jeden tag. die nacht fällt ein. fällt ein urteil. der vorhang wird zur decke. die decke zur kruste. die kruste zur haut. jeden tag. das gedächtnis niederzuringen mit diesem jetzt. es stehen immer frische blumen auf dem tisch. es gibt nichts welkendes. denn welkendes wäre ein erinnern daran, dass etwas blühte. der tag hat kein ende. die nacht fällt ein. fällt ein urteil. damit etwas anderes beginnt. das auch kein ende hat. etwas anderes. als trauer.
vielleicht schreibe ich dir einfach einen brief. behaupte, dass es jetzt abend ist, um etwas über sehnsucht zu sagen, ohne das wort zu benutzen. der tag war nicht schlecht. aber er hätte mit dir schöner sein können. das leben wuchs. und machte die räume enger. also: klug zu sprechen von einem wachstum, das weite hervorbrächte. oder: papier zu beschreiben, damit es fiele wie laub. als gebet. auf ein beet.
nicht unfreundlich ist das wetter. gleichmäßig wird gelächelt. wir gelöchert. perforation für sargnägel. ein wenig verzerrt. vintage. wenn man die köpfe dreht. und die augen dann: wie knöpfe eines alten weltempfängers. aber ihre kinne schlugen hart auf. und sie bissen sich ihre zungen ab. die blieben noch eine kurze weile auf dem gehsteig liegen. und endeten als bubblegums an den sohlen der hastigen. rush hour. zertretene zeit. zerkaut. ausgehärtet. unter den achtlosen schritten. unter den linden. zärtlich verklebt. der fall. jedenfalls. die falle. für alle fälle. alles gefälle. das einem nicht gefallen kann. dass einem der aufstieg schwerfällt. und dass man immer noch mehr vom geröll hinuntertritt. auf yorricks grab.
zwei enden. einer geschichte. zwei pfade. die kindheit zu verlassen. gewiss: die stärksten bilder sind die einfachsten. die einfachsten aber am schwersten zu sehen. mit derart von geschehnissen vernagelten augen. also: bleibt nichts weiter zu sagen. oder: selbst, wenn noch nichts gesagt wurde, hinzuzufügen. es gab schon zu viele antworten, ohne dass eine frage gestellt worden ist. und obwohl es enden musste, hatte es keinen anfang. weil das erinnern sich auflöste. wie zuckerwatte auf den zungen der ewig kauenden, der nie sprechenden. erstickt im enger werdenden saum des versäumten. und weil die ufer des wartens so schroff abfielen. ins nichts.
vielleicht. schreibe ich dir. einfach einen brief. jeden tag.