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[zyklus: o/h/r.fois | off.line | sprechende reste. im gehen]

heute: kein mythos verfügbar

zu-gabe (weil sonntag ist): fusznoten der unrettbarkeit

heute. hoffnung [s] los. soll ich erzählen? warte! ich gehe rasch um die ecke und hole mir ein fremdes gedächtnis. ich. der schreibende. der sagende. der nichts zu sagen hat. der parasit. mit dem saugrüssel am schrumpfenden hirn der dritten norn. ich klemme mir die abgelegten stimmen zwischen die lippen. und warte. auf ein dumpfes gehör. morgen. mag ein klang ertönen. wie aus einem papiernen trichter. eine ko[s]mische weganweisung. verschlüsselt. verquast. verwest.

denn heute. die ketten. denn heute. der schall. der irrsinnige überschall. der jede reglosigkeit durchschlägt. es gibt zahlreiche sprüche. aber nur wenige widersprüche. die große verwegenheit. der kleinen gärten.

heute. raucht ja niemand mehr kette. und wenn. geht er dafür auf den balkon. ich habe es mir abgewöhnt. vor langer zeit schon. nahm mir deutlich jüngere partner. als motivation. mehr zu tun: für meine gesundheit. für eine wahrscheinlichkeit längeren lebens.

es ist heute. er macht jetzt sit-ups. nach dem ersten kaffee. während ich bei den kissen bleibe. und träume auswringe. wir sehen uns zum späten frühstück wieder.

es ist heute. ein freier tag. ein feiertag. ohne einladungen. ohne feste. der zeitwert. der taktwert. erst atmen. dann singen. gleichmäßiges, kontrolliertes schreiten. wege wie ausgerollte yogamatten. in der zeile sind die ziele. und die wanderung selbst ist schon ankunft. das muss man sich drei mal stündlich sagen. aber draußen bleibt die feier ohne feuer. freizeit. die der erholung dient. der suche nach freiheit in den zwecken. es darf aber nicht gefragt werden. denn das führt zu unangenehmen, unangemessenen erwartungen. zugleich ist es aber nicht das fehlen des mythos. nein. sondern das fehlen des erinnerns. weshalb sich nichts ereignet. nicht erzählt wird. auch nicht von mir. ein mangel an gedanken. nicht an worten. augen. goggled up. im außen. yeux glauques. der glupsch. im datenspinat.


fusznoten der unrettbarkeit

Feiertag (lat. dies festus, feriatum): Ein von der Linearität befreiter Zeitabschnitt, der sich durch eine paradoxe Konfiguration von Handlungserwartung und Handlungsverweigerung auszeichnet. Ursprünglich als sakrales Intervall definiert, hat sich der Feiertag im Spätkapitalismus zum ephemeren Wellnesskorridor transformiert – durchzogen von achtsamer Selbstvergessenheit und digitalem Zerstreuungssog.

Kette (altgriech. ἀλύσις): Eine metaphorisch überladene Objektform, die sowohl als Symbol der Bindung (vgl. Prometheus) als auch der Sucht (vgl. Nikotinrituale) fungiert. Ihr temporaler Nachklang in der Redewendung „Kette rauchen“ verweist auf eine vormoderne Rhythmisierung von Konsum und Tod.

Erinnern (Sanskrit स्मृति): semiotisch fragiler Akt der (Re-)Konstruktion. In prä-mnemotechnischen Kulturen oral verfasst, später in Schrift, nunmehr algorithmisch delegiert. Erinnern im poetischen Sinne ist stets ein Verfahren des semiotischen Exzesses: mehr Andeutung als Aussage, mehr Verlust als Besitz. Seine Abwesenheit – wie hier textlich problematisiert – ist nicht tragisch, sondern strukturell.

Hinweis (isländisch vísbending): Die dritte Norn ist in diesem Zusammenhang als symbolische Instanz postlinearer Geschichtslosigkeit zu lesen. Ihr „schrumpfendes Hirn“ – eine kritische Metapher für das temporale Vakuum des 21. Jahrhunderts. Sie denkt nicht mehr. Sie streamt.

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