trieb.kopf.störung

[un.bedenk.lich.keit.s.be.schein.ig.ung]

und jedermann ging. die wunder zu validieren. die wunden. die felle. der fall. einer anomalie (≠ singularität). falls es nicht hagelt. beschwerden. weil: verzögerungen. im betriebsablauf. chorus horrendus: eine drehfahrt. die ist lustig. halbe strecke. rechter weg. linksrheinisch. überall. mittig platziert. schädelbasis. in sanfter verankerung. auf federn. die wut. dunkel und wild. wälder. überall. das rascheln unter den sohlen. haut. die nicht mehr beschrieben wird. fahrstuhl der blicke. durch nacht. in erwartung der schatten.

gestern endete jeder pfad. in einer furcht. vor der vergangenheit. wenn sie im späteren jahr die früchte abwirft. die fragen. durch halbersticktes licht gezwängt. an ihrer flucht gehindert. von zahlreichen ufern. rastzeiten. wegen ahnungen. ausgesetzt. restzeiten. in freundlicher öde. wortlos. in kalter traurigkeit. wertlos. weil ungestillt. die zeit. die wanderschaft. wege. unentwirrt. und vom schmuck strangulierte. einzelne. flüchtend. vor der aufmerksamkeit. dem tag der verstrickten. der drei mal gebenedeiten. kalesche. beim zwölften zug um den mond.

unbekannte adresse

hätte gerne etwas mitgenommen. frühtau. soviel in eine geliehene hand passt. vereinzelte bleibe. in schütterer seele. kurz. ein göttliches augenzwinkern. zahllos darin. die gedanken ans reiseziel. überwältigt. vom restlicht verlassener ufer. von restlicher zukunft. sehr knapp vor dem aufbruch. grenzort. wo sich ein jedes betrachtet: von hinten. gegenort. an dem sich alles in seiner vorhandenheit wiederfindet. auch das verlorene.

bis auf weiteres

sobald ich zeit habe. eine stunde. oder zwei. geh ich den augenblick entlang. doch nicht vorbei. an den gedanken. die jetzt im herbst stehen. der wieder vor mir liegt.

umwege wuchsen vor den schritten. und fast. hätte ich versäumt den frühling. der die möglichen nährte. den sommer. der die erinnerungen schuf.

vor jedem aufbruch. schlangen sich die wege ineinander. dass sich die stimmen verknoteten. und fragen über fragen. als ein gestein auf jungen gräsern.

lang war jedes jahr. das ohne rückkehr verstrich. wenig konnte sich aussprechen. über zu vieles. das sich staute an den innenwänden der blicke.

selbst der himmel entglitt mitunter den gebeten. hatte keinen halt an meer und wüste. doch jetzt kann ich noch einmal im wunsch sein. der übrig blieb. sobald ich zeit habe. eine stunde. oder zwei.

fußläufig

um zu denken
schließe ich
die augen

gegen
die störende welt

so
voller gedanken
wie das gras

die bäume

trage ich
trübes wasser
zur klaren quelle
zurück

nichts
ist leichter

als dem
nicht sichtbaren
zu vertrauen

der stunde
des aufschlags
die erst
noch kommen wird

der zeit
die ist

weil sie
immer war

gleich
welchen namen
sie trägt

sie geht

immerfort
immer
fort

und folgend
gehe ich
ihr entgegen

schlicht
will ich
mich machen

und still

ein haus
bewohnen
nahe der mündung

fußläufig
zu den ufern

dicht
bei den booten

in denen
der augenblick
hockt

und harrt

eines
letzten schauens

da

wo die seele
sich ablegt

zwischen
zwei seiten

von nacht
und tag

einmal. juni. sommer. lang

ist was
ein wort
fast

sommer
verdünnt

stimmlein
falb

schnabel wie:
stachel
aus gummi

gib
dem sarg
einen stoß
dass er
zum schlitten wird

dass er sich abreibt
die schuldwickel
um seele und gedanken

die dann
dank ihrer
flieh-
kraft
hängen
am abhang

bei traum-
fetzen
und
raspel-
knochen

bis
nur noch
der name rollt

nacktschnecke
des müden züngleins

dem wasser zu
in dem sich einmal

als es früh
und still
den langen juni-
tag

der himmel spiegelte
in einem anderen gesicht

wir. haben die zungen. der laiber

stoßweise
der regen

stoß in die rippen
der harrenden
die ihren durst vergaßen

die nicht mehr versuchen
aufrecht zu stehen
in gebeugten häusern

was sah die welt
in uns
?
in unserem ausschnitt
von ihr

stehend
wie uralte bäume
aber
nicht wurzelnd
wie diese
in geduld

trotz
der ruhe
unseres vergehens

wir
haben die augen
der schimmernden käfer
wenn
sie die waldpfade kreuzten
die wir –
brotkrumen streuend –
stapften als kinder

wir
haben die zungen der
laiber
wenn
sie öffnen
die steinöfen
vorgeheizt

dem kommen
der hungrigen

wenn
wir ersättigten
gehen

und wir | im fall | des glückes || im wunder | der fälle

kopf
nuss
knacker

es sind
ja
immer
die toten
die uns wecken

schlinge
der ulmenzweige

zu umarmen
die frostige luft

am rande
einer verlassenen landschaft
die sich nicht zu beklagen scheint

im gedanken
einst
reich
gewesen zu sein

feld
der ge-
schichte

archiv
alter mären

wo sich die mähren
in die schatten der helden stürzten

in die wange
der eule

vor dem krampf
eines über-
falls

der ver-
gebenen
hoffnung

hinter-
her

kopf-
über

tau-
t

siehe. ich lebe. sprachlos. mit allen künftigen

ja
die blinden fenster
wenn das schicksal vermieden wird

alles sagt
hier sein
auch wenn
sich nichts ereignet

alles ruft
nach anschau
und aussicht

alles besitzen
die wanderer
auch wenn sie
scheinbar
nichts heimbringen

die erde bleibt
ein verschwiegenes gefilde

dreht das gehör
dem himmlischen zu
wo es nicht mehr zerfallen kann

wo die zungen saugen
an der stille

die das maß der zeit
ausschüttet
über dem gestein

an dem sich an-
und abstößt
jeder rückweg

Echo ohne Mund

am Anfang steht:
ein Wort
das sich nach oben irrt
ein Satz
gebaut auf Antwort
ein Ruf
in banger Erwartung

nichts
halten die Hände
lange genug
um es glauben zu können

das Ende aber:
soll kein Ende sein
nur: Verstreuung

darum:
solange
man dazwischen hängt
fällt ein Ding
aus seinem Namen

ein initialer Laut
vom Zweig geschnitten

der klingt
nach allem Abschied
allen Bitten:

wie Atmen:
Biss ins Fleisch
der unverwandten Stille

ein Echo ohne Mund—
vergesse. folge. fülle.

ihr habt nun: traurigkeit

letztes licht. nach dem weg (worte eines gegangenen. vermutlich weise)

ich sah den stern. als er im sinken war. sein zeichen war schon seit langem eine erzählung der mütter, die ihre kinder mit wunderlichem gesäusel in den schlaf schicken.

ich alter mann aber hatte noch eine restwärme im auge, ein nachglühen der einstigen richtung.

dennoch: ich ging. denn gehen war das einzige, das mir nicht genommen werden konnte.

ich ging durch die bittere kälte. durch die verwaltete nacht. durch die orte des fremden gedächtnisses. obwohl ich wusste: hier wurde alles schon erklärt und nichts mehr geglaubt.

die mitgebrachten gaben waren nicht nötig. aber sie trugen den sinn des abgebens in sich. der kostbaren entlastung. denn jegliche herrschaft endet. und alles, was aufsteigt, sackt in sich zusammen. und vor allem: liebe kostet den körper.

ich erinnerte mich: das kleine lag durchaus nicht im licht. es lag am zugigen rand der welt. wo es niemanden hält, der bleiben könnte. man hätte dort noch ewig auf chorische gesänge hoffen wollen. doch es gab da nur dieses leise atmen des verletzlichen lebens. nur dieses eine, unverfügbare jetzt.

es war gleichwohl ein trügerisches bild: geburt als anfang? nein! geburt ist ein schnitt. ein verlust alter ordnungen. ein tod. der in mir begann, lange bevor ich anfing zu sterben.

die heimat hatte sich mir entfremdet. die sprache passte nicht mehr. das frühere himmlische stand nur noch als dekoware auf den anrichten.

ich aber war dem wirklichen begegnet. und lebte fortan im zwischen. unerlöst. unverloren. wach. in meinem drinnen.

und die welt draußen? wollte wieder herde sein. wollte geführt werden. gezählt. gesichert. nannte es frieden. norm und system. unter dem flackern der heiligen nächte.

in meiner stille wusste ich:  das heilige kommt nicht, um uns zu beruhigen. es kommt, um uns unbrauchbar zu machen für das falsche ganze. es kommt leise. es bleibt kurz. es hinterlässt keine anweisungen. nur eine wunde, die nicht heilt, damit wir fühlen. (in vertretbarer dosierung, versteht sich)

wenn du mich fragtest, wo es heute und vielleicht immer liegt, dieses licht, das versprochene, sagte ich dir: nicht im himmel. nicht im staat. nicht im geschmückten raum.

es liegt dort, wo du bleibst, wenn alles gehen will. wo du sprichst, wenn schweigen einfacher wäre. wo du trägst, was sich nicht rechtfertigen lässt.

das ist die nacht, nachdem sie vergangen ist. das ist der stern, nachdem er erloschen ist.

nenne es weihnachten. nenne es fest- oder auszeit. was immer du willst. sei es dir auch nur diese kurze zeit dazwischen, in der du etwas schlaf nachholst und dir ein paar träume liefern lässt, bei zu viel essen und zu wenig bewegung. was immer du willst. nur frage dich selbst: was anschließend weitergeht. die welt oder du?

ich, der einmal gegangene, will ganz offen zu dir sein: ich ging, weil mich jeder schritt veränderte. ich kehrte zurück, weil ich es gerade noch konnte. doch nicht um anzukommen. sondern um zu erinnern.