parkbänke. fensterbänke. leer. lagernd vor fernen ufern. noch nicht am ende. der tag. am boden. angebrochene bücher. blaues gras. hochgeschossen. wie aus dem brunnen. der ball. noch einmal luft zu holen. und zurückzufallen zur erde. zu ihren kindern. zu den unverletzlichen träumen. aber noch nicht. jetzt. erst noch. dieses. und vieles. aber dann. im nächsten jahr. gewiss. zu ende lesen. zurück im haus. zu suchen. vergessenes. zwischen den kissen. dem holz der regale. vom sommer abgeschrieben. aber dann. unter dem ruhenden himmel. kälter. und klarer. enger. und fester. ein weiterer ring. um den namen. um den trockenen widerhall. eines erdenklichen. dann.
vor zehn tagen. oder vor hunderten. seither ein rauschen. vorbei. im gedächtnis. haft der gleichnisse. jetzt aber. nicht zu versäumen. den augenblick. der lautlosigkeit. zwischen dem sprechen. unentwegt. verzweifelt. verzweigt. hinaus. ein schauen. wurde zu einem gedicht. dahingesagt. klanglos. in augen. abgelegten. grau. das meer. unter dem himmel. unfrei. die anachronistin. bedrückt. und bedeckt. die zeitgebeugte. dankbar dem körper. der sie trug. der sie ertrug. unter all der befristung und sparsamkeit. geltend für alles geträumte. in bitterer stunde. wagnis der schritte. vom fremden fuß getan. oder noch warten. zehn minuten. als letzte duldung. weil die lider gerade sehr schwer. und gedämpft die erwartungen.
ich versuchte mir vorzustellen, dass antworten kämen, wie auf besuch, in den schlimmsten stunden und ohne vorherige frage.
ich würde vielleicht hinausgehen, ohne besonderen grund, einfach nur, um mich umzusehen, aber nicht vor dem herbst, sondern erst, wenn die straßen sich leerten.
alle pläne müssten jedoch vage bleiben, damit es auch immer anders kommen könnte. und zugleich rechnete ich mit längeren aufenthalten in den zurückgelassenen fragen.
da sähe mich vielleicht ein anderes auge. genau dort, wo ich dann stünde und das warten wohnen nannte. weil es fast so schiene, als ließe sich die zeit zum verweilen überreden.
aber dann sprachen wieder, unablässig, die unerhörten worte zum herz. und was sich noch bezweifeln ließ, wurde davon nicht verschont: dass nicht die zeit innegehalten hatte, sondern die seele.
ja. der sterbende, der noch zu sehr am leben haftete. mit der ausgestreckten hand, die durch einen traum gegriffen hatte, um den schweren augenblick zurückzuziehen. wie ankertaue der längst verschwundenen schiffe.
was aber stattdessen geschah, war ein erinnern. und also ein sagen des anderen. unwirtlich nur dann. würde es wirklich.
Patrick Ridlmaier: Hotel der Träume – eine literarische Begegnung
Es gibt Augenblicke im Leben, in denen nichts mehr an seinem Platz zu sein scheint. Die vertrauten Dinge sind noch da, die Straßen, die Häuser, die Geräusche eines gewöhnlichen Morgens. Und doch ist etwas unwiederbringlich verloren gegangen: die Gewissheit, im eigenen Leben zu Hause zu sein.
Von einem solchen Augenblick erzählt Patrick Ridlmaier in seinem Roman Hotel der Träume, erschienen im Empathie Verlag. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, dem nach und nach alles abhandenkommt, worauf er seine Vorstellung eines gelungenen Lebens gegründet hatte. Und es ist zugleich eine Geschichte über die eigentümliche Möglichkeit, gerade im Verlust einen neuen Anfang zu entdecken.
Kilian hatte einmal allen Grund, glücklich zu sein. Er war aus der Enge seines Heimatortes aufgebrochen, hatte studiert, eine Anstellung als Werbetexter gefunden und sich verliebt. Ein Leben, das sich fügte. Ein Traum, der Wirklichkeit geworden war.
Doch irgendwann beginnt diese Wirklichkeit zu zerfallen. Eine innere Dunkelheit breitet sich aus, Freundschaften verstummen, der berufliche Alltag gerät aus den Fugen. Schließlich verliert Kilian auch Mara, die Frau, die ihm bis zuletzt Halt gegeben hatte.
Ridlmaier erzählt diesen Zusammenbruch nicht als einzelnes dramatisches Ereignis, sondern als schleichende Entfremdung. Besonders eindringlich wird dies dort, wo sich die innere Verfassung seiner Hauptfigur in alltäglichen Beobachtungen spiegelt: in einer vernachlässigten Wohnung, im morgendlichen Ritual der Kaffeezubereitung, im leeren Ohrensessel der fortgegangenen Geliebten.
Selbst der Frühling, gewöhnlich ein Versprechen des Neubeginns, wird für Kilian zur Zumutung. Während die Menschen wieder ins Freie drängen, lachen und einander begegnen, empfindet er die erwachende Lebensfreude als schmerzliche Erinnerung an seine eigene Einsamkeit.
Dann erhält er von einem Freund eine merkwürdige Adresse. Ein Hotel, irgendwo abseits der Stadt. Ein etwas in die Jahre gekommenes Haus, umgeben von Bäumen, geführt von einem eigentümlichen alten Direktor. Ein Ort, an dem angeblich Wunder geschehen.
Was aber ist ein Wunder? Vielleicht nichts Übernatürliches. Vielleicht nur eine Begegnung im richtigen Augenblick. Ein Gespräch, das eine längst verschlossene Tür öffnet. Oder jener unerwartete Wechsel der Perspektive, durch den etwas Vertrautes plötzlich in einem anderen Licht erscheint.
Ridlmaier lässt seinen Protagonisten für zwei Nächte in diesem Hotel einkehren. Was dort geschieht, entfaltet sich in einer Folge von Begegnungen und Gesprächen, die den äußeren Handlungsraum zunehmend zu einer Landschaft innerer Erfahrung werden lassen.
Dabei ist das Hotel mehr als ein Schauplatz. Es ist ein Zwischenraum: weder das alte Zuhause noch ein neuer, endgültiger Ort. Eine vorübergehende Unterkunft für einen Menschen, der erst wieder lernen muss, bei sich selbst anzukommen.
Überhaupt sind Räume in diesem Roman von besonderer Bedeutung. Schon zu Beginn steht Kilian auf einem traumhaften Marktplatz, auf dem alles im Überfluss vorhanden ist und dennoch niemand etwas an sich nehmen kann. Später werden Wohnung, Arbeitsplatz und Stadt zu Orten der Entfremdung. Erst das Hotel eröffnet einen Raum, in dem das Leben nicht länger nach den Maßstäben des bisher Erreichten beurteilt werden muss.
Damit berührt der Roman eine Frage, die über Kilians persönliche Geschichte hinausweist: Was geschieht mit uns, wenn die Träume, die unserem Leben einmal Richtung gaben, nicht mehr tragen? Vielleicht liegt die eigentliche Schwierigkeit nicht darin, Träume zu verwirklichen, sondern darin zu erkennen, wann wir an ihnen festhalten, obwohl das Leben längst weitergegangen ist.
Ridlmaier nähert sich diesen Fragen mit großer Ernsthaftigkeit und einer bewusst zugänglichen, bisweilen gleichnishaften Erzählweise. Er scheut weder die großen Begriffe noch die unmittelbare Auseinandersetzung mit Schmerz, Einsamkeit, Liebe und Hoffnung. Sein Roman will nicht durch ironische Distanz beeindrucken. Er sucht das Gespräch mit seinen Leserinnen und Lesern, möchte Erfahrungen teilen, Zuversicht ermöglichen und Fragen stellen, auf die es keine endgültigen Antworten gibt.
Dass hinter diesem Erzählen auch persönliche Erfahrungen stehen, erfahren wir im Nachwort. Der Autor berichtet von einer eigenen tiefen Lebenskrise und von der Entstehung des Buches während einer Reise durch Portugal und Spanien. Das verleiht dem Roman eine zusätzliche Dimension, ohne dass man ihn deshalb als autobiografischen Bericht lesen müsste. Literatur entsteht schließlich nicht allein aus dem Erlebten, sondern aus der Form, die ein Autor dafür findet.
Am Ende verlässt Kilian das Hotel. Nur zwei Nächte hat er dort verbracht. Die Vergangenheit ist nicht ungeschehen, die Zukunft bleibt offen. Doch etwas hat sich verändert: Er muss nicht mehr wissen, wie sein Leben weitergehen wird, um ihm wieder vertrauen zu können.
Kurz vor der Abfahrt überreicht ihm der alte Hoteldirektor einen verschlossenen Umschlag. Kilian soll ihn erst öffnen, wenn er irgendwann eine Erinnerung brauchen wird. Es ist eine schöne, beinahe zärtliche Schlussgeste. Denn sie verzichtet auf die endgültige Antwort. Was in dem Brief steht, bleibt unbekannt. Vielleicht ist gerade das seine Bedeutung: Nicht alles muss jetzt verstanden, nicht jede Frage sofort beantwortet werden.
Und vielleicht liegt darin auch die stille Hoffnung dieses Romans. Dass wir nicht jeden Traum festhalten müssen. Dass ein Abschied nicht nur das Ende einer Geschichte bedeutet. Und dass es manchmal genügt, wieder auf die Hauptstraße zurückzufinden – ohne schon zu wissen, wohin sie führt.
Patrick Ridlmaiers Hotel der Träume ist ein zugewandter, hoffnungsvoller Roman über die Zerbrechlichkeit unserer Lebensentwürfe und den Mut, dem Ungewissen erneut zu begegnen. Ein Buch, das nicht behauptet, Schmerz ließe sich einfach überwinden, sondern dazu einlädt, ihn als Teil einer größeren, noch nicht abgeschlossenen Lebensgeschichte zu begreifen.
Patrick Ridlmaier: Hotel der Träume. Roman. EMPATHIE Verlag 2026.
Der Autor liest heute, am Samstag, 10.10.2026, 11.30 Uhr, auf der Frankfurter Buchmesse. Halle 3.0, E133 (Podium Rheinland-Pfalz).