häusliche. trans\substantiation

gedicht. beim ziehen der hühnersuppe

am anfang. zwiebel. ihr tränenrührendes gold. am boden des suppentopfes | dann: wasser. regen des herbstes. und was die erde hergibt. an wurzeln. und kräutern. und stillen vorräten | dann das salz der meere. den pfeffer der fremde. das nötige bisschen schärfe aus ferneren sommern | während das huhn. langsam. von sich gibt. was es gewesen ist | nichts geht verloren. nur über. in etwas. das keinen namen braucht. nur eine zunge. die schmeckt. und eine kehle. die schweigt | man lässt sie ziehen. wie unnütze sorgen. und stunden später. wenn draußen der wind pfeift. haben unter dem deckel. die dinge zueinander gefunden | und einer. der kränkelt. nimmt einen löffel. von dieser welt | und gibt ihn noch lange nicht ab 

hörweite

verbindungen. entfernungen
über die sich die missverständnisse schicken

nein
keine vorwürfe
sorge nur

wo?
mag die falsche frage gewesen sein

lebenszeichen
atem holen
sich einen atem abholen

weil die tage fliegen
und die stunde
auf der die füße stehen
wegrutscht unter den sohlen

nicht antworten
nur schreiben
über das wetter
oder etwas gekochtes

das vergangene nicht aufzuscheuchen
die ins dunkel versickerten dinge
die wenigen worte
den schlafsand

und die freude
etwas zu hören
wie das meer
wie die schritte
von den stegen
zurück ans ufer

unbeschrieben

die seele
spürte einmal
die sonne und den wind
eines anderen lebens
die dunkelheit
unter der sich die sehnsuchtsblüten öffneten

sie hörte noch
die vielen sätze
die sich nicht zu ende schrieben
von den leeren seiten angezogen

sie wanderte
durch die jahreszeiten
aus denen jemand verschwand
der ihr einmal begegnet war
in einem irrtum oder einer verheißung

manchmal
wenn die worte schwiegen
lag auf den unbeschriebenen blättern
ein herbstlicher schimmer
der nichts zurückverlangte

und jenseits
ihrer letzten erinnerung
war ein ufer
das noch nicht wusste
wen es erwartete

wieder.vor.lage

parkbänke. fensterbänke. leer. lagernd vor fernen ufern. noch nicht am ende. der tag. am boden. angebrochene bücher. blaues gras. hochgeschossen. wie aus dem brunnen. der ball. noch einmal luft zu holen. und zurückzufallen zur erde. zu ihren kindern. zu den unverletzlichen träumen. aber noch nicht. jetzt. erst noch. dieses. und vieles. aber dann. im nächsten jahr. gewiss. zu ende lesen. zurück im haus. zu suchen. vergessenes. zwischen den kissen. dem holz der regale. vom sommer abgeschrieben. aber dann. unter dem ruhenden himmel. kälter. und klarer. enger. und fester. ein weiterer ring. um den namen. um den trockenen widerhall. eines erdenklichen. dann.

körper.fris[s]t

vor zehn tagen. oder vor hunderten. seither ein rauschen. vorbei. im gedächtnis. haft der gleichnisse. jetzt aber. nicht zu versäumen. den augenblick. der lautlosigkeit. zwischen dem sprechen. unentwegt. verzweifelt. verzweigt. hinaus. ein schauen. wurde zu einem gedicht. dahingesagt. klanglos. in augen. abgelegten. grau. das meer. unter dem himmel. unfrei. die anachronistin. bedrückt. und bedeckt. die zeitgebeugte. dankbar dem körper. der sie trug. der sie ertrug. unter all der befristung und sparsamkeit. geltend für alles geträumte. in bitterer stunde. wagnis der schritte. vom fremden fuß getan. oder noch warten. zehn minuten. als letzte duldung. weil die lider gerade sehr schwer. und gedämpft die erwartungen.

ohne weitere aussicht

du. lieber. ich fuhr aufs land.
tote sonntage. ein anderer tag
kam bislang nicht vorbei.

trotzdem. das leben. das einzige.
pausenlos. fraglos. übersichtlich
in seiner bedarfsarmut.

lieber. du. nur meine arme
um dich. einmal. bevor.
wortloses atmen.

lange stand ich im schweigen.
rändlich. tastend. die zitternden wände
einer unbewohnten zeit entlang.

nicht das aufdringliche neue
nährt den zweifel. sondern
das verzehrte gesicht des alten.

wärst du noch hier.
würde ich sprechen. von allem
was ich an gutem denken kann.

allein. die sprache davon.
müsste doch…

müsste ein jegliches besser machen.
und gut sein lassen. alles.
was einmal gesagt war.

niemand. weiß es.
niemand. soll es wissen.
besser als du. lieber.

rest.bestand

Foto: Allan Acosta Greño

einzig. was dir gehört.
wundes. zwischen zwei saiten.
im verklingen ihrer spannung.

halbes geschehen. hälfte
eines entleerten atems.
im abrieb gefallener worte.

vermutlich. vergeblich.
versuchte erkundung.
gang eines schattens

durch das licht. das ihn verließ.

vorläufig. ohne beschwerde

verzeih. wenn ich das. noch nicht. so ganz. und was mich so kühl anweht. gewiss. die unruhe auf den wegen.

es wäre wesentlich besser. sich treiben zu lassen. hingabe an eine zeit. die überwunden ist.

ohne je wundlos sein zu können. weil das verlorene an den fersen klebt. weil es nichts klareres gibt. als das versäumte.

ich bin nicht traurig. die tage sind schön genug. die zeit hinterlässt keine spuren.

ein taubes gewölle. die früheren wünsche. ein kaum gehauchter saum des schlafes. die restliche empfindlichkeit.

ein gedanke nur. der geliebte mensch. zu dem ich spreche.

heute verstehe ich besser. bin in der stille daheim. die am anfang und am ende eines jeden tages steht.

auch die herzen. aus denen ich fortgestoßen wurde. können nicht leer sein. bei all dem erinnern.

wenn die einsamkeit kein geschwätz mehr ist. wenn sie schön geworden ist. wie eine ruhende schneelandschaft.

so ist es doch wesentlich besser. als hörte man die beschwerden der zeitverweser. weil die kastanien ein zweites mal blühen. in diesem jahr.

aber wie viel mehr als eine gebärde ist das wort. und was soll schöner sein als der schlaf. sicher nicht das erwachen.

mühelos muss die liebe sein. wie das graue warten der häuser entlang zertretener straßen.

sie lassen alles durch. doch bedeutung hat nur das angekommene. was in den heimischen zimmern sitzt.

und sich nichts vornimmt. sich nichts vormacht.

bleiben ist so gut wie gehen. ohne die mühsal der hoffnung.

und arbeiten. natürlich. ist sehr gesund. gegen die schnellen flüchtigen tage.

eben: beiläufige geschehnisse. die dem allerletzten nicht im wege sind.

sieben schritte | bei.nahe

ich versuchte mir vorzustellen, dass antworten kämen, wie auf besuch, in den schlimmsten stunden und ohne vorherige frage.

ich würde vielleicht hinausgehen, ohne besonderen grund, einfach nur, um mich umzusehen, aber nicht vor dem herbst, sondern erst, wenn die straßen sich leerten.

alle pläne müssten jedoch vage bleiben, damit es auch immer anders kommen könnte. und zugleich rechnete ich mit längeren aufenthalten in den zurückgelassenen fragen.

da sähe mich vielleicht ein anderes auge. genau dort, wo ich dann stünde und das warten wohnen nannte. weil es fast so schiene, als ließe sich die zeit zum verweilen überreden.

aber dann sprachen wieder, unablässig, die unerhörten worte zum herz. und was sich noch bezweifeln ließ, wurde davon nicht verschont: dass nicht die zeit innegehalten hatte, sondern die seele.

ja. der sterbende, der noch zu sehr am leben haftete. mit der ausgestreckten hand, die durch einen traum gegriffen hatte, um den schweren augenblick zurückzuziehen. wie ankertaue der längst verschwundenen schiffe.

was aber stattdessen geschah, war ein erinnern. und also ein sagen des anderen. unwirtlich nur dann. würde es wirklich.

nach.saison

es gibt. nichts. zu erzählen
die welt will. nichts. wissen von

verlassenheit

zählt die vorhandenen ab
hier. im aufenthalt
hier. in der totenstille
jene. die klug genug waren
sich zu trennen von
endlosen sommern

nicht angekommen
oder zu spät
oder ein anderes mal

aus.fahrt
für ein warmes gefühl
der rückkehr

während am ende des alten jahres
der anfang des neuen lehnt

die andenken liegen in nummerierten kisten
unten. wo die mauern schwarz sind
von früher

wilde gegend
an ufern fast vertrockneter flüsse

blatt eines briefes
zwischen laub

verzeih
auf bald