bis auf weiteres

sobald ich zeit habe. eine stunde. oder zwei. geh ich den augenblick entlang. doch nicht vorbei. an den gedanken. die jetzt im herbst stehen. der wieder vor mir liegt.

umwege wuchsen vor den schritten. und fast. hätte ich versäumt den frühling. der die möglichen nährte. den sommer. der die erinnerungen schuf.

vor jedem aufbruch. schlangen sich die wege ineinander. dass sich die stimmen verknoteten. und fragen über fragen. als ein gestein auf jungen gräsern.

lang war jedes jahr. das ohne rückkehr verstrich. wenig konnte sich aussprechen. über zu vieles. das sich staute an den innenwänden der blicke.

selbst der himmel entglitt mitunter den gebeten. hatte keinen halt an meer und wüste. doch jetzt kann ich noch einmal im wunsch sein. der übrig blieb. sobald ich zeit habe. eine stunde. oder zwei.

sanfte frist

die erde wird sich. bald. geschlossen haben | keine andere antwort. wird sie geben. als auf die fragen der jahreszeiten | sie wird sich schließen. statt sich. endlos überwuchern zu lassen | sie ist nicht zuständig. für gedächtnis. oder verheißung | luftige schatten. oder getippel auf zehenspitzen. sind ihr vollkommen einerlei | weder. ist sie wach. noch. schläft sie ||: sie schweigt :|| von jenen. die ohne rast sind. vom mond gezogen. in bleicher wi[e]derkehr

die erde wusste immer. dass die schatten nicht altern | dass die wälder stehen. um einer fernen stille wegen | dass es ufer gibt. für eine idee. vom ersten tag | vom augenblick. einer bis dahin. verborgenen speise | und dieser frage: um welcher hoffnung willen. hatte das atmen nicht aufgehört?

Notiz: z.K.

ggf.: Wohnung. in den Resten des Himmels. d.h.: da unten. wo die Seele streut. z.B.: die Wunder. die Wunden. luftdicht verpackt. bzw.: zum Trocknen aufgehängt. an den Enden. letzte Blumen des Jahres. v.a.: für die lange Reise. poststabilisiert. der linke Fuß. für den langen Weg. den alten Gedanken: einem zu begegnen. der die Straße zog. aus anderer Richtung. und sich auch nur kannte. ein Stückchen. und auf die Frage des Fremden hoffte. u.a.: nach der anderen Hälfte. die ihm fehlte. z.Z.

zug.luft

Foto: Miriam Halfmann

statt der liebe 
anstau der nähe
kopf im geäst 
ranke der ausflucht 

haftwurzeln im glas
der geschlossenen fenster 

krause leere
zwischen den wünschen 

es setzte sich jemand dazu
legte die hand in den spalt
zwischen laub und erde 

das warten der bänke im park 
gestiftet von den verträumten 
zugleich darauf bedacht 
den himmel abzuhalten
dass er ihrer vorläufigen haut
nicht zu sehr auf die pelle rücke 

und unterm kopfkissen 
der brunnenschacht
mit kleingeld zugeschüttet 

bevor das licht die blicke aufreißt 
als ob pfingstrosen explodierten

ihr habt nun: traurigkeit

herbst. zeit. lose

man hört nicht mehr viel. stumpfes glas. trübe wolken. dahinter. pulsloses rauschen. man schneidet die luft des frühlings in die scheiben der erinnerung. man ist es gewohnt, ohne musik zu sein. man wähnt sich angekommen. an den stätten der langsamkeit.

da. ist uns. das schicksal. sehr rasch. losgeworden. wie ein im schweiß gebadetes kind. befreit vom schlaf. und von den nachtgespenstern.

eng sind die lichtungen des abschieds. schattenriss. der zweige. und särge. verschüttete wege. was will die zeit mit den spurlosen?

wir geben der erde leise nach. wir tragen die namen der fremden. und die anderen farben. jetzt. in der epoche des flüsterns. der im garten flatternden wäsche. während es regnet. den zwölften tag.

die hände haben schwellungen vom heimweh. füße aus stein. im strömenden wasser. das jedes gewebe aus licht und atem zerreißt.

aber. schon jetzt. hat alles ent-täuschen. die klarheit des kommenden winters. und die präzision der spindeln.

man hört jetzt sehr viel. von den verirrten. und den zurückgesandten. die ihre stimmen tauschten. gegen den wind.

Werkstatt II [Tropfen | letztes Licht | gebrochenes]

nach dem ersten Herbststurm
Heimweh und Fernweh
verstreut zwischen Laub und Schritten
drei Wolken verteilt über den Tag
drei Gebete in Decken gewickelt
die Blicke hinaus voller Falten
und rankend um die Gesichter ein hilfloses Wünschen

die Fahrt geht weiter
die Fährten von Zeit bedeckt
und Föhren über die Klippen gebeugt
als hätte die Küste ihr Wandern unterbrochen

ach
so lang die Wege zwischen Tag und Bestimmung
und wund die Pfade vom wuchernden Dickicht

wussten die Tränen nicht
was die Hände halten wollten
was mit den Rehen hinter der Lichtung verschwand?

ein Meer
rauschend um die Augenblicke
ein Wehen
ein Weh
um das endlose Schauen