
2022.9.25 | 927-SARS-CoV-2
[Tag 459 der Isolation]
man wird viel suchen. und tief hinabschauen. man will den Menschen nicht zu ungleich sein. man will es ihnen dennoch nicht zu gleich tun. man kleidet sich freundlich. und möchte an sie erinnern. die Ungekannten. man weiß sehr genau, wovon man mit Freuden singen muss. man weiß noch besser, wie klein der Teil aller Versprechungen, die man nicht uneingelöst lässt, sein muss, wenn man den Geist weit hinausgesandt hat und die Hände, so fest sie eben angewachsen sind, nicht folgen wollen. man spürt, was sich in einem erhoben hat und dass die Füße weit unten stehen und gehen müssen. und fängt eines herbstlichen Tages an, die Wege nur noch zu denken. als seien sie Ufer von Wolkeninseln und tauchten kurz auf mit jedem Traum und schwanden sehr rasch mit jedem Schlaf. bis man erkannt hat, dass nicht mehr Ruhe entsteht, nur weil es immer stiller wird um einen herum. und wieviel ein Licht ist im einsamen Winkel. groß ist das Schweigen, dass die Wünsche nicht verdrängen kann. lang scheint das Ausatmen aller Zeit. des Ungelebten. und ist doch kurz wie der Pfad durch den Flecken Hintergarten bis zur Küchentür. man sucht etwas für den langen Atem, den die Ewigkeit vorausschickt. etwas, das noch zu Lebzeiten einen Ausgang fand. etwas, das zumindest versucht wurde und nicht verschwunden ist, nur weil der Versuch scheiterte. etwas, das sich selbst trägt, wenn der Träger es hat fallen lassen. etwas, das den Träger trägt, wenn er fiel. etwas, das ihn erträglich macht, wenn er träge über den Leinen seiner Jahre hängt und die Augen sind wie der Halbmond, der sich zur Sichel verkleinert. jede Nacht.
[erinnere dich. wo die Fenster waren. vergesse nicht. was die Mauern verhüllten. wer schon alles hier war. und vorbeiging am Verschlossenen. wer nicht bleiben konnte. und verloren ging in den Landschaften des Winters]
es gibt noch andere, die sich befragen ließen. nach ihrem Gedächtnis. sie könnten interessanter sein. vielleicht sogar schöner. man muss ihrer habhaft werden. man muss sie sich anverwandeln. und baut mit ihren Städten den eigenen Himmel. aber man will die eigene Natur nicht schlicht wiederholen. man holt sie nicht mehr ein. die Taue. man holt nicht mehr aus. im Traum. aus Angst, man könnte sich davon nicht mehr erholen. oder dass man sich ihn holt. den Tod.