wie gewöhnlich

weil. die erde erwachen will. ruft sie den wanderer. der überwintert hat. der überwinden wird. die fehlbeträge der geschichte. der endlich. in seiner endlichkeit. finden soll. die wälder. hinter den öden. der zeit. den kostbaren augenblick. im köstlichen vergehen. entfristung. vorbehaltlich des endes. weil. die erde. noch sehr viel platz hat. für den unbehausten.

doch. in seinem gehen. wurden ihm fremd. die welt. und unbekannt. die täglich gekreuzten straßen. er fand trost. im schnee. der keine auskunft gab. über das darunter. wenn die nächte länger und finsterer. und erschrak nicht. als die bilder immer mehr auseinanderklafften. und sich zeigte ein glühender spalt. der sich nicht überfliegen ließ. mit flügeln aus wachs.

denn. er konnte. trotz allem. die losen enden bei sich tragen. nicht haltlos in den erinnerungen. nicht trübe in den träumen. er hatte gelernt. die richtung nicht zu ändern. auch wenn es keinen weg mehr gab. wartend. bis die welt vorübergezogen war.

abends dann. stellte er die schuhe. vor eine tür. die es nicht gab. der wind fragte. ob er noch da sei. also lauschte er. noch einige stunden. als hätte jemand. auf der anderen seite. schon lange. auf ihn gehört. über ihm. war aber nicht mehr der himmel. sondern etwas. das ihn ansah. und für einen atemzug. war es nicht mehr seine zeit. die verging.

idylle. nach maß

dort. wo die rotkehlchen warten. dort. bei den blinden katzen. ist der tag still. wie eine knospe. ende januar. wie ein motto. ein leitmotiv. ohne handlung. ein leidvotiv. ohne gewähr.

gärten sind. gut. grenzen ein. die hoheitsbereiche des gehegten. und gestutzten. ihre mauern, als handle es sich um kapellen der wünsche, verbergen die zurückweisung. unter ranken, spalierobst und rosen.

dahinter. bedankt sich das glück der ufer. beim klang des fließenden wassers.

und die alleen. reihung der wegweisenden bäume. strophen. in einer wiege. auf einer waage. partikel. und konjunktionen. sortiert. in schächtelchen. morgens. und abends. zyklisch. wie‘s zähneputzen.

im fensterglas. ruht sich der zugvogel aus. zu blei gefroren. die federkiele. beisammenzuhalten. die lichthungrigen stücke. des anderswo.

nur so. ergibt sich. gelesen gegen den uhrzeigersinn. eine geschichte. ein echo. jener gedanken. derer. die lauschten.

später. wiederum. irren die straßen durch die menschenleere. warten. auf die blicke der wartenden. in den cafés. aber die stadt. als ob verlassen. jetzt. spiegelt sich in den nachträglich genehmigten fassaden. reiht sich ein. in die flachware der jahrhunderte.

ihre kälte. steht nicht im widerspruch. zu den milderen tagen. zu den ein oder zwei stunden. mehr an licht. die das jahr ihr zugesteht.

dazwischen ist. meist. das denken. pausenlos. das schweigen. das ausgegraute. aller gedächtnisse. und zwischen dem zwischen. die eine sekunde. in der sich wenige worte gebären. als ob.

hier. sollte es einen frieden geben. der sich die zeit aus seinen wunden kratzte. die schritte hinunter. führen in den hof. wo das kind in die pfütze sprang. aufzuwachen. mit dem duft der ausgebackenen brote in der nase.

hier. wo der schlussstein. aus dem gewölbe bricht. dort. wo sich das ursprüngliche thema. durch die letzte tonart schickt. und sich erinnert. an die erste stimmung. dort. bei den nichtgemeinten. hier.

sch.lichtung | kaum. der rede. wert

sprechen. in abbreviaturen. um nicht stammeln zu müssen. denn auch in akronymen ist gemütlichkeit. ich suche: synonym für anonym. abzuschütteln die verpflichtungen in den namen. den begriffen. ich frag nicht. um rat. ich dreh nicht. am rad. an der stacheligen spindel. ich ziehe die fäden aus den kadenzen der liedzyklen. der leidzyklen. ich repariere den zeitverschluss. nach der begründung des grundlosen. endliches zu beginnen. nach der zeitlosigkeit. kreisendes zu beenden. nach dem kreißen. dem kreischen. auszurufen: die stille. nach der periode der klanglosigkeit. zwischen den pendelnden tönen. dem schaukelnden licht. wässernd den trockenen schwamm der seele. für den schweif. der ihrem flug noch fehlte.

bis auf weiteres

sobald ich zeit habe. eine stunde. oder zwei. geh ich den augenblick entlang. doch nicht vorbei. an den gedanken. die jetzt im herbst stehen. der wieder vor mir liegt.

umwege wuchsen vor den schritten. und fast. hätte ich versäumt den frühling. der die möglichen nährte. den sommer. der die erinnerungen schuf.

vor jedem aufbruch. schlangen sich die wege ineinander. dass sich die stimmen verknoteten. und fragen über fragen. als ein gestein auf jungen gräsern.

lang war jedes jahr. das ohne rückkehr verstrich. wenig konnte sich aussprechen. über zu vieles. das sich staute an den innenwänden der blicke.

selbst der himmel entglitt mitunter den gebeten. hatte keinen halt an meer und wüste. doch jetzt kann ich noch einmal im wunsch sein. der übrig blieb. sobald ich zeit habe. eine stunde. oder zwei.

den fremden. wie dich selbst

den fremden. wie dich selbst | ordnung der räume. und unordnung der körper | leere zimmer. lieber. als einer darin | stört nicht. die zeit. der tief atmenden erde | watte auf den zungen. was schmilzt. spricht sich nicht frei | sterbende. alle | darunter die mühenden wurzeln. noch immer beschäftigt. mit halt | sprecht nicht die urteile. aus toter dichtung. nicht wieder. das alte recht. behalten | wind. frostige krumen. eine giftige frucht | von herz zu herz. die übliche lieferkette | bis einer die farben zieht. aus allen landschaften | und hinter den fenstern. grau | die anordnung wieder stimmt

sanfte frist

die erde wird sich. bald. geschlossen haben | keine andere antwort. wird sie geben. als auf die fragen der jahreszeiten | sie wird sich schließen. statt sich. endlos überwuchern zu lassen | sie ist nicht zuständig. für gedächtnis. oder verheißung | luftige schatten. oder getippel auf zehenspitzen. sind ihr vollkommen einerlei | weder. ist sie wach. noch. schläft sie ||: sie schweigt :|| von jenen. die ohne rast sind. vom mond gezogen. in bleicher wi[e]derkehr

die erde wusste immer. dass die schatten nicht altern | dass die wälder stehen. um einer fernen stille wegen | dass es ufer gibt. für eine idee. vom ersten tag | vom augenblick. einer bis dahin. verborgenen speise | und dieser frage: um welcher hoffnung willen. hatte das atmen nicht aufgehört?

mo.rph | Journal | Ein neuer Ort für Lyrik

In den vergangenen Wochen ist – zunächst ganz leise – ein neues Projekt entstanden: mo.rph | Journal für Lyrik, Poetik und poetische Gegenwart.

Das Journal versteht sich als offenes Forum für zeitgenössische Lyrik und poetisches Denken. Es möchte Gedichte veröffentlichen, neue und etablierte Stimmen miteinander ins Gespräch bringen, Übersetzungen, poetologische Essays, Rezensionen und literarische Fundstücke versammeln und einen Raum schaffen, in dem über Dichtung nicht nur geschrieben, sondern auch nachgedacht und gestritten werden darf.

Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf möglichst vielen Veröffentlichungen, sondern auf sorgfältig ausgewählten Texten, editorischer Qualität und einem respektvollen Umgang mit Autorinnen und Autoren, Verlagen sowie der Buchkultur. Das Journal versteht sich ausdrücklich nicht als Ersatz für das Buch, sondern als Einladung, Gedichte zu entdecken, weiterzulesen und den Weg zu den Verlagen und unabhängigen Buchhandlungen zu finden.

Die ersten Beiträge sind inzwischen online. In den kommenden Wochen soll das Journal Schritt für Schritt wachsen.

Ich freue mich sehr, wenn ihr mo.rph abonniert, die Beiträge lest, weiterempfehlt und das Projekt begleitet.

Ebenso herzlich lade ich Lyrikerinnen und Lyriker, Übersetzerinnen und Übersetzer sowie literarisch Schreibende ein, Texte einzusenden. Willkommen sind insbesondere unveröffentlichte Gedichte, poetologische Essays, Übersetzungen sowie andere Beiträge, die das Gespräch über Dichtung bereichern.

Einsendungen und Anfragen gerne per E-Mail an: texte@morphjournal.de

Ich freue mich auf neue Stimmen, neue Begegnungen und auf alles, was aus ihnen entstehen kann.

Euer Stefan Plasa

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