Waka 8-10

8

geh‘ nicht vorüber
Schauer heimlicher Liebe
ruf‘ dem Schatten zu
Landschaft. unwidersprochene
ziehender Tage Echo

9

das Atmen wird schwer
in den Kammern der Sehnsucht
nichts hört‘ ich von dir
weiß noch die Orte des Abschieds
und wo ich vergangen bin

10

zwitschernde Spatzen
auf so mattem Nachmittag
Stein eines Traumes
fiel ins plätschernde Wasser
flog mit den Fischen davon

zur Sammlung der Waka-Gedichte

Waka [3-7]

wirst wieder jung sein
mit einer anderen Liebe
wirst eine Ranke
um das Gestein. ums Gehäuse
im Jahr der Vergessenheit

[…]

erzähl‘ mir davon
wie dein Leben verblühte
mit deinen Worten
mit deinen Sängen reiße
mich fort ins Unverhoffte

[…]

wollte dir gehören
wollte deine Schöpfung sein
Nebel auf dem See
Irrlicht. darin gefangen
warte. dass dein Tag anbricht

[…]

er ging ohne Ton
zur Blendung eisiger Stille.
immer. ist Dunkel.
auf seiner Seite das Licht.
verhallt. Lied seiner Heimkehr…

[…]

wohin fallen wir
oder steigt die Welt um uns
Schlinge der Arme
lassen nie voneinander
und nie von unserer Furcht

Waka [1]

schlafende Amsel
auf dem kahlen Buchenast
Traum des Geliebten
der wulstige wunde Rest
des von Frost zerkauten Zweiges

Dieses waka-Gedicht (nach altjapanischem Vorbild) ist Teil eines Langgedichts mit dem Titel Intermezzo, dieses wiederum Teil des Zyklus allem Abschied voran, an dessen Abschluss ich derzeit arbeite.