
denke nicht. dass du träumst | wie die ziehenden Vögel. | dein Herz. ihm zu folgen | und einer ferneren Zeit | die noch nicht vergangen ist
Lyrik|Essays|Kritik

denke nicht. dass du träumst | wie die ziehenden Vögel. | dein Herz. ihm zu folgen | und einer ferneren Zeit | die noch nicht vergangen ist

sanft diese Tage | Winterregen | schwer der Himmel vom letzten Jahr | kurz wie der Tag mein Schlaf | Traum vom Boot das das Licht trägt | an die trotzigen Ufer der Hoffnung

was stürzt in den Schlaf? | Laub das im Fall zu Stein wird. | – doch lautlos die Nacht – | dein Haus am Rand kahler Felder | wo statt Schnee Asche niederging

Blumenfeuer. erloschen | von weißen Wänden verschluckt. | ihre Zärtlichkeit jetzt | in den Schatten kahler Zweige | vom Licht des Mondes gemalt

für Vera Nemirova
durch Spalten. Sonne | hinter der Mauer ein schöner Tag | drinnen: Vorhang aus Staub | ich könnte die Sachen packen | fortgehen durch die Landschaft hindurch | … | bevor die Landschaft fortgeht durch mich hindurch…

schließe die Bücher | aber: erzähle weiter | wohin es uns noch | verschlagen hätte. danach | wir waren noch nicht am Ende
wären nie dorthin gekommen | aber: wir wissen heute | was wir noch wollten | und an welchem Zweig wüchse | unser letzter Wunsch

15
an dünnen Fäden | die Seele. wenn der Morgen naht | gezogen vom Licht | in Wolken gewickelt | aus feineren Stoffen genäht
16
Rückkehr der Bilder: | Schritte. die Flure auf und ab… | da hängen sie jetzt – | ihr Winken. ungesehen | ihr Klopfen. ungehört

13
Äste der Weiden | wippend über dem Wasser | schlagend in die Zeit | als wollten sie Ruder sein | die Insel ins Licht zu fahren
14
was sinnst du, Vater | Raum der lagernden Worte | wohin gerufen | Gefangener deiner Gärten | [b]Bleibe. dort. wo Dämmerung…

wo blieb dein Name | Stein. Sprung ins kalte Wasser | delphisch ist sein Klang | vor der Stimme, die ausbleibt | in der Wandlungen Bleibe

Zug der Kraniche
über den Sommerfeldern…
Einer bleibt zurück,
mit den Füßen im Wasser —
am Ufer seiner Trauer.