
2022.10.14 | 946-SARS-CoV-2
[Tag 477 der Rückkehr]
ich war auf der anderen Seite der Insel. von wo die Boote nicht ablegen [er kehrte nach langer Abwesenheit zurück. die Abwesenheit kehrte zurück. und die Augen in Richtung Wasser]
wenn ich doch wüsste, von wo ich mich aufgemacht hatte. wo meine Seele aufgemacht wurde. [er wählte sich einen Hund als Begleiter. obwohl er eigentlich eher Katzen mochte. doch Katzen gehen nicht gerne auf Reisen]
die Straßen sind endlos. die Wälder und Ufer, von denen erzählt wurde, sind nicht in Sicht. aber wer so lange gegangen ist, hat irgendwann Angst vor der Ankunft. und wer sich die Ankunft nicht mehr vorstellen kann, dem kommt nichts weiter entgegen als ein schnurgerader Pfad, der die uferlose Ebene wie eine Schere durchtrennt. wer vor sich nichts sieht, sieht hinter sich umso mehr, ohne sich umdrehen zu müssen [Hunde sind immer gut gelaunt. und immer folgsam. und treu an der Seite des Wandernden] je länger ich ging, desto kleiner wurde ich. in der immer größeren Welt [Hunde verstehen gut. und wollen immer noch mehr lernen. Katzen dagegen wissen schon alles. und haben die Weisheit der Langeweile ob ihres Wissens in Trägheit und Schlaf kultiviert] bis ich an der letzten Küste als winziger Kiesel die Dünen hinunterrollte und mich unter die Wellen legte [er folgte seinen Spuren. aber er kann sich einfach nicht einholen. wie die Taue, an denen er zieht und zieht, ohne dass ein Ende zu erreichen ist] ich konnte ihn so gut verstehen. ich konnte ihn nicht verstehen [man muss das Glück nur wollen. und schöpft es aus dem Vollen] dann stand ich auf. wo ich gelegen hatte. ohne zu wissen, wo das war. dann ging ich weiter. ohne zu wissen, wohin. [er ruft jetzt nicht mehr. damit ich mich nicht umdrehe] ich bin zu allen Menschen freundlich. aber ich halte mich fern. ich traue niemandem, der unentwegt von seiner Zufriedenheit spricht. die Geschichten brauchen lange, bis sie ankommen in mir. Jahre später höre ich sie. und halte sie für die meinen [es gibt keine Sprache für das absolute Leid. und keine für das vollendete Glück. alles, was dazwischen liegt, irgendwo, dem einen oder anderem Pol näher, wird irgendwie gesagt werden können. jede Idealisierung jedoch ist eine Lüge, wenn sie nicht Traum ist oder Vision]
ich tue nicht viel. wenn ich mit mir selbst spreche. aber ich tue es, damit Welt und Zeit zu mir reden…