weißt du? etwas. von der anderen seite. weil doch früher morgen ist. weil noch ein rest vom traum im feuchten augenwinkel hängt. unten. auf dem rauen waldboden. tanzen die schwarzen ungeheuer. oben sind es nur äste und zweige. vom wind geschüttelt.
vor dem zusammenbruch. lege dich hin. bis sich öffnet: der brunnen unter dir. und die wände weichgeklopft. zu bunten teppichen. und das fenster. zerschlagen. und neu geschmolzen. zur glasharfe. einfach: alles sucht. die stimme. und die zärtliche hand des milden windes.
bettkanten. und simse. der felsvorsprung. der selbst dem kleinsten flieger einen vorsprung gibt. und du? hättest ja zur sicherheit. noch ein paar papierne segler in der tasche. gefaltete wünsche. damit sich die spärlichen worte spiegeln. zwischen falz. und falls. und sich vermehren. ins unendliche.
[eine seele. eine jede | antwort auf die frage: warum so traurig?]
die zeit. ist verstrichen. ohne ein wort. eine müde hand. ein schatten. unter den uralten kastanien. gleitend hinab. ans ufer. wo ein großer spricht.
kaum mehr. wird er sagen. als die unsagbaren dinge.
bleibender saum. des lebens. wenn es vergeht.
ach. diese güte. im anschauen aller mängel. doch außen. wird kein echo hallen. das vom unverzichtbaren spräche. von der einen nahrung. jenseits von wasser und brot. ohne die der tag nicht durchzustehen wäre. und der abend nicht lebend zu erreichen.
was zeigt sich? was drängt und drückt? in der geringsten stunde. und legt den kleinen, den zitternden finger. auf die tiefste, dunkelste stelle. auf- und abgang. des täglichen lichtes. zug vorbei. der träume. tropfen. zum staub. wunsch um wunsch. eine unendliche verkettung. eine versandung. und korrosion. in der öde. der gleichgültigkeit.
in den wänden. im gewand. blieben hängen. die geräusche. die ehrlichen erinnerungen. die wendungen. der irrsinnige schmerz. ihrer nie beruhigten sehnsucht. nach umkehr. und aufbruch. nach dem einen kräftigen abstoß. vom gestein. das sich am rand des lebens und atmens bildete. aus allen stimmen. und ihrem pendelnden gesang. hin und her. zwischen. noch nicht. und nicht mehr. einmal. und nimmer.
schließlich jener tag, an dem es heißt: im schatzhaus. gefangen. einer unbezahlbaren einsamkeit. dort: in den gegenden der dämmerung. gegen alles gelehnt. was sich ahnen lässt. und zugleich: die ankunft im wissen. nicht mehr erlebt.
und doch. zu jedem. kommt die quelle des lebens. zurück. mag dies auch erst geschehen. in der allerletzten stunde. minute. sekunde.
die quelle. nicht. die qual.
das immer gesuchte. nach allen versuchen. die welt. für sich. natur. und ihr ruf. sich ihr anzuschließen. ein opfer zu bringen. eine hingabe. eine gabe. immer gereicht. ohne jemals auszureichen.
doch dieses eine soll von ihr gesagt sein: dass sie gegeben wurde.
warum ich du sage? um vom echo verschlungen zu sein. erkannt in dem. was allein ist. zu zweit. und in der seele sich selbst gebiert. um endlich ein vergängliches werden zu können. ein trauerndes. ein sich erinnerndes. ein wirkliches. zwischen all den träumen…
lasst uns geworfene. zu gesandten werden. lasst uns schauen. erkennen und lieben. ineinander gewirkte. im stillen gebet. dem größeren zu. das in uns wuchs. und das uns hinausruft. in die gärten. und an die ufer…
wenn er erscheint. wenn er scheint. lege ich meinen schatten ab. in den er sich warf. da. auf die stelle des endes. hier. am ausgang des sterbens.
kleine seele. im zarten opfer verborgene. für die ferne liebe. für die einzige und bessere erkenntnis. fiel mir ihr name wieder ein. wie der grund meines wartens.
doch. der boden. dort. so leicht. und ich fast schwebend. vor dem streifen dämmerung.
eine stimme ging durch meinen schlaf. und ein leiser regen über das nächtige land.
sprach er nicht aus dem schilf? nicht aus den einsamen häusern? hoch über den steilen ufern. ein letztes licht. das den grauen dunst des morgens überzog.
Abschluss der Sammlung: Mecklenburgische Elegien [Zweiwochenpsalter | Tagzeitenbuch]
I
du gabst ihnen Herzen darin die Rede von einem Geheimnis ruht
keine Arbeit vergeblich keine umsonst verzehrte Kraft
spät kam der Regen und fiel bis zu ihrem Erwachen
du wirst sehen ob sie nicht vergessen haben ihr Glück zu teilen in Dankbarkeit
ach lass sie doch erzählen Genügsamer vom vollen Mond hinter ziehenden Wolken von den leicht wippenden Zweigen der Birken unter denen sie friedlicher gehen mit der zärtlichen Lüge von einer besseren Kindheit
die wenigen Wünsche leise gesprochen und als ob von dir selbst auf die Zungen gelegt
nimm ihnen nicht die Kraft, schwach zu sein
lass es ihnen so geschehen als hättest du selbst geflüstert so geschehe es
aber im Klang vieler Stimmen so viele wie es Farben hat im Reich der Blüten
ach Schönheit ihres frühen Opfers um der späten Früchte wegen den reiferen Duft und dunkleren Glanz noch haltend einen Regen lang
daran erinnernd was vor ihnen war was ihnen folgen wird wenn tiefer das Licht im Wasser steht
Abschied zu nehmen von allen Jahreszeiten
mögen sie spüren des Windes Schmerzen wenn er durch das Gefallene greift wenn sie das stillere Wissen erfasst was sie nicht lassen können was du ihnen gelassen hast für Schatten und Schutz an den heimischen Ufern ihrer Fremdheit wo sie nicht mehr sagen können was ihnen entschwand wartend erwartend was ihnen entgegenkommt wenn es sich umdrehte ihnen zuwinkend auf dass sie ihm folgen mögen die Wolkenwege, die Lichtwege wo die Luft sich bewegt als atmeten selbst die Felsen auf dass sie gemeinsam denken es braucht nur diese kurzen Aufenthalte in den Augenblicken um in der Zeit zu sein und sie zugleich lassen zu können
und sie wissen doch sicher dass sie alle Hände haben zu schöpfen das kühle Wasser der Bäche in denen als sie noch schliefen das erste Licht des Tages badete
II
du hörst doch die Gebete derer die ihre letzten Samen auf die Wege streuten bevor sie sich der Wiegen nicht entsinnen konnten
wen stört der Staub? der sich auf ihren Hunger legte
Wind und Wellen gehen über ihren Schlaf hinweg
Uhren und Glocken und Atmen im wunden Gehör
so lass doch ein Gras wachsen ein Laub einen einsamen Blick der ihnen sagte von deiner Liebe von der sie früher einmal sangen
aber allein sitzt jetzt die Amsel auf dem First stumm und als ob versunken in der Schwere der sich zum Winter schleppenden Tage
unerträgliche Sonne über den sandigen Ebenen vertraute Wälder der Kindheit brennendes Haar der Nymphen was auch immer die Träume der Sterbenden heimsucht
treib sie nicht fort aus dem Duft der Äpfel und den Farben der Dämmerungen
leg doch dein Schweigen in ihre Starre unter die Haut der frostigen Wangen
für kommende Blüte ein Odem für den Ruf ihrer Namen dort
jetzt ziehen schon wieder die Schwalben am Ufer stehst du zwischen den Weiden. gebeugt und siehst die Pfade zurück die Spur, die sich dort zeigt der Gräser am Wegrand, der falben und hast einen Blick als winkten dir Freunde zu mit seidenen Fahnen, halben die du durchschnitten bevor sie dir Abschied sagten. und: gute Ruh‘ bevor du mit anderen Schritten heimkehrst. und blätterst in staubigen Alben…
ruhend | unter dem Regen | ziehend | in anderen Farben | an Sonnentagen || umgänglich | unumgänglich || an Feldern entlang | kreisend | um die nähere kleinere Welt || hält er den Atem an | hält er die Flügel bereit | falls aufkommt ein Wind | falls er aufkommen muss | für ein gesprochenes Wort || oder auf dem Boden | einer fremden Hoffnung