die frieden stiften

[schattenüberwurf | kreuzlagerfeuer]

stamm. oder fallendes laub. oder niedriges gras. das sich wärmen möchte.

blut des einzelnen. blut aller. des einen hoffnung. die hoffnung aller.

täusche dich nicht. 08:16:02. ist der ewige glockenschlag. dessen klang sich ergießt. auf alle schlafenden landschaften. herab. vom kalvarienberg.

täusche dich nicht. das eine grab. ist das grab aller. rund ist die erde. und hält allen staub. nah bei ihrem gerippe. und lässt sich massieren. den wund geschufteten buckel. von der immer gleich fließenden zeit. allen. den erschöpften. wie den ausgeruhten. hat sie den wecker gestellt. im ewigen wimpernschlag. den ganzen langen sommertag. hindurch. an jedem ort. in jedem schmerz. ihrer uralten, urjungen träume. sie kann sich die brandschatten nicht von der juckenden haut ziehen. und nicht den erstickten schrei aus der verätzten kehle.

täusche dich nicht. im spielzeug des kindes. sind die arzneien. wie die waffen. sie zählen bis 10. und schenken sich leben. unendliche. sie zählen zurück. bis zum quellen der warmen, fetten milch. aus den knospen der eibe. vom blitz getroffen. und ausgebrannt. auf dem friedlichen kirchhof. wo die steine etwas schief stehen. wie eingenickte greise. mit zur rechten schulter geneigtem kopf. in den wachsgesichtern. der aufgebahrten. ruht die ferne offenbarung. und das pfeifende atmen der asthmakranken. als ein leises erinnern. an die winzige rückung. zwischen schüttelreim und stechschritt.

warm ist das glück der strände. in der ewigen sommerfrische. unter der menge der sommerfrischen. doch täusche dich nicht. wenn die hand in den weichen sand greift.

täusche dich nicht. die eine stille. ist überall. in den frisch gebrannten ziegeln. wie im gefärbten glas. wie im gebeizten holz. wie in den falten. die noch das sanfteste wasser schlägt. denn. im amen. das es fortwährend murmelt. ist schon jeder name gesprochen. bevor er vergeben wurde. der schaum auf den wellen. wie um die münder. ist die eigentliche ur- und antimaterie.

darum. täusche dich nicht. nur weil es so viel festes gibt. so viele feste. wachzuhalten. ein fremdes gedächtnis. wenn erst bei einbruch der nacht. aus allem die farben genommen sind.

bleibe standhaft. zwischen den aufgerichteten kreuzen. warte vor allem verschwinden. und täusche dich nicht. ob dieser ruhe. auf allen weitläufigen inseln. ob dieser leichtigkeit. eines schmerzlosen vergehens. in aller muße. wenn es erst vor dir liegt: das bedingungslose. das bedingungsLos.

gegen die ufer. angeschwemmt

[zwie. spalt | sauermilch der nachgeborenen | drahtgefieder der nothelferinnen]

Beginn einer neuen Dichtung

alle tage in einem. der eine: wie alle. so hing das leben. kopfüber. als matte verheißung. und zunge aus sand. betrachtet: von augen aus brennenden kerzen.

die maske hilft nicht. hält nicht. das erodierte. das sich fortatmet. wolke für wolke. man wächst dem grauen zu. dem undurchdringlichen.

rede und lied. ist in den wäldern. ist in den feuern. und in den wassern. ein trübes hielt ihre teilchen beisammen. ahnung und angst.

und doch. betraten sie die boote. oder zogen in karawanen. verließen ein hiesiges. mit nichts. als ein paar erzählungen. von hoffnung erschöpft. schob sie hinaus. das grauen des morgens. zog sie hinein. das zwielicht des abends. dass jede wanderung kennt: eine heimat.

die vielen briefe. die. eines tages

[Πένθος. große not. gottes begleiter. schweigend]

wie nur? weiter. zu-stand. unbewegliche welt. leerstand der seelen. ein atem steigt aus dem großen wasser. und steht in steinernen wolken über den inseln. der gleiche blick. abends. wie morgens.

die heimchen krochen hinab. in die kehlen der schlafenden.

wohin nur. bei all dem platz. endloses. sandiges land. in den augen der wandernden. vorbei an den bitteren seen. da flackert weit draußen. ein saum des schilfs. von dem schon immer die sage ging.

honig. und träne. duft ihrer heiligen wunden. da tropft hinein. die erste strophe der amsel. bevor es tagt.

hinaus. hinaus. ablandig wies uns der wind die wege. wir pflanzten die bäume. die uns einmal zu booten werden. zu-stand der welt. über der weite unserer träume.

diese stunde. jegliche zeit. den zimmern müssen noch fenster wachsen. wir wartenden weben das x-te jahr. in die vorhänge und die gewänder.

ob er nicht hört?

die heimchen krochen hinab. in die kehlen der schlafenden.

die vielen briefe. die. eines tages

[2.07 | klar.stellung]

heftige durchfahrt. des augenblickes. durch mein erschöpftes gedächtnis. verzagten zweigen zur erinnerung. ans baldige knospen. längere haltbarkeit. der schockgefrosteten empfindungen. und der wunsch. nach vollendung. in den zwei augen. die sich nicht schließen können. verschlossen im luftdichten kristall.

doch: so ließ sich bewahren. der ruf. nach nähe. also im grunde. wie die kastanien. die wir als kinder sammelten im herbst. und auf streichhölzer spießten. damit sie stehen. zwischen den märchenbüchern. und wachen. auglos. und ohne zeitbedrückung.

denn mit uns. wurde schon immer. die frühe ahnung geboren. dass alles mütterliche. sein würde. eine zärtliche vorbereitung. des abschieds.

die vielen briefe. die. eines tages

[eine seele. eine jede | antwort auf die frage: warum so traurig?]

die zeit. ist verstrichen. ohne ein wort. eine müde hand. ein schatten. unter den uralten kastanien. gleitend hinab. ans ufer. wo ein großer spricht.

kaum mehr. wird er sagen. als die unsagbaren dinge.

bleibender saum. des lebens. wenn es vergeht.

ach. diese güte. im anschauen aller mängel. doch außen. wird kein echo hallen. das vom unverzichtbaren spräche. von der einen nahrung. jenseits von wasser und brot. ohne die der tag nicht durchzustehen wäre. und der abend nicht lebend zu erreichen.

was zeigt sich? was drängt und drückt? in der geringsten stunde. und legt den kleinen, den zitternden finger. auf die tiefste, dunkelste stelle. auf- und abgang. des täglichen lichtes. zug vorbei. der träume. tropfen. zum staub. wunsch um wunsch. eine unendliche verkettung. eine versandung. und korrosion. in der öde. der gleichgültigkeit.

in den wänden. im gewand. blieben hängen. die geräusche. die ehrlichen erinnerungen. die wendungen. der irrsinnige schmerz. ihrer nie beruhigten sehnsucht. nach umkehr. und aufbruch. nach dem einen kräftigen abstoß. vom gestein. das sich am rand des lebens und atmens bildete. aus allen stimmen. und ihrem pendelnden gesang. hin und her. zwischen. noch nicht. und nicht mehr. einmal. und nimmer.

schließlich jener tag, an dem es heißt: im schatzhaus. gefangen. einer unbezahlbaren einsamkeit. dort: in den gegenden der dämmerung. gegen alles gelehnt. was sich ahnen lässt. und zugleich: die ankunft im wissen. nicht mehr erlebt.

und doch. zu jedem. kommt die quelle des lebens. zurück. mag dies auch erst geschehen. in der allerletzten stunde. minute. sekunde.

die quelle. nicht. die qual.

das immer gesuchte. nach allen versuchen. die welt. für sich. natur. und ihr ruf. sich ihr anzuschließen. ein opfer zu bringen. eine hingabe. eine gabe. immer gereicht. ohne jemals auszureichen.

doch dieses eine soll von ihr gesagt sein: dass sie gegeben wurde.

nicht dem tode. glauben

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

wenn er erscheint. wenn er scheint. lege ich meinen schatten ab. in den er sich warf. da. auf die stelle des endes. hier. am ausgang des sterbens.

kleine seele. im zarten opfer verborgene. für die ferne liebe. für die einzige und bessere erkenntnis. fiel mir ihr name wieder ein. wie der grund meines wartens.

doch. der boden. dort. so leicht. und ich fast schwebend. vor dem streifen dämmerung.

eine stimme ging durch meinen schlaf. und ein leiser regen über das nächtige land.

sprach er nicht aus dem schilf? nicht aus den einsamen häusern? hoch über den steilen ufern. ein letztes licht. das den grauen dunst des morgens überzog.

das letzte lied. verzehrt mein herz

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

vergesse nicht. die nacht. als die schatten ineinander flossen. den sang der träume. als wir auseinander gingen. befreit. und verloren. für den zauber der erwartung. stein ist das wort. das ins wasser fiel. wie das fest der wiederkehr. staub ist die spur. bis zum nächsten wind. aber die letzte gefangenschaft ist auch die ewige. versunken. in der einsamkeit des augenblicks. du bist das fremde land. das durch die seele wanderte. die sich zurückzog. in die verlassenen dinge.

dachschaden. schnatternd. die interpreten. während der autor schnarcht

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

von den gewölben. herab. disteln. auszustopfen die hohlen. landung der flaschen-post. atem der all-beschenkten. von der hoffnung zerdrückt. als ladung sand. lassen wir nachbedenkenden die unbedachte wieder retour gehen. aber: auf glas wächst kein gras. träume und trümmer haben wir über die wogen geschickt. warfen über bord die bilder und bücher. damit wir gestrandete werden durften. wir wollten ankommen. und immer in der ankunft wohnen. weit in die nacht hinein. schob sich unser begehren. die flügel der bleiernen tore. auf unsere steifen rücken zu spannen. doch vom inneren der wände her schlagen die stimmen wie rispen gegen den wind. laubzungen. mit reißzwecken gezähmt. ja. im gedächtnis der nägel. bewahrt sich das ganze wissen. um die lohnenden opfer.

verdorrtes. verlorenes. saum der offenen gräber.

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

stille. die saat des vergänglichen. ja. wie sich das himmlische verzweigt. aus welchem licht denn sonst? in welches gewebe denn noch, wenn nicht das seelische, das sich einschloss in die schattigen räume der kindheit. eben dort. wo alles ist. uneben. unsichtbar. die erde. die verwandlungen. pfade. und übergänge. frühlinge. und vertrauter tod. eben dort. wo jedem ding, das einmal war, das einmal sein durfte, eine hand wächst, die sich ausstreckt nach dem traum, der dich hat hochschrecken lassen. aus dem viel zu langen schlaf.

geh. immer. dem herbst voraus

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

alles ist entschieden. alles ist anders. jeden tag. verwachsen mit den steinen am wegrand. alles. was wuchs. glücklich. vielleicht. wo die zeit versank. wo der atem versagte. als ein wunsch ausgesprochen sein wollte.

dort. wird nichts mehr hasten. nichts mehr haften. wo klarstes wasser über die schatten gleitet. und das einmal beschriebene papier zurückkehrt in die leere seiner hoffnung. also. gerade so. als ob eine blüte zog ins haus der knospe.