zerrende Zeit | Wolken wie ziehende Herden | Abdruck des Engels | Nachtkuss auf dem Gestein | des Bittenden Auge
dein letzter Blick zum Abschied geschnürte Schuhe
alle Wege führen fort aus der Luft des blühenden Jahres hinaus aufs stille Meer wo sich mit spätem Licht mischt ein Staub und wie zu stehen scheint auf einem fernen Odem
wie du warst. den letzten Herbst. Laub, das ins Dunkel fiel. stilles Herz. Straße. durch den leeren Tunnel. zwischen den Nachtgewächsen. Stunden des Schweigens. ein erster Sturm. am Anfang der Zeit. sprachen doch zueinander. in unseren Träumen. sangen uns zu. die weißen Segel. ferne Rufe. nacktes Gestein. in die Beete gepflanzt. starr in der Hoffnung. die Schatten nicht mehr verschwunden. lautloses Band. zwischen Abend und Abend.
die Stimme die stumme in sandiger Hülle entlang der Scheiden zwischen Meer und Land unterwegs mit den Winden mal Flosse mal Flügel die Lider gelöst die Blicke gefallen durch ihren Sang gegen die Wogen ihr flüchtiges Schwingen einsam und fern
nach dem ersten Herbststurm Heimweh und Fernweh verstreut zwischen Laub und Schritten drei Wolken verteilt über den Tag drei Gebete in Decken gewickelt die Blicke hinaus voller Falten und rankend um die Gesichter ein hilfloses Wünschen
die Fahrt geht weiter die Fährten von Zeit bedeckt und Föhren über die Klippen gebeugt als hätte die Küste ihr Wandern unterbrochen
ach so lang die Wege zwischen Tag und Bestimmung und wund die Pfade vom wuchernden Dickicht
wussten die Tränen nicht was die Hände halten wollten was mit den Rehen hinter der Lichtung verschwand?
ein Meer rauschend um die Augenblicke ein Wehen ein Weh um das endlose Schauen
[Waka-Variation | Mais nous ne voyons pas la Carmencita! | sie kommen | sie gehen | die Zeit fließt dahin | nimm deine Fragen mit | für später einmal | die Stunde der scharfen Messer | sie schneiden auf | sie schneiden dich auf | in Scheiben | dein singendes Herz | darin ein einziges Lied: fort! fort!]
[Waka variation | Mais nous ne voyons pas la Carmencita! | they are coming | they are going | time goes by | take your questions with you | for later on | the hour of sharp knives | they cut | you | into slices | your singing heart | in it your only song: away! away!]
dunkel. deine Stimme in ihr: deiner Klage Schatten deiner Seele verlassenes Haus dein Tanz. auf staubigen Stufen – leicht wie ein Wind in den brennenden Flügeln
dark. your voice therein: your lament’s shadow your soul’s abandoned house your dance. on dusty steps – light as a wind in burning wings
Abschluss der Sammlung: Mecklenburgische Elegien [Zweiwochenpsalter | Tagzeitenbuch]
I
du gabst ihnen Herzen darin die Rede von einem Geheimnis ruht
keine Arbeit vergeblich keine umsonst verzehrte Kraft
spät kam der Regen und fiel bis zu ihrem Erwachen
du wirst sehen ob sie nicht vergessen haben ihr Glück zu teilen in Dankbarkeit
ach lass sie doch erzählen Genügsamer vom vollen Mond hinter ziehenden Wolken von den leicht wippenden Zweigen der Birken unter denen sie friedlicher gehen mit der zärtlichen Lüge von einer besseren Kindheit
die wenigen Wünsche leise gesprochen und als ob von dir selbst auf die Zungen gelegt
nimm ihnen nicht die Kraft, schwach zu sein
lass es ihnen so geschehen als hättest du selbst geflüstert so geschehe es
aber im Klang vieler Stimmen so viele wie es Farben hat im Reich der Blüten
ach Schönheit ihres frühen Opfers um der späten Früchte wegen den reiferen Duft und dunkleren Glanz noch haltend einen Regen lang
daran erinnernd was vor ihnen war was ihnen folgen wird wenn tiefer das Licht im Wasser steht
Abschied zu nehmen von allen Jahreszeiten
mögen sie spüren des Windes Schmerzen wenn er durch das Gefallene greift wenn sie das stillere Wissen erfasst was sie nicht lassen können was du ihnen gelassen hast für Schatten und Schutz an den heimischen Ufern ihrer Fremdheit wo sie nicht mehr sagen können was ihnen entschwand wartend erwartend was ihnen entgegenkommt wenn es sich umdrehte ihnen zuwinkend auf dass sie ihm folgen mögen die Wolkenwege, die Lichtwege wo die Luft sich bewegt als atmeten selbst die Felsen auf dass sie gemeinsam denken es braucht nur diese kurzen Aufenthalte in den Augenblicken um in der Zeit zu sein und sie zugleich lassen zu können
und sie wissen doch sicher dass sie alle Hände haben zu schöpfen das kühle Wasser der Bäche in denen als sie noch schliefen das erste Licht des Tages badete
II
du hörst doch die Gebete derer die ihre letzten Samen auf die Wege streuten bevor sie sich der Wiegen nicht entsinnen konnten
wen stört der Staub? der sich auf ihren Hunger legte
Wind und Wellen gehen über ihren Schlaf hinweg
Uhren und Glocken und Atmen im wunden Gehör
so lass doch ein Gras wachsen ein Laub einen einsamen Blick der ihnen sagte von deiner Liebe von der sie früher einmal sangen
aber allein sitzt jetzt die Amsel auf dem First stumm und als ob versunken in der Schwere der sich zum Winter schleppenden Tage
unerträgliche Sonne über den sandigen Ebenen vertraute Wälder der Kindheit brennendes Haar der Nymphen was auch immer die Träume der Sterbenden heimsucht
treib sie nicht fort aus dem Duft der Äpfel und den Farben der Dämmerungen
leg doch dein Schweigen in ihre Starre unter die Haut der frostigen Wangen
für kommende Blüte ein Odem für den Ruf ihrer Namen dort