flüsterndes mag noch sein im laub der leergepflückten brombeersträucher ein murmeln noch in den rinnsalen vom hügel die straße hinab weil ein heftiger schauer niederging
aber die stimmen sind wie die goldenen kugeln die in die brunnen fielen wann immer gesprochen wurde von wünschen
[nicht zu vergessen: wie schön das Blau des Himmels unterm Wolkenzug. und: ganz ohne Zeitdruck zu beschreiben ein leeres Blatt Papier. dorthin zu schauen. ist. wie hier anzukommen. als wir noch Kinder. als wir noch hatten Mütter und Väter. denn: dort oben ist es sehr tief. aber: hier unten und dazwischen ist es jetzt. also: der Bereich einer möglichen Sprachlichkeit für den Augenblick. sofern er uns an etwas erinnert. das noch kommen soll]
wildes Gras. letzte Entfaltung im Träumen. ohne Ansprüche an die Wirklichkeit. auch das Lamm ist spät. und in seinem Fell ist die Müdigkeit des frühen Nachmittags. dennoch: die Zeit der Metaphern läuft ab. das Säkulum der Protokolle bricht an. die unverschlüsselten Gedanken täglich und pünktlich abzuliefern. bevor es dämmert. bevor es einem dämmert. und all die verstrickte und verstümmelte Sprache. abzulassen. ohne Ablass. wie den kondensierten Atem aus der Wasserklappe der ewigen Posaune.
…die Landschaft mit den Sterbenden. die Enden des Vergehens dehnen sich. als reiche die Unendlichkeit dem Zeitlichen ihre Hand. dem in seiner Ermattung immer noch zögernden Leben zu helfen. auf die andere Seite. weil hier selbst der letzte Atemzug noch einen Schatten Sehnsucht in sich trägt. im Blick zurück. da. wo er hängenblieb. den Schritten nachzuschauen. die er noch hätte gehen können. zu spüren. wenn er steht. an den Grenzen. Küsten. Ufern. dass sie erinnert sein werden. in ihm. der die Zeit trug durch die Wälder und um die Seen und die stillen Flüsse entlang. denn so dachte er einmal: solange ich gehe durch die nahen Gegenden, aus denen ich wurde und wuchs, werden sie nicht verödet sein und nehmen mich zu sich in die Tiefe ihres Schweigens. da. wo die Seelen weiden.
[dritter Ort: Manila, Makati City, Jazz Residences, Tower C]
Alles lässt sich denken. Das macht es nicht einfacher. Die Grenzen des Denkens sind fällig (Verordnungen, Entscheidungen, Zwecke) oder zufällig (Ungeduld, Müdigkeit, mangelnde Zeit). Wen das Denken nicht erschöpfen soll, muss es lieben. Und wer es liebt, hat Freude an den Vorstellungen und den Vermutungen, an den verzweigten Pfaden, am Spiel und an den Geheimnissen. Dieser fragt sich, ob es vor dem Leben schon eine Existenz seiner selbst gegeben hat. Er erlaubt es sich, eine solche zu wünschen und ist nicht gram um die unbeantwortete Frage, um den unerfüllten Wunsch. Auch wenn der Anfang des Lebens Geburt heißt und sein Ende Tod, schreckt er nicht davor zurück, das Ende zum Anfang und den Anfang zum Ende zu machen. Selbst der Beginn der Zeit kann ihm ein hilfreicher Gedanke sein und ein nötiger Zweifel zugleich. Er wagt es sogar, seine eigene Vergangenheit für veränderbar zu erklären. Es mag sein, dass er dies tut, weil er eine innere Not spürt. Denn die Geschichte ist eine Wunde und die Erzählung eine lindernde Tinktur.
siehst die Hungrigen. hörst die Sprachlosen. teilst die Einsamkeit. die sich nicht teilen lässt. ihre Blicke werden sich nicht mehr heben über die steinerne Schwere ihrer Füße hinaus.
du bist der Hirte der Schweine. du hast nie vergessen, was sie über die Schweine sagen. und über die Ställe. wende dich einfach um. da war das Ufer seiner baldigen Rückkehr. zehn Jahre lang. darüber der Himmel, der diesem Land seinen verspannten Rücken zeigt. er lässt sich massieren von den Schiffen, die durchfurchen das schwere Wasser, so alt und grau wie dein Haar. in seinen Spiegelungen quellen hervor deine Gedanken an die golden schimmernden Wege, die vom Ende her gegangen werden. du wirst der Rufende sein und der Gerufene. der Fremde, der die Fackel hält um der verlorenen Schatten willen.
aber wenn er die Dünen aufwärts schreitet, hältst du die Küste mit deinen wurzelnden Füßen, dass die Heimat, die er glücklich wiederfand, den Schritten des viel zu lange Geirrten nicht entgleitet und davonläuft wie die Zeit.
Sollten wir uns etwa nicht sorgen um Gott? Die Spuren des Traurigen unter uns. Das Erloschene zwischen den Fetzen der Träume. Vielfach hat es uns gegeben, damit wir es einmal begreifen, was uns hielt bei den Straßen und Ufern. Aber doch nichts zu erbitten um der Bitte willen, sondern weil es um das Leben ging, das eigene, vor allem aber das der Anderen. Wir setzten uns selbst ein Ende, setzten wir Ihn nicht ein als den höchsten, einsamsten Wächter, setzten wir uns nicht aus der schmerzvollen Warte, auf die ein jeder Liebende sitzt. Es gibt keinen Urlaub von der Sorge für die tief und wahrhaftig Liebenden. Denn ihre Seelen geben sich unverändert den in ihnen Wohnenden, ganz gleich ob sie empfangen oder verlassen wurden. Und um ihrer Treue willen werden sie verwandelt sein ins dreifach gebrochene Licht des wundgescheuerten Glases, durch das all die Blicke all den Augenblicken hinterherschauen.
wo ist dein grab im sand verlorener schatten aus deinem letzten blick wachsender zweig. ein baum vielleicht in 7 jahren mit flammenden blüten im frühjahr. und bangenden früchten im herbst
wohin drehte sich der wind und schlug das wasser der klage ins gestein und kämmte die samen aus der mürben erde gingst du ihm nicht entgegen? mit einem steten rufen: wehe. hoffnung
ach. das kristall deiner zukunft und der bleibende einschluss des schütteren das gebrochene licht. verwandelt zum schmerz weil die schwelle der zeit überschritten sein muss
Es gibt Träume, die sich schnell vergessen und die nur im Träumen selbst eine Fortsetzung finden; in ihnen ist ein immer verschüttetes anderes Leben. Und dann gibt es Ereignisse, die dieses Träumen – mindestens in Fragmenten – hervorholen und es heben auf die Stufen und Bühnen der wirklichen Zeit; sie erinnern an lange verlorene Hoffnungen, an Entschlüsse, die (scheinbar) alles veränderten, an mögliche neue Entschlüsse, die ganz sicher alles aufs Neue verändern werden, im klaren Wissen um die Unmöglichkeit einer Heimreise als einer schlichten Rückreise, selbst wenn der Eindruck entstehen mag, im Kreis gegangen zu sein und wieder an derselben Stelle zu stehen, an der das Gedächtnis all die Zeit festhielt. Die schlimmsten Entschlüsse aber sind die nicht gefassten, denn sie entspringen der Illusion, dass sich mit ihnen nichts ändern wird…