trieb.kopf.störung

[un.bedenk.lich.keit.s.be.schein.ig.ung]

und jedermann ging. die wunder zu validieren. die wunden. die felle. der fall. einer anomalie (≠ singularität). falls es nicht hagelt. beschwerden. weil: verzögerungen. im betriebsablauf. chorus horrendus: eine drehfahrt. die ist lustig. halbe strecke. rechter weg. linksrheinisch. überall. mittig platziert. schädelbasis. in sanfter verankerung. auf federn. die wut. dunkel und wild. wälder. überall. das rascheln unter den sohlen. haut. die nicht mehr beschrieben wird. fahrstuhl der blicke. durch nacht. in erwartung der schatten.

gestern endete jeder pfad. in einer furcht. vor der vergangenheit. wenn sie im späteren jahr die früchte abwirft. die fragen. durch halbersticktes licht gezwängt. an ihrer flucht gehindert. von zahlreichen ufern. rastzeiten. wegen ahnungen. ausgesetzt. restzeiten. in freundlicher öde. wortlos. in kalter traurigkeit. wertlos. weil ungestillt. die zeit. die wanderschaft. wege. unentwirrt. und vom schmuck strangulierte. einzelne. flüchtend. vor der aufmerksamkeit. dem tag der verstrickten. der drei mal gebenedeiten. kalesche. beim zwölften zug um den mond.

wieder.vor.lage

parkbänke. fensterbänke. leer. lagernd vor fernen ufern. noch nicht am ende. der tag. am boden. angebrochene bücher. blaues gras. hochgeschossen. wie aus dem brunnen. der ball. noch einmal luft zu holen. und zurückzufallen zur erde. zu ihren kindern. zu den unverletzlichen träumen. aber noch nicht. jetzt. erst noch. dieses. und vieles. aber dann. im nächsten jahr. gewiss. zu ende lesen. zurück im haus. zu suchen. vergessenes. zwischen den kissen. dem holz der regale. vom sommer abgeschrieben. aber dann. unter dem ruhenden himmel. kälter. und klarer. enger. und fester. ein weiterer ring. um den namen. um den trockenen widerhall. eines erdenklichen. dann.

körper.fris[s]t

vor zehn tagen. oder vor hunderten. seither ein rauschen. vorbei. im gedächtnis. haft der gleichnisse. jetzt aber. nicht zu versäumen. den augenblick. der lautlosigkeit. zwischen dem sprechen. unentwegt. verzweifelt. verzweigt. hinaus. ein schauen. wurde zu einem gedicht. dahingesagt. klanglos. in augen. abgelegten. grau. das meer. unter dem himmel. unfrei. die anachronistin. bedrückt. und bedeckt. die zeitgebeugte. dankbar dem körper. der sie trug. der sie ertrug. unter all der befristung und sparsamkeit. geltend für alles geträumte. in bitterer stunde. wagnis der schritte. vom fremden fuß getan. oder noch warten. zehn minuten. als letzte duldung. weil die lider gerade sehr schwer. und gedämpft die erwartungen.

rest.bestand

Foto: Allan Acosta Greño

einzig. was dir gehört.
wundes. zwischen zwei saiten.
im verklingen ihrer spannung.

halbes geschehen. hälfte
eines entleerten atems.
im abrieb gefallener worte.

vermutlich. vergeblich.
versuchte erkundung.
gang eines schattens

durch das licht. das ihn verließ.

vorläufig. ohne beschwerde

verzeih. wenn ich das. noch nicht. so ganz. und was mich so kühl anweht. gewiss. die unruhe auf den wegen.

es wäre wesentlich besser. sich treiben zu lassen. hingabe an eine zeit. die überwunden ist.

ohne je wundlos sein zu können. weil das verlorene an den fersen klebt. weil es nichts klareres gibt. als das versäumte.

ich bin nicht traurig. die tage sind schön genug. die zeit hinterlässt keine spuren.

ein taubes gewölle. die früheren wünsche. ein kaum gehauchter saum des schlafes. die restliche empfindlichkeit.

ein gedanke nur. der geliebte mensch. zu dem ich spreche.

heute verstehe ich besser. bin in der stille daheim. die am anfang und am ende eines jeden tages steht.

auch die herzen. aus denen ich fortgestoßen wurde. können nicht leer sein. bei all dem erinnern.

wenn die einsamkeit kein geschwätz mehr ist. wenn sie schön geworden ist. wie eine ruhende schneelandschaft.

so ist es doch wesentlich besser. als hörte man die beschwerden der zeitverweser. weil die kastanien ein zweites mal blühen. in diesem jahr.

aber wie viel mehr als eine gebärde ist das wort. und was soll schöner sein als der schlaf. sicher nicht das erwachen.

mühelos muss die liebe sein. wie das graue warten der häuser entlang zertretener straßen.

sie lassen alles durch. doch bedeutung hat nur das angekommene. was in den heimischen zimmern sitzt.

und sich nichts vornimmt. sich nichts vormacht.

bleiben ist so gut wie gehen. ohne die mühsal der hoffnung.

und arbeiten. natürlich. ist sehr gesund. gegen die schnellen flüchtigen tage.

eben: beiläufige geschehnisse. die dem allerletzten nicht im wege sind.

sieben schritte | bei.nahe

ich versuchte mir vorzustellen, dass antworten kämen, wie auf besuch, in den schlimmsten stunden und ohne vorherige frage.

ich würde vielleicht hinausgehen, ohne besonderen grund, einfach nur, um mich umzusehen, aber nicht vor dem herbst, sondern erst, wenn die straßen sich leerten.

alle pläne müssten jedoch vage bleiben, damit es auch immer anders kommen könnte. und zugleich rechnete ich mit längeren aufenthalten in den zurückgelassenen fragen.

da sähe mich vielleicht ein anderes auge. genau dort, wo ich dann stünde und das warten wohnen nannte. weil es fast so schiene, als ließe sich die zeit zum verweilen überreden.

aber dann sprachen wieder, unablässig, die unerhörten worte zum herz. und was sich noch bezweifeln ließ, wurde davon nicht verschont: dass nicht die zeit innegehalten hatte, sondern die seele.

ja. der sterbende, der noch zu sehr am leben haftete. mit der ausgestreckten hand, die durch einen traum gegriffen hatte, um den schweren augenblick zurückzuziehen. wie ankertaue der längst verschwundenen schiffe.

was aber stattdessen geschah, war ein erinnern. und also ein sagen des anderen. unwirtlich nur dann. würde es wirklich.

nach.saison

es gibt. nichts. zu erzählen
die welt will. nichts. wissen von

verlassenheit

zählt die vorhandenen ab
hier. im aufenthalt
hier. in der totenstille
jene. die klug genug waren
sich zu trennen von
endlosen sommern

nicht angekommen
oder zu spät
oder ein anderes mal

aus.fahrt
für ein warmes gefühl
der rückkehr

während am ende des alten jahres
der anfang des neuen lehnt

die andenken liegen in nummerierten kisten
unten. wo die mauern schwarz sind
von früher

wilde gegend
an ufern fast vertrockneter flüsse

blatt eines briefes
zwischen laub

verzeih
auf bald

Von den Träumen, die wir verlieren. Und jenen, die bleiben.

Patrick Ridlmaier: Hotel der Träume – eine literarische Begegnung

Es gibt Augenblicke im Leben, in denen nichts mehr an seinem Platz zu sein scheint. Die vertrauten Dinge sind noch da, die Straßen, die Häuser, die Geräusche eines gewöhnlichen Morgens. Und doch ist etwas unwiederbringlich verloren gegangen: die Gewissheit, im eigenen Leben zu Hause zu sein.

Von einem solchen Augenblick erzählt Patrick Ridlmaier in seinem Roman Hotel der Träume, erschienen im Empathie Verlag. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, dem nach und nach alles abhandenkommt, worauf er seine Vorstellung eines gelungenen Lebens gegründet hatte. Und es ist zugleich eine Geschichte über die eigentümliche Möglichkeit, gerade im Verlust einen neuen Anfang zu entdecken.

Kilian hatte einmal allen Grund, glücklich zu sein. Er war aus der Enge seines Heimatortes aufgebrochen, hatte studiert, eine Anstellung als Werbetexter gefunden und sich verliebt. Ein Leben, das sich fügte. Ein Traum, der Wirklichkeit geworden war.

Doch irgendwann beginnt diese Wirklichkeit zu zerfallen. Eine innere Dunkelheit breitet sich aus, Freundschaften verstummen, der berufliche Alltag gerät aus den Fugen. Schließlich verliert Kilian auch Mara, die Frau, die ihm bis zuletzt Halt gegeben hatte.

Ridlmaier erzählt diesen Zusammenbruch nicht als einzelnes dramatisches Ereignis, sondern als schleichende Entfremdung. Besonders eindringlich wird dies dort, wo sich die innere Verfassung seiner Hauptfigur in alltäglichen Beobachtungen spiegelt: in einer vernachlässigten Wohnung, im morgendlichen Ritual der Kaffeezubereitung, im leeren Ohrensessel der fortgegangenen Geliebten.

Selbst der Frühling, gewöhnlich ein Versprechen des Neubeginns, wird für Kilian zur Zumutung. Während die Menschen wieder ins Freie drängen, lachen und einander begegnen, empfindet er die erwachende Lebensfreude als schmerzliche Erinnerung an seine eigene Einsamkeit.

Dann erhält er von einem Freund eine merkwürdige Adresse. Ein Hotel, irgendwo abseits der Stadt. Ein etwas in die Jahre gekommenes Haus, umgeben von Bäumen, geführt von einem eigentümlichen alten Direktor. Ein Ort, an dem angeblich Wunder geschehen.

Was aber ist ein Wunder? Vielleicht nichts Übernatürliches. Vielleicht nur eine Begegnung im richtigen Augenblick. Ein Gespräch, das eine längst verschlossene Tür öffnet. Oder jener unerwartete Wechsel der Perspektive, durch den etwas Vertrautes plötzlich in einem anderen Licht erscheint.

Ridlmaier lässt seinen Protagonisten für zwei Nächte in diesem Hotel einkehren. Was dort geschieht, entfaltet sich in einer Folge von Begegnungen und Gesprächen, die den äußeren Handlungsraum zunehmend zu einer Landschaft innerer Erfahrung werden lassen.

Dabei ist das Hotel mehr als ein Schauplatz. Es ist ein Zwischenraum: weder das alte Zuhause noch ein neuer, endgültiger Ort. Eine vorübergehende Unterkunft für einen Menschen, der erst wieder lernen muss, bei sich selbst anzukommen.

Überhaupt sind Räume in diesem Roman von besonderer Bedeutung. Schon zu Beginn steht Kilian auf einem traumhaften Marktplatz, auf dem alles im Überfluss vorhanden ist und dennoch niemand etwas an sich nehmen kann. Später werden Wohnung, Arbeitsplatz und Stadt zu Orten der Entfremdung. Erst das Hotel eröffnet einen Raum, in dem das Leben nicht länger nach den Maßstäben des bisher Erreichten beurteilt werden muss.

Damit berührt der Roman eine Frage, die über Kilians persönliche Geschichte hinausweist: Was geschieht mit uns, wenn die Träume, die unserem Leben einmal Richtung gaben, nicht mehr tragen? Vielleicht liegt die eigentliche Schwierigkeit nicht darin, Träume zu verwirklichen, sondern darin zu erkennen, wann wir an ihnen festhalten, obwohl das Leben längst weitergegangen ist.

Ridlmaier nähert sich diesen Fragen mit großer Ernsthaftigkeit und einer bewusst zugänglichen, bisweilen gleichnishaften Erzählweise. Er scheut weder die großen Begriffe noch die unmittelbare Auseinandersetzung mit Schmerz, Einsamkeit, Liebe und Hoffnung. Sein Roman will nicht durch ironische Distanz beeindrucken. Er sucht das Gespräch mit seinen Leserinnen und Lesern, möchte Erfahrungen teilen, Zuversicht ermöglichen und Fragen stellen, auf die es keine endgültigen Antworten gibt.

Dass hinter diesem Erzählen auch persönliche Erfahrungen stehen, erfahren wir im Nachwort. Der Autor berichtet von einer eigenen tiefen Lebenskrise und von der Entstehung des Buches während einer Reise durch Portugal und Spanien. Das verleiht dem Roman eine zusätzliche Dimension, ohne dass man ihn deshalb als autobiografischen Bericht lesen müsste. Literatur entsteht schließlich nicht allein aus dem Erlebten, sondern aus der Form, die ein Autor dafür findet.

Am Ende verlässt Kilian das Hotel. Nur zwei Nächte hat er dort verbracht. Die Vergangenheit ist nicht ungeschehen, die Zukunft bleibt offen. Doch etwas hat sich verändert: Er muss nicht mehr wissen, wie sein Leben weitergehen wird, um ihm wieder vertrauen zu können.

Kurz vor der Abfahrt überreicht ihm der alte Hoteldirektor einen verschlossenen Umschlag. Kilian soll ihn erst öffnen, wenn er irgendwann eine Erinnerung brauchen wird. Es ist eine schöne, beinahe zärtliche Schlussgeste. Denn sie verzichtet auf die endgültige Antwort. Was in dem Brief steht, bleibt unbekannt. Vielleicht ist gerade das seine Bedeutung: Nicht alles muss jetzt verstanden, nicht jede Frage sofort beantwortet werden.

Und vielleicht liegt darin auch die stille Hoffnung dieses Romans. Dass wir nicht jeden Traum festhalten müssen. Dass ein Abschied nicht nur das Ende einer Geschichte bedeutet. Und dass es manchmal genügt, wieder auf die Hauptstraße zurückzufinden – ohne schon zu wissen, wohin sie führt.

Patrick Ridlmaiers Hotel der Träume ist ein zugewandter, hoffnungsvoller Roman über die Zerbrechlichkeit unserer Lebensentwürfe und den Mut, dem Ungewissen erneut zu begegnen. Ein Buch, das nicht behauptet, Schmerz ließe sich einfach überwinden, sondern dazu einlädt, ihn als Teil einer größeren, noch nicht abgeschlossenen Lebensgeschichte zu begreifen.

Patrick Ridlmaier: Hotel der Träume. Roman. EMPATHIE Verlag 2026.

Der Autor liest heute, am Samstag, 10.10.2026, 11.30 Uhr, auf der Frankfurter Buchmesse. Halle 3.0, E133 (Podium Rheinland-Pfalz).

Bitte nicht einsteigen

Eine kleine Metaphysik der Beförderung

Ich war frühzeitig aufgebrochen. Das war mein erster Fehler. Eine Stunde vor der vorgesehenen Zeit stand ich am Bahnhof Ahrweiler Markt, um sicherzustellen, dass ich rechtzeitig zu spät kommen würde. Die Deutsche Bahn hatte meinen Vorsprung erkannt und unverzüglich Gegenmaßnahmen eingeleitet. Der Zug fiel aus.

Damit war die erste Stunde erfolgreich vernichtet. Sie hatte sich ohnehin als überflüssig erwiesen. Im System der Deutschen Bahn ist Zeit keine physikalische Größe, sondern eine Zumutung, die der Fahrgast an den Betrieb heranträgt. Wer früher kommt, hat mehr Zeit, auf das Ausbleiben dessen zu warten, was später ebenfalls nicht kommt.

Ich nahm also den Zug, den ich ursprünglich hätte nehmen sollen. Das war immerhin ein Fortschritt. Ich befand mich wieder dort, wo ich ohne meine Vorsichtsmaßnahme bereits gewesen wäre. Man könnte von einer Wiederherstellung des ursprünglichen Schadens sprechen.

In Remagen erwartete mich die nächste Unterweisung: BITTE NICHT EINSTEIGEN. So stand es am Zug. Die App hingegen erklärte, ich solle einsteigen. Das Zugbegleitpersonal war anwesend, konnte aber nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob es sich bei dem Zug um den Zug handelte, in dem es sich befand. Jemand rief: Geisterzug! Eine schwierige erkenntnistheoretische Lage. Das Zugbegleitpersonal stieg dennoch ein. Die so genannten Fahrgäste folgten verunsichert, aber nicht ohne Hoffnung – und sowieso mangels Alternativen. Der Zug setzte sich in Bewegung. Er fuhr sogar in die richtige Richtung, was angesichts der ungeklärten Identitätsverhältnisse als bemerkenswerte Eigeninitiative des Schienenfahrzeugs gewertet werden muss.

Wenig später meldete sich eine Stimme aus dem Lautsprecher: „Aus betrieblichen Gründen müssen wir den Stromabnehmer senken; dabei entstehen Geräusche auf dem Dach.“

Es wurde still. Wir hatten bis dahin nicht gewusst, dass wir über einen Stromabnehmer verfügten. Nun sollte er gesenkt werden. Aus betrieblichen Gründen. Niemand fragte, welche Gründe das seien. Auch die angekündigten Geräusche auf dem Dach nahmen wir widerspruchslos hin. Schließlich war es beruhigend, dass die Geräusche angekündigt wurden, bevor sie entstanden. Man hatte uns auf das Kommende vorbereitet. Das war mehr, als sich vom Leben im Allgemeinen behaupten ließ. Oben wurde etwas gesenkt. Unten blieben wir sitzen. Es war eine geordnete Angelegenheit. Der Zug fuhr weiter. Wir auch. Zumindest gingen wir davon aus.

In Koblenz durfte ich mit allen anderen Menschen, die sich für den heutigen Vormittag Reisende nannten, eine weitere Stunde mehr warten und ruhen. Unter Wartenden und Ruhenden entsteht Gemeinschaft, wenn auch nur eine sehr befristete. ICE 27 Richtung Frankfurt war eine Stunde verspätet. Dafür hatte er seinen Fahrplan überarbeitet. Frankfurt Hauptbahnhof, bislang eine gewisse Konstante im deutschen Eisenbahnwesen, war aus der Wirklichkeit gestrichen worden. Als Ersatz wurde Frankfurt Süd angeboten. Man hatte offenbar beschlossen, Frankfurt sei Frankfurt, und Süden sei schließlich auch eine Himmelsrichtung.

Wir Fahrgäste nahmen dies dankbar zur Kenntnis. Nicht alle Städte verfügen über einen Süden. Nicht alle Züge über eine Richtung. Nicht alle Richtungen über ein Ziel. Es lag nahe, über das Leben nachzudenken.

War man im Grunde nicht immer schon unterwegs gewesen? Hatte man nicht zahllose Stunden damit verbracht, rechtzeitig an Orten anzukommen, an denen man schließlich doch nicht geblieben war? Hatte man nicht Menschen verlassen, um andere zu erreichen, die ihrerseits verspätet waren oder den Halt ersatzlos gestrichen hatten? Vielleicht ist das Leben überhaupt nur eine Folge von Anschlussverbindungen, deren Existenz sich erst im Augenblick ihres Scheiterns bestätigt.

Man wird geboren, ohne einen Fahrschein gelöst zu haben. Man steigt ein, weil alle einsteigen. Man vertraut den Anzeigen, den Stimmen aus dem Lautsprecher, den freundlichen Damen und Herren in Uniform, die erklären, dass man aufgrund einer Störung im Betriebsablauf leider nicht dort ankommen könne, wo man hinwolle. Wohin man stattdessen komme, werde rechtzeitig bekannt gegeben. Gegebenenfalls.

Ich fahre übrigens zur Frankfurter Buchmesse. Dort werden Bücher vorgestellt, die von Menschen handeln, die unterwegs sind, sich verirren, scheitern, hoffen, verzweifeln und am Ende vielleicht eine Erkenntnis gewinnen. Ich habe mein Buch bereits geschrieben. Es heißt: Bitte nicht einsteigen. Es erscheint voraussichtlich. Ein Erscheinungstermin kann aus betrieblichen Gründen derzeit nicht genannt werden. Wir bitten um Ihr Verständnis. Bitte bleiben Sie bis auf Weiteres an Ihrem Platz. Auch wenn dieser nicht mehr vorhanden ist.

Hier wäre der Bericht fast zum Ende gekommen, als sich plötzlich am Fernbahnhof Flughafen Frankfurt etwas ereignete, das in den einschlägigen Beförderungsbedingungen nicht vorgesehen war: ein Wunder.

Auf dem gegenüberliegenden Gleis stand ein anderer ICE. Er fuhr nach Frankfurt Hauptbahnhof. Jenem Hauptbahnhof, der wenige Minuten zuvor noch aus der Wirklichkeit gestrichen worden war. Man hatte ihn offenbar wiedergefunden. Oder er hatte sich selbst gemeldet.

Ich wechselte den Zug. Ohne Antrag, ohne Genehmigung, ohne vorherige Anhörung. Ein Akt zivilen Ungehorsams gegenüber dem Fahrplan.

Nun saß ich in einem Zug, der dorthin fuhr, wohin der andere nicht mehr fahren sollte. Ob er dort halten würde, war eine Frage des Glaubens. Die Hoffnung hatte ich inzwischen als unzuverlässiges Verkehrsmittel kennengelernt.

Vielleicht war dies die eigentliche Lehre des Tages: Dass man sein Ziel nur erreicht, wenn man rechtzeitig den Zug verlässt, der einen dorthin bringen sollte. Und dass selbst die Deutsche Bahn gelegentlich eine Auferstehung zulässt. Allerdings ohne Anschlussgarantie.

vor.behalt[l]ich

über den städten.

das meer. bruch der wolken. zu löschen jeden zauber. der noch an dauer glaubte. abfluss des schauens. in richtung einer noch unbekannten senke.

zugleich sagt die seele: stille. und warten. auf das ende der nacht. ruhe. im wissen: dass sie sich nicht wiederholen wird.

zwischen den sternen. und ihrem toten geheimnis. trotz aller vorstellungen. von der mitte über dem abgrund.

sie holt die taue, die wechsel nicht ein. der immer flüssigen zeit. die mühelos durch das falsche gefüge der welt schreitet.

nichts hält sie. nicht einmal. das gehaltene. später. liegen die hände einzeln. wieder. ohne wissen. der anderen.

in den schößen.