hier keine bleibende Statt

Nach der Sommerpause melde ich mich hier zurück und schreibe weiter an meinem neuen Prosagedicht HIER KEINE BLEIBENDE STATT…

[Stimme des Wanderers]

sag du mir doch. was ich erzählen soll. bin bald zurück vom Tod. werde mich gründlich ausgeschlafen haben. werde Zeit haben. endlos. bin dann in einer anderen Liebe. bin bald wieder fort. durch das lautlose Glas aus den Flammen gestiegen. aus der Asche der Wartenden. sie regnete einen Winter lang vom Himmel herab. sie war zergangen in den warmen Händen der Schöpfenden. weil sie Frühling rufen. weil sie ins Leben zerren die Schlafenden. weil ihre Uhren gestellt sind. auf die Altäre. weil ihnen niemand reden soll. von der Zukunft.

[Chor der Engel]

wir wissen die Orte der blühenden Gärten. wir kennen die Zahl der grünenden Bäume und Sträucher. wir hören das Flehen der Hungernden. wir weinen viel. wir können die Wüsten nicht wässern.

[Bildersturm]

was sollen wir machen. fragen sich die frisch Verliebten. gehe fort von hier. sagt der junge Söldner. fast noch ein Kind. zu seiner noch jüngeren Frau. sie hält das schlafende Neugeborene in ihren zitternden Armen. sie blickt auf ihn mit angsterstarrten Augen. als hätte er sie fortgeschickt aus ihrer Liebe. irgendwann später wacht sie auf. dann wird ihr ganz anders sein von ihrer blühenden Phantasie. mit der sie den Toten bedeckt. als ob mit den letzten Blumen des Jahres.

[Chor der Verlorenen]

wir gingen fort. in der Hoffnung, verlassen zu können unsere Erinnerungen. wir ahnten einige Tage später, wer unter den Trümmern liegt. wer nicht mehr zurückkehrt. in die geweihte Erde.

[Chor der Kinder]

wir wissen, dass es vorbei ist mit uns, wenn die Fragen verstummen. das Unheil begann mit dem Schweigen. wir wollen ganz still sein, dass uns nicht hören die Gespenster.

Zum Text (Stand 17.09.2022)

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