man hört nicht mehr viel. stumpfes glas. trübe wolken. dahinter. pulsloses rauschen. man schneidet die luft des frühlings in die scheiben der erinnerung. man ist es gewohnt, ohne musik zu sein. man wähnt sich angekommen. an den stätten der langsamkeit.
da. ist uns. das schicksal. sehr rasch. losgeworden. wie ein im schweiß gebadetes kind. befreit vom schlaf. und von den nachtgespenstern.
eng sind die lichtungen des abschieds. schattenriss. der zweige. und särge. verschüttete wege. was will die zeit mit den spurlosen?
wir geben der erde leise nach. wir tragen die namen der fremden. und die anderen farben. jetzt. in der epoche des flüsterns. der im garten flatternden wäsche. während es regnet. den zwölften tag.
die hände haben schwellungen vom heimweh. füße aus stein. im strömenden wasser. das jedes gewebe aus licht und atem zerreißt.
aber. schon jetzt. hat alles ent-täuschen. die klarheit des kommenden winters. und die präzision der spindeln.
man hört jetzt sehr viel. von den verirrten. und den zurückgesandten. die ihre stimmen tauschten. gegen den wind.
ich schob den wald der buchen. vom hohen ufer auf das offene wasser. ich stellte das glas aller fenster, an denen ich stand, schauend wie aus einem käfig – ohne die rahmen – an die kante des letzten abbruchs. die landschaft, die aus den hinteren rippen wuchs, duldete keine türen und zäune mehr. kraniche zogen im flug die linien des schicksals. sie nahmen im märz die last der hoffnung mit sich. und schüttelten im september ein staubiges vergessen aus ihrem gefieder. und in der zwischenzeit riss ich aus den mauern der vergangenen häuser die koffer und warf sie geöffnet in die rastlose brandung. sie sollten zu booten werden. für das schwerste gepäck. das aus meinen nächten stürzen würde. oder zu boten: meiner leichtesten träume. nur meine zunge blieb ein dürrer rest vom gebrochenen ast. der zwischen zwei felsen gefallen war. die lässig aneinander zu lehnen schienen. als seien sie die beiden unbekannten enden zwischen träumen und wachheit. oder hätte ich etwa das licht schon gelöscht? nach dem sich die fuge sehnt. die ziegel und atem zusammenhält. es musste doch schließlich nischen geben. für die urnen. in denen ich die bilder begraben konnte. die bilder. die sich nicht wiederholen. und darum erinnert sein wollen.
es ist das gewohnte. das jeden ort ins nirgendwo schickt. ihre landkarte ist ein raster aus zahllosen nadelstichen. weiße, fleckenlose haut. dotted. unbeschrieben. und wartend auf das unbeschreibliche. auf ein vergehen. vor dem gehen. auf eine enthüllung. eine entlüftung. der leichensäcke. es geht darum: erinnerung zu schaffen. rituale. wie: den täglichen gang an einer parkbank vorbei. oder entlang einer ladenzeile. um mehr zu sehen als sich selbst. wenn einer gegangen ist. nicht mit frost zu betäuben den schmerz der zweige nach dem fall des letzten laubes. es geht darum: dass die zeit sich quält durch das fleischliche gewebe, das im atem immer wieder seine risse schließt, wenn ihr zahn seine fäden durchbiss. mag sein, dass ein wunsch existierte: ins wasser zu gehen. und nicht damit rechnen zu können, dass eine heilige schildkröte den gehenden ans andere ufer bringt. dass vielmehr die spiegelung des mondes in die lichtlosen, lustlosen tiefen lockt. das mag alles sein. wenn nur am nächsten morgen ein mund aufsteigt aus der gischt. und nicht mehr aufhören kann zu erzählen.
die worte wurden zur gestalt. eines vor langer zeit vergessenen traumes. brandmarke eines bildes. statt eines namens. die haut des steins löste sich vom schatten, so wie die des lichtes vom körper. zerriss wie verbranntes papier. und wurde befreit aus der rahmung des zeitlichen. gleich dem laub aus den büschen der gärten, die sich nicht ewig bewohnen lassen. denn sterben, liebster, ist abnabelung. vom atem. von der erinnerung. und von den rufen der mütter. den fliehenden kindern hinterher. wie klang dir die zeit? zu ihrem ende hin. welches spiegelnde bild stand vor deinen augen? dass du den wunsch hegen konntest, darin zu vergehen.
[kein siebter tag. den ortlosen. kein nächster. nirgends. den dort erstickten]
nach regen. duftet die wüste. alles zeigt sich in umrissen. häuser. bäume. leiber. ohne füllung. ohne fühlung.
auf den stufen hinauf. sitzt ein schatten. der die sonne nicht braucht. und nicht den mond. er ließ seine knochen fahren. und blieb am mythischen ufer. in seiner gänzlichen blöße. in seiner großen entzauberung.
nach regen. duften die mauern. der bahnhöfe und der bäder. duftet der schotter. die asche. der wege. ohne rückkehr.
aber: nein! wir werden nicht duschen. der sand muss das grabtuch unserer seelen bleiben. voller licht sind die tage. licht. das uns die augen schließt.
die stufen hinab. unter den blutigen knien. auf dem nackten stein. fühlte ich meinen gott. wie er zerbrach. sub gratia. unter dem fels einer wolke. unter dem stachel einer frage.
aber: nein! unser zug hat kein ende. er öffnet jegliche himmel. als ein unendliches tunnelgewölbe. als ein nicht endender schrei. klanglos. in der schleppe unserer verbrannten häute.
[rhap.s.ody: im sinus.ton | rest.über.ruhendem.land | rück.blick.end_über.rest]
sturm. letzte nacht. verlassenes leben. dachkammerflimmern. herz eines verendeten tiers. herbstsonne. grausam. in ihrer unerbittlichen schönheit. ihrem langwelligen langweiligen licht. das sich durch die erschöpfung von luft und laub schiebt. jegliche kost wird unbekömmlich. die zunge weigert sich. das brot der tage zu schlucken. die speise der stunden fault im mund. lass ihn sein. o welt. der nicht mehr warten will. auf das ende seiner verlorenheit. nur das land in seiner blinden wehmut. ahnt seinen gang. lässt seinen schmerz. durchs hohe gras wehen. gegen die verkrampften windungen. der im garten verhungerten schlange.
sei mir ein atem. wenn ich keinen mehr habe. sei mir ein blick. wenn ich nichts mehr sehe. sei mir ein schatten. an der wand meines herzens. ein restliches licht in jener nähe, wo ich verlorenging.
lass mich dessen entsonnen sein, was ich nicht halten konnte. lass es noch ein wenig an meiner wachen seite ruhen – nicht als bild. sondern als wärme unter der haut.
wenn der schmerz kommt. nimm mich in seine mitte. lass ihn nicht um mich kreisen. wie ein tier um seine beute. lass ihn mit mir weinen. lass ihn müde werden. lass ihn schlafen.
und mich mit ihm.
II
und wenn ich nicht mehr gehen kann. dann trage mich. nicht weit. nur bis an den rand des erinnerns. dorthin. wo die luft noch nach ihm duftet.
wenn ich zu tief sinke. dann leg mich nieder. zwischen die falten des alten tages. in das tal. wo die schatten schlafen.
ich habe keine worte mehr. nur geräusche. die in mir klirren. wie glas in einem verlassenen haus.
die liebe – sie ist kein versprechen. sie ist ein abdruck. in der feuchten erde meines inneren. ich trete hinein. und weiß nicht, ob ich je wieder hinausfinde.
mein körper: ein archiv des berührten. meine haut: ein echo seiner hand. mein mund: ein verschlossener vers. der sich weigert, ihn loszulassen.
und wenn ich sterbe in dieser stunde? dann sei es keine flucht. sondern ein eintreten in den raum. wo er noch einmal meinen namen sagt.
III
dort. wo mein sprechen versagt. bleibe das wort. aus dem ich mich löse. und sei mir ein klang. kaum mehr als ein hauch. zitternd am rand einer zeile.
sagen will ich. was nicht gesagt werden kann. lass es in mir zerspringen. zu silben aus licht.
nicht mehr mit meiner hand. setze ich das zeichen. sondern mit dem herbst meines atems.
ich schreibe auf. was mich verlässt. ich schreibe fort. was mich erhält. hier. in der stimme. die zum raum wird. hier. in dem raum. der zu bildern wird. unterhalb meines vergessens. landschaften. ferne. die nie mich verließen. solange ich sie durchwanderte.
sie sollen mich schreiben. als einen, der liebte. einen, der fragte. der blieb – im anhauch des wortes. das niemand spricht. das dennoch alles trägt.
nach. und nach. lautlos. voller liebe. verriegelte zimmer. aufgebrochene wintererde. wartende. abermals. drohende zeit. verlorene spuren. je weiter fort. im frost erwachend. in die schatten gewickelt. die unvollkommenen schleier. straßen. wie fugen. zwischen den ewigkeiten. die enge. mit sich allein. träne. und klangloser schrei. perlender regen. die schläfe hinab. die wange der schlafenden. durch deren traum die töne irren. die schritte. je weiter fort. zwischen den wänden. echos. hin und her. aug-gestein. voller liebe. kalt. im kurzen atmen. je weiter fort. nahend dem kaum mehr hoffenden. je weiter fort. je weiter…
wohin sich treiben lassen wohin vertrieben immer dem schmerz aus dem weg zu gehen statt an seinem verbranden ein ufer zu bauen den abendlich blauen ort eines wundervollen endes
steige noch nicht hinab zum tiefsten der heiligen worte furcht ist die zärtliche freundin dass unberührt bleibe das kostbarste und verborgen die empfindliche schönheit deines namens
wann begann die lange nacht die des herzens rede endete als sich spiegelten die geheimnisse in den erblindeten augen die das lichtlose meer geschaut
lass sie doch sein. wie die träumenden die durch die sage wandern. einer nicht endenden liebe so wund von ihren hoffnungen und fast ertaubt. flüstern sie: ANGESICHT aufgesucht. und daheim. in jeder seele. die sich hingab
ach. so verödete knospen ach. ein so trübes auge blickend auf alles. was nicht aufging was sich gewünscht, vergehen zu können dass es mische sein mattes summen in ein verwehendes weh
und wenn das licht entwichen suchen die schatten nach ihren trägern zu ziehen die schleppe an der noch haftet der duft der verheißung
dann. sei ein tag an dem du stehst. auf der schwelle. ungebeten auf einem fußbreiten steg zwischen stern und stern. zwischen ruf und widerhall im einsamen klang. des letzten schlags. der dunkelsten glocke
was sagte ich anderes. als: du was hieße es. ausgesprochen zu sein in der stimme des anderen. enthalten. in der stimmung des harrenden der seine wünsche kennt die schätze des unvollendeten. solange er schwieg
einer. von den vielen ausgesucht. für alle tage durch die zeit zu laufen. mit verborgenem herzen immer zu ziehen. wie wege um seine insel die kreise. um jede stunde
ja. die große liebe. die eine. vielleicht das uneingestandene licht im schattenreich der sommerlichen wälder die bänder des nebels am morgen aufzutrennen. mit den scheren der sagenden stimme
ich komme vom träumen nicht los so weit ich auch gehen und fliehen mag steht bei jedem abend am einen, lautlosen ufer: der liebe trauriges auge
die mageren schatten auf saftigem gras wartet nicht immer das ziel auf den suchenden? haucht sein kühles wort: wer nicht wandelt, wird nicht verwandelt
nicht das einzige leben das an unbekannter stelle einer langen reise verschwunden nicht der einzige tote der die welkende blüte seines namens zu den steinen legte die das kommen und gehen der gezeiten nicht schrecken muss
trauern darfst du. freund am bleibenden ufer. das ich verließ stehen darfst du bei der traurigkeit. mit der ich fortgezogen wurde doch: gehe heim in der freude der liebe und mit dem unauslöschlichen licht. meiner schritte. voraus