Risse in der Haut der Zeit

die Fernen glühen
wie brennende Himmelsfelder

träumst du
Gestoßener
in den Brunnen der Vergessenheit

Bittermandel schmeckt der feuchte Stein
und die Hände so wund wie Falterflügel

du drehst dich nicht mehr um
hast einen Blick von Laub
in gefrorenen Pfützen

[…]

Wege verwehen

sah die Schwelle nicht
vor dem Schacht zur Vergangenheit

wünschte mir
ein Exil des Vergessens

seither lebe ich von Tag zu Tag
um zu überleben

fange nichts an
was am Abend noch nicht vollendet wäre

[…]

ich halte den Tag nicht an
es gibt nichts zu feiern

Blätter des Grases
wie Reste des Sommers
wie Nadeln in meinem Schauen

einmal war ich verliebt
unsterblich
das Gefühl ist mir nicht erinnerlich
aber es bleibt ein Schmerz des Verlorenen
der alles Zeitige übersteht

die Herzen schlagen weiter
verlässlich wie Kirchenglocken

[…]

die sich fremd blieben
die ewig sein wollten
und ohne Welt

die frierenden Amseln

in Händen ein Gesicht
tief darunter gespürte Heimat
wie weites sprachloses Wissen

und andere Menschen wie Geschwister
ihre Wege ziehend vor stummen Blicken

Augen wie Steine am Wegrand
und an den Ufern

dazwischen einzelne Grashalme
die das Schicksal halten

[…]

weit weit fort
ist einer
der deine Hand nehmen wollte
dem du blind hättest folgen können

tief in dir
ist seine Stimme
als hättest du sie in den einsamen Jahren
mit dem Wasser des Regens getrunken

[…]

die großen Wälder die du durchwanderst
die langen Jahre die aus deinen Schritten fließen
und versickern in der Erde wunder Haut

und die Risse im Klang deines Namens
so lange schon nicht mehr gerufen

das Meer siehst du im Schlaf
und auf den leichten Wellen einen Nebelschal
von Flügeln gezogen

die Dämmerung siehst du
und den aufgestoßenen Himmel
nach tagelangem Regen

kurz wie jeder Augenblick
ist der Anfang der Ewigkeit

und jemand schaut zu dir hinab
von der anderen Seite des Wasserspiegels
und seine Hände greifen hinunter
wie um Muscheln zu fischen
und er hebt die kleine Schale
an seine Lippen
als trinke er deine Seele
als seist du nie von ihm entfernt gewesen

und ruhte nun in eines Anderen Stille

[…]

erlöst wenn die Sehnsucht endete
und die Not der Geduld

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