Stimmen. die sich entfernen. Wort. das den Sprechenden sucht. letzte Geburt. vor Anbruch des Tages. ein unruhiger Gott. im Haus seiner tausendheiligen Stille. rufe. wenn du noch bleiben willst. im Tiefen. die hohe Zeit. die drängende Bleibe. zu beschließen das Leben. liebend.
unerschöpflich. das Vergehende. Schmerz des Lassens. wer etwas hervorgebracht. wer zurückbleiben muss. einsam. erschöpft. Atem. der Seele Freude und Klage. Klang ihres wehenden Wehs. zwischen Bewohntem und Unbewohntem. ein Riss. wie ein Steg. über die Moore. die Meere.
ihre Hände. gelöst vom müden Gesicht. ihre Augen. in der gefüllten Schale. Schlag ihres Herzens. nach dem ersten Schrei. und wenn sie es trug. zum Ufer. zum Abgrund.
ich bin fort. ich bin steckengeblieben. unterwegs. hängengeblieben in mir. die Augenblicke. die mich nicht verlassen wollen. als ich noch hier war. also: dort. wo ich wieder hin will. das ist lange vorbei. doch ich bin es noch lange nicht. ich bin der Gleiche. unter allem Veränderten. an den fremden Ufern. doch die Fragen lassen sich nicht auswaschen. und die Augen haben wechselnde Farben. aber ich muss das Fürchten nicht mehr lernen. darum gibt es keinen Grund auszuziehen. ich habe mich gut eingerichtet in den Wünschen. die sich nicht erfüllen werden. lieben und furchtlos sein. lieben und ein Pfund verlorene Seele zurückbekommen. von einem, der auszog, um sie zu finden. der mich so anschaut, als hätte er immer nach mir gesucht.
lass dich fangen. die offenen Arme. wenige Stunden. rasch verronnene. spreche jetzt noch nicht aus, was du denkst. welche Blüten noch offen, die ganze Nacht. welche Gärten einsam und duftend, in der Sehnsucht nach Zartem. ja, hast jetzt schon lange gesessen, über den Büchern, die sie dir gaben, um in ihnen zu lesen, von ihm. und deren Seiten man dreht, wenn die Geschichte vom Ende her erzählt werden soll. und plötzlich ist dir, als läsest du laut, und Kinder lägen im Gras, ihr Kinn auf die Arme gestützt, und hörten dir zu und blickten auf deine Lippen, mit Augen wie von Mittagsblumen. sie wurden still über den Worten, als spürten sie einen geheimen Auftrag, ihr Sprechen über die Grenzen der Träume zu bringen, wo es dich Älteren hinzieht, um wieder klein zu sein, fragend, erfindend. ein mit allen Wesen der Zweige und Wurzeln und Gräser verflochtenes Leben, das feinerer Sinne bedarf und seine eigene Dauer hat.
du denkst jetzt aber nicht mehr darüber nach, was er gesucht haben könnte. in der Wanderschaft hat er gewohnt. so wie du im Warten. er hat sich geträumt, solange du in den Untergang deiner Sonne blicktest. sehr innig ist heute euer voneinander entferntes Denken. hin und her gehen die Träume. zwischen eurem Schlaf. zu ganz unterschiedlichen Zeiten. die Frühlinge zogen vorbei an euren Jahren. die Blüten blieben unberührt. und euer Atmen ist immer nah an der Quelle. wie der ruhende Fuß vor dem ersten Schritt. doch jetzt macht sich etwas auf, was die Boote nicht besteigen muss. und leben wird, weil es dem Tod folgte.
du hattest verstanden. jeder für sich. gegen jeden. gegen sich selbst.
an unseren Knochen. hängend. ein seltsam verwandeltes Haar. die kleinen Freuden. die über die Hügel gestiegen. in die Gärten Verpflanztes. Tröstliches. Namen. unter Sprockholz und Seetang. an uns. Auftrag. wie Bienen zu fliegen. ein aus Gras geflochtenes Haus. zu tragen. über Gebirgskämme. über Meere. den Inseln zu. bevor verbrennen die Blüten des Mutterkrauts.
du hattest verstanden. Wirbel des Sandes. Spiegel der Luft. Welt im Honiggestein. Wissen. das den Tod nicht nötig hat.
tauche wieder auf. frage. aber zweifle nicht mehr. fühle keine Sorge. und wenn du schon nicht laufen kannst über das Wasser. so erblicke darin. was es bezeugt.
er wird weinend kommen. du wirst hinausgegangen sein. Lichter werden fallen in das Innere. letzte Tropfen Regen in den Brunnen. einsam kam er zu dir. einsam warst du gegangen. er könnte jetzt beginnen zu erzählen. nachdem du verstummt bist. er wünscht sich, hoffen zu können. dass du dich erinnerst. wie du wachsen konntest mit ihm. wie du welken musstest. als er fort war. und weil er der Gefundene war, musste er nicht mehr gesucht werden. und weil er verloren ging, konntest du nicht mehr bleiben. das Jahr brachte keine Fülle mehr. die Zeit lag erschlagen mit ihrer Felsenhaut unter der Sonne. doch er wartet noch immer auf deinen Ruf. er steht an den verschlossenen Pforten. er will dem Tode nahe sein. und hinabschauen in das Land des Lebens. die Landschaften, durch die er noch nicht wandern konnte. durch die du nicht mehr wandern wirst. er wird erfahren, wo du gelegen hast im Elend. und dein Geheimnis kann in ihm noch erwachen. und aus größter Ferne, zugleich in tiefster Zärtlichkeit, das Schwerste von sich selbst fordern: an einem Ort zu bleiben, den du verlassen hast.
aber hast du etwas pflanzen können? was nicht verwelkt? und würde es nicht reicher noch im Vergehen? und brächten nicht reifere Früchte Trauer und Gedächtnis?
Klang der Stege. die schlafenden Möwen. die wartenden Boote. da sieht schon vor Sonnenaufgang der Besuchte seine Verlassenheit. in den grauen Schatten. auf zarten Wellen. auf dem feuchten Holz […] leere Klause. wenn er heimkehrt. auf den kahlen Stab gestützt. aber er ist gegangen. hat sich übersetzen lassen. als er schlief. wartet auf einen Fragenden. der noch wissen will. was alles in seinem Schweigen lag.
[…]
noch ist der Abend nicht gekommen. an dem du sagst: genug. und nicht mehr schließt die Vorhänge. abzuhalten das kalte Licht des vollen Mondes. ein Tag wird das sein, von dem Du am Ende noch wissen wirst, wie er begonnen hatte. das Verlorene wirst du noch einmal erinnern können. bevor es durch die Gewebe letzter Träume sickert. dir war es dennoch für einen Moment, als wolltest du ihnen zurufen: haltet mich fest, bevor die Flut kommt und das Ewige in den Furchen verschwindet und alle Geheimnisse ans Licht gedrückt werden und eine Haut sich legt um die gelassene Zeit und ein Gestein um jedes Wort, das du nicht mehr sagen konntest. da härten aus deine Schmerzen. und die Wangen lassen sich streicheln. vom Fluss eines tieferen Wassers.
wir gehören den Straßen. wir gehören den Wäldern. wir kehren zurück aus der verronnenen Zeit. so schön das Gras auf unseren Gräbern. so still die Seen des letzten Schattenwurfs. und wie verglühender Stein das keusche Mondlicht. wie aus Milchkannen gegossen. das Weiße unserer Augen. in jenem Moment, als wir nicht mehr blind waren und sich die Erde fest an unsere Sohlen heftete, spiegelte sich da unten auf den kalten, feuchten Steinen der Himmel. und endlich konnten wir sehen die Wolken, in denen sich unserer Kinder Flügel verfangen hatten. als hätten die Heerscharen Netze ausgeworfen für ihre Seelen. aber wir sangen: sie gehören den Furchen, wo wir das Reis unserer Jahre ernten; sie gehören dem Wegesrand, wo das restliche Wilde wuchern soll. so schön die Klage am Ufer der Zeit. so still das Land der Felsen, und ihre Schultern von Wellen massiert. Wind im Laub. wo wir uns wiegen. wo unsere Seelen gewogen sind.
worüber ihr nicht sprechen könnt. was wird euch wieder zusammenbringen? Schmerz oder Glück? oder Glück des Schmerzes?
er hört dich reden. wenn du die Küste auf- und abschreitest. die Wunden müssen offen liegen. dass die Wunder Platz haben darin. wenn die Stimmen ersterben. hinter den Schwellen der Zeit.
was tut man, wenn man wartet? man hat Gärten, mit ein wenig Glück. man könnte schreiben. über alles, was man denkt. und was nicht gesagt werden kann. man kann sich um die Kranken kümmern. oder den Vergesslichen ein paar Geheimnisse verraten. man kann die Wellen zählen, die in einer Stunde gegen die Dünen klatschen. man kann Plätzchen backen und sie verteilen in der Nachbarschaft. man kann voller Träume sein und lange schlafen, um sie zu vergessen. man kann alle unbeantworteten Fragen aufschreiben und in späteren Jahren schauen, ob sie sich erledigt haben. man stellt die Bepflanzung der Beete um, von Gemüse auf Blumen, damit das spazierende Volk statt Hunger ein paar Träumereien verspürt. aber man arbeitet nur nachts, denn der Gärtner will nicht gesichtet sein.
ob er noch weiß, dass du ihm immer gesagt hast, die Stille danach ist das eigentlich bedeutende Geräusch? und im Konzertsaal müsse man dem kadenzhungrigen Publikum das Klatschen verbieten, hast du ihm immer gesagt. und dass es hilfreicher wäre, man würde nach dem Orgasmus keine Fragen stellen, vor allem nicht, ob es schön war; gleich so, als fragte man einen Toten, ob ihn die Ewigkeit nicht langweile.
haltbarer sind die Verwundungen, hast du ihm immer gesagt, als die Verwunderungen. wie leicht machen die Menschen aus ein paar albern im Wind pfeifenden Küstenfelsen seelenfressende Sirenen. während ein ganz anderer Schmerz sie quält. unterhalb des Hörbaren.
du hast dich nie gefragt, wie angenehm dein Leben sein könne. auf einer hinter den Hecken versteckten Bank. sondern immer, wie anders es wäre mit ihm darin. jemand, der abends heimkommt, wenn du den letzten Tee aufgegossen hast. jemand, der auf dich wartet, wenn du selbst noch lange beschäftigt warst. jemand, mit dem sich keine Weile zu lang anfühlte und das Zeitliche nur insofern Bedeutung hätte, als es ein einmal Vergangenes sein wird, ein Unwiederbringliches, das nur den wahrhaft Liebenden mit einem Schmerz erfüllt, der jenem eines Schöpfers gleichen muss, wenn er sein Liebstes entlässt in die wilden Landschaften eines noch ungewissen Lebens.
du wirst aus seinem Gesicht ablesen können. die wahren Geschichten. die nicht erzählten. und du wirst erkennen: du warst der Verlassene. doch er war der Suchende. der dich nach aller Verlorenheit wiedererkennen wollte. du selbst warst es, der es hat dunkler und dunkler werden lassen. und weil du zu lang und tief geschlafen hattest, dachtest du, er hätte sich entfernt, ohne sich zu verabschieden. doch dann waren dir seine fernen Worte wie ein Murmeln von Wind und Gras. all die Jahre des Wartens hindurch. seine Träume näherten sich wieder deinen Gedanken. mit denen du fuhrst von Insel zu Insel. und seit du selbst nicht mehr gesungen hast, war es dir angenehm, die Augen zu schließen und das Laub säuseln zu lassen. halb sitzend, halb liegend auf mächtigen Wurzeln. Niedrigster, Einsamster du. allein mit deinem Gott. von dem sie sagten, er würde nie lächeln. doch du wusstest es besser. und hieltest die leeren Hände ihm hin.
[der Rückweg führte durch die Nächte und die Dämmerungen. jeder Abend ein Anfang. ein erster Schritt. voranzukommen durch die Geschichte. durch alles Geröll. das die Sintflut hinterlassen hatte. zu wandern allein. durch vierzig Winter. und sieht ja alles so aus unter dem Schnee, als stünde es nie wieder auf. doch kräftiger alle Dinge der Natur. und fanden zurück in den Frühling jedes Jahr. und widerstanden der trügerischen Ruhe des Schlafes. denn es konnte ein wirkliches Schweigen ja erst entstehen nach dem Erwachen und dem Beginn der einen, tiefen Schau durch den Schmerz des Lichtes hindurch.]