[krukower psalter | die blendung. die andere sicht. die gestohlenen augen. die verstohlenen blicke]
gehe jetzt. wenn einmal etwas auf dich zukommen soll. sage abschied. wenn einmal dein name gerufen sein soll.
sei ganz still. doch stille deinen durst jetzt noch nicht. nehme mit auf die reise. wonach dich verlangt. ungeachtet der frage. wohin es dich führen mag.
eine sage wird sein. vom anfang. der fernen ufer. von deinen träumen. aus denen du nicht erwachtest. von allem wahren. das sich nicht ereignet hat.
das echo werden geben. die verrotteten boote. die verwitterten türme. von allem unausgesprochenen.
farbe dieser landschaft farbe dieses lebens trockenes gras auf endlosen ebenen
und wie schön erst die farben der träume so wie der tag enden soll
zwischenzeitlich
müsste er angekommen sein alle steine alle seelen wurden aufgestellt die menschheit heute als eine gemeinschaft der suchenden und morgen als eine gemeinde der wartenden
gestern
wir erinnern uns der gesten salz und sand aus den augen gerieben atem geschickt von einer dämmerung in die vereinzelte hoffnung hinein
etwas
gesichtet etwas wie ein gesicht etwas wie ein seufzer etwas wie vom anfang zu uns hinübergewunken wankend doch wacker im erwachen entlang der linien der küste des horizonts das band an dem wir gezogen gegenwärtlich erwartend die gegenwart die gegenwarte
beharrlich
ohne zu verharren tatenlos unverhandelbares wenn es verwandelt war beweglich zwischen den streifen lichtes auf den sich kreuzenden wegen wer ihn bezeugte zeugte ihn auch wer sich verbarg dem zeigte er sich und wer ihn sagte wuchs in der sage treppauf ohne furcht vor der luft der höhe treppab ohne angst vor der katabasis kuss auf etwas zu für das flügelgeschenk für die stimmgabe[l] adoratio augenblicklich herzblicklich[t] hand und fußblickdich[t]
die zahlenden mit ihren schritten zurück
die zahlen rückwärts auf dem taxameter rückzahlung ausgeschlossen wenn die schlüssel klappern wenn die gedanken rasseln und die worte prasseln wenn das laub raschelt vom rauschenden blut keine erstattung an dieser statt keine verrechnung des unberechenbaren alles unbezahlbare war schon da ist schon fort näher rückt der ablauf allen die ihren rücken nicht abschütteln konnten die nicht kannten die drehung der zum licht wachsenden zweige der in liebe züchtenden und im schmerz ziehenden mutter
doch wo blieb der vater
die kinder erzählen sich abends von den kriegen von den weiten wilden wassern von den vergifteten inseln
[das übliche muss gar nicht übel sein | befragung der restlichen | der übrigen zeugnisse]
wenn der tod
begonnen wenn sich die zeit entfernt hat und in der kalten bleibe deiner gedanken daran was noch hätte sein können was sich da alles versammelt in der kühlkammer der schöpfung und wie glücklich wenn eine wiederkehr in einer fernen trauer
der eine atem
dessen du nicht beraubt sein wirst der lange atem des einen geistes und als ob dich streichelt die graue wange des geduldigen gesteins die leeren flure heiliger haine der heimkehr gläserne fäden aus staub
wohin er blickt
hinaus wie hinein stille wurzel seiner verkündung spätere stufen ganz gleich wohin woher die kundschaft der schweigenden und gänge in die zeit zurück verriegelte nacht der grund dann auf dem du liegen magst und warum das ohr nun befreit von den dunklen fernen klängen schmerzende stimme vom brennenden schweif deiner worte wie frisches wasser im satten boden dort die fragen nicht verkümmern zu lassen nach den pfaden und den pforten die hand der treuen seele nicht abzuschlagen die über die schwelle half über den abgrund reichte
farbe der flügel
farbe dieser einen hoffnung das ziehen der wolken über von hügeln umschlossenen seen klein ist der schmerz unter den floßen der schatten die nordöstlich verschwinden wandernde himmelsinseln wundernde heerscharen der nimmermüden nothelfer:innen freiheit ruft es unter der rinde freilich[t] tönt es im licht wenn es die fenster das laub durchschlug getragen von allen erinnerungen in allen ereignissen eigen[tl]ich[t] das flehende unvergessliche unverlässliche nicht zu verlassen wenn es vergessen in einsamen ecken trage mich weiter ruft es aus der umrandung der verlorenen zeit hängt von den türmen von den stirnen von den gestirnen ein sternenhaar durch das kein gott mehr schicken will seinen sohn und selbst wenn er wüste sagt wenn er wüsste was jener schrie vom baum der erkenntnis hernieder ist im echo erstarrt was er wusste vom sterben der eisige winkel der punkt an dem sich alle verworrenen wege kreuzen der nagel auf den kopf getroffen auf die haut des wassers gestellt um der zeiten fluss ans schwarze brett zu heften damit er ewig erinnert sei warum er verlassen wurde
schäme dich
so nackt in der gegend zu stehen insel und ufer des anfangs farbe des schaums des schnees je nach dämmerung je nachdem wer dann folgte und wann die früchte fielen vom goldenen zweig
die Reise beginnt. immer am nächsten Tag. die Boote schaukeln. wie ungeduldige Kinder auf den Schößen ihrer Mütter. das ganze Leben. ein Anlauf. zum Absprung. im Warten kein besserer Aufenthalt als im Wandern. die Jahre müssen verlassen werden, um einzutreten in die Zeit. die Küsten so lang, so alt wie unsere Hoffnungen. verändern werden die Kommenden die Häuser, in denen wir wohnten. fort werden wir sein. schon vor dem nächsten Frühling. bis dahin: die Wege wie Stufen, von den Schatten kahler Linden und Pappeln gezeichnet.
スタイン
die Ruhe. der Stein. das Entgangene.
mein Herz steht still. das Leben am Rande. hinter der Rinde. in der Bleibe. in der niemand blieb. Gelehrsamkeiten. Empfindsamkeiten. große, verlassene Räume. Betrachtungen. Erinnerungen. weite, leere Landschaften. ein Tag ist verloschen. ein Leben ist ihm gefolgt. ergeben dem, was sich ergab. in wortlosen Blicken. Zuflucht. im tonlosen Sang der Sternenreste. Hauch vor der Schöpfung.
vage ist der Herbst. als Zeit des Jahres. ergraut seine Farben im Verträumten. zierliche Inseln aus Pergament. auf dem entspiegelten Wasser. die Dinge sollen bewegt sein. noch einen Winter hindurch. auf dem brennenden Schweif der Wünsche. rücksichtslos ist die Zeit. ohne Rückspiegel. starrhalsig. ohne Achtung für alles, was in ihr zum Stehen kommen will.
alle hegen Träume. ihre Gedanken sind voll der Inseln und Buchten. ihr Schicksal. ein Schlaf des Winters. ihr Atem lang. selbst an den kurzen Tagen. nah sind die Wälder und Wiesen, die nach Frühling duften. Zauber der Sprache. wenn niemand spricht. und auf den Spuren der Früheren die samtene Haut einsamer Abende. ein Name erinnert sich an die Seele, wenn sie allein an den Ufern stand. sie selbst sah das Kommende auf der anderen Seite der Erinnerung. Schatten des Grases, ins Dunklere weisend. Klänge, fallend, durch das dämmerige Tuch der Trauer.
物語
wenn du wartest. statt zu erwarten. wenn du dich aufmachst. um näher zu sein. der Heimat. der Frage. den Spuren. frei vom Echo einer Antwort.
zu kurz sind die Geschichten. sie gleichen den Augenblicken, die schon verloren sind, wenn man ihrer gewahr wird. jedes Auge ist aber wie ein tiefer Brunnen, verschlossen vom Wasser, quellend am unbekannten Ort. und jedes Schöpfen daraus holt eine neue Sehnsucht ans Licht.
Gott wusste die Wege. doch kannte noch nicht den unsagbaren Schmerz des nie Erfüllbaren. und erst ein Grab konnte ihm zum Schoße werden. zu tilgen die Schmach. und den großen Namen, der schon war vor jeglichem Hauch, menschlich strahlen zu lassen, mit dem sich die Gewichte aus Wasser und Licht, und Licht im Wasser gebrochen, in die Erde senkten. doch schwer lag auf den Schultern das väterliche Gewand, das ihn zur Demut hätte bewegen sollen. also konnte ihn erst der Zwang zum Geringsten erhöhen. und ließ ihn sehen das Geheimste. ruhend unter dem Ergründlichen.
ausgeschnitten. ein stück der zeit. auf die schatten geklebt. der gräser. der fensterkreuze. der schlaf muss vorbereitet sein. in den gefilden der erwartung. zu schließen die wunden der fremdheit. die seele retour gehen zu lassen. vor anbruch des nächsten tages. ein bild vom wolkenzug haftet an den scheidewänden. wie blick in den linken und rechten vorhof. wo kommendes und gehendes sich begegnen. wo ein bleibendes ist unter der wachsenden rinde. atmet da nicht ein erinnern? wenn das unentwegte der wege zur ruhe gekommen. steigendes wasser. sinkendes licht. angstlos ineinander. versteckter sinn. der sinne rätsel. angezündet. wenn ein lang ersehnter regen kommt. die brennenden zungen und federn zu löschen. ach. erst was vom himmel fiel. als der liebe sakramente. jener andere hauch. wenn dir die luft ausgeht. und trocken das fleisch zwischen den rippen. wenn der restliche pfad bergauf. weil jemand rief: ich werde da sein. dann. und dann.
da liegt es inmitten der herabholung des himmlischen friedens zwischen hügeln und wäldern und seen zwischen nazi-dorf und siehdichum
da liegen sie unter ihren hoffnungen. in wickeln aus mikrofaser zwischen wildbraten und schneewittchenkuchen eingeklemmt in ihren ängsten vor dem fremden und dem kommenden
da sitzen sie auf den terrassen. kaum dass der letzte frost gegangen wenn ein milderer wind den duft von raps und gülle in ihre gärten bläst
da gehen sie hin und her. zwischen den enden der verwaisten geschichte die überall ihre orte ausgestreut hat. als seien sie saat in ackerfurchen orte des wartens auf eine rückkehr derer die noch oder wieder an etwas glauben können
da liegt es in der mitte der leere friedliches vieh im verdauungsschlaf geduldig sterbend. unter den rufen des raben
fürchte die verzweiflung. die sehnsucht nach einer umarmung. abschied zu nehmen. ohne den weg zu kennen. zwischen den entfernungen liegt alles, was nicht vergessen sein soll. unter der stille der welken augen und herzen. wüsten sind durch die seelen gewandert, nackte erde durch die zerschmetterte zeit. alle namen und alle stunden wurden geschrieben auf löschpapier. da standen sie einmal. zwischen den klecksen des jammers. sie trugen den segen jeglicher klage über die böschung der wartenden gegend, die jedes hoffen umgibt. doch es gibt jenes ufer: da wird aufgerichtet sein das ende, im windstoß eines ersten flügelschlags. und niemand wird von dort vertrieben werden. ein jeder hängt seine spur des göttlichen hauchs in seidenen fäden zwischen wasser und licht. und wenn dort auch nur ein schwaches lüftchen weht, hängen die fähnchen der verlorenen über dem funkeln der zartesten wogen. summend die namen. der nie verlassenen.
ich bin der mensch. der fragt: worüber schreiben? wenn man nicht schreien kann. die siegel des schicksals kleben auf allen augen. die nächsten tage sind die entscheidenden. die scheidenden werden es summen. mit gebrochenen kehlen. ich bin der mensch. der die sterbenden sah. die verlorenen. deren stimmen den himmel zerrissen. ein brunnen jeglicher klage ist mein gehör. und die stunde, da selbst die heiligen stritten mit gott, ist die zeit, die den zorn nicht verschleiert. dass unter den stummen keiner dem höchsten gleicht. ich bin der mensch. der auf die suche ging. hier. wie dort. nach den schlägen und wunden seiner gerechtigkeit. nach dem opfer seines auges. den ratschluss zu erkennen. den rat. den schluss. ich bin der mensch. der durch die brennenden häuser lief. über die felder der geschlachteten. zitternd und sorgend um alles kärgliche. wachend am heck aller irrenden schiffe. ich bin der mensch. der in den schwarzen nächten haust. und die zukunft träumt. der fernen. der ihnen nachschaut. in einsamer trauer. und aus ihren müden schritten die sehnsucht reißt. höher schlägt mir das schwache herz. tiefer denkt sich das zweifelnde. am rande von allem. hinter dem vorhang der traufe. ist mein rücken die graue wand. in deren gewebe die toten verschwanden. ich bin der mensch. mit dem kahlen nacken. auf dem eine kalte klinge ruht. ich weiß, dass sie lebten. und welche wege sie gingen. ich weiß nicht, warum ich kein toter bin. wie sie. ich weiß nicht, wohin ich noch gehen kann. zurück. ich sehe die sage. von allem, was heimat war. ich sehe die täler und wüsten in ihren blicken. ich sehe den bitteren see. in dem die gabeln kahler birken stehen. ich bin der mensch. der ruft: bin nicht auch ich aus dem göttlichen schlaf gefallen? anders mag ich sein. als die gleichen. anderes fühlen und wollen. doch auch ich wurde entfernt. mit allen. die man vertrieben und vernichtet hat. das restliche jahr liegt auf meinem atmen. mir wurde gewiesen, es nicht zu vergessen. zu sein eine schwache stimme. die flüstert: siehe. ein mensch. auch.
schaue zurück. zum quell fließe hinauf. ruhig wurde schon jedes verwirrte herz. von deinen gesängen. ich aber muss die stille verlassen. die stelle. wo das ufer der zeit in die goldenen klänge stürzte. drehe dich um. dass ich wissen kann, ob du zu sterben wagst. dass ich weiß, ob du die liebe fürchtest. störe die schlafende nicht. erwecke die eigene seele. dass sie dir zeige, wer die richtende war. ihr wildes gesicht. so weiß. vom schnee deiner ferne. so kalt vom gestein der bezwungenen höllen. und selbst die vögel zum schweigen zu bringen. um immer zu singen. allein. stehend vor allen gründen. nie endende stufen herabzusteigen. von allen bergen und türmen. den immer schattenlosen. nein. nie hätte dir eine folgen können, die ans licht gezogen sein soll. allein. um ihren schatten zu opfern. allein. um durch den fremden traum zu wandern. allein. mit seinen schmerzen.
weil wir einsam sind weil wir die häuser nicht verlassen weil wir in den mauern sind und in den hecken dem wesentlichen um uns herum
was es alles gab. was uns ausging. weil wir nicht ausgingen. die straßen fließen hinaus. und fort. wo die flügel wieder sichtbar werden. und hörbar die gesänge. aufgänge. unerreichbare. haarscharf am glück vorbei. steinschlag. des doppelten schicksals. des halbierten.
still beklommene endlose wiederkehr. winterluft. zerriebene stimmen der amseln. pollen der träume. der schläfen sandige fallen. auf den füßen des wanderers. der flüchtenden. niemanden getroffen. ein erster ton sucht sein gehör. irrend von klause zu klause. noch ohne namen. suchend die burg. unter den seen. zwischen den enden des lichts. im gewebe der dämmerungen. dort. wo das ziel wohnt. und das flehen um die rückkehr der zeit. in die wunde seite des hüters. die krone des schmerzes. zu fallendem laub. wenn die hände der betenden in die scheiben der fenster greifen. und die letzten zärtlichen finger die blütenblätter legen auf lidlose augen.
regen schließt mich ein schatten des immer suchenden nach dem wartenden herz