ggf.: Wohnung. in den Resten des Himmels. d.h.: da unten. wo die Seele streut. z.B.: die Wunder. die Wunden. luftdicht verpackt. bzw.: zum Trocknen aufgehängt. an den Enden. letzte Blumen des Jahres. v.a.: für die lange Reise. poststabilisiert. der linke Fuß. für den langen Weg. den alten Gedanken: einem zu begegnen. der die Straße zog. aus anderer Richtung. und sich auch nur kannte. ein Stückchen. und auf die Frage des Fremden hoffte. u.a.: nach der anderen Hälfte. die ihm fehlte. z.Z.
die zeit singt nicht. sie zieht an etwas übrigem. die uhr schreit: drei. und fünf. und später. wenn das haus verlassen werden muss, als sei es das eigene fleisch. und weil die seele hier nicht bleiben kann.
ab-lauf: struktur als behauptung. von ordnung. residual. stunde. für stunde. ununterscheidbar. stundung. im fluss des gleichgültigen. im ausfluss des verbrauchten
ein gang. hinaus. drei. und fünf. und später. mit allem, das sich teilt, nur durch sich selbst. damit sich legt: atem zu atem, stelle zu stelle, druck zu druck.
gedächtnis: delegierung der kenntnis des ortes. an einen körper. zurückgelassen. das fleisch als zeichen: für ein gelungenes protokoll
die stunden zählten dich. drei. und fünf. und später. bis zur ablage – die kommt nie zu spät. im schrank hängt noch: dein mantel. dein schatten. echo eines körpers, der nicht mehr passte.
rückkehr: nicht ereignis. sondern: nachträgliche lokalisierung
der zu einer unkenntlichkeit geschrumpfte körper. die ganze sich stetig schneller drehende welt. die keinen anderen halt erlaubt, als den dunklen, stillen fleck des eigenen, einen stand-orts. hier ist man vorerst nur, um vorhanden zu sein. hier könnte man eines tages warten, falls etwas zu erwarten ist. das offen zugewandte erreicht einen hier nicht und hat – wie alles unsichtbare – eine erstaunliche grenzenlosigkeit. doch das eigentliche hat jetzt einen fernen platz jenseits der gläsernen wände, die aus den früheren pfaden wuchsen, unbemerkt zur zeit des wachstums einer dünnen, nachträglich gebildeten kruste um ich und welt. die zeit regnet sich ab. ein gebrochenes, altersschwaches licht trifft die haut. man steht als ein unbewegliches in der reibung des flusses. man steht wie ein warnsignal am rand einer start- und landebahn der beflügelten. man steht an der grenze zum undurchstoßbaren. man stand vielleicht schon immer dort – ohne es zu bemerken. dabei weiß man doch in der tiefe der seele, dass es einmal – zu einem jetzt noch unbekannten moment – ein geräusch geben wird, das nicht wie ein laut ist, sondern vielmehr ein nachlassen der stille, als hätte sich irgendwo ein ton gelöst, der nie ganz dazugehört hatte. oder: ein schatten verschiebt sich. nicht viel. nur so weit, dass man nicht mehr sagen kann, ob er noch derselbe ist. oder: etwas zuckt. nicht im körper – eher an ihm vorbei. als hätte ihn etwas kurz gestreift, das keine spur hinterlässt. oder: ein augenblick dauert länger, als er dürfte. oder kürzer. man mag es nicht entscheiden. oder: ein wort stellt sich ein. ohne laut. und bleibt, ohne gesagt zu werden. und plötzlich ist das, was zuvor ich war, ein nichts, das nicht mehr zu verschieben ist. und welt ist jetzt alles, jedoch ohne geräusch, ohne schatten, ohne zucken. ein raum. und eine stelle, die nicht sichtbar ist, die nicht benannt wird. und gerade deshalb bleibt. man könnte sie für einen moment verwechseln mit ruhe. aber sie ist kälter. sie hat keinen rand. keinen zugang. sie entzieht sich jeder bewegung, weil sie selbst keine mehr kennt. dort sammelt sich nichts. nichts wird dort gehalten. nicht einmal der schmerz. und doch ist es genau das, was nicht mehr wehtut, weil es nicht mehr wehtun kann. eine stelle, an der einmal etwas offen war, das sich nun schloss. nicht verheilt, sondern entzogen. und das zurückbleibende ist keine wunde, sondern nur die vorstellung von einer wunde, die keinen zugriff mehr erlaubt. nein: diese kälte friert nicht, sondern sie stellt fest – dass dort nichts mehr erreicht werden kann.
jetzt müsste doch eigentlich eine große trauer durch die welt ziehen. aber den menschen gelingt es immer sehr gut, den schmerzen aus dem weg zu gehen… und dann immer dieses theater um die besseren kenntnisse, fakten, daten… statt nur ein einziges mal den mut aufzubringen, die siebte pforte der angst zu öffnen. und durch die räume des leids zu gehen, vorbei an unverputzten wänden und grau verhangenen fenstern. und es dort auszuhalten eine gewisse, ungewisse zeit, bis zum unfassbaren schritt von der kenntnis zur erkenntnis – von der kenntnis der verletzlichkeit zur erkenntnis einer zuwendung, die man nicht immer nur empfangen muss, sondern auch einmal spenden kann… oder vielleicht den glauben zu überwinden, dass jede zwanghaft ertragene zumutung eine heldentat ist… oder derer nicht mehr zu gedenken, die sich pathologisch schon so weit selbst erhöht hatten, dass sie keiner fremden menschlichen liebe mehr bedurften und zugleich ihre anbetung erzwangen; die ihre triebhafte sucht nach bedeutung und anerkennung auf der angst und ohnmacht jener gründen, die das haus ihrer not nicht verlassen werden… die veränderung aber bestünde nicht darin, dass etwas neues entstünde, sondern darin, dass nichts mehr umgangen werden könnte, dass jeder blick ein zweiter wäre, dass jede begegnung nicht mehr abgebrochen werden dürfte, ohne dass etwas zurückbliebe, das sich nicht mehr tilgen lässt. eine veränderung, nach der man nicht mehr darauf beharrt, recht zu behalten, nach der man nicht mehr zuerst sich selbst versteht, nach der man nicht mehr spricht, um zwischen allen stimmen zu bestehen, sondern um zu bleiben, wenn sich kein laut mehr rührt. eine veränderung, die bewirkte, dass bedeutung nicht mehr erarbeitet werden müsste, dass sie sich entzöge, dass sie dort entstünde, wo niemand sie beanspruchte, dass zuwendung nicht mehr als antwort erschiene, sondern als voraussetzung, dass man nicht mehr gefragt würde, ob man bereit sei, sondern nur noch, ob man geblieben sei, dass der körper nicht mehr nur getragen würde, sondern trüge, dass man nicht mehr ausweichen könnte vor dem puls des anderen. dass man im bleiben zur bleibe wird. ohne gewähr. ohne grund.
die jahre des wartens zählen nicht. gleich den terminals des transfers. die füße froren fest in leerer wintererde. aber man wird sich kaum übersommert haben, mit schlichterem herzen. vielleicht noch: den ort der ewigkeit wählen. vielleicht dort, wo schon andere sind, die das angsthaus verließen. dort, wo die jungen buchen wachsen. ganz behutsam zu gehen durch eine gasse. und jetzt bereits zu ahnen: manche werden fehlen, wenige bleiben im gedächtnis. vielfach gesagtes, das niemand hörte, für alle anderen, die nichts sagen, trotz überfüllter welt. doch auch die orte des wartens zählen nicht. man ist zum kranich geworden, der überwinterte, ohne schwarm. ohne erinnerung an das letzte jahr einer gemeinsamen rückkehr. man wird sehr bald ein kranich sein, der nicht mehr weiß, dass er kranich war und was nach dem winter folgte. denn nur die zeit geht weiter. unablässig. jedoch: durch unverwandelte räume stiller duldung und reglosen aufenthalts.
was spricht denn noch? rest einer stimme. unter dem zerkauten. bewegung auf einer geraden linie. exakte achse: natur, leere, masse, stimme, tier, mensch, engel, liebe. wenn man nur will. wenn man die vorstellung wagt. dreiklang. passung der unpassenden stimmen. sechs sätze. oder sieben. maximal. wenn der sommer anmarschiert kommt. nachdem der boden sich hob. nicht vor freude, sondern unter dem druck der tiefe, die zu lange schon den atem anhielt. zeitlich gestreckt, räumlich gestaucht lag die erde da. nun aber richtete sie sich auf. gegen den eigenen schmerz. denn niemand ging. und alles wurde gegangen. man mag es eine letzte große täuschung nennen. natur als bewegung. bewegung als sinn. da sonst alles scheppert wie in einem akustischen katasteramt des werdens und des vergehens. in einer gegend, wo selbst das erwachen wie ein administrativer vorgang erscheint. die göttliche instanz als frühindikator, die man sehr leicht verschlafen kann. die man jedoch nicht wegdrückt, in den zigfach wiederholten snooze-modus. die tiefe also hob sich. wollte höhe sein. risiko. eines falls. einer falte. zwischen licht und luft. nicht der sommer. aber die erinnerung. das leuchten, das erwartet wurde und von dem nicht mehr gesagt werden konnte, ob es noch ankam. nun: die blumen der wiesen haben ihre eigene sprache bewahrt. und halten ihre kelche hin. offene wunden im gras. dennoch sind auch sie nur semiotische restbestände einer überforderten symbolökonomie. man liest sie auf, doch man liest sie nicht, weil man sie nicht lässt. oder: jede blüte ist ein mund, der sich nicht mehr öffnet. doch alles steht im wind, als hätte es ein wort gewusst. und auch die tiere des waldes, gleich den unerreichbar fernen sonnen, wissen nichts von uns und tragen darum diese überlegene signatur: das ist unser wissen. statt spiegel, statt der begriffe: einfach nur richtung. gewiss: nur eine funktion als projektionsfläche einer verlorenen unmittelbarkeit. weil der mensch die tiere nicht hört, hört er seine eigene unfähigkeit, kein mensch zu sein. und also geht etwas weiter, im fell der zeit, ohne namen, ohne schuld. und deshalb: ohne erlösung. dann aber spricht noch einmal die zeit. nicht zu uns. wir hören nur das nachlassen des tages im eigenen körper. es bleibt eine klangliche domestizierung der philosophie und gleichzeitig bereits ein versagen des aufmerksamen. denn die achtsamkeit kommt immer zu spät. man hätte so gerne resümieren wollen, dass die stimme nicht von außen kam, sondern dass sie das war, was blieb, als alles andere verstummte. jedoch: der gesang war zu laut, zu hell. als sei nie geschwiegen worden. als erklinge ein chor, dem man nicht glauben darf. ein singendes kollektiv der ästhetisch verkleideten redundanzen. ein vokalensemble der affirmation. eine verwaltungseinheit des heiligen. sie rufen, weil sie nichts mehr hören. und nennen es himmel. schließlich ist die zone erreicht, in der es keiner worte mehr bedarf, nur eines tragens, das nicht fragt, wohin. es mag letzte geben, die darin nur eine strukturberuhigung erkennen, eine systemische glättung durch gefühl. doch falls ein ich dort steht, inmitten der mächtigen schlussakkorde, hört es ganz sicher keinen antwortsatz, sondern nur noch ein offenes bleiben.