missa lecta III

[krukower psalter | der stein. der ins rollen kam. der sich festbiss. am ufer. wo der bach floss. immer am jetzt entlang. dem dann entgegen. und auf seinem rücken das einst. das immer wachsende]

zumute. wie dem fremden. wenn er nach langer zeit zurückkehrt. in die heimat. die karge landschaft. die sich mit dir verbrüderte.

viel platz in ihr. für die elenden. für das kraut der scham. zwischen den gräbern. der unverwandelten gesichter.

wangen des täglichen brotes. steine am rande versiegender bäche.

missa lecta II

[krukower psalter | die blendung. die andere sicht. die gestohlenen augen. die verstohlenen blicke]

gehe jetzt. wenn einmal etwas auf dich zukommen soll. sage abschied. wenn einmal dein name gerufen sein soll.

sei ganz still. doch stille deinen durst jetzt noch nicht. nehme mit auf die reise. wonach dich verlangt. ungeachtet der frage. wohin es dich führen mag.

eine sage wird sein. vom anfang. der fernen ufer. von deinen träumen. aus denen du nicht erwachtest. von allem wahren. das sich nicht ereignet hat.

das echo werden geben. die verrotteten boote. die verwitterten türme. von allem unausgesprochenen.

missa lecta [ICE 1155 | das unsichtbare | das schmelzende | unter den wellen | schatten des bergs | ort deines wartens | stille | aufgequollen | fülle des möglichen]

pfingstpsalmodie

farbe dieser landschaft farbe dieses lebens trockenes gras auf endlosen ebenen

und wie schön erst die farben der träume so wie der tag enden soll

zwischenzeitlich

müsste er angekommen sein alle steine alle seelen wurden aufgestellt die menschheit heute als eine gemeinschaft der suchenden und morgen als eine gemeinde der wartenden

gestern

wir erinnern uns der gesten salz und sand aus den augen gerieben atem geschickt von einer dämmerung in die vereinzelte hoffnung hinein

etwas

gesichtet etwas wie ein gesicht etwas wie ein seufzer etwas wie vom anfang zu uns hinübergewunken wankend doch wacker im erwachen entlang der linien der küste des horizonts das band an dem wir gezogen gegenwärtlich erwartend die gegenwart die gegenwarte

beharrlich

ohne zu verharren tatenlos unverhandelbares wenn es verwandelt war beweglich zwischen den streifen lichtes auf den sich kreuzenden wegen wer ihn bezeugte zeugte ihn auch wer sich verbarg dem zeigte er sich und wer ihn sagte wuchs in der sage treppauf ohne furcht vor der luft der höhe treppab ohne angst vor der katabasis kuss auf etwas zu für das flügelgeschenk für die stimmgabe[l] adoratio augenblicklich herzblicklich[t] hand und fußblickdich[t]

die zahlenden mit ihren schritten zurück

die zahlen rückwärts auf dem taxameter rückzahlung ausgeschlossen wenn die schlüssel klappern wenn die gedanken rasseln und die worte prasseln wenn das laub raschelt vom rauschenden blut keine erstattung an dieser statt keine verrechnung des unberechenbaren alles unbezahlbare war schon da ist schon fort näher rückt der ablauf allen die ihren rücken nicht abschütteln konnten die nicht kannten die drehung der zum licht wachsenden zweige der in liebe züchtenden und im schmerz ziehenden mutter

doch wo blieb der vater

die kinder erzählen sich abends von den kriegen von den weiten wilden wassern von den vergifteten inseln

[das übliche muss gar nicht übel sein | befragung der restlichen | der übrigen zeugnisse]

wenn der tod

begonnen wenn sich die zeit entfernt hat und in der kalten bleibe deiner gedanken daran was noch hätte sein können was sich da alles versammelt in der kühlkammer der schöpfung und wie glücklich wenn eine wiederkehr in einer fernen trauer

der eine atem

dessen du nicht beraubt sein wirst der lange atem des einen geistes und als ob dich streichelt die graue wange des geduldigen gesteins die leeren flure heiliger haine der heimkehr gläserne fäden aus staub

wohin er blickt

hinaus wie hinein stille wurzel seiner verkündung spätere stufen ganz gleich wohin woher die kundschaft der schweigenden und gänge in die zeit zurück verriegelte nacht der grund dann auf dem du liegen magst und warum das ohr nun befreit von den dunklen fernen klängen schmerzende stimme vom brennenden schweif deiner worte wie frisches wasser im satten boden dort die fragen nicht verkümmern zu lassen nach den pfaden und den pforten die hand der treuen seele nicht abzuschlagen die über die schwelle half über den abgrund reichte

farbe der flügel

farbe dieser einen hoffnung das ziehen der wolken über von hügeln umschlossenen seen klein ist der schmerz unter den floßen der schatten die nordöstlich verschwinden wandernde himmelsinseln wundernde heerscharen der nimmermüden nothelfer:innen freiheit ruft es unter der rinde freilich[t] tönt es im licht wenn es die fenster das laub durchschlug getragen von allen erinnerungen in allen ereignissen eigen[tl]ich[t] das flehende unvergessliche unverlässliche nicht zu verlassen wenn es vergessen in einsamen ecken trage mich weiter ruft es aus der umrandung der verlorenen zeit hängt von den türmen von den stirnen von den gestirnen ein sternenhaar durch das kein gott mehr schicken will seinen sohn und selbst wenn er wüste sagt wenn er wüsste was jener schrie vom baum der erkenntnis hernieder ist im echo erstarrt was er wusste vom sterben der eisige winkel der punkt an dem sich alle verworrenen wege kreuzen der nagel auf den kopf getroffen auf die haut des wassers gestellt um der zeiten fluss ans schwarze brett zu heften damit er ewig erinnert sei warum er verlassen wurde

schäme dich

so nackt in der gegend zu stehen insel und ufer des anfangs farbe des schaums des schnees je nach dämmerung je nachdem wer dann folgte und wann die früchte fielen vom goldenen zweig

to be continued…

aber. mein Wandern. mein Warten

それから

die Reise beginnt. immer am nächsten Tag. die Boote schaukeln. wie ungeduldige Kinder auf den Schößen ihrer Mütter. das ganze Leben. ein Anlauf. zum Absprung. im Warten kein besserer Aufenthalt als im Wandern. die Jahre müssen verlassen werden, um einzutreten in die Zeit. die Küsten so lang, so alt wie unsere Hoffnungen. verändern werden die Kommenden die Häuser, in denen wir wohnten. fort werden wir sein. schon vor dem nächsten Frühling. bis dahin: die Wege wie Stufen, von den Schatten kahler Linden und Pappeln gezeichnet.

スタイン

die Ruhe. der Stein. das Entgangene.

mein Herz steht still. das Leben am Rande. hinter der Rinde. in der Bleibe. in der niemand blieb. Gelehrsamkeiten. Empfindsamkeiten. große, verlassene Räume. Betrachtungen. Erinnerungen. weite, leere Landschaften. ein Tag ist verloschen. ein Leben ist ihm gefolgt. ergeben dem, was sich ergab. in wortlosen Blicken. Zuflucht. im tonlosen Sang der Sternenreste. Hauch vor der Schöpfung.

vage ist der Herbst. als Zeit des Jahres. ergraut seine Farben im Verträumten. zierliche Inseln aus Pergament. auf dem entspiegelten Wasser. die Dinge sollen bewegt sein. noch einen Winter hindurch. auf dem brennenden Schweif der Wünsche. rücksichtslos ist die Zeit. ohne Rückspiegel. starrhalsig. ohne Achtung für alles, was in ihr zum Stehen kommen will.

alle hegen Träume. ihre Gedanken sind voll der Inseln und Buchten. ihr Schicksal. ein Schlaf des Winters. ihr Atem lang. selbst an den kurzen Tagen. nah sind die Wälder und Wiesen, die nach Frühling duften. Zauber der Sprache. wenn niemand spricht. und auf den Spuren der Früheren die samtene Haut einsamer Abende. ein Name erinnert sich an die Seele, wenn sie allein an den Ufern stand. sie selbst sah das Kommende auf der anderen Seite der Erinnerung. Schatten des Grases, ins Dunklere weisend. Klänge, fallend, durch das dämmerige Tuch der Trauer.

物語

wenn du wartest. statt zu erwarten. wenn du dich aufmachst. um näher zu sein. der Heimat. der Frage. den Spuren. frei vom Echo einer Antwort.

zu kurz sind die Geschichten. sie gleichen den Augenblicken, die schon verloren sind, wenn man ihrer gewahr wird. jedes Auge ist aber wie ein tiefer Brunnen, verschlossen vom Wasser, quellend am unbekannten Ort. und jedes Schöpfen daraus holt eine neue Sehnsucht ans Licht.

Gott wusste die Wege. doch kannte noch nicht den unsagbaren Schmerz des nie Erfüllbaren. und erst ein Grab konnte ihm zum Schoße werden. zu tilgen die Schmach. und den großen Namen, der schon war vor jeglichem Hauch, menschlich strahlen zu lassen, mit dem sich die Gewichte aus Wasser und Licht, und Licht im Wasser gebrochen, in die Erde senkten. doch schwer lag auf den Schultern das väterliche Gewand, das ihn zur Demut hätte bewegen sollen. also konnte ihn erst der Zwang zum Geringsten erhöhen. und ließ ihn sehen das Geheimste. ruhend unter dem Ergründlichen.

siehe. ein mensch. auch

[buchheimer fragmente]

ich bin der mensch. der fragt: worüber schreiben? wenn man nicht schreien kann. die siegel des schicksals kleben auf allen augen. die nächsten tage sind die entscheidenden. die scheidenden werden es summen. mit gebrochenen kehlen. ich bin der mensch. der die sterbenden sah. die verlorenen. deren stimmen den himmel zerrissen. ein brunnen jeglicher klage ist mein gehör. und die stunde, da selbst die heiligen stritten mit gott, ist die zeit, die den zorn nicht verschleiert. dass unter den stummen keiner dem höchsten gleicht. ich bin der mensch. der auf die suche ging. hier. wie dort. nach den schlägen und wunden seiner gerechtigkeit. nach dem opfer seines auges. den ratschluss zu erkennen. den rat. den schluss. ich bin der mensch. der durch die brennenden häuser lief. über die felder der geschlachteten. zitternd und sorgend um alles kärgliche. wachend am heck aller irrenden schiffe. ich bin der mensch. der in den schwarzen nächten haust. und die zukunft träumt. der fernen. der ihnen nachschaut. in einsamer trauer. und aus ihren müden schritten die sehnsucht reißt. höher schlägt mir das schwache herz. tiefer denkt sich das zweifelnde. am rande von allem. hinter dem vorhang der traufe. ist mein rücken die graue wand. in deren gewebe die toten verschwanden. ich bin der mensch. mit dem kahlen nacken. auf dem eine kalte klinge ruht. ich weiß, dass sie lebten. und welche wege sie gingen. ich weiß nicht, warum ich kein toter bin. wie sie. ich weiß nicht, wohin ich noch gehen kann. zurück. ich sehe die sage. von allem, was heimat war. ich sehe die täler und wüsten in ihren blicken. ich sehe den bitteren see. in dem die gabeln kahler birken stehen. ich bin der mensch. der ruft: bin nicht auch ich aus dem göttlichen schlaf gefallen? anders mag ich sein. als die gleichen. anderes fühlen und wollen. doch auch ich wurde entfernt. mit allen. die man vertrieben und vernichtet hat. das restliche jahr liegt auf meinem atmen. mir wurde gewiesen, es nicht zu vergessen. zu sein eine schwache stimme. die flüstert: siehe. ein mensch. auch.

Eumaios – hinter den Fenstern

Foto: André Sarin

ich dachte, wir wären längst vermählt gewesen. als ich dich fragte und die Absage bekam… man sollte sich nicht zu sehr mit Geschenken überhäufen lassen, um das verzögerte Gefühl zu vermeiden, all diese Dinge zurückgeben zu müssen. Gewänder, in zwei Teile zerschnitten. volle Becher mit Vertrocknetem. Überwürfe. und ganz so nackt dazustehen. Gesichter, wie alte Krusten Brot. was braucht man um leben zu können? und was um weiterzuleben? heißer Stein glühender Wangen. die Tränen verdunsten im Nu. es muss viel Zeit vergehen, bis man sich ganz versteht. nein, nicht eigentlich ganz. vielleicht nur viel tiefer. und näher. und den Anderen ohnehin immer besser, als sich selbst… Haare waschen am Waschbecken, wenn es schnell gehen muss am frühen Morgen. und unter den Wasserhahn gebeugt, um sich die krausen Gedanken aus dem Kopf zu spülen. man ist kaum wiederzuerkennen nach drei Jahrzehnten. die Unruhe sackt in die Kissen. ins Moos. wie feuchte, kalte Luft am Boden. erschöpfte Wege, von den zahlreichen Schritten. den nie endenden. aber frage mich ruhig, was immer du wissen willst. woher ich komme. wohin ich will. [nicht was] Fragen kostet nichts. und das Wort wird nicht zu rasch abgeschnitten. es spricht sich gut herum, wenn einer lange schweigt. er ist stärker als ich. hat die Wege weggesperrt. lässt die Hecken wuchern. die Umarmung. nicht mehr so wie vorher. die Einsamkeit. wie immer… die vielen Geschenke hatten etwas Erdrückendes. warum dies Heimweh? weite Felder. hinter den Gehöften. Verlorenes. in guten Händen. wenn sie leer sind. klagloses Holz gefällter Buchen. Wälder ohne Schreie. ohne Schritte. schadlos die Flüsse. sehnen sich nach Floßen. Ḫumbabas Zorn unter dem schlafenden Laub. Ameisenstraßen auf dem gefallenen Triptychon. die Vorratskeller voll. für die Feier der Rückkehr. die Leiter hinauf zu den Deckenfresken. fest vernagelt. wer immer hinauf will, muss nur noch hindurch. nicht lange soll das Sterben dauern. wenn man es spüren muss. das Schicksal. das auf der Hand liegt. ins Rad geflochten. aber du bist ja gewandert. und hast dich nicht schicken lassen. auch wenn sie sagen: Einöde. und Einsiedler. und Einsamkeit. du weißt ja dennoch, wer bei dir war und sich nicht wie die Zeit vertreiben ließ. wer kommt jetzt noch? und bleibt eine Weile. und wäre ein wenig traurig bei der Abreise. Wolke auf ruhendem Wasser. Fels über dem Atmen. unstete Seele. weil der Körper immer an einem Ort. er war dort zuerst. er wird dort der letzte sein. sein Schatten gibt keine Antwort. trägt dich zum Abend. zum nächsten Morgen. wenn der Mond abgibt die Obhut. und die Fäden der Träume aufgeräufelt hat… der Himmel hat Platz für alle. da hängen die Antworten herab von den Sternen. und über den Körben und Kelchen offener Hände und Münder der Harrenden. aber lass ihn erzählen, der so lange warten musste auf ein Gehör. du brauchst nur Arme, die zum Höchsten wachsen wollen, auch wenn die schauenden Augen immer auf der Höhe der Wurzeln bleiben, weil die Erinnerungen nach unten fallen wie Früchte und welkes Laub. mächtig bist du weil du, keinen Namen hast. kein Gesicht. und die deinen dich sehen in ihren eigenen Spiegelungen. du lässt sie für dich sprechen. doch kommt die Rede, die von dir sagen soll, nicht immer von den Klügsten. ein ganzes Leben lang können sie davon sprechen, wo die geschmückten Schiffe ankern, jedoch nicht wohin sie fahren werden. die Wasser blau, erst vor den Ufern der Wüste. Streifen aus Smaragd. wie Saum der Sehnsucht. das Land zurückzulassen, um nicht mehr träumen zu müssen. mein Land, auf der Seite der Dämmerung. zwei Schritte entfernt, wenn du den Weg erkennst. die feine Asche, die sich ins Gestein treten ließ. nah der Stille, wo der Wind seinen Anfang hat… mein Traum war voll von deiner Rede. da warst du kein Schweigender mehr. und auf deiner Zunge lag alles, was ich hätte sagen sollen. so wie die Tage ziehen, denen du vorausgegangen. allein auf den Gipfeln, um da endlich in die Knie zu gehen. von Frost und Licht bedeckt. und geschüttelt vom Wunsch nach Geborgenheit. erstarrt, um weich zu werden, unter der aufgehenden Sonne, zwischen den Bergschatten, hinter dem Ziel, wo die Angst nicht mehr sein würde. hörst du ihn nicht auch rufen? zurück will ich. zu den Bäumen und Bächen. und wenn meine Augen aus Sand nichts mehr sähen, würde ich sie noch hören können und hätte den Duft des Nebels vom Licht her aus dem feuchten Gras gezogen. auf der kühlen Haut. und jetzt die Frage: wovor denn Angst? auf die niemand eine Antwort erwarten kann. aber soviel hatte ich doch sagen können: dass dort, wo es eine Angst gibt, auch eine Hoffnung ist. aber wirst du das auch noch denken, wenn du die Feldwege wanderst und vorbeigehst an den grasenden Herden. da scheint die Erde ihre Wunden geschlossen zu haben. nicht mehr zu erkennen werden sein die Furchen, auf denen die goldenen Ähren späterer Jahre wachsen. träumst du dann noch? oder schläfst du dann nur. erschöpft von den Wegen des Tages. aber für die Heimkehr muss es erst noch so werden, dass die Wege dich finden in deinem geheimen Ziel. ein anderes Leben durchdringlicher. selbst wenn die Orte ihre Namen verloren haben. nicht mehr weit der Rand der Wälder. und das Ende der Lähmungen. dass das Herz wieder brennen kann für des Tages Ausklang. wenn die Stille aufgeht als Mondnacht über den Äckern. doch dann soll seine Stimme sich dir noch nähern. etwas das sich an deine Seite schmiegt. ein anderes Leben. durchdrungen von deinem.

buchheimer fragmente

[fragment | a small part broken off or separated from something | stückwerk. zu sammeln. lieferbares. über die großen wasser hinweg. wie fliegendes laub. gedanken. im andrang alles herbstlichen. mitten im frühling. im abfall. anfall. der kostbarkeiten | deliberately constructed | orte der ankunft. der abfahrt. der immer möglichen | this is a quiet room | flüstern. bis jemand brüllt. gegen die ruinen. angeschwemmt. die nicht ausgesuchte zone. wohin auch immer geworfen | ang isla kun pulo usa ka bahin sa yuta nga gilibotan sa tubig sa duha ka demensyon, taas inig taob ug ubang dagkong bahin uga yuta]


das übrige des jahres. nicht mehr das übliche. diskrete spuren. zaghafte biegungen. auf. und ab. und an. immer noch schön. sind die füße. nach so langem gehen. wie die einsamkeit der orte. wo sie jetzt nicht mehr sind. unvergesslich. wo sie noch sein wollten. zweieinhalb tage. wo niemand sie sieht. aber ein schweres atmen zu hören. in der knappen luft. in der alle träume gleich klingen. alle worte. nach denen nicht mehr zu schnappen. mit tauben fingern. wenn zum steilufer geworden. der rand des bettes. aber noch fern genug die wellen. vom schlaf. in dem kommen soll. der tod. ganz zärtlich. sich selbst gleich. wie die zeit.

aber. mein Wandern. mein Warten

für Bakiş Demir

niemand fragt nach Träumen. das Entsinnen hat die gedeckten Farben von Trockenblumen. grausüchtige Welt. das Nämliche vertrieben aus den Namen. das Ähnliche aus dem Fremden.

wer mehr wandert, wundert weniger. leichter zu gehen. durch Wälder. durch die alten Zeiten. leichter zu vergehen. in den Schattenwänden. auf der anderen Seite.

die Triebe der Verzückung. immerfort rauschende Sprache. immer. fort. heller zu sehen. in der Schönheit der tanzenden Finsternisse. weil Wüste. und wohin sie auch immer treiben mag.

und das Übrige nicht dem aasfressenden Getier. das Letzte nicht dem Hassenden. weil einem Jeden ein Abend wird. aber nicht allen ein nächster Morgen.

到着

wohin geht es hinab? weniger wird das Licht. weniger der Klang. eng sind die Gassen. hoch die Mauern. das Uferlose breitet sich aus. vor den Schauenden. das kalte Bett. das einsame Boot. durch den Nebel treibend. in mondloser Nacht. fern ist die Heimat. ohne Ankunft die Fremde. erloschen die Erinnerungen. an die Kindheiten. an die Toten. die durch die Träume liefen. wer wüsste noch, was er hier wollte? was er dort verlor? das Alte versunken. das Neue ungeboren. wer lehrt uns den Jammer? wer sagt uns von den freudigen Zonen? der plötzlich Heimgekehrten…

die Leere lässt sich nicht auf links drehen.

was wird aus der Sehnsucht? wenn sich die Liebe wirklich zeigte. vergebliche Sattheit. und der Träume Ödnis…

迂回

wanderndes All. Schlingen der Umwege. Unterbrechungen. Pforten der Anfänge. und dann weiter. von dort. wo die Abschiede wohnen. wo wir lernen. das Alphabet der Schmerzen. im verzerrten Licht. im verzehrten Schatten. wortlos. der Frühling. unbemerkt. auf noch staubigen Augen. aber durch die Winde finden wir einen Eingang. vielleicht. und dann Auslieferung. und die Päckchen liefern sich den Wünschenden. Sprache der Liebe. lange Rede des Meeres. Gott. der in die Leere fällt. der ewige Einspringer. in der Werkstatt des Flügelschlags. der abgezählten Herzen. der ungezählten Ausgezahlten. aus den Kerkern der Hoffnung entlassen. und besohlt für den Marsch durch die bodenlosen Erwartungen.

plan. die Weiden des Glaubens. Steppen. Ebenen. planlos.

warte noch. gleich ist Zeit. jetzt ist Schlaf. und morgen ist auch Schlaf. Gleichung der Träume. Tag und Nacht. Ankunft der Engel. die den Belag schöner Landschaften über die Schlachtfelder ziehen.

wer zu früh kommt, den erdrückt die Zeit. wer nicht warten kann, den bestraft der Tod.

unter der Erde. ein Gesang. der sich auf den Staub legt. auf der Welt das Hämmern der Schritte. das ihn tanzen lässt. auf Stock und Stein. aber. wenn erst einmal die Zweifel geklopft sind. aus den flaumigen Kissen der Holda. die uns den Berg herüberschob. und immer noch glaubt, ihre Ablösung sei gleich da. sie schont ihre Stimme nicht. schreit durch die Wolken. und greift mit brennenden Händen in den Schnee. sie würde so gerne sein. verrückt. irrend durch die Wälder. wie alle. die vergessen haben. zu fragen. wenn sie eine Wunde sahen. nur: ihr macht noch Angst die Gefahr einer Pilzvergiftung. und sie will nicht begegnen der Urgroßmutter des Leibhaftigen. die im Gehölz nach ihren Zähnen sucht.

もっと

entzündete Winde
der einzelnen Worte Einsamkeit
Weg. Wunsch. Wendung. Wacht
wenn das Meer spricht
und keiner kommt

von ferne. mit der Heimat im Auge

掴む

ich habe für den Tod gespart. ich habe mir das abgespart vom Leben. jeden Morgen spaziere ich vorbei an den Parkplätzen. vor den Pflegeheimen. ich lege die Wege. zurück. und etwas Zeit für später. wenn ich nicht schlafen kann.

nur zwei Zeitalter gibt es: das der Verwendung und das der Verwandlung.

nicht erst mit dem Mond begann mein Schlaf. mein Frühlingstraum. nicht erst mit dem Wind begann mein Herbst. geschnittenes Gras der vergangenen Jahre. Pfade und Stufen. erschöpft. von den Schritten.

nur die Weiden, als hielten sie zusammen das letzte Licht und Wasser, und wüssten schon, wer hierher zurückkehrte, allein, legen ihre Schatten auf die stille Erde.

im Glas mag ich dann sein. wenn du hindurchschaust.

buchheimer fragmente

[fort | setzung]

allein. zwischen dem entfernten. angerauht. das innere. das äußere. eingereiht. das unsichtbare. der leere zwischen den aufbrüchen. der abgebrochenen.


die flüge wurden gestrichen. aber noch da. sind die orte. des anfangs. und des endes. dazwischen. die durch die wälder irrenden kinder. tektonik der träume und der trauer. küste. die unters meer rutscht. also. sagte einmal jemand. wäre es besser gewesen. die segel zu hissen. statt die weißen fahnen.

zur Sammlung (Stand: 14.03.2024)

aber. mein Wandern. mein Warten

[ursächlich]

man muss probieren. nicht aufzuhören. man geht. wohin. erwartet nichts. wartet auf alles. man reißt sich zusammen. bis man sich zerrissen hat. man freut sich nicht zu früh. sondern zur rechten Zeit. die schönere Erde ist ohne bedürfnisse. die schwierigste Welt ist die einfache. jeder hat Platz. niemand verlässt ihn. nichts wird verbessert. alles beobachtet. nichts wird bestaunt. alles bejubelt. was keine Wirkung hat. aber jede Ursache. zahlreich. wie die Einsamen.

man schält die Stimmen aus den Kehlen. wie das Gehäuse aus den Äpfeln.

man ist nichts. um noch etwas werden zu können. man wurde etwas. um den Schmerz zu lernen. der entsteht. wenn etwas verschwindet.