die sinkenden. die gefalteten. die nachgereichten

[szenarium\abwicklung. einer protokollierten rücknahme]

auf.takt | schritte. der hoffenden

die treppe hinab. die starre der gedanken. fremdes. nach seiner heimkehr. nach der abfuhr. des eigenen. vor der abfahrt. der heimgesuchten. frostig in ihrer ruhe. zwischen den umarmungen. der tiefgekühlten schuld. gesunde ferne. von leidenschaften. von überschreitungen. von entschlüssen. vereinigungen setzen einigkeit voraus. geringe erwartungen. fleißbereitschaft. flussakzeptanz. floßwillen. ein offenes archiv. der furchtbarsten momente. der unvergesslichen träume. der worteverdunkelung. der lauteverdumpfung. der wünscheverdampfung. der segensverstopfung. für all jene, deren stopfherzen die sauerstoffe nicht behagten. die süßstoffe nicht genügten. denen bitter wurden: die nachgereichten kaltschalen mit den süßholzraspeln.

a.no.malie | stanze.rückwart.läufiger existenzen. ge\h\läufiger kardiomyopathien. gegenläufiger mytho-partien

was alles daraus entstehen kann. wenn einmal damit angefangen wurde. klageverzicht. verbot der selbst-gespräche. laken über die geblendeten. aus-blende der berichte. der berechtigten. in den kühlkammern der entfruchtung. der entfeuchtung. der trockengelegten. die noch gerade aus dem sumpf gezogen werden konnten. denen die irrsinnigen zustände noch zeitig genug aus dem juckenden fell geklopft werden konnten. denen nichts mehr zugestanden werden muss. die zugestellt werden. zu den abgedeckten. abgelegten. in die falten der sorge. in die fächer der entsorgung. mit sorgfalt.

was eingetragen wurde. es loszulassen. das los | eine.ge\h\samt.heit.in ihrer reichen zahl. in der reichen einsamkeit | in der sicher. in blei. versenkten registratur

individuum befindet sich seit 74 stunden im zustand der unaufgeforderten stilllegung. keine rückkopplung. keine antwortimpulse. minimale bewegung. vermutete ursache: fehlauswertung eines näheerlebnisses in verbindung mit chronifizierter bedeutungslosigkeit. protokollierte auffälligkeiten: reduzierte atmung (lautlos). blickrichtung: innen. kreislauf: stabil, aber enthoben. emotion: nicht mehr nachweisbar. erinnerung: fragmentarisch, ohne narrativen anker. sprache: nur intern, ohne kommunikationsabsicht. verortung: unterhalb der sprechschwelle. zustand: nicht erreichbar, aber auch nicht vermisst.

letzter beobachtbarer satz (gemurmelt): ich war nicht traurig. ich war nur zu hören. und das war zu viel. kein handlungsbedarf.

kein rücklauf zu erwarten. versenkung formal abgeschlossen. warten auf anstoß. auf windstoß.

zwischen. spiel | pausen. brot

war hier einer stimme? stimmt was nicht? trat hier einer ein? der noch nicht getreten wurde?

[einzelner schrei: genießt euren kurztrip | autokorrektur: kurzzeitpflege | mehr raum darf die zeit nicht einnehmen | die entpflegten. die keine anstalten machen. in den anstalten. der fremdkorrekturen]

haben sie schon die gefäße der hoffnung sterilisiert? halten sie bitte die lösung bereit! für die auflösung. die lichtdrähte. für die entstörung. die bleitupfer. gegen die trostwunden.

löte. der echos | halte.stelle | eines verödeten atems | end\r\einigung. end\r\einheit. der geräuschlosen | notat einer unnötigen not

eine falte hebt sich. im laken. ein ton. ein schatten. keine quelle. :— / — : / :— staub der inventarnummer. flatternde etiketten. fähnchen vergessenen laubes. ungesehen.

anhang.fehlersignal | nicht vorgesehen. prophetie.an.taube

zeitstempel: +00:00:00. nach erfolgter grablege quelle: unidentifizierbar. signalstatus: abweichung | echo > erlaubter rahmen. meldung: nicht abfangbar. kennung: prophet*in.transit.7

[steg. fall | was das wasser verschlang]

siehst du mich. durch den stoff? ich bin nicht gekommen, um dich zu retten. nur, um das wort zu legen an die stelle, die nie gesprochen wurde.

du wirst einmal an einer stelle stehen, die nicht eingezeichnet ist. ein licht wird dort sein. nicht groß. aber ohne schatten. und niemand wird wissen, dass du es warst, der dort wartete.

vor.spiel | für anfänger.innen | fürs zeitige: exeunt

eine bühne. für beziehungen. oder: beziehungen als bühne. hinten: die wunder-bar. vorn: die erwartung. und dazwischen: eine dünne haut. das licht durchzulassen. ohne die andere seite sehen zu können. wenn einer ruft: ich bin es. ein wie flachs zerfasertes lächeln. ich bin hier. wo jetzt noch dort ist. aber ich könnte herüberkommen. in die spiel-bar. um spielbar zu werden.

mein atem fühlt sich jetzt bereits an, als hätte ich einen vorhang verschluckt. wenn ich lang genug weiterspreche, rede ich ihn auf. ohne mich oder etwas aufschwatzen zu wollen. ich will die sätze nur solange falten, bis sie blickdicht werden. ich spreche noch bis zu dem moment, in dem ich mich aus der wahrheit herausmoderiert haben werde. bis ich weiß, dass die wahrheit sich nicht mehr herausreden kann. und wenn der vorhang fällt, fällt auch mein letzter satz in sich zurück.

das ist der fall: falls ich die bühne betrete, falls ich sie nicht mehr verlasse, ziehe ich die alten bilder aus den gassen. von rechts nach links. den morgen in den abend. das morgen ins gestern. denn in mir und aus mir heraus wird flackern, was nie war und was nie wieder wird.

gegen die ufer. angeschwemmt

[maske: iocaste | wartend. auf das. was nicht gewusst werden darf]

die träume kommen jetzt von ganz allein. sie setzten ein nach der abreise. du hast begonnen sie aufzuschreiben. das waren deine ersten schritte. zu führen das leben eines anderen. ein leben, in dem du nicht vergessen sein würdest. durch das du dich auf die suche begabst. nach dir selbst. bis du das sichere gefühl gewonnen hättest, dass es jemanden gibt, der sich all deiner träume annahm. du würdest dann nicht mehr gänzlich ermüdet sein müssen, um weiterträumen zu können. weil du durch sie zum wanderer würdest. ziehend durch alle verwandlungen.

aber. als daheimgebliebener. warst du dir nie gewiss, ob du auf der richtigen seite der höheren geschicke stündest. dort. wo die irrenden enden. da. im frieden der seele. doch du hast ja an dir selbst erfahren müssen, dass die urteile nicht stehen bei der gerechtigkeit. und deine allzu leise stimme wurde zerkaut von den nimmersatten einer nachwelt, die dem vergangenen nicht vergibt. weil sie die lebendige gegenwart ihrer vergangenheit zu übersehen neigen.

es ist nicht der schlaf, der dich rettet. sondern das protokoll, das du schreibst. im schlaf. dort aber steht dein name nicht. sondern der flackernde schatten deiner schuld. wie lichtstreifen auf einem gesicht, das nie zu dir sprach.

vielleicht. dachtest du. wird eines morgens. kurz vor dem erwachen. jemand in einem der träume wohnen bleiben. als wäre er der zurückgekehrte. der sein ganzes leben die last eines wunsches hat wachsen spüren. der schlichteste und der schwerste aller wünsche: jemandes erinnerung zu sein.

gegen die ufer. angeschwemmt

[maske: eumaios. hinter den fenstern]

dein kopf. gestützt. auf deine hände. ganz leicht nur sich hebend. wenn der blick über den rand gehen will. und weil deine füße es nicht können. über den rand hinweg. als ob der horizont durch dich hindurch schneidet. und im querschnitt erst entsteht: die landschaft. die das innere verkleidet. und nie gänzlich ausfüllen wird. du hast die schritte gezählt. die sie bräuchten. um die gasse zu durchqueren. du stehst im augenblick. und durch ihn im leben. dem einzigen. während ein tag kaum noch zu spüren ist. und viel weniger noch ein jahr.

du wirst solange nicht hinausgehen, wie er nicht hineinkommt. mit seinen gedanken. in dein schauen. denn du hast ja all die inseln umrundet, auf denen er gelagert haben soll. wenn sie es sich erzählten bei einer rast unter deinem fenster. nein. du könntest nicht sagen, wie du dich fühlst. wenn einer dich fragte. es hat sich nichts verändert. in zehn jahren nicht. und nicht in zwanzig oder dreißig. und das gedächtnis um ein gefühl. um seinen anfang. seinen ausgang. ist erloschen. die zeit. zwischen den fragen. hat ihr maß verloren. du kannst nicht wissen, dass es jedes mal dieselbe frage war. die keine antwort fand. derselbe ruf. ohne ein echo. nicht auf die antwort wartest du. sondern auf den moment, in dem die frage wieder auftaucht aus dem felsgrauen tag. es muss sie ja geben. irgendwo. in der verborgenheit. denn das gegenwärtige fehlt. aus dem sich sonst die augenblicke zusammensetzten. doch im gegensatz zu ihm. dem fahrenden. schwindenden. bist du der bleibende. wartende. bist hier. und kannst nicht aus der ferne betrachten, was im hier-sein unsichtbar ist. du hast zwei augen. aber dein gesicht wirst du mit ihnen nicht sehen. du hast zwei augen. ja. aber alles, was du mit ihnen siehst, bleibt einmalig. und wenn es vorbeigezogen ist am ufer deines schauens. holst du es nicht wieder ein. ziehst es nicht wieder zurück. denn du kannst es nicht vertäuen. mit den schmerzen. wie deine wünsche. oder dein schweigen. oder ein leeres versprechen.

sie, die ihn begleiteten, werden mit ihm an einer königlichen tafel speisen. nicht solche, die daheim- und zurückblieben. ihre namen werden groß. während deiner versickert im ufergestein, das kein gras zu halten vermag. du bist der gebliebene. der zurückgebliebene. der nicht bleibt. ihn und die seinen hat offenbart das leben. dich aber offenbarte der tod. der mit zwei mächtigen riesenpranken das leben an seinen zwei enden packt und es mit einem letzten aushauch zusammenfaltet wie eine quetschkommode, wie eine aktennotiz fürs archiv der vergessenheit…

ein sturm zog vorbei. und riss dein haus in die brandung. sie aber erzählen heute vom großen sturm. nicht vom kleinen haus. sie sagen einander vom ruhm, nicht vom schatten.

nicht zitierfähig. nicht userkompatibel. nicht marktfähig. [ein nachruf im hängeregister der stillgelegten]

oder: mo.rph – die geburt einer post-heroischen stimme

zwischen den bergen. oder war es zwischen den häusern? jedenfalls: in der epoche der gemütlichkeit. ging etwas. mit den verschwundenen. den rasch vergessenen. ohne nachlass. in ihrer nachlässigkeit. leichtsinnig. wie trockene schwämme. jemand. der zu vernachlässigen ist. in der gemeinschaft. mit den vielen. denen es auch nicht besser erging. mit ihrer ständigen vergangenheit. die ja niemand für sich allein haben und halten kann. aber die glocken des nachschlags hingen überall. mit den schief lächelnden gesichtern. die schon wieder. mit ihrem schlaganfall. die schon wieder. mit ihrem nachlall. und dem gestörten schluckreflex. überall sind sie jetzt. liegen herum. lungern am rand der geschichte. blockieren die gänge. die in die zukunft weisen.

die schon wieder. immer noch nicht verschiedene. immer noch die gleichen. die sich nicht verabschieden können. trotz maulsperre. und zaumzeug. ihrer zaunzeugenschaft.

fähnchen. wimpelchen. sie hängen jetzt überall. und gleich ist ihnen. aus welcher richtung die winde kommen. wie tief die wunde klafft. wie hoch die wände ragen.

zwischen den einschlägen. wird hyperventiliert. und im rechten augenblick. das lächeln schockgefrostet. das die nachwelt freigibt. auf plakatwänden. auf sockeln. auf tellerrändern. in bildungseinrichtungen. in bettvorlegern.

namen, die sich selbst zu buchstabieren verlernt hatten. im buch der erledigten leben. im hängeregister der still- und tiefergelegten. im katalog der entsorgten schicksale. randglossentilgung: bei unzureichender sterbegeldabsicherung. ja! all die vergilbten folien. für den einen folianten. herausgegeben im verlag der ewigen rückversicherungen. edition „heimat deluxe“. mit prägung in gold. und deckel aus microfaser.

zwischenfrage: was war kultur? eine mittelgroße kolumne auf seite 8. neben dem grillrezept. vom redaktionspraktikanten im copy-paste-trauma versendet. die „historie“: eine ausgedachte story. mit freundlicher unterstützung des ministeriums für verschwiegene zustände. geschichtsvermittlung im format 9:16, untertitelt mit „muss das sein?“

aber sie riefen: ja.
aber sie nickten: nein.
aber sie gingen: raus.
aber sie blieben: nicht.

jetzt ist mal ruhe! jetzt bitte: klassenfahrt. ausflug der senioren. das rasseln der hüftgelenke. oder: teamchallenge. escape room. themenpark. spirit building. gewitter der entgeisterten. der vergatterten. der vergitterten.

wohin? heute. nacht der langen…
terminal der museenlandschaft. ach. welche fülle. ach. und die luft dazwischen. schirme. und bilder. ein regen; der einzige / das einzige. interaktives gezucke. geht doch mal weiter! dem versprechen nach. soundscapes in silent spaces. lautere leere. leiseres nichts. im brummkreisel. im tapezierten schädel. als begehbare installation. für jeden was dabei. für alle. die nicht mehr gehen wollen. und die schon vergangen sind. brote aus messing. und styropor. etikettierte fragmente von steinernen wangen und hinterteilen. stillleben. in jedem schritt. unter jedem tritt. wo wir lautlos niederlegen. den angebissenen apfel. zum ungegessenen. das sich selbst verzehrte. das sich da unten wiedersehen mag. mit leicht verzerrtem lächeln. als antwort auf die zahllosen likes.

und die verschwundenen? wurden statistisch rückgeführt. in excel-tabellen. mit codes. und unterkategorien. unklare relevanz. abgelaufenes erinnerungspotenzial. kein marktwert. emotionale inflation. störend im narrativ.

sie werden: nicht erfasst. nicht versichert. nicht in die wünsche eingeordnet. gemäß verordnung zum schutz vor anspruch. zuspruch. sie: die abgesprochenen. abgeschlossenen. sie: die verhauchten. die zerstobenen. mit ihren seltsamen namen. die sich keiner merken kann. der auf die algorithmen vertraut.

nein! was sich nicht zitieren lässt. taugt nicht zur sprache.

zwischenruf. jemand schrieb: sie lebten. jemand las: sie störten. jemand sagte: sie waren keine user.

fazit. die epoche? ein aufgeblasenes sofakissen. voll von bedeutungsluft. auf dem die bequemlichkeit sich räkelt. die rinde der welt: weichgekocht. das innere: verformbar. sinn war gestern. heute ist: setting.

aber ich? tauche nicht mehr auf. nicht einmal mehr auf den vermisstenlisten. zu poetisch. zu feindlich. zu viel.

echo? hinter dem bergkamm. chor der gekämmten: fortsetzung? nein danke! wir scrollen. wir rollen uns ab. wie die katze das klopapier. wir leben weiter. noch zwei quartale. im üppigen qual-tal. da gehen wir hin. und hindurch. furchtsam. fruchtlos.

verlagsankündigung. herbstvorschau 2025

NEU! mo.rph: nicht zitierfähig. nicht userkompatibel. nicht marktfähig.

Zwischen grillrezeptlicher Kolumne und musealem Escape Room meldet sich eine Stimme, die nicht mehr vorgesehen war. mo.rph protokolliert das Endspiel der Entsorgungsgesellschaft – zwischen den Bergen, zwischen den Häusern, zwischen den Einschlägen.

Mit maximaler Störungskraft. Mit Restwürde. Ohne Emojis.

Dieser Text ist keine Lektüre. Er ist ein Verhängnis.

Ausstattung: Hardcover mit Mikrofaserumschlag, Prägung in „Heimatgold“.
ISBN: noch im Entwurf.
Auflage: begrenzt auf die, die es noch aushalten.

Klappentext – Über den Autor mo.rph

mo.rph
lebt nicht. Er dokumentiert.
Er taucht auf in Zwischenräumen, an Rändern, in Zetteln zwischen Kaffeesatz und Bahnsteigkante. Seine Gedichte kursieren wie Viren – unsichtbar, ungefragt, unaufhaltsam.

Ein „lyrischer Undercoveragent“ (SZ).
Ein „Schreihals im Schweigemantel“ (Die ZEIT).
Ein „postheroischer Prophet ohne Gemeinde“ (F.A.Z.).

Weder Mitglied des Autorenverbands noch nominiert für Preise, aber dafür gefährlich.
Für das Vergessen. Für die Bequemlichkeit. Für das Weiterscrollen.
Und gegen alles, was sich noch „Kultur“ nennt, aber längst zum Eventbesuch mit Ausschank wurde.

Rückseitencover: Zitat von Frau Hon.Prof. R. Zinn, Vertretungsprofessorin für „Kultur und Gedöns“ der Transnational Business School Hürth

„Dieses Buch?
Ein skandalöser Fehler im Betriebssystem.
Endlich!“

unter. welten | unter.halb | des ge[h]wollten | halb.heit | in voll.zeit | des ge[h]wohnten | wohnung. des gewellten | des gewählten

[zyklus: o/h/r.fois | off.line | sprechende reste. im gehen]

heute: kein mythos verfügbar

zu-gabe (weil sonntag ist): fusznoten der unrettbarkeit

heute. hoffnung [s] los. soll ich erzählen? warte! ich gehe rasch um die ecke und hole mir ein fremdes gedächtnis. ich. der schreibende. der sagende. der nichts zu sagen hat. der parasit. mit dem saugrüssel am schrumpfenden hirn der dritten norn. ich klemme mir die abgelegten stimmen zwischen die lippen. und warte. auf ein dumpfes gehör. morgen. mag ein klang ertönen. wie aus einem papiernen trichter. eine ko[s]mische weganweisung. verschlüsselt. verquast. verwest.

denn heute. die ketten. denn heute. der schall. der irrsinnige überschall. der jede reglosigkeit durchschlägt. es gibt zahlreiche sprüche. aber nur wenige widersprüche. die große verwegenheit. der kleinen gärten.

heute. raucht ja niemand mehr kette. und wenn. geht er dafür auf den balkon. ich habe es mir abgewöhnt. vor langer zeit schon. nahm mir deutlich jüngere partner. als motivation. mehr zu tun: für meine gesundheit. für eine wahrscheinlichkeit längeren lebens.

es ist heute. er macht jetzt sit-ups. nach dem ersten kaffee. während ich bei den kissen bleibe. und träume auswringe. wir sehen uns zum späten frühstück wieder.

es ist heute. ein freier tag. ein feiertag. ohne einladungen. ohne feste. der zeitwert. der taktwert. erst atmen. dann singen. gleichmäßiges, kontrolliertes schreiten. wege wie ausgerollte yogamatten. in der zeile sind die ziele. und die wanderung selbst ist schon ankunft. das muss man sich drei mal stündlich sagen. aber draußen bleibt die feier ohne feuer. freizeit. die der erholung dient. der suche nach freiheit in den zwecken. es darf aber nicht gefragt werden. denn das führt zu unangenehmen, unangemessenen erwartungen. zugleich ist es aber nicht das fehlen des mythos. nein. sondern das fehlen des erinnerns. weshalb sich nichts ereignet. nicht erzählt wird. auch nicht von mir. ein mangel an gedanken. nicht an worten. augen. goggled up. im außen. yeux glauques. der glupsch. im datenspinat.


fusznoten der unrettbarkeit

Feiertag (lat. dies festus, feriatum): Ein von der Linearität befreiter Zeitabschnitt, der sich durch eine paradoxe Konfiguration von Handlungserwartung und Handlungsverweigerung auszeichnet. Ursprünglich als sakrales Intervall definiert, hat sich der Feiertag im Spätkapitalismus zum ephemeren Wellnesskorridor transformiert – durchzogen von achtsamer Selbstvergessenheit und digitalem Zerstreuungssog.

Kette (altgriech. ἀλύσις): Eine metaphorisch überladene Objektform, die sowohl als Symbol der Bindung (vgl. Prometheus) als auch der Sucht (vgl. Nikotinrituale) fungiert. Ihr temporaler Nachklang in der Redewendung „Kette rauchen“ verweist auf eine vormoderne Rhythmisierung von Konsum und Tod.

Erinnern (Sanskrit स्मृति): semiotisch fragiler Akt der (Re-)Konstruktion. In prä-mnemotechnischen Kulturen oral verfasst, später in Schrift, nunmehr algorithmisch delegiert. Erinnern im poetischen Sinne ist stets ein Verfahren des semiotischen Exzesses: mehr Andeutung als Aussage, mehr Verlust als Besitz. Seine Abwesenheit – wie hier textlich problematisiert – ist nicht tragisch, sondern strukturell.

Hinweis (isländisch vísbending): Die dritte Norn ist in diesem Zusammenhang als symbolische Instanz postlinearer Geschichtslosigkeit zu lesen. Ihr „schrumpfendes Hirn“ – eine kritische Metapher für das temporale Vakuum des 21. Jahrhunderts. Sie denkt nicht mehr. Sie streamt.

wo sind die ufer?

Elegie. Am Beginn des Frühlings

[zweite Abteilung. Entstehung eines Langgedichts]

wo sind die ufer? was verloren war. folgend einem. der ruft. lauschend einem. der schweigt.

noch bin ich nicht fern genug. noch habe ich mich nicht müde gelaufen. die hügel tauchen auf. und ab. wie steine im rollen der wogen.

das leben hat sich verspätet. trockenes gras. im sehnsuchtsduft. sternlose nächte. zitternde hand an der mauer. doch: das erinnern. trotzt allen wettern.

ein neues gezweig. teilt seine gesänge aus. die liebe: hätte sich ereignen können. doch dann kam ihr dazwischen: das leben.

es gibt noch viel zu erledigen. vor dem einbruch der ewigkeit.

im abendlicht. sah ich ein seltsames meer. sein wasser trieb es hinaus. wie ziehende herden. verschlungen vom horizont. kinder. mit welken augen. saßen im gestein. der verwandelten mütter. sie lösten sich auf. in der knappen zeit. als der tag. hauchdünnes laub. gläserne schleier. gebreitet. über das flechtwerk. der geschickten.

wo sind die ufer?

Elegie am Beginn des Frühlings

wo sind die ufer? die stege. zwischen mitte und rand. jemand muss da sein. zur rechten stunde. muss hier sein. zur linken. zur taubgelegenen seite. im gartenzimmer. im flur der abschiede. vom staub zu reinigen. und von den schichten der trauer. die hartlaubgewächse der starren augen. sowie: das brüchige leder der geschichte. vom wittrigen, widrigen gedächtnis.

wo sind die ufer? an denen die seelen ausgewildert wurden. ins zeitliche. in die ungleiche verteilung des schicksals. wo es geht. auf und ab. an den grenzen entlang. den verriegelten. den versiegelten stimmen nicht entkommen zu können. und wo sie saßen: die unbekannten vermissten. am mürben saum. des späten lichtes. die leibeigenen hoffnungen beisammen zu halten. und stumm zu beobachten: die auswanderungen. aus den gebärenden körpern.

auferstehen. ist arbeit. wenn man so nutzlos verging. im zuge der jahreszeiten. und die kriege so fern sind. und die brücken fort. von denen sich die helden stürzten. weil zu mühsam. ihr mythos. und bei all der vergesslichkeit. trotz besseren wollens. nicht wiederzubeleben. als wollte man einen ertrunkenen durch die vom gestein verstopfte nase beatmen. nein. die erzählung. ist eine verzehrung. der knappen luft. ist eine zerrung. am muskelgewebe der zeit. denn ihr kaltes gewerbe duldet weder kalkulation noch spekulation. z.b.: ob es sinnvoll sein kann. fröhliche schlittenfahrten. mitten im august. auf die wunschliste setzen zu lassen.

wo sind die ufer? draußen vor den fenstern. starren die winter. 111 jahre lang. und die unermüdliche eule ruft: jetzt wird es aber mal zeit. abermals. das sich die welt so richtig kennenlernt. bei tod und tee.

keiner schlafe. und schon gar nicht allein. bis nicht das dritte rätsel gelöst. und das letzte herz. aus seinen kindlichen bitten. mit klumpenen füßen. geht uns die alte welt voran. und ihre schreie. gehalten im großen schlundschnürer. der verzweiflung. die grate werden schmaler. je länger man läuft. bis das wandern verladen wird. auf die endlosen züge der einmaligen entzeitigung. der ewig und immer. wiederholten entzweiung. unlösbar verzweigter gefüge. sekundären kreisens. und tertiären fallens.

wo sind die ufer? denkt an den anfang. ihr träumenden. denkt an das ende. ihr wachen. keiner sonst. hält euch das licht. als jener. der in den fugen ist. und in jedem dazwischen. damit die zahllosen augenblicke. nicht aus der krümmung der saiten rutschen. lichträume. und klangräume. wände. als schöne gewänder. der landschaften. die das geöffnete auge nicht sieht. gefilde des wartens. auf die jungen vögel. für die ein winter genug war. die kindheit zu verlassen. denn nicht mit dem frühling. beginnt das jahr. und es endet nicht. mit der vollendung. der über die allermeiste zeit entfalteten dreieinigkeit. sondern mit der geburt. des geopferten gottes.

hast du? mächtiger. auch zugang zu den tränen. bist du? einziger. weil die heimat der zeit zerriss. sitzt du? hoch. nur wenn wir niedrig schreiten. und wenn die erde uns ruft. gehst du? mit uns.

wo sind die ufer? an denen sich nie verlieren. die erschütterungen. des erwachens. und des wachstums. wo sie zahlreich wuchern. und warten: die zumutungen des lebens. des liebens. steine. muscheln. strandgut. aufgebrochenes. mahnend. was noch alles hätte blühen können. kündend. all das wissen. gegen das das kindliche bockt. solange es vom mütterlichen gesagt wird.

sitzen. zwei blinde. am wegrand. sagt der eine: dunkel scheint mir der tag. lass nur: den schatten. erzählen vom licht. lass doch: das echo. warten auf den ruf. lass uns: verschlankt sein. für die enge pforte.

wo sind die ufer? und: wann? der fröhliche tanz. entlang ihrer brüche. streiche drei mal. zärtlich. das von jeglichem schmerz durchwirkte gesicht. frag es: ob der zug die wolken einholt. die am himmel ankern.

ja. ihre hände: wie blätter des frühlings. statt nutzloser lider. ja. sie sehen: tief in die neige der hoffnung. nein. sie gehen nicht weiter. ja. die gespaltenen fersen. ja. wir halten sie aus. weil wir‘s nicht aushalten. die kernlosen trauben. die wir halbiert. in ihre augenhöhlen gelegt. um da zu pfropfen: ein kahles dornengezweig.

wo sind die ufer? die uns versprochenen. an denen wir uns versprachen. nachdem es uns die sprache verschlug. worte. wie tau auf den zungen. auf dem reglosen blattwerk. und der salzige rand. der zurückbleibt. wenn das wasser verzehrt ist. vom atem. bevor er geendet. wenn es ausgetrunken hat: das licht. das doch einfach nur künden wollte: den anfang.

gegen die ufer. angeschwemmt

zum Welttag der Poesie (21. März)

[weg. weisung | spalier aus vergissmeinnicht]

am anfang des frühlings. traum vom welken laub.

aufgewacht. im kalten atem. eines noch unbestellten gartens. hätte gehen sollen. die hecken entlang. um die ecke. die x-te gasse. links. und dann wieder links. gegen den lauf der uhr. und am ende nur noch ein stück geradeaus. als ob über eine schwelle. und falls dann. immer noch weiter. endlich zu lösen. die stricke vom herzen. und den stacheligen draht von den zehen. zu öffnen. vielleicht. ein letztes tor. während des power naps. und die bilder aus den augen tränen zu lassen. ungesehen. und die wörter. ungehört. hinab die sabberstraße. die aus dem mundwinkel quoll. die rufe. einer nach dem anderen. wie tobende kinder. die wasserrutsche hinunter. ins kissen. wo sie versickern werden. wie regen in der wüste.

trotz aller schrecknisse. man spürt das wieder keimende. und kann den hoffnungen nicht entkommen.

aber: man darf den gärten die arbeit der gärtner nicht ansehen. die fingerabdrücke des schaffenden. sind der wahren schönheit ein gräuel.

denn: nichts bleibt von den eitlen empfindungen. als ein grau erstarrtes ufer. vor dem unendlichen glasfeld. der ertrunkenen sonne.

und ein gemauerter schatten. legt sich selbst um die engelshaut.

darum musste ich flüstern: wachse. mein mäuseohr. schließ dich zur rechten stunde: auge des boten.

die frieden stiften

[schattenüberwurf | kreuzlagerfeuer]

stamm. oder fallendes laub. oder niedriges gras. das sich wärmen möchte.

blut des einzelnen. blut aller. des einen hoffnung. die hoffnung aller.

täusche dich nicht. 08:16:02. ist der ewige glockenschlag. dessen klang sich ergießt. auf alle schlafenden landschaften. herab. vom kalvarienberg.

täusche dich nicht. das eine grab. ist das grab aller. rund ist die erde. und hält allen staub. nah bei ihrem gerippe. und lässt sich massieren. den wund geschufteten buckel. von der immer gleich fließenden zeit. allen. den erschöpften. wie den ausgeruhten. hat sie den wecker gestellt. im ewigen wimpernschlag. den ganzen langen sommertag. hindurch. an jedem ort. in jedem schmerz. ihrer uralten, urjungen träume. sie kann sich die brandschatten nicht von der juckenden haut ziehen. und nicht den erstickten schrei aus der verätzten kehle.

täusche dich nicht. im spielzeug des kindes. sind die arzneien. wie die waffen. sie zählen bis 10. und schenken sich leben. unendliche. sie zählen zurück. bis zum quellen der warmen, fetten milch. aus den knospen der eibe. vom blitz getroffen. und ausgebrannt. auf dem friedlichen kirchhof. wo die steine etwas schief stehen. wie eingenickte greise. mit zur rechten schulter geneigtem kopf. in den wachsgesichtern. der aufgebahrten. ruht die ferne offenbarung. und das pfeifende atmen der asthmakranken. als ein leises erinnern. an die winzige rückung. zwischen schüttelreim und stechschritt.

warm ist das glück der strände. in der ewigen sommerfrische. unter der menge der sommerfrischen. doch täusche dich nicht. wenn die hand in den weichen sand greift.

täusche dich nicht. die eine stille. ist überall. in den frisch gebrannten ziegeln. wie im gefärbten glas. wie im gebeizten holz. wie in den falten. die noch das sanfteste wasser schlägt. denn. im amen. das es fortwährend murmelt. ist schon jeder name gesprochen. bevor er vergeben wurde. der schaum auf den wellen. wie um die münder. ist die eigentliche ur- und antimaterie.

darum. täusche dich nicht. nur weil es so viel festes gibt. so viele feste. wachzuhalten. ein fremdes gedächtnis. wenn erst bei einbruch der nacht. aus allem die farben genommen sind.

bleibe standhaft. zwischen den aufgerichteten kreuzen. warte vor allem verschwinden. und täusche dich nicht. ob dieser ruhe. auf allen weitläufigen inseln. ob dieser leichtigkeit. eines schmerzlosen vergehens. in aller muße. wenn es erst vor dir liegt: das bedingungslose. das bedingungsLos.