[dritter Ort: Manila, Makati City, Jazz Residences, Tower C]
Alles lässt sich denken. Das macht es nicht einfacher. Die Grenzen des Denkens sind fällig (Verordnungen, Entscheidungen, Zwecke) oder zufällig (Ungeduld, Müdigkeit, mangelnde Zeit). Wen das Denken nicht erschöpfen soll, muss es lieben. Und wer es liebt, hat Freude an den Vorstellungen und den Vermutungen, an den verzweigten Pfaden, am Spiel und an den Geheimnissen. Dieser fragt sich, ob es vor dem Leben schon eine Existenz seiner selbst gegeben hat. Er erlaubt es sich, eine solche zu wünschen und ist nicht gram um die unbeantwortete Frage, um den unerfüllten Wunsch. Auch wenn der Anfang des Lebens Geburt heißt und sein Ende Tod, schreckt er nicht davor zurück, das Ende zum Anfang und den Anfang zum Ende zu machen. Selbst der Beginn der Zeit kann ihm ein hilfreicher Gedanke sein und ein nötiger Zweifel zugleich. Er wagt es sogar, seine eigene Vergangenheit für veränderbar zu erklären. Es mag sein, dass er dies tut, weil er eine innere Not spürt. Denn die Geschichte ist eine Wunde und die Erzählung eine lindernde Tinktur.
siehst die Hungrigen. hörst die Sprachlosen. teilst die Einsamkeit. die sich nicht teilen lässt. ihre Blicke werden sich nicht mehr heben über die steinerne Schwere ihrer Füße hinaus.
du bist der Hirte der Schweine. du hast nie vergessen, was sie über die Schweine sagen. und über die Ställe. wende dich einfach um. da war das Ufer seiner baldigen Rückkehr. zehn Jahre lang. darüber der Himmel, der diesem Land seinen verspannten Rücken zeigt. er lässt sich massieren von den Schiffen, die durchfurchen das schwere Wasser, so alt und grau wie dein Haar. in seinen Spiegelungen quellen hervor deine Gedanken an die golden schimmernden Wege, die vom Ende her gegangen werden. du wirst der Rufende sein und der Gerufene. der Fremde, der die Fackel hält um der verlorenen Schatten willen.
aber wenn er die Dünen aufwärts schreitet, hältst du die Küste mit deinen wurzelnden Füßen, dass die Heimat, die er glücklich wiederfand, den Schritten des viel zu lange Geirrten nicht entgleitet und davonläuft wie die Zeit.
Sollten wir uns etwa nicht sorgen um Gott? Die Spuren des Traurigen unter uns. Das Erloschene zwischen den Fetzen der Träume. Vielfach hat es uns gegeben, damit wir es einmal begreifen, was uns hielt bei den Straßen und Ufern. Aber doch nichts zu erbitten um der Bitte willen, sondern weil es um das Leben ging, das eigene, vor allem aber das der Anderen. Wir setzten uns selbst ein Ende, setzten wir Ihn nicht ein als den höchsten, einsamsten Wächter, setzten wir uns nicht aus der schmerzvollen Warte, auf die ein jeder Liebende sitzt. Es gibt keinen Urlaub von der Sorge für die tief und wahrhaftig Liebenden. Denn ihre Seelen geben sich unverändert den in ihnen Wohnenden, ganz gleich ob sie empfangen oder verlassen wurden. Und um ihrer Treue willen werden sie verwandelt sein ins dreifach gebrochene Licht des wundgescheuerten Glases, durch das all die Blicke all den Augenblicken hinterherschauen.
wo ist dein grab im sand verlorener schatten aus deinem letzten blick wachsender zweig. ein baum vielleicht in 7 jahren mit flammenden blüten im frühjahr. und bangenden früchten im herbst
wohin drehte sich der wind und schlug das wasser der klage ins gestein und kämmte die samen aus der mürben erde gingst du ihm nicht entgegen? mit einem steten rufen: wehe. hoffnung
ach. das kristall deiner zukunft und der bleibende einschluss des schütteren das gebrochene licht. verwandelt zum schmerz weil die schwelle der zeit überschritten sein muss
Es gibt Träume, die sich schnell vergessen und die nur im Träumen selbst eine Fortsetzung finden; in ihnen ist ein immer verschüttetes anderes Leben. Und dann gibt es Ereignisse, die dieses Träumen – mindestens in Fragmenten – hervorholen und es heben auf die Stufen und Bühnen der wirklichen Zeit; sie erinnern an lange verlorene Hoffnungen, an Entschlüsse, die (scheinbar) alles veränderten, an mögliche neue Entschlüsse, die ganz sicher alles aufs Neue verändern werden, im klaren Wissen um die Unmöglichkeit einer Heimreise als einer schlichten Rückreise, selbst wenn der Eindruck entstehen mag, im Kreis gegangen zu sein und wieder an derselben Stelle zu stehen, an der das Gedächtnis all die Zeit festhielt. Die schlimmsten Entschlüsse aber sind die nicht gefassten, denn sie entspringen der Illusion, dass sich mit ihnen nichts ändern wird…
was sagtest du noch was [s]ich nicht vergessen sollte – ? –
dass es geben muss: einen vorschein des noch nicht hervorgekommenen die ordnung der unausgesprochenen wünsche ein unverhofftes erbe vielleicht den traum einer larve das ende einer schuld oder die trennung eines gefühls vom ereignis – / –
etwas, das da ist dem man aber nicht näherkommt das wort das man nicht keimfrei bekommt – ! –
weil beim atem der staub ist wie beim blatt das licht und beim stein die stille – . –
apoplex. brotzeit – dionysos. parkbank – brennender dorn zwischen den blinden augen – teiresias. mit stopfen im ohr – mit dem gestopften horn – mit den gläsernen knochen – dem papyrus-geweih – hoffend. dass die taube hand als viper erwacht – dass er sie nimmer wundschreiben muss – im ewigen beschwerdemanagement – dass die prokura erlischt – dass ihn ein frisch rasierter mit nappa-etui unter dem arm – reißt aus der unfehlbarkeit.
[still leben]
nimm doch platz
der hier ist frei der hier will befreit sein
er schreit: streben er flüstert: sterben
er hält das geheimnis zwischen den lehnen er hat es nicht fallen lassen. fell-an:
er ist der weise der auf der wiese steht wie die unbekümmerte einsame ulme
die der zeit geduld lehrte unter deren schirm die raubtiere schlafen
wie verwunschene helden im burnout ohne kraft oder lust
zur nervosität wenn ein ast knackt über ihren häuptern
dies soll leben. hier. in der schlichtheit des aufgangs. eines von ferne zu uns greifenden lichtes. eines solchen, das sich nicht vergessen kann. aus der blüte der erschöpfung tropfender balsam. wort. das aufbricht die sprachlosigkeit. wie den acker der seele. dass er die liebe auch atmen kann. wenn sie sich ausgießt auf dem land der ankunft.
liebe aus deinem traum entlassen gehoben. aus den angeln der türen nachdem durch die augen floss ein rohes licht zurück. aus der wildnis. ruft uns der tod. ruft uns zu: jetzt
ein blick nur und ein ganzes leben wird auf neue wege geschickt nicht trübe ihn der staub der zeit noch sei er steinern in der gewöhnung oder boshaft in falschen wünschen
sag mir nicht ende und ziel sage mir anbruch des tages. und schritte auf vielleicht verschlungenen wegen reiße die starre. aus meiner seele
es kann die hütte nicht verborgen sein die auf den dünen stand die erste welt wohnte in ihr und noch die letzte wird nach ihr suchen in den lichtlosen schluchten ohne widerhall
ohne widerhall. das heißt: ohne widerworte und alles sprechen: ein fernes absurdes denken und jede zunge: ein gefallenes blatt unter dem feuchten sand. nahe der glücklichen ufer an denen die zeit zur ruhe kommt
frei vom verlangen vom dulden gelöst. legt sich die gläserne seele des lichtes in die stille der traumlosigkeit. auf die wunden der eine bleibende augenblick der überwundene
aus allem nachhall erreichst du dann die lautlose weite der winterlichen erde bei dir ist das wort. der zitternden luft wenn die landschaft deine seele noch einmal durchquert hat und der wanderer trägt durch deine träume das ziel
die deinen mögen denken: das zeitliche will noch klammern und zerren noch das mögliche. und ein jegliches unter ihnen zu widerstrebenden seiten hin doch auch sie stehen auf der schwelle vor einem letzten weg versöhnt mit dem vergangenen. vom künftigen gelöst
einmal wurde es abend ohne dass die nacht sich näherte einmal blieb unbewohnt das haus das einen tagbreit vor der brandung stand das seine wände blähte wie der boote flanken
die stimme. die sich entfernte die sich zurückließ. in der stummen gegend unseres erinnerns. mitten im winter. die flammenden zweige die fallenden früchte. zur dunkelsten zeit auf die erschöpfte erde der sehnsucht
derselbe himmel. frei vom durst der erde derselbe schatten wenn tief stand die sonne und weil kein anderer sich spannen ließ über alles verlorene
was nennst du umkehr? drehte sich nicht nur die zeit. um deinen schlaf? dann ist jetzt. und jetzt ist gleich sofern du erwachst. und auf den wänden sehen kannst woran du dich hättest erinnern können
hier kam er vorbei hier stand er und winkte nach. und weil er hier stand wird er hier immer stehen stein. unter den zweigen
wer warst du? wanderer dass die straßen trauern. und die wälder leerten ihre augen? was soll die winde ranken am mürben hauch der ausatmenden zeit. haltend den schatten des gegangenen. auf den verwitterten stufen seiner sehnsucht
[wo]
still. zwischen zwei wogen. zwei halben zügen eines geteilten atems noch unentdeckt. im dichten gezweig deiner klänge. den anfang erinnernd. der wartende auf die erste frage. vor dem letzten aufbruch
[wann]
an einem morgen. eines noch langen tages wissend. dass noch genug zeit wäre. und schauend. auf den weg der durch den garten ins haus führte wie auf alle wege. die du einmal gekommen warst