The Complete Poetical Works of T. E. Hulme
Die gesammelten lyrischen Werke von T. E. Hulme
Übersetzt von Stefan Plasa
Autumn
A touch of cold in the Autumn night –
I walked abroad,
And saw the ruddy moon lean over a hedge
Like a red-faced farmer.
I did not stop to speak, but nodded,
And round about were the wistful stars
With white faces like town children.
Herbst
Ein kalter Hauch in herbstlicher Nacht –
Ich wanderte ins Freie
Und sah den purpurnen Mond gebeugt über eine Hecke
Wie einen trunkengesichtigen Bauern.
Ich hielt nicht an um zu sprechen, nickte nur,
Und rundherum schauten voll Wehmut die Sterne
Mit weißen Gesichtern wie Kinder der Stadt.
Mana Aboda
Beauty is the marking-time, the stationary vibration, the feigned ectasy of an arrested impulse unable to reach its natural end.
Mana Aboda, whose bent form
The sky in archèd circle is,
Seems ever for an unknown grief to mourn.
Yet on a day I heard her cry:
“I weary of the roses and the singing poets –
Josephs all, not tall enough to try.”
Mana Aboda
Schönheit ist gefrorene Zeit, fixierte Schwingung, fingierter Rausch eines gefangenen Impulses, der sein Ziel nicht erreichen kann.
Mana Aboda, deren gekrümmte Gestalt
Der Himmel ist in weitgespanntem Bogen,
Scheint eines geheimen Schmerzes wegen zu trauern stets.
Doch eines Tages hörte ich sie klagen:
„Müde bin ich der Rosen und der Sänger –
Joseph sie alle, nicht kühn genug es doch zu wagen.“
Above the Dock
Above the quiet dock in mid night,
Tangled in the tall mast’s corded height,
Hangs the moon. What seemed so far away
Is but a child’s balloon, forgotten after play.
Über dem Kai
Über dem stillen Kai zur Mitternacht,
Im Taugewirr des hohen Mastes hängend wacht
Gefangen der Mond. Was so fern dem müden Aug’ gefiel,
Ist nur ein Kinder-Luftballon, vergessen nach dem Spiel.
The Embankment
(The fantasia of a fallen gentleman on a cold, bitter night)
Once, in finesse of fiddles found I ectasy,
In the flash of gold heels on the hard pavement.
Now see I
That warmth’s the very stuff of poesy.
Oh, God, make small
The old star-eaten blanket of the sky,
That I may fold it round me and in comfort lie.
Das Gestade
(Fantasia eines gefallenen Herrn in eisiger Nacht)
Einst ward schwindlig mir vom Rausch gerissener Geschäfte,
Vom Blitzen goldner Hacken auf dem Trottoir.
Nun seh’ ich ein:
nur Wärme kann der wahre Stoff der Dichtung sein.
Oh Gott, mach’ winzig doch
Die alte stern-zerfress’ne Himmelsdecke,
Dass sie mein Mantel sei und ich mich seelig darin strecke.
Conversion
Lighthearted I walked into the valley wood
In the time of hyacinths,
Till beauty like a scented cloth
Cast over, stifled me. I was bound
Motionless and faint of breath
By loveliness that is her own eunuch.
Now pass I to the final river
Ignominiously, in a sack, without sound,
As any peeping Turk to the Bosphorus.
Verwandlung
Vergnügt spazierte ich in den Wald der Niederung
Zur Hyazinthenzeit,
Bis Schönheit wie ein in Duft getauchtes Tuch
Mich eingehüllt, erstickte. Gefesselt war ich nun
Erstarrt und atemlos
Von jenem Zauber, der sich in Ohnmacht selbst entmannt.
Nun zieht’s mich in den letzten Strom hinein,
Voll Schmach, in einem Sack, und ohne einen Ton,
Wie irgendein Osmane gaffend auf den Bosporus.