aber so schön: der sonnenaufgang über den trümmern
fast wie: ein erstes erwachen küstenblick klippe von den oberen rängen aufs große orchester
heute: im tiefer gefahrenen graben unterzugehen in klängen aus vorhalt und verweigerung
f-h-dis1-a1 h-dis-fis-a gis-h-d1-f1
mir persönlich hätte ein steg gereicht
denn das wasser ist tückisch und sieht nur von oben flach aus
die wahrheit ist aber: die liebenden stehen in der mitte zwischen insel und insel
sie merken kaum wie nah sie dem tode sind
nicht dass der tod sie nicht kümmern würde aber er sorgt sie nicht mehr und ist nun zugleich alles für sie
ein ewiger sturz ins endlich endlos verwaltete dunkel
da ist kein fragen mehr und kein warten
gewiss: sie haben für diesen dauernden moment sehr lange einatmen müssen vielleicht sechs-achtel eines lebens
damit ihre stimmen von küste zu küste tragen
doch alles kam auf diesen einen gewaltigen atem an der die seelen von den knochen riss wie ein heftiger windstoß die segel von den masten
dass es sie wieder – ein letztes mal – landwärts zog in die gärten des anfangs wo die beete zu betten werden und die gebete zu gesängen
zwischen buchsbaum und apfel und halb zertrampelten kräuterrabatten die alten lieder wie christbaumschmuck an die nackten zweige zu hängen
fiebriges träumen und angst sich beim küssen auf die zungen zu beißen
oder überreife brombeeren zu pflücken und sie sich auf die lippen zu legen
während sich wundern die der welt verhafteten die von der welt verhafteten: über so viel herzkrankheit und kopfweh und krampfhafte verwilderung.
welcher narr der ein gott sein wollte hatte ihnen nur diesen floh ins ohr gesetzt der sodann zum wurm wuchs und durch ihre venen rutschte hinunter den ganzen langen weg bis zur sackgasse des großen zehs?
ein uralter oheim mit schütterem haar aber stand die ganze zerdehnte zerdrückte zeit über den ewigen mauern wartend auf ein paar reife freuden die sie ihm gönnen mögen sie oder er ganz gleich
man hört nicht mehr viel. stumpfes glas. trübe wolken. dahinter. pulsloses rauschen. man schneidet die luft des frühlings in die scheiben der erinnerung. man ist es gewohnt, ohne musik zu sein. man wähnt sich angekommen. an den stätten der langsamkeit.
da. ist uns. das schicksal. sehr rasch. losgeworden. wie ein im schweiß gebadetes kind. befreit vom schlaf. und von den nachtgespenstern.
eng sind die lichtungen des abschieds. schattenriss. der zweige. und särge. verschüttete wege. was will die zeit mit den spurlosen?
wir geben der erde leise nach. wir tragen die namen der fremden. und die anderen farben. jetzt. in der epoche des flüsterns. der im garten flatternden wäsche. während es regnet. den zwölften tag.
die hände haben schwellungen vom heimweh. füße aus stein. im strömenden wasser. das jedes gewebe aus licht und atem zerreißt.
aber. schon jetzt. hat alles ent-täuschen. die klarheit des kommenden winters. und die präzision der spindeln.
man hört jetzt sehr viel. von den verirrten. und den zurückgesandten. die ihre stimmen tauschten. gegen den wind.
sei mir ein atem. wenn ich keinen mehr habe. sei mir ein blick. wenn ich nichts mehr sehe. sei mir ein schatten. an der wand meines herzens. ein restliches licht in jener nähe, wo ich verlorenging.
lass mich dessen entsonnen sein, was ich nicht halten konnte. lass es noch ein wenig an meiner wachen seite ruhen – nicht als bild. sondern als wärme unter der haut.
wenn der schmerz kommt. nimm mich in seine mitte. lass ihn nicht um mich kreisen. wie ein tier um seine beute. lass ihn mit mir weinen. lass ihn müde werden. lass ihn schlafen.
und mich mit ihm.
II
und wenn ich nicht mehr gehen kann. dann trage mich. nicht weit. nur bis an den rand des erinnerns. dorthin. wo die luft noch nach ihm duftet.
wenn ich zu tief sinke. dann leg mich nieder. zwischen die falten des alten tages. in das tal. wo die schatten schlafen.
ich habe keine worte mehr. nur geräusche. die in mir klirren. wie glas in einem verlassenen haus.
die liebe – sie ist kein versprechen. sie ist ein abdruck. in der feuchten erde meines inneren. ich trete hinein. und weiß nicht, ob ich je wieder hinausfinde.
mein körper: ein archiv des berührten. meine haut: ein echo seiner hand. mein mund: ein verschlossener vers. der sich weigert, ihn loszulassen.
und wenn ich sterbe in dieser stunde? dann sei es keine flucht. sondern ein eintreten in den raum. wo er noch einmal meinen namen sagt.
III
dort. wo mein sprechen versagt. bleibe das wort. aus dem ich mich löse. und sei mir ein klang. kaum mehr als ein hauch. zitternd am rand einer zeile.
sagen will ich. was nicht gesagt werden kann. lass es in mir zerspringen. zu silben aus licht.
nicht mehr mit meiner hand. setze ich das zeichen. sondern mit dem herbst meines atems.
ich schreibe auf. was mich verlässt. ich schreibe fort. was mich erhält. hier. in der stimme. die zum raum wird. hier. in dem raum. der zu bildern wird. unterhalb meines vergessens. landschaften. ferne. die nie mich verließen. solange ich sie durchwanderte.
sie sollen mich schreiben. als einen, der liebte. einen, der fragte. der blieb – im anhauch des wortes. das niemand spricht. das dennoch alles trägt.
wohin sich treiben lassen wohin vertrieben immer dem schmerz aus dem weg zu gehen statt an seinem verbranden ein ufer zu bauen den abendlich blauen ort eines wundervollen endes
steige noch nicht hinab zum tiefsten der heiligen worte furcht ist die zärtliche freundin dass unberührt bleibe das kostbarste und verborgen die empfindliche schönheit deines namens
wann begann die lange nacht die des herzens rede endete als sich spiegelten die geheimnisse in den erblindeten augen die das lichtlose meer geschaut
lass sie doch sein. wie die träumenden die durch die sage wandern. einer nicht endenden liebe so wund von ihren hoffnungen und fast ertaubt. flüstern sie: ANGESICHT aufgesucht. und daheim. in jeder seele. die sich hingab
ach. so verödete knospen ach. ein so trübes auge blickend auf alles. was nicht aufging was sich gewünscht, vergehen zu können dass es mische sein mattes summen in ein verwehendes weh
und wenn das licht entwichen suchen die schatten nach ihren trägern zu ziehen die schleppe an der noch haftet der duft der verheißung
dann. sei ein tag an dem du stehst. auf der schwelle. ungebeten auf einem fußbreiten steg zwischen stern und stern. zwischen ruf und widerhall im einsamen klang. des letzten schlags. der dunkelsten glocke
was sagte ich anderes. als: du was hieße es. ausgesprochen zu sein in der stimme des anderen. enthalten. in der stimmung des harrenden der seine wünsche kennt die schätze des unvollendeten. solange er schwieg
einer. von den vielen ausgesucht. für alle tage durch die zeit zu laufen. mit verborgenem herzen immer zu ziehen. wie wege um seine insel die kreise. um jede stunde
ja. die große liebe. die eine. vielleicht das uneingestandene licht im schattenreich der sommerlichen wälder die bänder des nebels am morgen aufzutrennen. mit den scheren der sagenden stimme
ich komme vom träumen nicht los so weit ich auch gehen und fliehen mag steht bei jedem abend am einen, lautlosen ufer: der liebe trauriges auge
die mageren schatten auf saftigem gras wartet nicht immer das ziel auf den suchenden? haucht sein kühles wort: wer nicht wandelt, wird nicht verwandelt
nicht das einzige leben das an unbekannter stelle einer langen reise verschwunden nicht der einzige tote der die welkende blüte seines namens zu den steinen legte die das kommen und gehen der gezeiten nicht schrecken muss
trauern darfst du. freund am bleibenden ufer. das ich verließ stehen darfst du bei der traurigkeit. mit der ich fortgezogen wurde doch: gehe heim in der freude der liebe und mit dem unauslöschlichen licht. meiner schritte. voraus