Beginn einer Rückkehr

Erzählung eines Hoffenden

[dritter Ort: Manila, Makati City, Jazz Residences, Tower C]

Alles lässt sich denken. Das macht es nicht einfacher. Die Grenzen des Denkens sind fällig (Verordnungen, Entscheidungen, Zwecke) oder zufällig (Ungeduld, Müdigkeit, mangelnde Zeit). Wen das Denken nicht erschöpfen soll, muss es lieben. Und wer es liebt, hat Freude an den Vorstellungen und den Vermutungen, an den verzweigten Pfaden, am Spiel und an den Geheimnissen. Dieser fragt sich, ob es vor dem Leben schon eine Existenz seiner selbst gegeben hat. Er erlaubt es sich, eine solche zu wünschen und ist nicht gram um die unbeantwortete Frage, um den unerfüllten Wunsch. Auch wenn der Anfang des Lebens Geburt heißt und sein Ende Tod, schreckt er nicht davor zurück, das Ende zum Anfang und den Anfang zum Ende zu machen. Selbst der Beginn der Zeit kann ihm ein hilfreicher Gedanke sein und ein nötiger Zweifel zugleich. Er wagt es sogar, seine eigene Vergangenheit für veränderbar zu erklären. Es mag sein, dass er dies tut, weil er eine innere Not spürt. Denn die Geschichte ist eine Wunde und die Erzählung eine lindernde Tinktur.

Eumaios. hinter den Fenstern

2023.2.5 | Tag 18 der Erstarrung

siehst die Hungrigen. hörst die Sprachlosen. teilst die Einsamkeit. die sich nicht teilen lässt. ihre Blicke werden sich nicht mehr heben über die steinerne Schwere ihrer Füße hinaus.

du bist der Hirte der Schweine. du hast nie vergessen, was sie über die Schweine sagen. und über die Ställe. wende dich einfach um. da war das Ufer seiner baldigen Rückkehr. zehn Jahre lang. darüber der Himmel, der diesem Land seinen verspannten Rücken zeigt. er lässt sich massieren von den Schiffen, die durchfurchen das schwere Wasser, so alt und grau wie dein Haar. in seinen Spiegelungen quellen hervor deine Gedanken an die golden schimmernden Wege, die vom Ende her gegangen werden. du wirst der Rufende sein und der Gerufene. der Fremde, der die Fackel hält um der verlorenen Schatten willen.

aber wenn er die Dünen aufwärts schreitet, hältst du die Küste mit deinen wurzelnden Füßen, dass die Heimat, die er glücklich wiederfand, den Schritten des viel zu lange Geirrten nicht entgleitet und davonläuft wie die Zeit.

Beginn einer Rückkehr

Erzählung eines Hoffenden

[zweiter Ort: Doha Airport, Gate C26]

Sollten wir uns etwa nicht sorgen um Gott? Die Spuren des Traurigen unter uns. Das Erloschene zwischen den Fetzen der Träume. Vielfach hat es uns gegeben, damit wir es einmal begreifen, was uns hielt bei den Straßen und Ufern. Aber doch nichts zu erbitten um der Bitte willen, sondern weil es um das Leben ging, das eigene, vor allem aber das der Anderen. Wir setzten uns selbst ein Ende, setzten wir Ihn nicht ein als den höchsten, einsamsten Wächter, setzten wir uns nicht aus der schmerzvollen Warte, auf die ein jeder Liebende sitzt. Es gibt keinen Urlaub von der Sorge für die tief und wahrhaftig Liebenden. Denn ihre Seelen geben sich unverändert den in ihnen Wohnenden, ganz gleich ob sie empfangen oder verlassen wurden. Und um ihrer Treue willen werden sie verwandelt sein ins dreifach gebrochene Licht des wundgescheuerten Glases, durch das all die Blicke all den Augenblicken hinterherschauen.

Beginn einer Rückkehr

Erzählung eines Hoffenden

[erster Ort: Düsseldorf Flughafen]

Es gibt Träume, die sich schnell vergessen und die nur im Träumen selbst eine Fortsetzung finden; in ihnen ist ein immer verschüttetes anderes Leben. Und dann gibt es Ereignisse, die dieses Träumen – mindestens in Fragmenten – hervorholen und es heben auf die Stufen und Bühnen der wirklichen Zeit; sie erinnern an lange verlorene Hoffnungen, an Entschlüsse, die (scheinbar) alles veränderten, an mögliche neue Entschlüsse, die ganz sicher alles aufs Neue verändern werden, im klaren Wissen um die Unmöglichkeit einer Heimreise als einer schlichten Rückreise, selbst wenn der Eindruck entstehen mag, im Kreis gegangen zu sein und wieder an derselben Stelle zu stehen, an der das Gedächtnis all die Zeit festhielt. Die schlimmsten Entschlüsse aber sind die nicht gefassten, denn sie entspringen der Illusion, dass sich mit ihnen nichts ändern wird…

missa lecta [ICE 1155 | das unsichtbare | das schmelzende | unter den wellen | schatten des bergs | ort deines wartens | stille | aufgequollen | fülle des möglichen]

pfingstpsalmodie

farbe dieser landschaft farbe dieses lebens trockenes gras auf endlosen ebenen

und wie schön erst die farben der träume so wie der tag enden soll

zwischenzeitlich

müsste er angekommen sein alle steine alle seelen wurden aufgestellt die menschheit heute als eine gemeinschaft der suchenden und morgen als eine gemeinde der wartenden

gestern

wir erinnern uns der gesten salz und sand aus den augen gerieben atem geschickt von einer dämmerung in die vereinzelte hoffnung hinein

etwas

gesichtet etwas wie ein gesicht etwas wie ein seufzer etwas wie vom anfang zu uns hinübergewunken wankend doch wacker im erwachen entlang der linien der küste des horizonts das band an dem wir gezogen gegenwärtlich erwartend die gegenwart die gegenwarte

beharrlich

ohne zu verharren tatenlos unverhandelbares wenn es verwandelt war beweglich zwischen den streifen lichtes auf den sich kreuzenden wegen wer ihn bezeugte zeugte ihn auch wer sich verbarg dem zeigte er sich und wer ihn sagte wuchs in der sage treppauf ohne furcht vor der luft der höhe treppab ohne angst vor der katabasis kuss auf etwas zu für das flügelgeschenk für die stimmgabe[l] adoratio augenblicklich herzblicklich[t] hand und fußblickdich[t]

die zahlenden mit ihren schritten zurück

die zahlen rückwärts auf dem taxameter rückzahlung ausgeschlossen wenn die schlüssel klappern wenn die gedanken rasseln und die worte prasseln wenn das laub raschelt vom rauschenden blut keine erstattung an dieser statt keine verrechnung des unberechenbaren alles unbezahlbare war schon da ist schon fort näher rückt der ablauf allen die ihren rücken nicht abschütteln konnten die nicht kannten die drehung der zum licht wachsenden zweige der in liebe züchtenden und im schmerz ziehenden mutter

doch wo blieb der vater

die kinder erzählen sich abends von den kriegen von den weiten wilden wassern von den vergifteten inseln

[das übliche muss gar nicht übel sein | befragung der restlichen | der übrigen zeugnisse]

wenn der tod

begonnen wenn sich die zeit entfernt hat und in der kalten bleibe deiner gedanken daran was noch hätte sein können was sich da alles versammelt in der kühlkammer der schöpfung und wie glücklich wenn eine wiederkehr in einer fernen trauer

der eine atem

dessen du nicht beraubt sein wirst der lange atem des einen geistes und als ob dich streichelt die graue wange des geduldigen gesteins die leeren flure heiliger haine der heimkehr gläserne fäden aus staub

wohin er blickt

hinaus wie hinein stille wurzel seiner verkündung spätere stufen ganz gleich wohin woher die kundschaft der schweigenden und gänge in die zeit zurück verriegelte nacht der grund dann auf dem du liegen magst und warum das ohr nun befreit von den dunklen fernen klängen schmerzende stimme vom brennenden schweif deiner worte wie frisches wasser im satten boden dort die fragen nicht verkümmern zu lassen nach den pfaden und den pforten die hand der treuen seele nicht abzuschlagen die über die schwelle half über den abgrund reichte

farbe der flügel

farbe dieser einen hoffnung das ziehen der wolken über von hügeln umschlossenen seen klein ist der schmerz unter den floßen der schatten die nordöstlich verschwinden wandernde himmelsinseln wundernde heerscharen der nimmermüden nothelfer:innen freiheit ruft es unter der rinde freilich[t] tönt es im licht wenn es die fenster das laub durchschlug getragen von allen erinnerungen in allen ereignissen eigen[tl]ich[t] das flehende unvergessliche unverlässliche nicht zu verlassen wenn es vergessen in einsamen ecken trage mich weiter ruft es aus der umrandung der verlorenen zeit hängt von den türmen von den stirnen von den gestirnen ein sternenhaar durch das kein gott mehr schicken will seinen sohn und selbst wenn er wüste sagt wenn er wüsste was jener schrie vom baum der erkenntnis hernieder ist im echo erstarrt was er wusste vom sterben der eisige winkel der punkt an dem sich alle verworrenen wege kreuzen der nagel auf den kopf getroffen auf die haut des wassers gestellt um der zeiten fluss ans schwarze brett zu heften damit er ewig erinnert sei warum er verlassen wurde

schäme dich

so nackt in der gegend zu stehen insel und ufer des anfangs farbe des schaums des schnees je nach dämmerung je nachdem wer dann folgte und wann die früchte fielen vom goldenen zweig

to be continued…

siehe. ein mensch. auch

[buchheimer fragmente]

ich bin der mensch. der fragt: worüber schreiben? wenn man nicht schreien kann. die siegel des schicksals kleben auf allen augen. die nächsten tage sind die entscheidenden. die scheidenden werden es summen. mit gebrochenen kehlen. ich bin der mensch. der die sterbenden sah. die verlorenen. deren stimmen den himmel zerrissen. ein brunnen jeglicher klage ist mein gehör. und die stunde, da selbst die heiligen stritten mit gott, ist die zeit, die den zorn nicht verschleiert. dass unter den stummen keiner dem höchsten gleicht. ich bin der mensch. der auf die suche ging. hier. wie dort. nach den schlägen und wunden seiner gerechtigkeit. nach dem opfer seines auges. den ratschluss zu erkennen. den rat. den schluss. ich bin der mensch. der durch die brennenden häuser lief. über die felder der geschlachteten. zitternd und sorgend um alles kärgliche. wachend am heck aller irrenden schiffe. ich bin der mensch. der in den schwarzen nächten haust. und die zukunft träumt. der fernen. der ihnen nachschaut. in einsamer trauer. und aus ihren müden schritten die sehnsucht reißt. höher schlägt mir das schwache herz. tiefer denkt sich das zweifelnde. am rande von allem. hinter dem vorhang der traufe. ist mein rücken die graue wand. in deren gewebe die toten verschwanden. ich bin der mensch. mit dem kahlen nacken. auf dem eine kalte klinge ruht. ich weiß, dass sie lebten. und welche wege sie gingen. ich weiß nicht, warum ich kein toter bin. wie sie. ich weiß nicht, wohin ich noch gehen kann. zurück. ich sehe die sage. von allem, was heimat war. ich sehe die täler und wüsten in ihren blicken. ich sehe den bitteren see. in dem die gabeln kahler birken stehen. ich bin der mensch. der ruft: bin nicht auch ich aus dem göttlichen schlaf gefallen? anders mag ich sein. als die gleichen. anderes fühlen und wollen. doch auch ich wurde entfernt. mit allen. die man vertrieben und vernichtet hat. das restliche jahr liegt auf meinem atmen. mir wurde gewiesen, es nicht zu vergessen. zu sein eine schwache stimme. die flüstert: siehe. ein mensch. auch.

Eumaios – hinter den Fenstern

Foto: André Sarin

ich dachte, wir wären längst vermählt gewesen. als ich dich fragte und die Absage bekam… man sollte sich nicht zu sehr mit Geschenken überhäufen lassen, um das verzögerte Gefühl zu vermeiden, all diese Dinge zurückgeben zu müssen. Gewänder, in zwei Teile zerschnitten. volle Becher mit Vertrocknetem. Überwürfe. und ganz so nackt dazustehen. Gesichter, wie alte Krusten Brot. was braucht man um leben zu können? und was um weiterzuleben? heißer Stein glühender Wangen. die Tränen verdunsten im Nu. es muss viel Zeit vergehen, bis man sich ganz versteht. nein, nicht eigentlich ganz. vielleicht nur viel tiefer. und näher. und den Anderen ohnehin immer besser, als sich selbst… Haare waschen am Waschbecken, wenn es schnell gehen muss am frühen Morgen. und unter den Wasserhahn gebeugt, um sich die krausen Gedanken aus dem Kopf zu spülen. man ist kaum wiederzuerkennen nach drei Jahrzehnten. die Unruhe sackt in die Kissen. ins Moos. wie feuchte, kalte Luft am Boden. erschöpfte Wege, von den zahlreichen Schritten. den nie endenden. aber frage mich ruhig, was immer du wissen willst. woher ich komme. wohin ich will. [nicht was] Fragen kostet nichts. und das Wort wird nicht zu rasch abgeschnitten. es spricht sich gut herum, wenn einer lange schweigt. er ist stärker als ich. hat die Wege weggesperrt. lässt die Hecken wuchern. die Umarmung. nicht mehr so wie vorher. die Einsamkeit. wie immer… die vielen Geschenke hatten etwas Erdrückendes. warum dies Heimweh? weite Felder. hinter den Gehöften. Verlorenes. in guten Händen. wenn sie leer sind. klagloses Holz gefällter Buchen. Wälder ohne Schreie. ohne Schritte. schadlos die Flüsse. sehnen sich nach Floßen. Ḫumbabas Zorn unter dem schlafenden Laub. Ameisenstraßen auf dem gefallenen Triptychon. die Vorratskeller voll. für die Feier der Rückkehr. die Leiter hinauf zu den Deckenfresken. fest vernagelt. wer immer hinauf will, muss nur noch hindurch. nicht lange soll das Sterben dauern. wenn man es spüren muss. das Schicksal. das auf der Hand liegt. ins Rad geflochten. aber du bist ja gewandert. und hast dich nicht schicken lassen. auch wenn sie sagen: Einöde. und Einsiedler. und Einsamkeit. du weißt ja dennoch, wer bei dir war und sich nicht wie die Zeit vertreiben ließ. wer kommt jetzt noch? und bleibt eine Weile. und wäre ein wenig traurig bei der Abreise. Wolke auf ruhendem Wasser. Fels über dem Atmen. unstete Seele. weil der Körper immer an einem Ort. er war dort zuerst. er wird dort der letzte sein. sein Schatten gibt keine Antwort. trägt dich zum Abend. zum nächsten Morgen. wenn der Mond abgibt die Obhut. und die Fäden der Träume aufgeräufelt hat… der Himmel hat Platz für alle. da hängen die Antworten herab von den Sternen. und über den Körben und Kelchen offener Hände und Münder der Harrenden. aber lass ihn erzählen, der so lange warten musste auf ein Gehör. du brauchst nur Arme, die zum Höchsten wachsen wollen, auch wenn die schauenden Augen immer auf der Höhe der Wurzeln bleiben, weil die Erinnerungen nach unten fallen wie Früchte und welkes Laub. mächtig bist du weil du, keinen Namen hast. kein Gesicht. und die deinen dich sehen in ihren eigenen Spiegelungen. du lässt sie für dich sprechen. doch kommt die Rede, die von dir sagen soll, nicht immer von den Klügsten. ein ganzes Leben lang können sie davon sprechen, wo die geschmückten Schiffe ankern, jedoch nicht wohin sie fahren werden. die Wasser blau, erst vor den Ufern der Wüste. Streifen aus Smaragd. wie Saum der Sehnsucht. das Land zurückzulassen, um nicht mehr träumen zu müssen. mein Land, auf der Seite der Dämmerung. zwei Schritte entfernt, wenn du den Weg erkennst. die feine Asche, die sich ins Gestein treten ließ. nah der Stille, wo der Wind seinen Anfang hat… mein Traum war voll von deiner Rede. da warst du kein Schweigender mehr. und auf deiner Zunge lag alles, was ich hätte sagen sollen. so wie die Tage ziehen, denen du vorausgegangen. allein auf den Gipfeln, um da endlich in die Knie zu gehen. von Frost und Licht bedeckt. und geschüttelt vom Wunsch nach Geborgenheit. erstarrt, um weich zu werden, unter der aufgehenden Sonne, zwischen den Bergschatten, hinter dem Ziel, wo die Angst nicht mehr sein würde. hörst du ihn nicht auch rufen? zurück will ich. zu den Bäumen und Bächen. und wenn meine Augen aus Sand nichts mehr sähen, würde ich sie noch hören können und hätte den Duft des Nebels vom Licht her aus dem feuchten Gras gezogen. auf der kühlen Haut. und jetzt die Frage: wovor denn Angst? auf die niemand eine Antwort erwarten kann. aber soviel hatte ich doch sagen können: dass dort, wo es eine Angst gibt, auch eine Hoffnung ist. aber wirst du das auch noch denken, wenn du die Feldwege wanderst und vorbeigehst an den grasenden Herden. da scheint die Erde ihre Wunden geschlossen zu haben. nicht mehr zu erkennen werden sein die Furchen, auf denen die goldenen Ähren späterer Jahre wachsen. träumst du dann noch? oder schläfst du dann nur. erschöpft von den Wegen des Tages. aber für die Heimkehr muss es erst noch so werden, dass die Wege dich finden in deinem geheimen Ziel. ein anderes Leben durchdringlicher. selbst wenn die Orte ihre Namen verloren haben. nicht mehr weit der Rand der Wälder. und das Ende der Lähmungen. dass das Herz wieder brennen kann für des Tages Ausklang. wenn die Stille aufgeht als Mondnacht über den Äckern. doch dann soll seine Stimme sich dir noch nähern. etwas das sich an deine Seite schmiegt. ein anderes Leben. durchdrungen von deinem.

buchheimer fragmente

[begründung]

weil das leben sich wagen muss im vergehen. weil ein noch nicht gelöschtes den nächsten tag erleben soll. fern ist der horizont. schwach ist das auge. nicht einem fliehenden zu folgen. setzt sich ein fuß vor den anderen. werden die boote vom ufer gelöst. weil der raum erst entsteht in der bewegung.

aber. mein Wandern. mein Warten

Foto: Miriam Halfmann

wir könnten lieben. die Zeit. wir könnten sie uns schenken. wir könnten sie uns einschenken. wie feinsten, grasduftenden Tee. wie etwas, das uns bleibt, weil es mit uns verging. wir könnten es lieben. mehr als alles andere. wir könnten uns lieben. und wären einander die Einzigen. wir schenkten uns einen Augenblick, der auf uns gewartet hatte. mehr als ein einsames Leben lang. wir führen nicht fort, bevor wir nicht einmal ausgestiegen wären, um für eine Stunde zusammen am Ufer gesessen zu haben. und nichts zu sagen. und alles zu denken. wir könnten lieben. was wir sehen. wir könnten teilen. den einsamen Wunsch. hier schon früher einmal gesessen haben zu wollen. hier noch länger sitzen zu dürfen, als es die Zeit erlaubt. und wenn wir auch zeitig fort müssten, könnten wir lieben. den Ort. den wir nicht mehr verlassen. weil es der Ort war, an dem wir uns nicht mehr verließen.

Zum Text (Stand: 21.12.2023)

hier keine bleibende Statt

Bildersturm

tiefergelegt. der Himmel. schwer, wieder hochzukommen. wenn man sich einmal gesetzt hat. damit sich einmal alles setzen konnte. Seen wie Krater. ein Mond, von der Erde zu sich gezogen. Wohnung der leeren Zisternen. gleich ist unsere Liebe vorbei. gleich will sie neu beginnen. wenn unsere Leiber lieber zerstückelt grasen in der verlassenen Landschaft. einsam ist unser Beten. ein Murmeln im reglosen Holderbusch. ein Kauen der Pergamente, in die wir das Heilige brannten. Zergangenes auf unseren durstigen Zungen. Überliefertes. dem wir ausgeliefert waren. das wir nicht mehr ausliefern werden. den Kommenden, die wir geliefert haben. den Gelieferten. wir wandern um die Hügel und suchen unsere Schatten. wir wundern uns nicht ob der verlorenen Gräber der geopfterten Ahnen, die ja nicht ahnen konnten, zu welchen Hoffnungen wir einmal fähig sein würden.

dein Schlaf im Gestein des Leibes. erloschene Träume. Saum der Stege. hinüber in den Dunst der Vergessenheit. dort. wo sich ein rötlicher Nebel legt auf ein graues Wasser. deine Stimme. zergangen auf Gottes Zunge. hausend im Rätsel. hinter der harten Rinde der Buchen. die ihr Wachsen wagten am Rande der steilen Ufer. deine Sehnsucht. vergangene. Tau und Tränen. der endlosen Schritte Ende. endlich. Neige der Wege. der Umwege. Wiege des schrumpfenden Mondes. der Sterne Verwandlung. und die Knospen erkaltender Trauer. Engelsaugen. perlend ihr Staub. auf den Eibennadeln. und ihr ewiges Bangen wandernd die Scherbenpfade. aus Nacht und Unzeit.