wenn er erscheint. wenn er scheint. lege ich meinen schatten ab. in den er sich warf. da. auf die stelle des endes. hier. am ausgang des sterbens.
kleine seele. im zarten opfer verborgene. für die ferne liebe. für die einzige und bessere erkenntnis. fiel mir ihr name wieder ein. wie der grund meines wartens.
doch. der boden. dort. so leicht. und ich fast schwebend. vor dem streifen dämmerung.
eine stimme ging durch meinen schlaf. und ein leiser regen über das nächtige land.
sprach er nicht aus dem schilf? nicht aus den einsamen häusern? hoch über den steilen ufern. ein letztes licht. das den grauen dunst des morgens überzog.
dass die stunden nicht vergehen in finsternis. dass nicht aus staub sind die namen und die zärtlichen worte. in der liebe halt an einem schroffen ufer stehen. alles im wenigen, das übrigbleibt. die ganze zeit in einem augenblick. der seele bergung, wo sie sich erkannt wusste. im grab des tief wurzelnden hauchs.
Abschluss der Sammlung: Mecklenburgische Elegien [Zweiwochenpsalter | Tagzeitenbuch]
I
du gabst ihnen Herzen darin die Rede von einem Geheimnis ruht
keine Arbeit vergeblich keine umsonst verzehrte Kraft
spät kam der Regen und fiel bis zu ihrem Erwachen
du wirst sehen ob sie nicht vergessen haben ihr Glück zu teilen in Dankbarkeit
ach lass sie doch erzählen Genügsamer vom vollen Mond hinter ziehenden Wolken von den leicht wippenden Zweigen der Birken unter denen sie friedlicher gehen mit der zärtlichen Lüge von einer besseren Kindheit
die wenigen Wünsche leise gesprochen und als ob von dir selbst auf die Zungen gelegt
nimm ihnen nicht die Kraft, schwach zu sein
lass es ihnen so geschehen als hättest du selbst geflüstert so geschehe es
aber im Klang vieler Stimmen so viele wie es Farben hat im Reich der Blüten
ach Schönheit ihres frühen Opfers um der späten Früchte wegen den reiferen Duft und dunkleren Glanz noch haltend einen Regen lang
daran erinnernd was vor ihnen war was ihnen folgen wird wenn tiefer das Licht im Wasser steht
Abschied zu nehmen von allen Jahreszeiten
mögen sie spüren des Windes Schmerzen wenn er durch das Gefallene greift wenn sie das stillere Wissen erfasst was sie nicht lassen können was du ihnen gelassen hast für Schatten und Schutz an den heimischen Ufern ihrer Fremdheit wo sie nicht mehr sagen können was ihnen entschwand wartend erwartend was ihnen entgegenkommt wenn es sich umdrehte ihnen zuwinkend auf dass sie ihm folgen mögen die Wolkenwege, die Lichtwege wo die Luft sich bewegt als atmeten selbst die Felsen auf dass sie gemeinsam denken es braucht nur diese kurzen Aufenthalte in den Augenblicken um in der Zeit zu sein und sie zugleich lassen zu können
und sie wissen doch sicher dass sie alle Hände haben zu schöpfen das kühle Wasser der Bäche in denen als sie noch schliefen das erste Licht des Tages badete
II
du hörst doch die Gebete derer die ihre letzten Samen auf die Wege streuten bevor sie sich der Wiegen nicht entsinnen konnten
wen stört der Staub? der sich auf ihren Hunger legte
Wind und Wellen gehen über ihren Schlaf hinweg
Uhren und Glocken und Atmen im wunden Gehör
so lass doch ein Gras wachsen ein Laub einen einsamen Blick der ihnen sagte von deiner Liebe von der sie früher einmal sangen
aber allein sitzt jetzt die Amsel auf dem First stumm und als ob versunken in der Schwere der sich zum Winter schleppenden Tage
unerträgliche Sonne über den sandigen Ebenen vertraute Wälder der Kindheit brennendes Haar der Nymphen was auch immer die Träume der Sterbenden heimsucht
treib sie nicht fort aus dem Duft der Äpfel und den Farben der Dämmerungen
leg doch dein Schweigen in ihre Starre unter die Haut der frostigen Wangen
für kommende Blüte ein Odem für den Ruf ihrer Namen dort
jetzt ziehen schon wieder die Schwalben am Ufer stehst du zwischen den Weiden. gebeugt und siehst die Pfade zurück die Spur, die sich dort zeigt der Gräser am Wegrand, der falben und hast einen Blick als winkten dir Freunde zu mit seidenen Fahnen, halben die du durchschnitten bevor sie dir Abschied sagten. und: gute Ruh‘ bevor du mit anderen Schritten heimkehrst. und blätterst in staubigen Alben…
Apódeipnon [Mecklenburg Elegies | Two Week’s Song Book]
Fünf-Waka-Variationen | Five Waka Variations
versäumte Jahre. Stunden. von Mattheit gesäumte. auf Wind. warten die Inseln. die Gärten. auf Regen. und duftend nach Entgangenem. ein jeder Schatten.
Augenblick. einst. reglos im Spalt des Lichtes. und vergessen. fast. Trübsal. und jedes wunde Wort. das ins Dunkel tropft. darin die Zeit verschwindet.
warte nur ab. Ufer der Wiederkehr. sieh dir ins Auge. seh‘. deiner Seele anderen Namen. gestrandet. am Ort des Abschieds.
weit. wie der Tag. Horizonte. ziehende. mit allen Farben ins graue Meer. weil Wolkenhimmel. weil Schrecken. vergessener Blüte im Gras.
erloschen. dann. haltlos in den Entfernungen. doch falls sich öffnet. dein Herz. leuchte. dem Liebsten. der jede Nacht nach seinen Träumen sucht.
years. missed. hours. lined with languor. for wind. waiting. the islands. the gardens. for rain. and scented with what has been lost. every shadow.
moment. once. motionless in the crack of light. and forgotten. almost. gloom. and every sore word. that drips into the darkness. where time disappears.
just wait. shore of return. look yourself in the eye. see. your soul’s other name. stranded. on the site of farewell.
far. as the day. horizons. moving. with all colours into the grey sea. for the cloudy skies. for the horror. of blossom in the grass. forgotten.
extinguished. then. unstoppable in the distances. but if. your. heart. opens. shine. on the beloved. who searches for his dreams. every night.
ruhend | unter dem Regen | ziehend | in anderen Farben | an Sonnentagen || umgänglich | unumgänglich || an Feldern entlang | kreisend | um die nähere kleinere Welt || hält er den Atem an | hält er die Flügel bereit | falls aufkommt ein Wind | falls er aufkommen muss | für ein gesprochenes Wort || oder auf dem Boden | einer fremden Hoffnung
let yourself | fall | unseen || remain behind | your part | the works | wordlessly paid || escaped | the dark | and your hearing | in the heart | of the silence || do not gaze for too long | at your creation | that was allowed to be | only because it had to pass away || lonely hand | toil and exhaustion | because you gave yourself | to the past | that it was not in vain || thus you spoke | so it bear its name | undaunted | in deep and resting fear