zum Ende hin muss die Stille nicht mehr erzwungen werden. man muss nicht mehr warten, bis der Schnee fällt. man kennt seinen Ort, als ob man selbst das Ziehende ist, das aufs Meer hinausblickt. man weiß sehr genau, was man dem einen fernen Menschen noch sagen würde. und sonst keinem. man hofft, dass er versteht den Sang der Amsel. an einem künftigen Frühlingsmorgen […] was ist denn die Seele anderes, als das stille Land zwischen den Küsten, über das hinwegziehen die Kraniche, mit allen Sehnsüchten fort und heimwärts in unserem grauen Gefieder, darin sich die Zeit angesammelt, die schon verging.
spreche jetzt bitte nicht von Ferne. lasse jetzt bitte diesen einen Moment im Innenhalt. im Gestrüpp auf verwitterten Mauern. für die Knospen eines künftigen Glückes. […] war noch einmal eingeschlafen. als draußen Regenschauer… als draußen rauschender Wald… nahe der Küste. aber in der Schilfharfe saßen noch die Stare. wie halbe Noten. im noch stillen Gewitter des Klanges, wenn es noch sucht nach seinen Stimmen. Und ungeduldig wartend eine jede, auf den Finger, der ihre Saite zupfen wird, damit sie endlich abgeben können, in einem Wimpernschlag, diesen einen einsamen Ton, den sie eingeatmet haben, ihr ganzen Leben.
[…]
die einsamsten Vögel. werden am schönsten singen. ihre fernen Triller rauschen silbrig durch das Erstarrte der unbetretenen Gärten, in denen die Zeit wartet auf ihren Anfang. ein wunderliches Lied. es handelt davon, wie ein Geborener zum Lebenden wird. durch die Liebe. im Schmerz der Erkenntnis. und selbst sich fragend, warum er so lange tot war.
[…]
die Dolen stürzen herab. von schneebedeckten Gipfeln. wie schwarze Pfeile rammen sie ihre Schnäbel in unser Schauen des Himmels. und an den Ufern werden sie zu Pfählen, zu Wellenbrechern. wo die Möwen ruhen. bis zum nächsten Hunger.
jemand wird erwartet sein Kommen könnte die Ufer zurückbringen und ein Gras wachsen lassen auf den Narben der alten Erde
aber dann wäre die Sehnsucht zu Ende der Abschied würde sie ängstigen die Daheimgebliebenen und ihre Gärten wären aufs Neue ummauert
[…]
gerecht ist die Zeit allen gehört sie
aber der Morgen an dem die Liebenden erwachen ist ihr alleiniger Besitz
[…]
[was wird sie ewig müh‘n] sie fliehen dem Winter
sie suchen einander das Eigene wiederzufinden
sie hören etwas vom anderen Ufer der Zeit
sie sagen nichts wenn sie einander sehen übers Wasser gebeugt
[…]
alle Züge fahren in eine Richtung alle wollen die letzten Brücken erreichen
die Gesichter fliegen vorbei an den Fenstern wie die Jahre
[…]
wo bleibt denn die Dämmerung
wo bleibt mein Dämmern
und eigentlich müsste der Morgen doch ein sehr eigenes ein sehr geheimnisvolles Licht fast wie gebrochen durch etwas Unbekanntes in unser Schweigen schicken
wie ein Gesandtes nach dem man nicht hätte rufen können
sichtbar erst im Nebel auf dem Wasser im dunkleren Brennen in dem die Gestalten verschwanden die da eben noch standen am Saum der Nacht als ob ein Floß sie mit sich nahm als ob im Klang erdacht der eben übers Ufer kam
schlafende Amsel auf dem kahlen Buchenast Traum des Geliebten der wulstige wunde Rest des von Frost zerkauten Zweiges
Dieses waka-Gedicht (nach altjapanischem Vorbild) ist Teil eines Langgedichts mit dem Titel Intermezzo, dieses wiederum Teil des Zyklus allem Abschied voran, an dessen Abschluss ich derzeit arbeite.