sie wachen und warten fallen in den Klang in die Klang-Fallen
erwarteten nichts kamen aus dem Nichts
[…]
die Augen hätten sich treffen sollen im Vorübergehen die Köpfe hätten sich umdrehen können man hätte Stimmen hören müssen zaghafte Grüße und Fragen nach den Namen
aber was wäre geschehen wenn der falsche Name gerufen worden wäre das falsche Wort gesagt zur falschen Zeit am falschen Ort hinter der Stille wo sie sich nicht mehr hätten treffen können
man lässt sie gerne allein damit sie ihre Gedanken für sich behalten
denn niemand wünscht sich die Überraschung einer bedeutenden Mitteilung
alle haben die Möglichkeit in ihre Spiegel zu flüstern bis ihr Atem Schleier legt und ihr Erinnern Falten über die breiten Gesichter
[…]
das Freundliche bleibt das Befremdliche
also schätzt jeder die großen Bögen und zieht betäubt seine weiteren Kreise sehr höflich die Begegnungen zu vermeiden und heimzukehren ohne Erwartungen
denn das Gewicht des Himmels soll nicht größer sein als die eigene Angst
XXIII
was drehst du am Rad als ob die Zeit ihm gehorchte
[…]
vielleicht gar ist der Tod noch nicht das Ende der Schönheit
vielleicht ja sogar der Anfang oder der Neubeginn eines Verlangens nach ihr
wir setzen uns entschieden für die Verunklarung ein [von weitem sah der Bio-Müllbeutel auf der Straße aus wie eine zur Hälfte ihres Körpers schwanzseitig überfahrene Katze. alles Fleisch war in ihren Kopf gepresst worden. und so blickte sie jetzt wie ein versteinerter Schrecken den kommenden Fahrzeugen entgegen] die Klärwerke fahren ihren Betrieb herunter. ab jetzt einen mittleren Trübegrad des Wassers zu gewährleisten [die Ertrunkenen tasten sich weiter durch ihr Unausgesprochenes. man sagt jetzt aber nicht mehr dem Tastsinn gemäß sondern taktil]
[…]
[kann das nicht. inmitten der Herde. kann nicht darüber sprechen, warum ich als verschollen galt. und über die brennende Schollen-Sehnsucht. habe meine eigene Theorie: immer kurz vor dem Status der Mythoswerdung das Gedächtnis verloren zu haben. und grad so auszusehen, als hätte ich ein überlanges Leben immer nur beinahe geatmet oder wurde unterbrochen, während des Ansetzens zu einem Schritt] sie sagen, vielleicht zu Recht: er ist uns teuer. er ist uns zu teuer geworden. wir waren doch nun lange genug in Sorge. jetzt ist es Zeit für seine Entsorgung.
habe nicht vergessen wie gut du warst wie die Zeit durch dein Schweigen floss und ihr Gewicht verlor
und ohne dass ich haltlos weiterziehen müsste auch wenn ich allein durch das Feuer gegangen sein werde und der Schlüssel in den Abgrund fiel und schmolz in der Glut kann ich doch nicht mehr verloren gehen in den freien Landschaften hinter den zerbrochenen Toren
gehe ich manchmal auch allein und traurig an den Gräbern vorbei und kenne den Ort nicht meines Endes und spüre zugleich dass sich der Engel nähert der mich in Fernen suchte der sich nach Ankunft sehnte wartend auf der Insel
bin gestrauchelt. gewichen. dachte an dich, als ich mich ins Bett legte. ängstliches Herz. Zerschlagenes. […] dass ich dein Freund heiße […] Weg in die Tiefe, zum Menschen, wo der Himmel hausen muss. […] war schon einmal dort. vor der Lähmung. glaubte etwas zu hören. vor dem Hörsturz. muss etwas gesehen haben. vor der Blindheit. […] öffnete die Vorhänge mitten in der Nacht. stand vor einem fernen Tag. war zerfallen zu Staub. war verschollen unter den Schwingen des Gestürzten. Federn wie gelbes Pappellaub, an den Ufern der Flussinseln, und bevor die Pegel steigen zum Ende des Winters hin. und als meine Augen offen waren und wach vor dem eingedrungenen Licht, waren alle verschwunden, an die ich mich erinnern konnte. […] hätte länger träumen sollen. von einem Laut. von einer Laute. von einem Grashalm. Klang des Endgültigen. vor dem Verlorenen. von Schritten in den Gärten vor den Häusern.
[…]
[bitte nichts verbessern. bitte alles verändern. keine Ausnahmen machen. bitte beseelt sein vom Entwurf. alles verlangen. nichts erzwingen. die Brut beenden. die Geburt einleiten.] gehe jetzt nicht mehr auf etwas zu. lasse die Wege liegen. links und rechts. sehe Gebirge und Meere. sehe den nächsten Tag. vor der Dämmerung. [wünsche mir Achtung. Selbst- und Fremd-. suche den Traum, in dem ich gefunden werde.] ich sehe trauriger aus als ich bin. ich bin trauriger als ich aussehe. [was könnte ich morgen tun. oder für immer sein lassen.] was ich geschehen lasse. damit ich nachdenken kann. was ich träume. damit ich gelebt habe. und meine Geschichte stand vor eines Anderen innerem Auge. irgendwann. oder dazwischen. damit ich gewusst haben werde. was ich hätte empfinden können.
[…]
[die versiegenden Wasser. keine Landschaft. weiterzusuchen. Bäume, von denen gut zu essen wäre.] bin schon halb tot geschlagen. nirgendwo hin vertrieben. wo es nichts zu sagen, nichts zu hören gibt. und die Zeit ist da ein Fraß an der Rinde der Felsen. man verlässt die Verlassenen. und kehrt nicht zurück in die Augenblicke der zerstörten Vergangenheit. es ist kein Unterschied, ob einer schreit oder singt. oder wohin die Glocke stürzte. ihr letzter Nachklang haust in der einsamen Verzweiflung Gottes. ewig ist das Ende, das nicht endet.
Wasser des Sees schimmert die Haut Pollengewölk sind die Schritte unter dem Aufprall der Regentropfen
man hat sich geschmückt für die Heimkehr eines Anderen
schlief die Nacht auf der Treppe als mir ein Gras wuchs am Abhang des Traumes
jedes Wort ist ein Stein der sich die Kehle hinunterschiebt
aber von mir ging die Rede nicht
doch hatte ich etwas ins Glas der Fenster gehaucht die Sätze wurden zu Knoten in Taschentüchern dass ich mich noch erinnern würde woran ich geglaubt als ich fortgehen musste
bin noch allein das letzte Viertel bin ein Halm in der Asche Finger der sich verbinden will mit dem zergehenden Faden des Himmels
nicht sehr viel Zeit ist um den verwitterten Rand meines Mundes neben dem Schlaf liegt das Fernste und Älteste und hat noch den Anschein des gestrigen Abends als ich die Jugend verließ
ach wenn ich wüsste wo mein Herz jetzt schlägt ging ich die letzte Stunde hinaus und sammelte Akelei
ging hervor aus einem Glück schlief noch als der Frühling lang vorbei spiegelte Ferne in den Augen wähnte weit die Welt wünschte die Wachheit nicht
[…]
was sah da auf und fragte wo ist mein Tod
so begann die Suche nach dem Tag der Heimat und zog das Grau der Zeit durch eine seltsame Stimme
und wusch das Licht aus im wellenlosen Wasser
[…]
jetzt müsste noch Morgen sein jetzt kann noch alles geschehen was sich denken lässt jetzt wird noch nicht gestorben jetzt klingt die Stille über dem Nichts wie ein Sang der Mütter abends an den Wiegen
[…]
wo ist die Grenze wenn Klang folgt auf Klang und Welle auf Welle
wo sind die Orte der Ankunft die Orte der Bleibe die allem Abschied vorangingen
[…]
fast schon war die Suche beendet eben noch war das Ufer zu sehen immer wieder tauchten die Inseln auf aus den Nebeln immer wieder sandten sie einen Ton in die Nacht einen Boten der künftigen Freiheit immer wieder hatte die Sehnsucht sich zu Ende erzählt immer wieder der Schlaf der Erschöpften als ob nie ein Erwachen als ob immer Morgen und Schlummer als ob kein Ort um das Träumen herum