Himmelfahrt

so ging er fort | so hätte er wiederkehren sollen || die nahen Gedanken des Fernen | die nahende Nacht || ein Unvergängliches | jetzt | ein Dort | immer || und seiner Erzählung Stille | über der Geschichte | der unentrinnbaren || seines Lebens Beginn | im Unzeitlichen | und das Krause seiner letzten Rede | in den Ohren derer | denen das Abgeschlossene das Sinnvollste ist | und das Sinnliche ein Verhängnis 

so ging er fort | dass in ihnen etwas entstünde | und sich kehre zum Aufgang eines anderen Lichtes | zur Hebung anderer Schätze | und dass die Hände nicht mehr erhoben sind | das Höchste zu berühren | sondern einzuladen den Verstoßenen | der sich doch Bleibe erhoffte | in den zagen Herzen 

so ging er fort | um des ortlosen Wirkens des Heiligen willen | und unter den Trümmern der äußeren Tempel | die bleibende Statt dort drinnen aufzurichten | wo der Blick ins Ferne geht | wo die Angst ist die Nachbarin | einer unerklärlichen Zuversicht

Waka 31 [Variation || Fülle der Erde | Verborgenes | weil nicht gesprochen wird | über das Geträumte || Seele am Rande des Zeitlichen | auf dürrem Sand | über dem Dunkel | und in der Frage | wonach sie sich sehnen könnte | falls etwas wächst | aus den klanglosen Schächten | unterhalb des Schlafs]

wundersam gespannte Seile | gesetzt den Fall | es kreuzen Flüsse | den Weg des Ahnungslosen | und falls er nicht warten kann | auf das versprochene Floß

ich träume

Finger | aus Tannenzapfen | aus den Wunden gelöste Fäden

der Mond wie das steinerne Auge des blinden Gottes | an schwarzen Tauen gehalten | hinuntergelassen ins Meer der Welt | wenn die Sonne sich erschöpft hat 

Trauben | in der Kelter vergessen | überstanden den Winter

fremde Klänge | aufbrechend ein fernes Gedächtnis | und die Vergangenheit wie ein Wunder | und der Tod als eine Vollendung des kaum erinnerlichen Schicksals

mit Flügeln | ein Hirte schwebend | über stillen Weiden

bevor der Morgen graut | Wolke | die den Winden widersteht

Eumaios. hinter den Fenstern

Tag 27 der Erstarrung

aber hast du etwas pflanzen können? was nicht verwelkt? und würde es nicht reicher noch im Vergehen? und brächten nicht reifere Früchte Trauer und Gedächtnis?

Klang der Stege. die schlafenden Möwen. die wartenden Boote. da sieht schon vor Sonnenaufgang der Besuchte seine Verlassenheit. in den grauen Schatten. auf zarten Wellen. auf dem feuchten Holz […] leere Klause. wenn er heimkehrt. auf den kahlen Stab gestützt. aber er ist gegangen. hat sich übersetzen lassen. als er schlief. wartet auf einen Fragenden. der noch wissen will. was alles in seinem Schweigen lag.

[…]

noch ist der Abend nicht gekommen. an dem du sagst: genug. und nicht mehr schließt die Vorhänge. abzuhalten das kalte Licht des vollen Mondes. ein Tag wird das sein, von dem Du am Ende noch wissen wirst, wie er begonnen hatte. das Verlorene wirst du noch einmal erinnern können. bevor es durch die Gewebe letzter Träume sickert. dir war es dennoch für einen Moment, als wolltest du ihnen zurufen: haltet mich fest, bevor die Flut kommt und das Ewige in den Furchen verschwindet und alle Geheimnisse ans Licht gedrückt werden und eine Haut sich legt um die gelassene Zeit und ein Gestein um jedes Wort, das du nicht mehr sagen konntest. da härten aus deine Schmerzen. und die Wangen lassen sich streicheln. vom Fluss eines tieferen Wassers.

Waka 30 [Variation | Intermedium | hast dir nicht mehr zu helfen gewusst | wolltest kein Neues mehr versuchen | legtest dich zwischen Nacht und Dämmerung | Ufer zu sein für einen | der in die Zeit zurückkehren wollte | … | doch schlüge dein Herz erst dann | wenn er seine Hand darauf legte]

die süßen Gräser | auf den Gräbern der Namenlosen | sie klingen im Wind nicht anders | als jene, die auf den Dünen wachsen und | vom Salzigen tranken

Waka 28 [Variation | Eumaios. hinter den Fenstern | hat sich sehr verändert | in letzter Zeit | zu viel Vergangenheit | lauter dem Leben entzogene Verwandlungen | zieht jetzt aus | sieht jetzt aus, als wäre er zwischen zwei Stufen, zwischen zwei Stunden hängengeblieben | zuerst: kein Leben | dann: nur der Tod | erst ein langes Träumen | dann so kurz die Ewigkeit | kalte Haut | der einsamen Erde

wer hat gerufen | Schatten der Wandernden | was sie durchzog | über den bangen Schritten | was in ihnen wuchs während des Schlafs | … | auf die Gesichter wartendes Wasser

Kernower Elegien [Pendoggett-Psalter]

halbschattiges Zimmer | in der Mitte ein Tisch | gedeckt | als ob Gäste erwartet werden | geschrumpfter Raum | zu einem letzten Augenblick der Hoffnung

ich weiß nicht, wohin. ich kenne mich nicht mehr aus. die Welt rennt fort. sie nimmt die Zeit mit. ich werde nicht mehr gebraucht. dort nicht. und dann nicht. die Häuser fahren in die Nacht davon. ihre Lichter werden kleiner und kleiner. bis sie sich zusammenziehen zu Sternenhaufen. ich werde indessen durch meine Träume gejagt. und kann den Ausgang des Erwachens nicht finden. ich irre durch ein halbes Haus. durch einen halben Garten. durch ein halbiertes Leben. innerhalb dessen sich alles teilt. innerhalb einer Stunde. die ich so gern noch einmal hätte. wäre für mich noch ein Wunsch frei.

Kernower Elegien [Pendoggett | solange du wanderst, fällst du nicht | die gleitenden Möwen | solange der Wind | bald nun ist Ruhezeit | bald wirst du uns nahe gewesen sein]

alle kommenden Tage werden sich gleichen. doch du wirst verwandelt sein. andere wird es geben. die wie du sind. alle werden erblindet sein. alle werden sich in ihre Seelen schauen. alle gehen wie Kinder durch die endlosen Wälder. sie wachen nicht auf. sie wissen nicht, ob sie geschlafen haben.

wo ist mein Herz? bin nicht mehr da. sie drängen. sie stoßen. mit steinernen Händen. die von hohlen Köpfen herabhängen. ich muss jetzt fort. ich wollte ja immer woanders hin. und weit weit weg. lang sind die Züge. so lang wie die langen Strecken. ich gehe durch sie hindurch. bevor sie ihr Ziel erreicht haben. eisiger ist es da vorn. und einsamer. früher konnte ich leichter atmen, je einsamer ich war. heute drückt das Gestein von allen Seiten. ich denke, ich bin ein Gestrüpp, das noch zum Baum werden kann und über alles hinauswächst. nur nie über sich selbst. ich gehe lieber dahin. bevor ich dahingegangen sein werde. ich bin noch nicht weit gewandert. aber ich fand die Frage schon. nach der ich immer gesucht hatte.

still lag das Meer bei deiner Abreise. es hatte alles Licht zu sich genommen. alle Bitten um Frieden. dir sprach es zu das Bewahrende. auf das sonst niemand gehört hatte. dir waren gefolgt die Gezeiten. Geduldiger. du kehrst zurück zu den Wohnungen deiner Geburt. Gott hat dich gesehen. du hast ihn erkannt im Unauslöschlichen deines Namens. nun kann dein Staub über die Dünen wehen. Jegliches fließt aus den brüchigen Waben der Zeit. und ihre Wandungen hielten aufrecht den Himmel. der immer frei ist. für den, der erlöst sein will.