eisiges atmen. bodennah klarheit des letzten schöpfungstages mit den auraflecken der ersten sünde
schuf die welt schuf aber auch die gegenwelt ufer und ferne spiegelung auf dem gespannten draht des horizonts
fallwinde. wundfalle stürzen zu lassen. himmlisches. in die stimme flügellose engel. bis einer spricht: deine augen. mein brunnen der durstigen seele. kein ende
[Sonett, 64,28% | reine Hoffnung | Neigung der Waage]
die Szenen des Abschieds sind gut dokumentiert
die Gärten erwarten den Frühling, den Fröhling, der dort spaziert und seine Gedanken an gestern verliert sie warten auf die frisch Verliebten, auf die zärtlich Ungeübten, die auf ihren Schatten liegen, mit Krokuslippen und Augen von Tausendschön, die Sanftes sich flüstern, ohne zu lügen z.B.: wir werden uns morgen wiedersehn
dein blick hängt schlaff über reglosem wasser weidenlaub schlafend über den sternen im see versunken. wie steine
dein blick hängt schaukelnde anker verwaister boote verwester träume gewölle immer deine frage: wer geht mit mir — fort
fern — dein himmel. der schlingengrund der schlangen häute. und netze aus silbernem garn wunder des spiegels, über den jeder zweifler laufen kann wie jeder fromme über die klamm wenn dort sein blick hängt
Knospen. zahllose. leise schaukelnde Zweige über den Gräbern.
endlos. die Ermüdungen. der Tag der weißen Blüte brach an, des Lichtes, das in die Boote fiel. die Zeit rutschte die Dünen hinab. die Schatten wandern nicht mehr.
das Leben [nicht zu] einfach machen nicht zu im Klang von Wind und Regen
am Rand des Steges sitzt das Kind und zählt die Fische und gibt den Sternen Namen wenn es sich schlafen legt
es kennt nicht die Furcht vor dem Staube und sieht sich hissen die Segel einsamer Boote zuzusteuern dem Ferneren der mütterlichen Liebe Fesseln zu entkommen und eines Tages aus den Augen sich den Sand zu waschen nach langer Wanderschaft
heilend nun dem Tode zugewandt wenn mancher Liebe Schmerz durchschritten wenn eines Lebens Hoffnung die gegangnen Wege säumt und wenn es endlich von der Stille in den Wunden, in den Wundern träumt
in narrow places. among the angels. they find room everywhere. waiting for you to move on. and ascend. once again to higher planes. far away from the lost shores. where the remains of the wall are no longer visible under the grass. remembrance. weary clouds. that will no longer discharge. the footsteps of the escaped. through the sleep of the earth. wasteland. devoid of desire. sacred crystalline toneless infinite field of lilies. the moderation of transience. not to squander eternity. the slender dream. the dew of memory. the deaf tongue of the pilgrim. the blind gardener’s glued eyes. because he is prohibited from speaking about what he has nourished. for a life too long.
die Sehnsucht schießt ins Kraut in diesen grauen Tagen. wie Frühlingswiesen. die Luft möchte tauen mit den Kinderstimmen. auf einem schlafenden Meer. das nichts von seiner Tiefe weiß. und der Sand seiner Küsten wie die Stirn, hinter der das Vergessene lauert. darüber Felsen, an denen der Himmel zerbrach.
aus allen Schloten steigt der Irrtum. und mischt sich mit dem Atmen der Engel. die ihre Stimmen wund gesungen haben.
frei. in jedem Augenblick. still. aber nicht klanglos. in der Klarheit der Erinnerungslosen. das schlafende Leben in allen Dingen. ungetrennt vom Traum. ununterbrochen in der Idee des Anfangs. im Glauben, dass alles geschehen kann. auch das Gegenteil.
keine Furcht. keine Helden. keine Opfer. und wenn das Licht sich dreht, geht es weiter in aller Ruhe. am schönen Wasser entlang. und es entsteht eine Lust. hinüberzulaufen. und eine Gewissheit, dass dies gelingen kann. ohne nasse Füße zu bekommen.
der Rand ist die Mitte. so hat sie überall Platz. da ist viel von dem, was etwas sein kann. und viele sind da, die jemanden zu sich rufen. der Tod teilt sich mit. und das Leben breitet sich aus. ein erster Klang fällt durch die Leere der frühen Luft. und will sich nicht aufhalten in seiner Einsamkeit. weitere Klänge werden ihm folgen. und das Nichts in die Farbigkeit der Dämmerungen heben. im Moment des Verhallens. wenn der Zeit nicht mehr zu entkommen ist.
[durch Mark und Bein. die Kälte. Hütte nahe des Flusses. Orte, an denen das neue Jahr erst im Frühling… Wegesränder. wissen um das Verschwundene. was fort ist. was da war. was nicht bleiben konnte. weil sich das Dunkel breitete. auf den Wassern… Farben der Stimmen. zwischen Weiß und Dämmerung. bronzen. Hügel ohne Namen. im Trost des Morgennebels… erwarte nichts, wenn du ans Ufer trittst]
zeig mir ein Schönes das Atmen einer Schneenacht zur Mondzeit. den schlafenden See sing mir ein And’res wenn sich der Klang des Windes verliert
nicht einsam verenden nicht einsam an den Enden haften was warf die Wolke herab nicht die Netze um in die Zeit zurückzuspringen nicht den Staub ferner Träume den sich ein Engel von seinen Flügeln schlug
wir könnten lieben. die Zeit. wir könnten sie uns schenken. wir könnten sie uns einschenken. wie feinsten, grasduftenden Tee. wie etwas, das uns bleibt, weil es mit uns verging. wir könnten es lieben. mehr als alles andere. wir könnten uns lieben. und wären einander die Einzigen. wir schenkten uns einen Augenblick, der auf uns gewartet hatte. mehr als ein einsames Leben lang. wir führen nicht fort, bevor wir nicht einmal ausgestiegen wären, um für eine Stunde zusammen am Ufer gesessen zu haben. und nichts zu sagen. und alles zu denken. wir könnten lieben. was wir sehen. wir könnten teilen. den einsamen Wunsch. hier schon früher einmal gesessen haben zu wollen. hier noch länger sitzen zu dürfen, als es die Zeit erlaubt. und wenn wir auch zeitig fort müssten, könnten wir lieben. den Ort. den wir nicht mehr verlassen. weil es der Ort war, an dem wir uns nicht mehr verließen.