Ich erinnere mich an den Tag, als wir die Entenküken retteten. Ich frage mich, ob es einen Tag gab, an dem ich dich hätte bitten können zu bleiben. […] Ich weiß immer weniger, wovon ich rede. Was heißt es schon, wenn ich mich an dieses oder jenes zu erinnern glaube? Aber ich kann sehr präzise davon sprechen, was ich versäumt habe und was ich mir wünschte. […] Ich habe wenig erlebt. Ich habe viel miterlebt. Ich kannte zahlreiche Namen. Ich entsinne mich ihrer kaum. […] Ich hätte gerne eine Mutter, die alles weiß und die nicht stirbt vor ihren Kindern, weil sie die Einzige ist, die sie nicht vergessen wird. […] Aber vielleicht habe ich auch Angst davor, dass ihr immer lächelnder Mund größer und größer wird, je länger sie lächelt, und dass ihre kleinen Mädchenzähne zu Stoßhauern wachsen. Doch falls ich Glück habe, wird sie mit zunehmendem Alter immer kleiner und sanfter und ist am Ende wie ein Püppchen. Nur, dass ich nicht möchte, dass sie überhaupt endet, ohne zu wissen, wie wir enden. Ich wünsche mir, dass wir uns Klopfzeichen geben, solche für die Not und andere für die Freude. Ich wünsche mir, in ihrem Kopf eine Kerze anzünden zu können, wenn es dunkel wird und damit sie keine Angst hat, wenn sie durch die Nacht irrt und ihren Schlüssel sucht, und dass sie, wenn sie ihn gefunden hat, ihr Haus nicht suchen muss, sondern davor steht und weiß, wer sie begrüßen wird.
welchen Sinn soll es haben. das Feuer zu stehlen. sie werfen es den Fliehenden in die Hacken…
wir können uns nicht um alles kümmern. wir sind die Anständigen. nicht die Zuständigen. unsere Sprache ist nicht die der Seele. sondern die der verrichtenden Glieder unserer Existenz. wir sind die glücklich Beschränkten. wir schränken die Hoffnung ein. denn zu viel Hoffnung ist ein Mangel an Erfüllung. und wir haben ja unsere Vorgaben für die Abgaben. für die wir uns gerne verausgaben. unser Denken entfaltet sich gemäß einer sauber gefalteten Ordnung. damit es nicht die Richtung seiner Zwecke verliert. denn es genügt uns, geradeaus zu gehen. so wie die Linien der Wege gezogen sind. weil auf den geraden Straßen niemand lenken muss. weil da niemand abgelenkt sein muss. damit wir niemandem die Gelenke brechen müssen. wenn er woanders hin wollte. wo es ihm nicht erlaubt wäre zu sein. auf dass ihm genehm ist das Genehmigte…
niemand muss hier erst noch erwachen. alle, die hier leben dürfen, wurden schon aus den Betten gescheucht, bevor es dämmerte. damit es ihnen, den Verdammten, nicht dämmert, vor den brüchigen Dämmen…
ganz enorm ist die Norm. dass wir mit den kürzesten Beinen die längsten Schritte machen. uns reicht der Fortschritt. auch wenn wir nicht fortkommen. denn der Fortschritt ist eine Vorschrift. die uns verschrieben ist. der wir uns verschrieben haben. aus der wir nicht fortschreiten. aus der sich die Seele nicht fort schreit. und nur um ihretwillen gehen wir nicht hinaus. denn sie soll drinnen bleiben. von wo sie nicht raus kann. selbst wenn sie dorthin will. mit uns…
die allerschönste Weisheit [du warst sehr nahe] die Rufe zwischen den Steinen. alle Dinge geschaffen [habe nicht alles geschafft] er muss einfach alles lieben [offenbart im Verborgenen] woraus wir entstanden. worin wir versanken. wovor wir uns hüten. ängstigen. beugen. setzen. neigen [Gedanken. fliegende. die Kraniche fort. mit ihnen. für dieses Jahr] er tat uns kund. wir taten wie Kunden. die auf die Bewirtung warten [klettere die Leiter hoch. durch den Himmel. ins Luftlose. Klanglose] leicht knickende Rohre. an denen wie Äffchen empor… aber von oben saugt jemand die Erde auf. wie durch einen Strohhalm [Finger wie glimmende Dochte. an der Haut der Luftballons] unser täglich Stoß gib uns morgen [und die Augen aus Löschpapier] wer weiß schon. ob er uns hört [bleib‘ fern. für den Glauben an dich. dort. für unsere Hoffnung. hier] wir müssen uns beeilen. die Zukunft beginnt jeden Augenblick [der echte Raum. falls man gelebt hat. Zeit] in den Zellen. das Leben [beginne zu wohnen. habe die Fenster verhängt. vor dem Verhängnis. liege aufgebrochen. unter den Sternen. muss unterbrechen. den Aufbruch. durchbrechen. das Angebrochene. weiß Rat. in der Dunkelheit. ein Rad zu bewegen. aus dem Unermesslichen fort. ins Angebrachte] in den Gewölben der Stimme. auf den Pfaden. die sich wölben vom Wunsch durch die Trauer in die Gegenwart(e) des Vergangenen [rührst dich nicht. dort. wo du hin wolltest. wo es ihn gab. nur für dich. allein. den einen Moment] allein… weh… ganz allein [mich erwartet. zur anderen Zeit] halte dir einen Platz frei. für die nächste Stunde. die letzte. immer
man wird viel suchen. und tief hinabschauen. man will den Menschen nicht zu ungleich sein. man will es ihnen dennoch nicht zu gleich tun. man kleidet sich freundlich. und möchte an sie erinnern. die Ungekannten. man weiß sehr genau, wovon man mit Freuden singen muss. man weiß noch besser, wie klein der Teil aller Versprechungen, die man nicht uneingelöst lässt, sein muss, wenn man den Geist weit hinausgesandt hat und die Hände, so fest sie eben angewachsen sind, nicht folgen wollen. man spürt, was sich in einem erhoben hat und dass die Füße weit unten stehen und gehen müssen. und fängt eines herbstlichen Tages an, die Wege nur noch zu denken. als seien sie Ufer von Wolkeninseln und tauchten kurz auf mit jedem Traum und schwanden sehr rasch mit jedem Schlaf. bis man erkannt hat, dass nicht mehr Ruhe entsteht, nur weil es immer stiller wird um einen herum. und wieviel ein Licht ist im einsamen Winkel. groß ist das Schweigen, dass die Wünsche nicht verdrängen kann. lang scheint das Ausatmen aller Zeit. des Ungelebten. und ist doch kurz wie der Pfad durch den Flecken Hintergarten bis zur Küchentür. man sucht etwas für den langen Atem, den die Ewigkeit vorausschickt. etwas, das noch zu Lebzeiten einen Ausgang fand. etwas, das zumindest versucht wurde und nicht verschwunden ist, nur weil der Versuch scheiterte. etwas, das sich selbst trägt, wenn der Träger es hat fallen lassen. etwas, das den Träger trägt, wenn er fiel. etwas, das ihn erträglich macht, wenn er träge über den Leinen seiner Jahre hängt und die Augen sind wie der Halbmond, der sich zur Sichel verkleinert. jede Nacht.
[erinnere dich. wo die Fenster waren. vergesse nicht. was die Mauern verhüllten. wer schon alles hier war. und vorbeiging am Verschlossenen. wer nicht bleiben konnte. und verloren ging in den Landschaften des Winters]
es gibt noch andere, die sich befragen ließen. nach ihrem Gedächtnis. sie könnten interessanter sein. vielleicht sogar schöner. man muss ihrer habhaft werden. man muss sie sich anverwandeln. und baut mit ihren Städten den eigenen Himmel. aber man will die eigene Natur nicht schlicht wiederholen. man holt sie nicht mehr ein. die Taue. man holt nicht mehr aus. im Traum. aus Angst, man könnte sich davon nicht mehr erholen. oder dass man sich ihn holt. den Tod.
die Stimme muss noch warm sein. die Sprache bleibt kalt. sie ist dem Schmerz überlegen. in ihrem Dunkel trifft das schon Beendete auf das noch nicht Begonnene. wir merken es in dem Moment, in dem ein Stein ins Wasser fällt und wir den Kreisen der Wellen zuschauen. und nicht genau sagen können, ob sie auf uns zurollen oder sich entfernen.
[wollte dir gehören wollte deine Schöpfung sein Nebel auf dem See Irrlicht. darin gefangen warte. dass dein Tag anbricht]
man denkt sich so etwas nicht aus. man hatte davon keine Vorstellung. sie waren geflohen. man konnte nicht mehr ermitteln, ob voreinander oder vor sich selbst. die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, sind vielleicht nie abgeschlossen. man hegt den Verdacht, dass sie sich auf die Suche nach dem Verlorenen begaben, von dem man sich so viel erzählt hatte. man sah etwas aufblitzen über dem Horizont, als sei ein Stern ins Meer gestürzt. etwas heulte auf zwischen den Wolken. seitdem ist das Wasser reglos wie ein Spiegel, der sich statt nach Bildern und Widerbildern nach Hall und Widerhall sehnt. seither ist alles verdreht. alles verworren. man arbeitet bis zur Erschöpfung an der Lösung der Knoten. man weiß nicht, was gefunden wird. man ist sich nicht sicher, ob ein Befund überhaupt von Belang sein wird. man wird schon sehen. man hat schon größeren Unfug geglaubt.
[er ging ohne Ton zur Blendung eisiger Stille. immer. ist Dunkel. auf seiner Seite das Licht. verhallt. Lied seiner Heimkehr…]
Leere der Fülle. Ekel der Erinnerung. Kind. Seele im Sprung
[werde dich nie verlassen. will mit dir sterben. bleibe immer bei dir. auch ohne dich] vom Rausch blieben nur die Bärte [bin voll leer jetzt. krass abgerauscht. im muffigen Ausatmen eines Luftballons] drehe dich nicht um. rückwärts. heimwärts. langsam die Gänge hinunter. raunende Stimme. lasse dir Zeit. wie die Zeit dich ließ. Ewiger. Einziger. siehst du denn nicht unser beider Schatten? er zeigt uns unser Sterbliches. sie treten es ins Gestein. noch einen halben Abend. noch eine ganze Nacht. dann wird mich dein schlafloses Träumen verewigt haben. dann sind wir frei von Vergangenheit. und von Zukunft. dann schauen wir einander in die Augen und erkennen in ihnen die endlosen Kreise der Sterne um unsere verlorenen Nächte. und aus diesem Augen-Schein wächst uns die Winde der Ewigkeit.
[wohin fallen wir oder steigt die Welt um uns Schlinge der Arme lassen nie voneinander und nie von unserer Furcht]
XXXIX
wo bist du dann wenn die Rückkehr nicht mehr gelingt
wolltest du nichts beginnen aus Angst vor dem Ende?
jede Entfernung schien dir sicherer um dem Schmerz der Begegnung auszuweichen
[…]
meine Hand streckte ich durch das Licht des Morgens
ich versuchte solange den Atem anzuhalten bis mich dein Finger berührte
du solltest mir nicht verlorengehen weder in der Fülle des Fremden noch in der Entbehrung des Eigenen
weil ich glaubte du würdest mir folgen ging ich hinaus
allem Abschied voran
dabei hatte es den Anschein als folgte ich dir
ich lernte schnell in meiner Hoffnung zu überwintern
reglos lag ich wie ein Findling auf unbestelltem Felde
nein du solltest mir nicht gehen um mir nicht zu vergehen unter der zeitlichen Neige
ein Augenblick genügte zahllos zu sein in meinem Erinnern
um zu wissen dass der Tod längst begonnen hat
XL
ich will mich freuen ich durfte den Garten wässern die Ewigkeit wird ohne Durst sein
ich will mich freuen wenn ich das Ufer erreicht habe das schon so lange auf mich wartete
andere werden sich mit mir freuen und meine Stimme wird nicht mehr einsam sein
er kann sich nicht mehr zurückhalten er fließt dir nach durch jede Dürre selbst noch die Stufen hinauf
Hauch der den Klang sucht und für den Klang eine Wohnung
und für sich selbst einen Namen der in ihn zurückfließen kann die Wege über die Flüsse hinweg
[…]
der zurückkehrt an einem Morgen wenn der leise Schlaf sich aufzulösen beginnt
wenn es der Wartende selbst noch nicht weiß auf dem einsamen Lager verlassener Inseln
und wenn er erwacht ist und die Stille um ihn herum kann ja nur Frühling sein ganz gleich zu welcher Jahreszeit aufgebrochen sein wird sein Herz
wie die nackte schwarze Erde von Pflug und Egge dass Platz hat ihr Durst
XIII
du kennst mich noch nicht du hast mich noch nicht erkannt du bist noch nicht herausgetreten aus deiner Wunde du kamst noch nicht zur Erde herab um an einem anderen Ort und in deiner Liebe rastlos zu sein
hier kannst du dich zum Geschenk machen und musst nicht mehr einsam deine Gaben zählen
hier gibst du Schutz und könntest selber Frieden finden und Freuden die nicht tot durch dein Fleisch kriechen sondern noch im Abschied das schaffende Licht des Geistes im Gewebe deines Namens halten
und es ist ja nicht bedeutend woher du kommen wirst sondern dass es eine Ankunft gibt für den Wandernden dass du nicht fällst wie aus allen Wolken sondern aus einem Haus ins Freie hinaustrittst und dass du nicht wenn die Nacht begonnen hat in ausgestorbenen Wäldern stehst
was soll dir bleiben was soll von dir bleiben wenn Norden ist über- und überall und Winter die eine nicht mehr veränderliche Zeit
du hast auf Regen gewartet das Licht wanderte durch deine Augen in die Tropfen
lass uns Liebende sein so lange es niemand sieht
wir gehen die Pfade der Wurzeln zwischen den Gräbern
mir wurde die Zeit sehr lang ich hatte mich völlig verheddert im Geflecht des Ungesagten
…
du hast gerufen ich ging…
V
anders leuchteten die Wolken an jenem letzten Abend
deine Haut spiegelte die stille Ferne einer freien und fremden nächtigen Landschaft
bevor du einschliefst legtest du deine Hand auf die seine der schon wanderte durch die Räume der Wiederkehr
Einer wird warten ein Anderer ankommen wenn die Falter noch an den Zweigen kleben
vom Sommerregen die letzten Tropfen auf dem Laub der Hortensiensträucher mild duftende Zeit vor der Sorge
vor der Träne die nur noch ein eisiger Wind aus dem Auge zog weggewischt mit dem Rücken der Hand
das Gedächtnis wird rissig wie vergilbtes Papier
und unter allen Gedanken wird mürbe die Sehnsucht
[…]
es kommen keine Briefe mehr grünlich färbt sich die Dämmerung
grasende Kühe im glücklichen Fraß und ein badender Mond in ihrer Tränke
VII
um die Schmerzen zu lindern um den Moment nicht zu versäumen in dem er an die Tür klopft
aber es wird nicht nötig sein sich die alten Geschichten zu erzählen
wir werden ganz still vor den Wänden sitzen und nicht mehr sehen das Vergangene
hier nur soll die Wahrheit sein nicht dort
wo man sich verliert im Gehörten und in den Vermutungen
[niemand wusste mehr was man hätte wollen können was man hätte tun sollen jedem war nur eine Hand geblieben und ein Fuß ein Auge und ein Ohr aber zwei halbe Menschen ergaben noch keinen ganzen]
wohin also zurückkehren?
die Häuser sind abgebrannt die Inseln hat das Meer geholt
[ich will nicht mehr sprechen ich kann nichts mehr sagen ich will mein Verlangen nicht kennen ich will nicht noch einmal beginnen ich will hier bleiben dass mein Leben ohne Rückkehr ist]
Heimat und Trauer sind verloren
[wer warf sich ans Ufer getragen über das Ende hinaus man hat ihn nicht kommen sehen er sagte uns nichts er musste still bleiben wie das Gras wenn er nicht wieder weg sein wollte wenn nicht von Schmerzen gesprochen wird gibt es sie nicht die Fragen müssten sich erledigt haben die Betten sollen einsam sein jedes Elend muss sich selbst genügen…]
er wird den helleren Tag schon noch sehen und den Rest des Traumes im Moment des Erwachens
warum hat er sich anschwemmen lassen?
bald wird auch für ihn alles fort sein und kein Verhängnis wird mehr hängenbleiben er wird nicht mehr wissen wie er ausgesehen hat und wird vergessen haben an wen er so oft dachte
[du kannst die Liebe nicht erklären wie alles Unverdiente leg‘ dich zum Traum dort nieder wo dein Bett bereitet ist lass das Wasser von den Felsen stürzen hinab zu den Wüsten wo es versickern mag vergesse die schrecklichen Jahre der Suche]
IX
warten… die zartesten Dinge finden ihren Ort
[…]
des Meeres Tiefe nicht enthüllte Geheimnisse Mitte der Seele
[…]
sahst Du die Schiffbrüchigen? sinkende Steine im schwarzen Wasser Rinde der Leiber rostig und ihre letzte Sekunde im gefrorenen Auge
[…]
male doch andere Gesichter und Runen des Lebens in die Falten um ihre Münder als blühte etwas inmitten der väterlichen Kälte oder als wüchse Moos auf blankem Fels
mache es gut bis dann bis wann
verlorene Stimme wenn deine Sprache sich vollendet hat
Geräusch des Regens auf dem Fenstersims Staub einer Trauer unsagbar in den Straßen
[…]
und der Rand der Welt da in deiner Wohnung einsam
diesseits der Mauern alles was seinen Anfang sucht
wo jeder Abend die Fernen einatmet
wo gerufen werden die Namen der Kinder ungeboren
[…]
aber wie nebel- und regenverhangen der Tag auf deinen Gedanken auch lasten mag: die Stunde kommt in der du dich in den Frühling hinausgehen siehst und das durch deine dunklen Augen gebrochene Licht zeichnet die schattigen Landschaften in denen du stehest wolltest am Ausgang zur Zeit
X
alles wird allmählich kleiner durch die Spalten des Vergessens ins Ferne wuchernde Triebe zu Ästen dem Ewigen zugestreckt
du gehst durch die Fremde und fragst nicht mehr nach dem Weg und erwartest nicht mehr dass jemand wartet
noch bist du müde nach zu langem Schlaf reibst dir die Träume aus deinen Augen wirfst sie in den Nebel der von den Flüssen aufsteigt
[Sie halten bitte noch eine Nacht durch Sie sagen bitte ihren Namen nicht […] und reservieren Sie uns doch bitte für morgen einen Tisch beim Chinesen]
die Schlafenden sind nicht mehr hungrig wenn ihre Seelen verzehrt wurden
die Wachenden haben ihre Köpfe verloren wenn sie ihr Schweigen nicht brachen
die Müden trugen dunkle Mäntel schwer vom Regen und sollten in ihnen über die Schluchten fliegen
[…]
was aber am Morgen danach wer geht zum Brunnen und hält der Seele sofern sie ihren Namen offenbarte die Schale Wasser in offenen Händen unter die Lippen
diese Schmerzen sind wie jene und das Auge geht in eine bleibende Richtung woher das Licht kommen soll
wenn aus uns der Wald herausgeirrt ist und die Schatten der Buchen auf unserer neuen Haut verblassen
hörst du sie auch flüstern er wird wiederkommen er wird sehr reizend sein er wird seinen Namen sagen er wird singen mit grasduftender Stimme
und was wird er dir sagen von den Geheimnissen der Heimat die bei den Müttern sind die ihre Küsse fallen ließen von den leeren Fenstern und in die Gärten wo sich unsere Kindheiten verloren
du wirst erkennen dass er zu dir kam weil bei dir alles Erinnern blieb weil bei dir wunderschön sein werden die Abschiede
zum Ende hin muss die Stille nicht mehr erzwungen werden. man muss nicht mehr warten, bis der Schnee fällt. man kennt seinen Ort, als ob man selbst das Ziehende ist, das aufs Meer hinausblickt. man weiß sehr genau, was man dem einen fernen Menschen noch sagen würde. und sonst keinem. man hofft, dass er versteht den Sang der Amsel. an einem künftigen Frühlingsmorgen […] was ist denn die Seele anderes, als das stille Land zwischen den Küsten, über das hinwegziehen die Kraniche, mit allen Sehnsüchten fort und heimwärts in unserem grauen Gefieder, darin sich die Zeit angesammelt, die schon verging.
spreche jetzt bitte nicht von Ferne. lasse jetzt bitte diesen einen Moment im Innenhalt. im Gestrüpp auf verwitterten Mauern. für die Knospen eines künftigen Glückes. […] war noch einmal eingeschlafen. als draußen Regenschauer… als draußen rauschender Wald… nahe der Küste. aber in der Schilfharfe saßen noch die Stare. wie halbe Noten. im noch stillen Gewitter des Klanges, wenn es noch sucht nach seinen Stimmen. Und ungeduldig wartend eine jede, auf den Finger, der ihre Saite zupfen wird, damit sie endlich abgeben können, in einem Wimpernschlag, diesen einen einsamen Ton, den sie eingeatmet haben, ihr ganzen Leben.
[…]
die einsamsten Vögel. werden am schönsten singen. ihre fernen Triller rauschen silbrig durch das Erstarrte der unbetretenen Gärten, in denen die Zeit wartet auf ihren Anfang. ein wunderliches Lied. es handelt davon, wie ein Geborener zum Lebenden wird. durch die Liebe. im Schmerz der Erkenntnis. und selbst sich fragend, warum er so lange tot war.
[…]
die Dolen stürzen herab. von schneebedeckten Gipfeln. wie schwarze Pfeile rammen sie ihre Schnäbel in unser Schauen des Himmels. und an den Ufern werden sie zu Pfählen, zu Wellenbrechern. wo die Möwen ruhen. bis zum nächsten Hunger.
jemand wird erwartet sein Kommen könnte die Ufer zurückbringen und ein Gras wachsen lassen auf den Narben der alten Erde
aber dann wäre die Sehnsucht zu Ende der Abschied würde sie ängstigen die Daheimgebliebenen und ihre Gärten wären aufs Neue ummauert
[…]
gerecht ist die Zeit allen gehört sie
aber der Morgen an dem die Liebenden erwachen ist ihr alleiniger Besitz
[…]
[was wird sie ewig müh‘n] sie fliehen dem Winter
sie suchen einander das Eigene wiederzufinden
sie hören etwas vom anderen Ufer der Zeit
sie sagen nichts wenn sie einander sehen übers Wasser gebeugt
[…]
alle Züge fahren in eine Richtung alle wollen die letzten Brücken erreichen
die Gesichter fliegen vorbei an den Fenstern wie die Jahre
[…]
wo bleibt denn die Dämmerung
wo bleibt mein Dämmern
und eigentlich müsste der Morgen doch ein sehr eigenes ein sehr geheimnisvolles Licht fast wie gebrochen durch etwas Unbekanntes in unser Schweigen schicken
wie ein Gesandtes nach dem man nicht hätte rufen können
sichtbar erst im Nebel auf dem Wasser im dunkleren Brennen in dem die Gestalten verschwanden die da eben noch standen am Saum der Nacht als ob ein Floß sie mit sich nahm als ob im Klang erdacht der eben übers Ufer kam
komm‘ doch her es ist schon spät lass uns nicht böse träumen wir schleichen uns durch den Mauerspalt und atmen ohne Angst auf der anderen Seite des Gartens
[…]
nimm mich mit in den kurzen Frühling
höre das Vöglein am einsamen Ufer Herbste und Winter lang
[…]
sie wissen Bescheid die Ersten verlassen die Häuser
draußen wird es hell
die Körper hungern nach Umarmungen
sie eilen über die Flure die Treppen hinunter rufen sich zu was sie gehört haben wollen
Vieles will man gesehen haben Wunden Geröll schlafende Kinder
[…]
hast du etwas gehört komm‘ wir gehen zu den Feldern gleich geht die Sonne auf komm‘ wir gehen zum Ufer und steigen auf wie Stare aus dem Schilf
[…]
wohin der Klang als wir so weit entfernt
erstickte Klage unter den Wunden des Landes
Spuren der Schnecken als ob sie aus letztem Loch die alten Lieder pfiffen
sie ziehen durchs hohle Holz wie der Wind
[…]
fremd die Toten die aus den Häusern getragen werden
doch jung ist das Jahr und Keinem fällt’s auf
[…]
war müde ging ein Stück entlang am Wiesenrand bis das Vergessene wiederkehrte