komm‘ doch her es ist schon spät lass uns nicht böse träumen wir schleichen uns durch den Mauerspalt und atmen ohne Angst auf der anderen Seite des Gartens
[…]
nimm mich mit in den kurzen Frühling
höre das Vöglein am einsamen Ufer Herbste und Winter lang
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sie wissen Bescheid die Ersten verlassen die Häuser
draußen wird es hell
die Körper hungern nach Umarmungen
sie eilen über die Flure die Treppen hinunter rufen sich zu was sie gehört haben wollen
Vieles will man gesehen haben Wunden Geröll schlafende Kinder
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hast du etwas gehört komm‘ wir gehen zu den Feldern gleich geht die Sonne auf komm‘ wir gehen zum Ufer und steigen auf wie Stare aus dem Schilf
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wohin der Klang als wir so weit entfernt
erstickte Klage unter den Wunden des Landes
Spuren der Schnecken als ob sie aus letztem Loch die alten Lieder pfiffen
sie ziehen durchs hohle Holz wie der Wind
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fremd die Toten die aus den Häusern getragen werden
doch jung ist das Jahr und Keinem fällt’s auf
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war müde ging ein Stück entlang am Wiesenrand bis das Vergessene wiederkehrte
sie wachen und warten fallen in den Klang in die Klang-Fallen
erwarteten nichts kamen aus dem Nichts
[…]
die Augen hätten sich treffen sollen im Vorübergehen die Köpfe hätten sich umdrehen können man hätte Stimmen hören müssen zaghafte Grüße und Fragen nach den Namen
aber was wäre geschehen wenn der falsche Name gerufen worden wäre das falsche Wort gesagt zur falschen Zeit am falschen Ort hinter der Stille wo sie sich nicht mehr hätten treffen können
man lässt sie gerne allein damit sie ihre Gedanken für sich behalten
denn niemand wünscht sich die Überraschung einer bedeutenden Mitteilung
alle haben die Möglichkeit in ihre Spiegel zu flüstern bis ihr Atem Schleier legt und ihr Erinnern Falten über die breiten Gesichter
[…]
das Freundliche bleibt das Befremdliche
also schätzt jeder die großen Bögen und zieht betäubt seine weiteren Kreise sehr höflich die Begegnungen zu vermeiden und heimzukehren ohne Erwartungen
denn das Gewicht des Himmels soll nicht größer sein als die eigene Angst
XXIII
was drehst du am Rad als ob die Zeit ihm gehorchte
[…]
vielleicht gar ist der Tod noch nicht das Ende der Schönheit
vielleicht ja sogar der Anfang oder der Neubeginn eines Verlangens nach ihr
wir setzen uns entschieden für die Verunklarung ein [von weitem sah der Bio-Müllbeutel auf der Straße aus wie eine zur Hälfte ihres Körpers schwanzseitig überfahrene Katze. alles Fleisch war in ihren Kopf gepresst worden. und so blickte sie jetzt wie ein versteinerter Schrecken den kommenden Fahrzeugen entgegen] die Klärwerke fahren ihren Betrieb herunter. ab jetzt einen mittleren Trübegrad des Wassers zu gewährleisten [die Ertrunkenen tasten sich weiter durch ihr Unausgesprochenes. man sagt jetzt aber nicht mehr dem Tastsinn gemäß sondern taktil]
[…]
[kann das nicht. inmitten der Herde. kann nicht darüber sprechen, warum ich als verschollen galt. und über die brennende Schollen-Sehnsucht. habe meine eigene Theorie: immer kurz vor dem Status der Mythoswerdung das Gedächtnis verloren zu haben. und grad so auszusehen, als hätte ich ein überlanges Leben immer nur beinahe geatmet oder wurde unterbrochen, während des Ansetzens zu einem Schritt] sie sagen, vielleicht zu Recht: er ist uns teuer. er ist uns zu teuer geworden. wir waren doch nun lange genug in Sorge. jetzt ist es Zeit für seine Entsorgung.