
anders ist der Fluss | den du verlässt, zurückzukehren | ans selbe Ufer.
Lyrik|Essays|Kritik

anders ist der Fluss | den du verlässt, zurückzukehren | ans selbe Ufer.

sanft diese Tage | Winterregen | schwer der Himmel vom letzten Jahr | kurz wie der Tag mein Schlaf | Traum vom Boot das das Licht trägt | an die trotzigen Ufer der Hoffnung

was stürzt in den Schlaf? | Laub das im Fall zu Stein wird. | – doch lautlos die Nacht – | dein Haus am Rand kahler Felder | wo statt Schnee Asche niederging

dreh dich zur Mauer | wo der Wein rankt und dir sagt | wann wieder Frühling ist

im Kleid des trockenen Laubes | an kahlen Ästen vergessen | und Regen | Tag um Tag
bis zur Heimkehr | unterm Neumond | und abends | die Gedanken an den Aufgang der Sonne
nah die Ufer | doch fern die Boote | und in Sehnsucht wiegendes Schilf | nie sterbende Stimme | des Verlassenen
und ärmlich das Haus | in der Einsamkeit | und herrlich die Zimmer | der vergessenen Träume
und rauher Wind | die Steine glättend | dass sie zarte Wangen bekommen
doch von welcher Verlorenheit | die Wege verweht | als hätten die Gegangenen das Künftige begraben
und weil die Kommenden erwachen müssen | über dem Versunkenen

how old am I? I had to wait a long time for a feverish heart. my life as an emergence of childhood. as a different form of indecision. there, everything is simpler and more confusing at the same time. there, the sound of the unbelievable has its beginning. and yet, there is the place, where no one has to be lost in empty hope. on lonely evenings, the mothers return and stand on the thresholds between restlessness and peace. the eyes must be closed. no longer dreaming. not yet awake. in order to see what is to come. arduous paths that no longer cause fear. Forests through which one can roam loosely, joyfully awaiting the clearings or the hidden lakes. because one is no longer forced to be a grown-up. but because one has begun to grow.

welchen Fels | unter den Füßen
aber die Zweifel sind es | die mich weitertreiben
ich darf nicht vergessen | zu lächeln | sollte mir jemand begegnen
weiß ich doch | wie es endet | in der Erstarrung | und wo die Gassen und Pfade noch enger werden | und warum den Häusern kein Laut mehr entkommt
hier kann ich nicht bleiben | das Dort sucht nach mir | in seiner Einsamkeit
spät | ist immer die Zeit | dem Wartenden
bis die Glocke | nicht mehr zu hören ist

dann. wenn du aufwachst: | Einsamkeit der kahlen Felder. | wie ein Traum. der Tag
then. when you wake up: | solitude of the bare fields. | like a dream. the day

ich stelle mir vor
wie das Licht des ziehenden Mondes
die Kiefern wachsen lässt
die am Abgrund ragen
als bliese ihr Atem die Wolken weiter
und hinter den Horizont…
und wenn du dann heimkommst:
blühende Winden
an den geschlossenen Pforten
einsamer Gärten
und dennoch
wird mit dir
der Morgen ein anderes Gesicht haben
und das Haus wird dir scheinen
als hätte es deinen Besuch erwartet
und wenn der Tag deiner Ankunft sich neigt
und du bist durch die Tür gegangen
wirst du an seinem Ausgang verschlungen sein
wie die untergegangene Sonne

Blumenfeuer. erloschen | von weißen Wänden verschluckt. | ihre Zärtlichkeit jetzt | in den Schatten kahler Zweige | vom Licht des Mondes gemalt