im Traum nur. warst du nicht mehr müde. da tagte es ein ganzes Jahr. und kühler Wind in den Zweigen deiner Wünsche. in die Mitte des Lichts, wo die Stille jeden Klang umschließt, fiel, was du geflüstert haben musst. wie eine Kugel in den Brunnen. da sitzt ein Kind. und singt allein vor sich hin. und hat die Gespenster hinter sich zu Stein verwandelt. ihre Augen wurden zu Flechten. und ihre Tränen zu Straßen, aus der Zeit geflossen.
[…]
was ihnen blieb: Sterne zwischen den Streifen, als ließe der Himmel die Wege fallen der Kranichzüge und der zwischen den Seelen pilgernden Engel. sie gehen gen Norden die Gleise entlang. als ob zurück zu jenen Tagen, als die eigentliche Wahrheit ruhte in der Not einer Lüge.
[…]
in dir wachsen Ideen, wohin es dich zöge, wärst du ein Pilger. die Zeit fährt immer fort. ganz gleich, wo du weilst. oder ob du dich bewegst. du würdest dorthin wandern, wo die Weile eine andere Länge bekäme. und nach einer gewissen Strecke würdest du denken: sie folgt mir. ich gehe ihr voraus. aber dann kämen die Aufenthalte. und sie würden von Mal zu Mal länger. bis dir die Stille sagte: sie lässt sich betrachten. an allem. was vergeht.
[…]
grau mag sein das schon lange Vergangene. fahl die Zukunft. die uns in diesen müden Tagen erzählt wird. doch dass wir uns erkennen am Warten aufeinander. an der Sehnsucht. nach des Anderen Stimme. und keine andere Sprache zu haben scheinen als die gemeinsame. weit. weit voraus. den üblichen Worten und Tönen. viel tiefer noch. dort. wo Augenblick und Erinnerung in eines zusammenfließen. wo der Spiegel, vor dem man steht, den Anderen zeigt, wie er dich anschaut. und nach dem Schlaf noch eine unbestimmte Zeit Haut an Haut, im einigen Atmen zu liegen.
der Töne Grund die ihrer Lieder ledig von Hoffnung wund geriebene Hände das Glück. vergessenes. weiß dich noch in den entferntesten Winkeln. hört es dich atmen reißt sich die Ängste aus dem Schauen der Nächte
II
[Klage des Christophorus]
was habe ich hier verloren? deine Stimme im Schatten, den ich werfe, flüstert: Tod träumend muss ich gegangen sein an ein Ufer ohne Wiederkehr anders zu schlafen. ohne Sehnsucht keiner soll mir folgen. in die dunkle Behausung wo ich nichts erinnere. als die Idee von Gott. die es einmal gab ich nahm dorthin nichts mit und wo ich zuletzt gewesen sein muss, schleifen die Wellen die Spuren fern ist dort die Rede von einem Morgengrauen wo, wenn es regnet, keiner an Tränen denkt ich liege in der Ermattung der Zeit schmerzlos unter den morschen Armen der Mütter das Laub meiner Lieder fiel in die eisigen Hände ferner Monde und meine Finger sind wie zerstoßenes Gestein darin noch ein Gehör in stumpfer Wachheit für den Wind, der kommen mag doch ist ein Trost in der Stille und die Seele noch sehr jung als sie zum Geschenk wurde zur Gabe inmitten einer umfassenden Verwitterung Trümmer der Webstühle Trümmer der Altäre Trümmer der Wangen der Hände der Füße der Wege der Gedanken nicht mehr wachsen wird das Gras und die Knospen haben verkohlte Augen ein Scheitern der Zeit zurücklassend weder Zorn noch Fragen unvorstellbar werden sein Landschaften und hilfreiche Opfer und wartende Boote fallende Sterne und steigende Nebel nicht einmal das Unvorstellbare das Kinder sich erzählen, nachts, in Zelten, wenn die Schatten der Gespenster zwischen den Ästen der Eichen schaukeln aber immer wird eine Brandung durch das erstarrte Schauen gehen und Felsen stehen darin, wie Säulen, die sich zuwerfen möchten das Echo ihrer Klagen dass ohne Trauer ist die Zeit. ohne Hauch. ohne Klang
III
bist du glücklich?
leicht ist der Körper im Traum etwas bewegt sich klopft ans Fenster oder zieht die Schatten ab vom Boden von den Wänden wie Klebebilder die du drehen sollst um sie als Wolken an den Himmel zu heften
oder gefaltete Boote zwischen die Wellenkämme gelegt oder aufgezogen auf Fäden von Licht und Staub
deine Stimme rieselt in die Spalten zwischen Müdigkeit und Kuss
die Hand greift in den Abgrund ein anderes Reifen und Rufen der Zweige über der Brandung ein engerer Raum wo Land und Meer sich streiten als ob um Licht und Schatten
allein geblieben mit allen Gedanken Sterben und Lieben geopferte Zeit und die Frage wofür
aber sind nicht Gebete wie endlose Flure von denen die ungezählten Zimmer abgehen für Schlaf und Wachen und hinter manchen von ihnen die Gärten und Küsten dorthin hinauszutreten wo Irdisches und Himmlisches sich sehr nahe kommen ein Sprung nur über den gefallenen Stamm der Esche ein Schritt nur von der letzten Stunde des alten Jahres zur ersten des neuen ein Griff nur durch das Glas wie durch Quellwasser in den Händen zu halten diesen kurzen Moment bis es die Augen erfrischt und reinigt von den wirren Träumen
dem Heiligen dort am nahesten wo das gebrochene Licht seine Schmerzen am stärksten empfindet
IV
und nie vergessen konntest du jene die dich verließen die ausstiegen aus ihren Seelen und ihr Schauen verstauben ließen
oben hast du gesessen still in deiner Verzweiflung und blicktest über das Land und legtest sein müdes Gesicht in deine wunden Hände
Hirte Du ohne Flöte und Stab Sänger Du ohne Lyra und Echo
fragend immer und immer wieder warum du dich in die Welt schicktest warum sie nicht überlassen dem Feuer und den Winden
und so einsam bei Nacht hinter den Altären und in allen Zeichen der fließenden Zeit
vor allem aber dem eigenen Geist nicht zu entkommen
V
spät erst habe ich zu leben begonnen
fern ist der Garten der Heimat
seine Vögel höre ich singen und schwatzen täglich nach dem Erwachen
mich überflutet die Welt
ein einsames Boot habe ich mir gebaut und auf einen Hügel geschoben der aus der Brandung ragte
über den Liedern wuchs Gras aus dem Hauch der die Wange der Mutter streifte
mein Finger fast wie ein Halm der das erste Licht das über den Horizont kroch berühren möchte
die Gewitter sind fern und die Ufer ohne Rückkehr
einsame Bäume werfen Schatten
und einzelne Wolken als hielten sie sich fest am Himmel
ein Ort für mich mit etwas Platz für letzte Träume
so gut wie vorbei ist das Leben und früh am Morgen blickt es mich an aus dem Winkel des Unversuchten
zwischen den Gräsern der Stein sieht aus wie Brot
in meinen Händen zerstoßene Muscheln
es fehlt nicht mehr viel dann hat sich verzehrt die Zeit
mir fehlt nicht mehr viel außer die besseren Worte des Geliebten im Ohr
durch Ödland. die Heimwege. zur Heimwiege. da hängt der Mond zwischen Wäscheleinen. die Züge rasseln hinter den Häusern. zwei Straßen weiter. und landende Flieger ziehen über den Dächern vorbei. einer nach dem anderen. wie an Schnuren herabgezogen. mit den Schatten uralter Ungeheuer. die durch alle Wohnungen rasen. wie die hilflosen Rufe des Daidalos an den leeren Ufern von Ikaria.
Wechselgesichtige. Nicht Unbeschreibliche. Blicke hinaus. wie die Blicke hinein. doch ging ihnen verloren. Davor. Und Einst. die anderen Namen. unter ihren Füßen versteckt. oder ins Wasser gestoßen. wie lästiger Stein. aber nur. wenn es keiner sieht. und dass sich die Tore nicht öffnen. wenn jemand naht. ist bei ihnen die Zeit ein versickernder Regen. in den harten Furchen dürrer Erde. unerinnerlich.
[…]
du hast die Räume noch nicht durchschritten. in denen sich die Zeit dehnt. dahinter zu finden heimische Küste. Duft von Tang. Sand. Hafer. Kiefern. Heidekraut. stiller Glaube. und leiser Zweifel. Gesichter aus Stein. dahinter das Lächeln zu suchen. ihr Rauhes. ein gänzlich natürlicher, zärtlicher Klang. sie sagen nichts. sie erinnern alles. sie leiden im Verborgenen. sie schauen dir hinterher. wenn du vorübergegangen bist. als ob einer sinkenden Abendsonne nach. sie sind in den späten, wärmeren Farben. im Gedeckten des Herbstes. groß werden ihre Augen in der Rückschau. aber niemand muss ihnen jetzt erscheinen. von weit her. um ihnen zu sagen. woher sie kommen. sie sind alle Vertriebene. Gestrandete. mit zerstoßenen Seelen. und rissigen Händen. du aber kannst schweigen. unter den Schweigenden. mit Krügen voll Wasser gehst du durch die trockenen Gärten ihres stummen Brütens. zu gießen alles Unmögliche. das du dir vorstellen kannst.
[…]
als dich nichts mehr zurückhielt. herauszutreten. aus der Last des Erinnerns. dich zu erschöpfen. in schweigender Wanderschaft. die Augenblicke zu sammeln. in den Schritten. sorglos die Finger zu legen. in den Staub. der die Wunden schloss.
dunkler. des Pilgers Gesicht. wenn er heimkommt. Schatten des Freundes. der ihm die Hand reichte. und so kostbar das Wenige. das er geben konnte. Welkendes. das sich verwandelt. unter den Sohlen. Anderes spiegelnd. wenn er Wasser holt. und im Brunnen die Augen dessen erkennt, der ihn nicht mehr fand. der Düfte zurückließ. von Gräsern. und Blüten.
du schöpfst mit deinen Händen. so lange. bis der Sand zu Schnee geworden ist. in der Schönheit des Sternjasmin. in der Reinheit des weißen Lotus. rastlos zu sein. solange die Trauer. wortlos. solange die Träume. blühend im matteren Licht. in den Tropfen geschmolzenen Glases. im Herz eines schon brüchigen Gesteins.
wohin gewiesen? solltest du nicht dort sein? wo sie das Licht noch ohne Brechung sehen? doch du siehst die Stimme nur. dessen. der so sprach… Traum vom wachenden Herzen. das alle Zeit hat. zu erzählen. oder zuzuhören. nächtelang… aber heute muss alles gepitcht werden. in max. 33s. und vom Gebell und Getöse sind die Allermeisten eh schon ertaubt… schaue zurück. ohne Rücksicht. sage. was immer du selbst hören musst… du bist nicht in Eile. die Eule bist du. im Tannengeäst. hoch über den Trümmern. doch ist nicht Erinnern die menschlichste Tat? goldene Tropfen Harz auf uralter Borke. Honigperlen in halbvollen Schüsseln Milch. Duft von kaltem Gestein… denke dich als geölter Blitz. Wald zu Wald. Küste zu Küste. sieh dich gebreitet. wie mit geölten Gliedern. nach dem Regen. der den Sand fortspülte. nach so langer Dürre. Waschung der Füße. durch einen Letzten. der bei dir blieb… wenn selbst die Steine rufen: lasst uns rasten! und ihre Poren öffnen. bis aber auch sie sehen. welche Wunden in die Haut der Sonne zu schlagen sind. für das bisschen Licht in den Winterhainen… doch jetzt ist dir ganz gleich, ob du im Wasser stehst. oder im Gras. Hauptsache: knietief. und dein Gehör wird durchströmt vom Klang der Wellen und des Windes. für fernere, dunklere Gesänge. pendelnd zwischen den Inseln. zu denen die Anderen aufbrachen. ohne Abschied zu nehmen… dann plötzlich. dir fielen ein. ganz neue Landschaften. wo das Laub die wunderlichsten Geräusche atmet. blind alle Stimmen. für das göttliche Schicksal. ihr Sterben zu überwinden. zu gehen. die Küste auf und ab. und denken im Traum nicht an geblähte Segel. einzufangen den Mond. und zurückzusenden das Kreischen der Möwen. zu den unermüdlichen Brandungen. und glauben zu lassen. die Daheimgebliebenen. es wären nicht die Schatten der Felsen. sondern ihre Seelen. aus dem Fleisch gezogen. wie goldene Fäden. aus verwittertem Flies. Trugbilder allen. die den Staub auf ihren Augen halten. für Gewölk schlechten Wetters. das sich verzogen haben wird. nach drei bleiernen Tagen… ach. die traurigen Vögel! in den immergrünen Hecken. die ihr Gefieder fraßen. und die täglich wandernden Schatten der Zweige mit ihren Schnäbeln aufzuspießen drohten… du musst hier gewesen sein. Mehltau. auf ihrer grauen Haut. als zögen die Engel Decken über ihre Leiber. und brüllten: JETZT SCHLAFT DOCH ENDLICH! sie hätten ja aber auch einmal das Kleingedruckte lesen können: dass der Tod nur gefeiert wird, wenn er als überwunden gelten darf…
wohin? unendlicher Raum. Seligkeit, beengte. die Insel. atmende Hügel. eigentlich. die aus dem Wasser, aus den Wolken ragen. Lande, entfernte. Schlag des Lichtes. auf die Wellen.
alles ist schön. ohne Schatten. nichts ist da. weniger. je weiter geschaut. brennend Gestein in den Händen. Durchsicht des göttlichen Auges. weil es erblindet. verknotete Schöpfung. dass er sich merkt, wo er sich zuletzt unterbrach. plötzlich. im wirren Nachmittagstraum. wusste er wieder. für eine Milli-Sekunde. wo er geboren wurde. wo es ist. wenn sie sagten. irgendwo.
Gärten. kurz vor der Apfelernte. mildere Luft. nach langen Wintern. Duft der Kräuter. des nassen Grases. Blüten. wie Glöckchen. anzustoßen. von winzigen Zeigefingern. Zeugefingern. zitternden. dass herausfällt ein einzelner Name. und noch einer. und noch einer.
und die Insel. schlafende Buchten. Boote. angefressen. verwettete Fracht. verwitterte. hier könnte man bleiben. gute Winkel. Schätze. vergraben. Jause. die ganze Zeit. die sich selbst vertreibende. aber nicht wissen. was Glück ist. nicht. was wahr. und hinterher. das Gesagte. das Verfolgte. niemals. die Stunde. bevor sie vergangen. vorzeitig. das Vergessene. Fenster. verhangene. zerschlagene Wege. wie Schlangen durch die Gärten. und hinaus. und ihr Fall. kaum zur Kenntnis genommen.
wie drückt sich die Stille aus? ihre Farbigkeit nah an gealterten Blüten. wenn die Abschiede schon eine Weile zurück. wie gekündigtes Leben. weil sich das neue nicht ankündigen möchte. sich aufzugeben. weil keine Aufgabe mehr an den Schaltern des Künftigen. nichts mehr anzunehmen von den zu lange Verschollenen. Wege. als ob davongemachte. unter zu vielen Schritten. Umspiegeltes. bis sich nichts mehr erkennt. die bare Sicht. die Unsicht-Bahre. und hinauszuschauen. falls du jetzt noch etwas sehen willst. unterhalb des Himmels. oberhalb der Landschaft. und falls ihr Flügel wachsen. falls sie sich beflügeln lässt. von den Erzählungen der Wanderer. die sich die Beine ausrissen. und das Gestein ihrer Blicke in die Brandung warfen.
lass dich fangen. die offenen Arme. wenige Stunden. rasch verronnene. spreche jetzt noch nicht aus, was du denkst. welche Blüten noch offen, die ganze Nacht. welche Gärten einsam und duftend, in der Sehnsucht nach Zartem. ja, hast jetzt schon lange gesessen, über den Büchern, die sie dir gaben, um in ihnen zu lesen, von ihm. und deren Seiten man dreht, wenn die Geschichte vom Ende her erzählt werden soll. und plötzlich ist dir, als läsest du laut, und Kinder lägen im Gras, ihr Kinn auf die Arme gestützt, und hörten dir zu und blickten auf deine Lippen, mit Augen wie von Mittagsblumen. sie wurden still über den Worten, als spürten sie einen geheimen Auftrag, ihr Sprechen über die Grenzen der Träume zu bringen, wo es dich Älteren hinzieht, um wieder klein zu sein, fragend, erfindend. ein mit allen Wesen der Zweige und Wurzeln und Gräser verflochtenes Leben, das feinerer Sinne bedarf und seine eigene Dauer hat.
du denkst jetzt aber nicht mehr darüber nach, was er gesucht haben könnte. in der Wanderschaft hat er gewohnt. so wie du im Warten. er hat sich geträumt, solange du in den Untergang deiner Sonne blicktest. sehr innig ist heute euer voneinander entferntes Denken. hin und her gehen die Träume. zwischen eurem Schlaf. zu ganz unterschiedlichen Zeiten. die Frühlinge zogen vorbei an euren Jahren. die Blüten blieben unberührt. und euer Atmen ist immer nah an der Quelle. wie der ruhende Fuß vor dem ersten Schritt. doch jetzt macht sich etwas auf, was die Boote nicht besteigen muss. und leben wird, weil es dem Tod folgte.
du hattest verstanden. jeder für sich. gegen jeden. gegen sich selbst.
an unseren Knochen. hängend. ein seltsam verwandeltes Haar. die kleinen Freuden. die über die Hügel gestiegen. in die Gärten Verpflanztes. Tröstliches. Namen. unter Sprockholz und Seetang. an uns. Auftrag. wie Bienen zu fliegen. ein aus Gras geflochtenes Haus. zu tragen. über Gebirgskämme. über Meere. den Inseln zu. bevor verbrennen die Blüten des Mutterkrauts.
du hattest verstanden. Wirbel des Sandes. Spiegel der Luft. Welt im Honiggestein. Wissen. das den Tod nicht nötig hat.
tauche wieder auf. frage. aber zweifle nicht mehr. fühle keine Sorge. und wenn du schon nicht laufen kannst über das Wasser. so erblicke darin. was es bezeugt.