[kein siebter tag. den ortlosen. kein nächster. nirgends. den dort erstickten]
nach regen. duftet die wüste. alles zeigt sich in umrissen. häuser. bäume. leiber. ohne füllung. ohne fühlung.
auf den stufen hinauf. sitzt ein schatten. der die sonne nicht braucht. und nicht den mond. er ließ seine knochen fahren. und blieb am mythischen ufer. in seiner gänzlichen blöße. in seiner großen entzauberung.
nach regen. duften die mauern. der bahnhöfe und der bäder. duftet der schotter. die asche. der wege. ohne rückkehr.
aber: nein! wir werden nicht duschen. der sand muss das grabtuch unserer seelen bleiben. voller licht sind die tage. licht. das uns die augen schließt.
die stufen hinab. unter den blutigen knien. auf dem nackten stein. fühlte ich meinen gott. wie er zerbrach. sub gratia. unter dem fels einer wolke. unter dem stachel einer frage.
aber: nein! unser zug hat kein ende. er öffnet jegliche himmel. als ein unendliches tunnelgewölbe. als ein nicht endender schrei. klanglos. in der schleppe unserer verbrannten häute.
ante.fon | reich uns. im reich: der co.rek.tour. im: kontra-[be]zirk. durch das: spalier der bekloppten. gegen den kreis. von der zeit gezogen. gegen den uhr-sinn. mit dem un-sinn. die kraft-bryhe. fürs meer-tür.ium. für den dehn-zug. den sternen-um-hang. den mond-um-zug. im: ins.l-fall. die zirk.ul.ära. das pick-nick/er/chen.
ist: keine stimme file.name: ein name wie eine feile. wie ein pfeil der durchs echo schlägt der die löcher schlägt in die wuände der speichelr.orte in die boots.wände. die boot.s.wende der ab.be.ruf.enen der wende.boten
ist: ein zu-stand häng.end auf halber höhe zwischen: löschen. und loggen ein zischen: im hand.stand reiz.ende klänge der reiß.zweck an dem wir uns verschluckten beim pro.toll.koll.or.ieren unserer höfl.ich.keit
ist: die karte die das land und die inseln und alle ufer hinuntergewürgt hat in ihren schlangenhals aus dem es herausdampft: namen. namen. namen
ist: das loch das jede öffnung verstopft die stelle des ab.bruchs während des an.sprungs die ab.wesen.heit eines wider.halls der pfropfen im gehör der brüllenden
mir: nichts und dir: erst recht nichts niemandem. nirgends! ein irgendetwas
??_?? | an.ruf.ung | ant.wort.los | fragen: wie krabbelnde a.meisen
was denn? nur: weiter. wem denn? dem noch. ohne gesicht. schlauch am kehlkopf. riss im lid. schneehand: mit augkiesel. dennoch: schrei.t.ende.das gbedächtnis
ab.er.kannte_auf.wartewärts
ab.er morgen bin ich ein.geschrie.b.en ins nullte semester
in einen an.fang ohne zahl. in einen leer-raum der einenknall gebiert
ins wort das unaussprechlich bleibt ins licht. das sich verweigert
denen die noch schattenhungrig sind die da noch lungern. im: winkel
der hoffnung die wir durch-sogen. die wir durch-sorgen die wir uns durch-sagen. und durch-sargen
das wege.tier. das weh.getier
vorne: sitzt mein stimm.los hinten: wedelt der schweif eines traums links: drückt ein gedanke rechts: bohrt ein schmerz oben: dampft ein gebet unten: stampft ein hunger außen: hört ein echo innen: zerrt eine schuld
ab.ge.stimmt | o.rak.l_glut&glas
ich war die tochter des flüchtigen der mich nicht freikaufen konnte
ich riss mir die klammern aus den lippen ich zog mir die lider von den augen ich brüllte das schweigen in den schlaf der menschheit ich schrie den spalt ins atom
ich zerkaute den speichel der götter und spie ihn den huldigenden ins gesicht
ich trat auf die flügel der tauben bis sie zuckten wie verbrannte nerven
ich stopfte die kinderträume in die öfen die man festlich bekränzte
ich stieß die priester vom altar und riss ihnen das fleisch der worte von den rippen
ich warf die spiegel ins publikum bis seine träume in den scherben wohnten für immer
ich zählte die namen der ertrunkenen bis meine zunge platzte
ich hörte die marschierenden – kein takt nur stampfen, schädel auf schädel
ich sah die flüchtenden – kein ziel nur sand, nur wüste, nur draht
ich riss das protokoll der welt in stücke kein staat. kein gesetz. kein zeugnis.
ich ritzte das wort „ende“ in die stirn der anfangslosen
ich legte mein ohr auf die schienen und hörte den zug kommen: die maschine, die alle stimmen zermalmt die mutter. die schwester. den freund.
ich war die, die nicht verschwieg ich war die, die niemand hörte.
ich schrie, bis meine knochen glas wurden ich schrie, bis die luft verbrannte
schwebe.balken. all.talar. für ein schuldenfreies opfer. ungeteert. im flügellos. skalpierter atem einer amme. im haushalt der verpiassten kindheiten.
war halt ein haus: aus blutungen. gehalten: aus blutleeren walndgeistern. die das gehalt der winde verprassten. die den gehalt der wunde rochen. in den unbeglichenen salden.
dann aber. kommt ein ober. oder ein eber. von unterhalb. halb licht. halb schatten. aber ganz. aber ganz schön schnell. mit eiförmigem rachen. als rahmung unserer sattheit. der serviert uns einen mächtigen hunger. im gebleichten zahnfleisch der vergangenheit.
seht: wie er glänzt. knochen: in sonnenöfen. reinheit: des nlichts. köstlich. unendlichtes: lauernd. gösttlicht. host im ab.senzse. hostie im deut.schlund. sensus anademagogicus.
hallt aus dem buch: buchhalter der ewigkeit. orden: der ordentlichen. ein fass wie: well.nessy. im ausgesoffenen loch. fast wie: eine wellnesskur. im krematorium. nach der: heimholung ihrer hohlen ab.wesen.heiten.
und wenn sie sich. nicht! ernthohlten. so pfeifen sie noch. eine halbierte ewigkeit. aus dem letzten. oder dem ersten. loch.
[ein.trag: tilg.ung]
gesell.schafft im erb.folgen.reich auf werk.s.zu-stand zu-rück.ge.setzt
[rhap.s.ody: im sinus.ton | rest.über.ruhendem.land | rück.blick.end_über.rest]
sturm. letzte nacht. verlassenes leben. dachkammerflimmern. herz eines verendeten tiers. herbstsonne. grausam. in ihrer unerbittlichen schönheit. ihrem langwelligen langweiligen licht. das sich durch die erschöpfung von luft und laub schiebt. jegliche kost wird unbekömmlich. die zunge weigert sich. das brot der tage zu schlucken. die speise der stunden fault im mund. lass ihn sein. o welt. der nicht mehr warten will. auf das ende seiner verlorenheit. nur das land in seiner blinden wehmut. ahnt seinen gang. lässt seinen schmerz. durchs hohe gras wehen. gegen die verkrampften windungen. der im garten verhungerten schlange.
traum eines einsamen gottes. sich selbst zu vergessen. für einen kurzen moment. seines langen wartens. wohin schickte er das gespenst seiner ersten schöpfung? das der träumende nicht zu vertreiben vermag. bild und abbild stehen in einem ständigen widerspruch. dem jedoch nicht widersprochen wird. er trägt seine eigene asche zum ufer. an dem die rufenden auf ein echo warten. müdgewandert ließ er sich fallen. einen halben schritt vom offenbarten entfernt. den sehnenden, die ihm noch bis an den rand des zweifels gefolgt waren, gebot er schlaf und abschied. denn die inzwischen fast verdurstete erde sollte nicht verzweifeln ob ihrer dürren seelen. die schon zu lange versucht hatten, sich aus einem verborgenen zu ernähren. darum musste das schweigen ihre heilige sprache sein. und jede rede musste gehen vom unsagbaren. denn es ist unter allem, was klingen kann, das vom schrei am weitesten entfernte. und zugleich ist es sein unmittelbarer spiegel. das blinde glas. in dessen haut sie sich zurückwerfen. um nicht aus der eigenen fahren zu müssen. und um ihr blutleeres gewebe im roten licht des abends zu baden. der schöpfende aber. kennt den brunnen. in den er den eimer hinablässt. den er gefüllt wieder vom dunkel ans licht ziehen möchte. er wird, ohne zu trinken, nur ins flüssige schauen. eine nacht lang. bis zum anbruch des nächsten tages der frühere schmerz nur noch ein gedanke ist. der anfang einer lust. das leben zu erzählen. ohne es zu beklagen. den leib zu bewohnen. ohne ihn zu geißeln. und die seele dort zu suchen. wo die stimme ob aller kurzatmigkeit verloren ging. und also beim hauch zu beginnen. aus dem heraus sich atmen und schreiten lässt. beim ufer. aus dem – wie gezweig aus dem stamm – die pfade wachsen. die zu den breiteren wegen und straßen führen. an deren rand entlang gegangen werden kann ohne weisung. einfach der eigenen inneren güte nach. die sich den menschen nicht aufdrängt. sondern sich unmerklich als heilender schatten auf ihre zahllosen blendungen legt. und die – am äußersten rand einer wüste stehend – um einer fernen verheißung willen das öde ihrer vertrauten geborgenheit nicht verlassen. denn das bild einer tollkühnen tat. und der ihr folgende tod. wurde ihnen in die augen gestempelt. damit die angst – dieses wirksamste aller betäubungsmittel – sie hält in der lähmung. dabei hatte kein schöpfer jemals verkündet. dass die seele eine schnecke sei. und der körper das gehäuse. in das sie sich verkrieche. nein! schon seit eh und je war sie das verirrte gestirn. das – ob mütterlich oder väterlich – still zur nächtigen seite seines kindlichen planeten herabblickt. und geduldig wartet. bis es dem geist – dem sie hauch sein möchte – einmal so richtig dämmert. und da stand er nun – nicht mehr gott, nicht mehr mensch, nur atem zwischen zwei erkalteten lungen. sein auge, leer wie eine muschel, spiegelte die blicke der hungernden. und wer noch sehen konnte, sah das nichts und nannte es frieden. wir aber, kinder der aufgelösten ordnungen, standen im kreis um das schweigen. ein kreis – kein altar, kein tribunal – nur die letzte form einer gemeinschaft, die noch nicht vergessen hat, zu horchen, wenn niemand mehr spricht.
Vorrede zu einem neuen Zyklus von prosalyrischen Texten
vor der menschheit steht: das ungeheuer einer forderung. sich zu erinnern. das zeugnis wird nicht mehr genug sein. die geschichte wird sich durch ihr fleisch wühlen müssen. sie wird sich als endlosschleife durch ihre träume winden. sie wird den schmerz zurückbringen in ihr taubes gewebe. und die durch ihre träume gewanderten schrecknisse werden sich nicht mehr verschweigen lassen. sie wird bekennen müssen: ich habe gehört. ich habe gesehen. ich habe gewittert. ich habe gewusst. ich kannte die stimmen der flehenden. ich spürte den schlaffen muskel der unterlassung zwischen den schläfen. sie wird sich nicht mehr winden können. aus ihrer eigenen haut. wie die schlange. von der sie sich hat beißen lassen. alle sieben jahre. um ihre kranke sucht. um die vergiftete sehnsucht als notwendigkeit empfinden zu können. um immer wieder und neu behaupten zu können: ich wurde im paradies geboren. ich saß unter dem baum, unter den reifen früchten. ich spüre noch die beule am kopf, vom letzten apfel, der sich fallen ließ. ich blieb auf meiner seite. treu. und arglos. und stehe hier noch immer am richtigen ufer. in der friedlichen stille des siebten tages. während das leben, das sich aus diesen gärten fortmachte, das sich durch die hecken und durch die gesetze schnitt, dieses so genannte leben, diese mühsame zwischenzeit, diese lange weile zwischen geburt und tod, für immer da draußen lungert, da drüben, also dort jedenfalls, wo es sich ortlos und immer anders, immer woanders, durch das zeitliche schleppt. ich sage: ich! weil es keines echos bedarf. das den stolz meiner gewohnheit stört. ich sage: ich! weil ich mich nicht vertauschen und verwechseln lasse, mit jenen, die anders sein wollen, in ihrer albernen uneigenheit. ich sage: ich! weil die nötigen opfer nicht auf meiner seite des zaunes stehen. nein! ich gebe mich nicht auf, wie das unadressierte paket, das auf riesigen postdampfern ziellos über unendliche wasser schippert. ich mache mich jetzt ganz ehrlich. und werde nichts versprechen. und werde mich nicht versprechen. den unsäglichen verheißungen und verheimlichungen. mit diesen schalen abfindungen des gehorsamen lebens. ja! ich schlage ein raues leder des gedächtnisses um die ohren der tauben. nein! ich will kein versprochener mehr sein. keine tat mehr. die dem wort nicht entsprochen hätte. ich trage, ganz unverhohlen, das gespenst, das die hohlheit ausfüllt, das gespenst meiner inwendigen fülle, bei gleichzeitiger äußerer schlankheit, kargheit, das gespenst der lösung, der auflösung. aller widersprüche. und aller bedürfnisse. ich sage: ich! als ergebnis einer zucht. einer selbstzucht. eines kommens im genügsamen hiersein. eines auskommens in der bleibe. eines einkommens, das sich ausgeht, ohne ausgehen zu müssen. so bin ich in mich eingetreten. und trete für mich ein. ohne mich eintreten zu müssen. ohne den zwang der tritte und der bitte. und erst recht: einer niedrigen dankbarkeit. die einem keiner dankt. der „du“ sprach. und „ich“ dachte. um den lohn des unverdienten zu bejammern. und den verdienst der belohnten zu versauern. ich sage: ich! um den namen zu vergessen, den mir eine vergessliche mutter gab, um sich selbst neu benennen zu können. ich sage: ich! weil ich in der ferne ein großes gelächter hörte. weil ich ein lachen spüre, ein kitzeln. nicht hinter mir. nicht vor mir. sondern: in meiner zunge. ich sage: ich! weil mir bis heute abend der mund abfällt. und nichts von mir bleibt als: ein loch im gesicht. ich sage: ich! weil es das einzige wort ist, das sich nicht schreien lässt und dennoch in die ohren der vergrabenen sickert. deren fleisch sich kühlt im schutt der geschichte. ich sage es, bis niemand mehr da ist, der mich verwechselt. außer ich selbst, der ich schon weg bin.
nach einem nicht gesagten du. im spalt. des zerschnittenen ichs
im schatten der mauer. keine antwort. nicht in der mailbox. nicht im licht. nicht in mir.
dein schweigen ist eine landkarte. abgerieben von zu viel blick. die linien – meiner greisen hände – ohne orte. wie wege, die: nie begannen.
der mond stieg über dächer. wie eine frage. er brannte sich ein in die scheibe der tür, die du nicht mehr durchquert hast.
ich warte. nicht auf dich. ich warte auf das aufhören der bewegung deines namens in meinem mund.
eine silbe, ein schatten darin. eine stimme: verödet im gehör. eine umarmung: nicht vollzogen.
im hof: eine birke, die sich gegen das fehlen wehrt. ich schreibe in die rinde der stunden. ich schreie nicht. ich schreite kaum. ich wandle. ich verwandele nicht. und liege auf getretenem gras, in dem das schweigen deines letzten blickes blinde wurzeln schlug.
ich hätte dich halten sollen. nicht: als körper. sondern als abdruck in meinem entwohnten innern.
die welt schlief ein. als alles blühte. es war frühling. als du gingst. als das leben weiterging. als die stille deinen gang angenommen hatte. als ich aufhörte heimzugehen.
du hältst die laute. die ich nicht mehr höre. die scherben. die ich stieß durch meine wange. wie durch mein ungesagtes. dein letztes ewig… ewig…
stimme. des sommers. lege dich ins gras. bevor es vergeht. verliere keinen gedanken. an die zeit. vielleicht fallen tropfen. eines noch ungeliebten lichtes. aus einer früheren wolke. die zerriss. ins geschlossene auge.
hell sind die zimmer. bevor man von morgen sprechen mag. zu hell. vor dem zeitalter jeglicher sprache. und zugleich: diese eine minute. vor dem ersten amselgesang. der ans unbehauste gehör klopft. wie der schmerz gegen die innere haut der frisch verschlossenen wunde.
der traum weiß noch. wo die mitte steht. des gedächtnisses. da ist die zeit ein wegrand. ein spalt. für die ganze landschaft. die fast vergessene. die in kaskaden ins verlorene innen stürzt. ganz so. wie drei stunden später. die menschen verschluckt sein werden. von den vorortzügen.
wälder wachsen. über dem gleisbett. zwischen zwei türen, ein- und ausgang, streckt sich der flur des einen tages. aller tage. diesseits. bleibt unverändert die welt. von drüben aber lehnt ein anderer ton an pforten und wänden. da mag ein schritt sein. der vorangeht. ein ruf. dessen richtung sich dreht.
[szenarium\abwicklung. einer protokollierten rücknahme]
auf.takt | schritte. der hoffenden
die treppe hinab. die starre der gedanken. fremdes. nach seiner heimkehr. nach der abfuhr. des eigenen. vor der abfahrt. der heimgesuchten. frostig in ihrer ruhe. zwischen den umarmungen. der tiefgekühlten schuld. gesunde ferne. von leidenschaften. von überschreitungen. von entschlüssen. vereinigungen setzen einigkeit voraus. geringe erwartungen. fleißbereitschaft. flussakzeptanz. floßwillen. ein offenes archiv. der furchtbarsten momente. der unvergesslichen träume. der worteverdunkelung. der lauteverdumpfung. der wünscheverdampfung. der segensverstopfung. für all jene, deren stopfherzen die sauerstoffe nicht behagten. die süßstoffe nicht genügten. denen bitter wurden: die nachgereichten kaltschalen mit den süßholzraspeln.
was alles daraus entstehen kann. wenn einmal damit angefangen wurde. klageverzicht. verbot der selbst-gespräche. laken über die geblendeten. aus-blende der berichte. der berechtigten. in den kühlkammern der entfruchtung. der entfeuchtung. der trockengelegten. die noch gerade aus dem sumpf gezogen werden konnten. denen die irrsinnigen zustände noch zeitig genug aus dem juckenden fell geklopft werden konnten. denen nichts mehr zugestanden werden muss. die zugestellt werden. zu den abgedeckten. abgelegten. in die falten der sorge. in die fächer der entsorgung. mit sorgfalt.
was eingetragen wurde. es loszulassen. das los | eine.ge\h\samt.heit.in ihrer reichen zahl. in der reichen einsamkeit | in der sicher. in blei. versenkten registratur
individuum befindet sich seit 74 stunden im zustand der unaufgeforderten stilllegung. keine rückkopplung. keine antwortimpulse. minimale bewegung. vermutete ursache: fehlauswertung eines näheerlebnisses in verbindung mit chronifizierter bedeutungslosigkeit. protokollierte auffälligkeiten: reduzierte atmung (lautlos). blickrichtung: innen. kreislauf: stabil, aber enthoben. emotion: nicht mehr nachweisbar. erinnerung: fragmentarisch, ohne narrativen anker. sprache: nur intern, ohne kommunikationsabsicht. verortung: unterhalb der sprechschwelle. zustand: nicht erreichbar, aber auch nicht vermisst.
letzter beobachtbarer satz (gemurmelt): ich war nicht traurig. ich war nur zu hören. und das war zu viel. kein handlungsbedarf.
kein rücklauf zu erwarten. versenkung formal abgeschlossen. warten auf anstoß. auf windstoß.
zwischen. spiel | pausen. brot
war hier einer stimme? stimmt was nicht? trat hier einer ein? der noch nicht getreten wurde?
[einzelner schrei: genießt euren kurztrip | autokorrektur: kurzzeitpflege | mehr raum darf die zeit nicht einnehmen | die entpflegten. die keine anstalten machen. in den anstalten. der fremdkorrekturen]
haben sie schon die gefäße der hoffnung sterilisiert? halten sie bitte die lösung bereit! für die auflösung. die lichtdrähte. für die entstörung. die bleitupfer. gegen die trostwunden.
löte. der echos | halte.stelle | eines verödeten atems | end\r\einigung. end\r\einheit. der geräuschlosen | notat einer unnötigen not
eine falte hebt sich. im laken. ein ton. ein schatten. keine quelle. :— / — : / :— staub der inventarnummer. flatternde etiketten. fähnchen vergessenen laubes. ungesehen.
anhang.fehlersignal | nicht vorgesehen. prophetie.an.taube
zeitstempel: +00:00:00. nach erfolgter grablege quelle: unidentifizierbar. signalstatus: abweichung | echo > erlaubter rahmen. meldung: nicht abfangbar. kennung: prophet*in.transit.7
[steg. fall | was das wasser verschlang]
siehst du mich. durch den stoff? ich bin nicht gekommen, um dich zu retten. nur, um das wort zu legen an die stelle, die nie gesprochen wurde.
du wirst einmal an einer stelle stehen, die nicht eingezeichnet ist. ein licht wird dort sein. nicht groß. aber ohne schatten. und niemand wird wissen, dass du es warst, der dort wartete.
hilfe: wurde bereits angefordert. zuständigkeit: nicht vergeben. bewertungseinheit: defekt. dank an das echo. es zeigt: auch stille kann lauter sein als ruf.
Co-Kommentar einer anonym bleibenden apl.Professorin für „Kultur und Gedöns“ an einer privaten Fachhochschule für Law and Economics
Sehr geehrte*r Kommentator*in,
der Umstand, dass Sie einen Notruf an ein poetisches Artefakt richten, spricht entweder für eine bedenkenswerte Verzweiflung oder für eine bemerkenswerte Fehladressierung. In beiden Fällen empfehle ich: Lesen Sie weiter – oder lassen Sie es bleiben. Literatur ist kein Lieferdienst.
Mit den besten Grüßen, auch an Ihre Geschmacksinstanz