ich träume

Finger | aus Tannenzapfen | aus den Wunden gelöste Fäden

der Mond wie das steinerne Auge des blinden Gottes | an schwarzen Tauen gehalten | hinuntergelassen ins Meer der Welt | wenn die Sonne sich erschöpft hat 

Trauben | in der Kelter vergessen | überstanden den Winter

fremde Klänge | aufbrechend ein fernes Gedächtnis | und die Vergangenheit wie ein Wunder | und der Tod als eine Vollendung des kaum erinnerlichen Schicksals

mit Flügeln | ein Hirte schwebend | über stillen Weiden

bevor der Morgen graut | Wolke | die den Winden widersteht

Waka 30 [Variation | Intermedium | hast dir nicht mehr zu helfen gewusst | wolltest kein Neues mehr versuchen | legtest dich zwischen Nacht und Dämmerung | Ufer zu sein für einen | der in die Zeit zurückkehren wollte | … | doch schlüge dein Herz erst dann | wenn er seine Hand darauf legte]

die süßen Gräser | auf den Gräbern der Namenlosen | sie klingen im Wind nicht anders | als jene, die auf den Dünen wachsen und | vom Salzigen tranken

Waka 28 [Variation | Eumaios. hinter den Fenstern | hat sich sehr verändert | in letzter Zeit | zu viel Vergangenheit | lauter dem Leben entzogene Verwandlungen | zieht jetzt aus | sieht jetzt aus, als wäre er zwischen zwei Stufen, zwischen zwei Stunden hängengeblieben | zuerst: kein Leben | dann: nur der Tod | erst ein langes Träumen | dann so kurz die Ewigkeit | kalte Haut | der einsamen Erde

wer hat gerufen | Schatten der Wandernden | was sie durchzog | über den bangen Schritten | was in ihnen wuchs während des Schlafs | … | auf die Gesichter wartendes Wasser

Kernower Elegien | Pendoggett | Waka-Variation

[weiter. lief die Zeit. das Unsrige liegt verlassen. doch es bleibt. das Unsrige. müssen nicht mehr wissen. was geschah. an jenem Tag. uns genügt ein Erinnern. an das einsame Haus. und das Rauschen des Schilfs. das in uns Wohnende. was die Liebe tat]

abends. Heimfahrt. allein. | an unterschiedliche Ufer. | zwischen uns: Winde. | über den Klippen: Wolken – | Zug der Himmlischen | auf gebrochenen Schwingen

Kernower Elegien

Pendoggett | Waka-Variation

[Fraß des Alls | über Nacht | halbe Inseln | übernachtet | Meer der Zeit | jetzt | nicht mehr | früher | am Fenster | die Streifen Regen | heute | noch nicht | in Staub verwandelt | später | aus leeren Händen | morgen | Flug der Möwe]

tot ist die Welt | wenn du dich nicht erinnerst | Augen wie Schatten welker Narzissen | unter dem Flattern der Tauben | Stein über dem Schlaf