hier keine bleibende Statt [wir zupfen die Saiten der Margeriten]

jemand fragte: wie soll ich hier leben?
und trank aus Angst kein Wasser mehr

jemand schlug sich die Knöchel zu Splittern
weil die Wälder so endlos

jemand pflückte roten Mohn
und sah am Wegrand die himmlischen Zeichen

jemand ging einen anderen Weg
und dachte nicht an seinen Tod

jemand blickte vom Fenster herab
und schaute den Zügen hinterher

jemand schüttete Milch in den Abguss
jemand sprang von der Klinge
jemand ging die Ufer flussaufwärts
Anfang November

jemand hatte einen Gedanken
jemand wünschte sich einen Traum
jemand stand unter dem Apfelbaum
Mitte April

auf einmal. wie immer

abgelaufene Zeit | eines Abends | tief sinkend ins Erdreich | das lange Verschleppte | ein halber Schlaf schon | der hinter sich herzieht eine halbe Wachheit noch | wie immer | eingeklemmt zwischen Schöpfung und Erschöpfung | am Gelassenen zerrend | zehrend davon | als Verlassener

Himmelfahrt

so ging er fort | so hätte er wiederkehren sollen || die nahen Gedanken des Fernen | die nahende Nacht || ein Unvergängliches | jetzt | ein Dort | immer || und seiner Erzählung Stille | über der Geschichte | der unentrinnbaren || seines Lebens Beginn | im Unzeitlichen | und das Krause seiner letzten Rede | in den Ohren derer | denen das Abgeschlossene das Sinnvollste ist | und das Sinnliche ein Verhängnis 

so ging er fort | dass in ihnen etwas entstünde | und sich kehre zum Aufgang eines anderen Lichtes | zur Hebung anderer Schätze | und dass die Hände nicht mehr erhoben sind | das Höchste zu berühren | sondern einzuladen den Verstoßenen | der sich doch Bleibe erhoffte | in den zagen Herzen 

so ging er fort | um des ortlosen Wirkens des Heiligen willen | und unter den Trümmern der äußeren Tempel | die bleibende Statt dort drinnen aufzurichten | wo der Blick ins Ferne geht | wo die Angst ist die Nachbarin | einer unerklärlichen Zuversicht

Waka 31 [Variation || Fülle der Erde | Verborgenes | weil nicht gesprochen wird | über das Geträumte || Seele am Rande des Zeitlichen | auf dürrem Sand | über dem Dunkel | und in der Frage | wonach sie sich sehnen könnte | falls etwas wächst | aus den klanglosen Schächten | unterhalb des Schlafs]

wundersam gespannte Seile | gesetzt den Fall | es kreuzen Flüsse | den Weg des Ahnungslosen | und falls er nicht warten kann | auf das versprochene Floß

ich träume

Finger | aus Tannenzapfen | aus den Wunden gelöste Fäden

der Mond wie das steinerne Auge des blinden Gottes | an schwarzen Tauen gehalten | hinuntergelassen ins Meer der Welt | wenn die Sonne sich erschöpft hat 

Trauben | in der Kelter vergessen | überstanden den Winter

fremde Klänge | aufbrechend ein fernes Gedächtnis | und die Vergangenheit wie ein Wunder | und der Tod als eine Vollendung des kaum erinnerlichen Schicksals

mit Flügeln | ein Hirte schwebend | über stillen Weiden

bevor der Morgen graut | Wolke | die den Winden widersteht

Waka 30 [Variation | Intermedium | hast dir nicht mehr zu helfen gewusst | wolltest kein Neues mehr versuchen | legtest dich zwischen Nacht und Dämmerung | Ufer zu sein für einen | der in die Zeit zurückkehren wollte | … | doch schlüge dein Herz erst dann | wenn er seine Hand darauf legte]

die süßen Gräser | auf den Gräbern der Namenlosen | sie klingen im Wind nicht anders | als jene, die auf den Dünen wachsen und | vom Salzigen tranken

Waka 28 [Variation | Eumaios. hinter den Fenstern | hat sich sehr verändert | in letzter Zeit | zu viel Vergangenheit | lauter dem Leben entzogene Verwandlungen | zieht jetzt aus | sieht jetzt aus, als wäre er zwischen zwei Stufen, zwischen zwei Stunden hängengeblieben | zuerst: kein Leben | dann: nur der Tod | erst ein langes Träumen | dann so kurz die Ewigkeit | kalte Haut | der einsamen Erde

wer hat gerufen | Schatten der Wandernden | was sie durchzog | über den bangen Schritten | was in ihnen wuchs während des Schlafs | … | auf die Gesichter wartendes Wasser