
frage ihn nicht
wie er vertreiben konnte die Zeit
der hungrigen Ewigkeit
die Seele zuzubereiten
im luftlosen Spalt. das fließende Licht
Lyrik|Essays|Kritik

frage ihn nicht
wie er vertreiben konnte die Zeit
der hungrigen Ewigkeit
die Seele zuzubereiten
im luftlosen Spalt. das fließende Licht

abends dann. Blick hinaus
ohne Gesicht. die Erledigten
Schlingen der Starre
allen ein gerechtes Entschwinden.
Rufe der Möwen –
springender Stein auf dem reglosen Wasser

am Ende aber wird dir wieder eingefallen sein, was du wolltest. bevor sie eingefallen sein werden. in die leeren, kühlen Wohnungen. die Himmlischen. denen hungert und dürstet nach den verlassenen Seelen. die sich nicht mehr besohlen lassen. und wie Zerknülltes liegen in den Ecken der Zeit
und dein eingefallenes Gesicht anzufassen, strecken sie ihre Arme aus, als stünde ihr letztes Mahl auf den Tischen, als sei ein letztes Mal die Sonne versunken in ihrem Tränenmeer und zöge dann mit sich alles Verschüttete und wüsste die Wiesen nicht mehr, die unter ihr wuchsen und dufteten und ihr jetzt sagen könnten, dass alles Farbige aus der Lust gerät und alles Schattige aus der Idee

hier bin ich
unvollendet
von Anfängen erfüllt
endlos in Spiegeln und Gegenspiegeln
die offenen Pforten
aus denen die Wege stürzen
wie Bäche in die Täler
wo die Erde schon wartet
mit staubigen Händen und trockenen Zungen
hier war ich
und kann kaum mehr sagen
wovon ich Abschied nahm
die kahlen, gespaltenen Enden
der Äste uralter Linden
wie Schnäbel der Störche
als ob sie hier überwintert hätten
verhungert in ihren Wünschen
Schatten der Wanderer
und Schatten der Bäume
am Rand der Wälder
Ränder der Welt
die hinter mir liegende
hier werde ich immer sein
nah an eines Anderen Seite
Wiesen und Seen
in gleichen Augenblicken
und an entgegengesetzten Ufern
das Fließende stehend
dazwischen die Fenster
an denen vorbeigezogen
an denen gestanden
was mir verging

bleib‘ doch stehen
in deinen Träumen. dann und wann.
Kreuze. Hoffnungen. aufgestellt –
Setzlinge an den felsigen Kanten der Zeit.
Ab- und Durchbruch –
Wunde. Erwachen

die Pfade des Hirten
ein Hingesunkenes
Empfangendes
Amseln rufen sich zu
wie die Möwen sein zu wollen
und dein abgewandtes Gesicht
schickt den Schmerz
über die Flüsse und Seen
wo an leeren Ufern
die Boote der Vertriebenen warten
ein restliches Glück zu laden
da sieht man
wie leicht
das innere Leben wiegen kann
wie schnell
sich die Fernen vermengen

jemand fragte: wie soll ich hier leben?
und trank aus Angst kein Wasser mehr
jemand schlug sich die Knöchel zu Splittern
weil die Wälder so endlos
jemand pflückte roten Mohn
und sah am Wegrand die himmlischen Zeichen
jemand ging einen anderen Weg
und dachte nicht an seinen Tod
jemand blickte vom Fenster herab
und schaute den Zügen hinterher
jemand schüttete Milch in den Abguss
jemand sprang von der Klinge
jemand ging die Ufer flussaufwärts
Anfang November
jemand hatte einen Gedanken
jemand wünschte sich einen Traum
jemand stand unter dem Apfelbaum
Mitte April

abgelaufene Zeit | eines Abends | tief sinkend ins Erdreich | das lange Verschleppte | ein halber Schlaf schon | der hinter sich herzieht eine halbe Wachheit noch | wie immer | eingeklemmt zwischen Schöpfung und Erschöpfung | am Gelassenen zerrend | zehrend davon | als Verlassener

so ging er fort | so hätte er wiederkehren sollen || die nahen Gedanken des Fernen | die nahende Nacht || ein Unvergängliches | jetzt | ein Dort | immer || und seiner Erzählung Stille | über der Geschichte | der unentrinnbaren || seines Lebens Beginn | im Unzeitlichen | und das Krause seiner letzten Rede | in den Ohren derer | denen das Abgeschlossene das Sinnvollste ist | und das Sinnliche ein Verhängnis
so ging er fort | dass in ihnen etwas entstünde | und sich kehre zum Aufgang eines anderen Lichtes | zur Hebung anderer Schätze | und dass die Hände nicht mehr erhoben sind | das Höchste zu berühren | sondern einzuladen den Verstoßenen | der sich doch Bleibe erhoffte | in den zagen Herzen
so ging er fort | um des ortlosen Wirkens des Heiligen willen | und unter den Trümmern der äußeren Tempel | die bleibende Statt dort drinnen aufzurichten | wo der Blick ins Ferne geht | wo die Angst ist die Nachbarin | einer unerklärlichen Zuversicht

wundersam gespannte Seile | gesetzt den Fall | es kreuzen Flüsse | den Weg des Ahnungslosen | und falls er nicht warten kann | auf das versprochene Floß