morbus amatoris

nicht angerührt
die gesegneten Brote
haltlos
ohne die Arme des Anderen

Gesicht, unverborgenes
Seele, ungeborgene

verloren auf weißen Pfaden
zwischen Wolken und Mond
gekrochen in lichtlose Nischen
nicht mehr zu sehen
sich selbst

nicht mehr zu hoffen
verwandeln zu können
den unaufgehobenen Stein des Herzens
das versteckte Auge, durch das der Sand verrieselte

bevor das Gras vergeht [VI]

wohin? unendlicher Raum. Seligkeit, beengte. die Insel. atmende Hügel. eigentlich. die aus dem Wasser, aus den Wolken ragen. Lande, entfernte. Schlag des Lichtes. auf die Wellen.

alles ist schön. ohne Schatten. nichts ist da. weniger. je weiter geschaut. brennend Gestein in den Händen. Durchsicht des göttlichen Auges. weil es erblindet. verknotete Schöpfung. dass er sich merkt, wo er sich zuletzt unterbrach. plötzlich. im wirren Nachmittagstraum. wusste er wieder. für eine Milli-Sekunde. wo er geboren wurde. wo es ist. wenn sie sagten. irgendwo.

Gärten. kurz vor der Apfelernte. mildere Luft. nach langen Wintern. Duft der Kräuter. des nassen Grases. Blüten. wie Glöckchen. anzustoßen. von winzigen Zeigefingern. Zeugefingern. zitternden. dass herausfällt ein einzelner Name. und noch einer. und noch einer.

und die Insel. schlafende Buchten. Boote. angefressen. verwettete Fracht. verwitterte. hier könnte man bleiben. gute Winkel. Schätze. vergraben. Jause. die ganze Zeit. die sich selbst vertreibende. aber nicht wissen. was Glück ist. nicht. was wahr. und hinterher. das Gesagte. das Verfolgte. niemals. die Stunde. bevor sie vergangen. vorzeitig. das Vergessene. Fenster. verhangene. zerschlagene Wege. wie Schlangen durch die Gärten. und hinaus. und ihr Fall. kaum zur Kenntnis genommen.

bevor das Gras vergeht [IV]

wie drückt sich die Stille aus? ihre Farbigkeit nah an gealterten Blüten. wenn die Abschiede schon eine Weile zurück. wie gekündigtes Leben. weil sich das neue nicht ankündigen möchte. sich aufzugeben. weil keine Aufgabe mehr an den Schaltern des Künftigen. nichts mehr anzunehmen von den zu lange Verschollenen. Wege. als ob davongemachte. unter zu vielen Schritten. Umspiegeltes. bis sich nichts mehr erkennt. die bare Sicht. die Unsicht-Bahre. und hinauszuschauen. falls du jetzt noch etwas sehen willst. unterhalb des Himmels. oberhalb der Landschaft. und falls ihr Flügel wachsen. falls sie sich beflügeln lässt. von den Erzählungen der Wanderer. die sich die Beine ausrissen. und das Gestein ihrer Blicke in die Brandung warfen.

Waka 38 [Variation | vor dem Anfang des Tages | Sorge || warte noch etwas länger | wenn du willst | schaue von draußen hinein | stehend in einem Moment der Vergangenheit | dem Künftigen sichtbar | wenn fortgegangen | gelöst im Schmerz | bis nicht mehr gespürt | unter dem Rückwurf des Schattens || so unbedeutend das Selbst | wie die Zeit | des Gähnens || nichts soll dich drängen | die papiernen Wände der Augenblicke zu halten mit brennenden Fingern | und dennoch zu finden | weil nicht nötig | die Suche | am Ende des Tages]

frage ihn nicht
wie er vertreiben konnte die Zeit
der hungrigen Ewigkeit
die Seele zuzubereiten
im luftlosen Spalt. das fließende Licht

bevor das Gras vergeht

am Ende aber wird dir wieder eingefallen sein, was du wolltest. bevor sie eingefallen sein werden. in die leeren, kühlen Wohnungen. die Himmlischen. denen hungert und dürstet nach den verlassenen Seelen. die sich nicht mehr besohlen lassen. und wie Zerknülltes liegen in den Ecken der Zeit

und dein eingefallenes Gesicht anzufassen, strecken sie ihre Arme aus, als stünde ihr letztes Mahl auf den Tischen, als sei ein letztes Mal die Sonne versunken in ihrem Tränenmeer und zöge dann mit sich alles Verschüttete und wüsste die Wiesen nicht mehr, die unter ihr wuchsen und dufteten und ihr jetzt sagen könnten, dass alles Farbige aus der Lust gerät und alles Schattige aus der Idee

was mir verging

hier bin ich
unvollendet
von Anfängen erfüllt

endlos in Spiegeln und Gegenspiegeln
die offenen Pforten
aus denen die Wege stürzen
wie Bäche in die Täler
wo die Erde schon wartet
mit staubigen Händen und trockenen Zungen

hier war ich
und kann kaum mehr sagen
wovon ich Abschied nahm

die kahlen, gespaltenen Enden
der Äste uralter Linden
wie Schnäbel der Störche
als ob sie hier überwintert hätten
verhungert in ihren Wünschen

Schatten der Wanderer
und Schatten der Bäume
am Rand der Wälder
Ränder der Welt
die hinter mir liegende

hier werde ich immer sein
nah an eines Anderen Seite

Wiesen und Seen
in gleichen Augenblicken
und an entgegengesetzten Ufern
das Fließende stehend
dazwischen die Fenster
an denen vorbeigezogen
an denen gestanden
was mir verging

Waka 36 [Variation | Geschichte | n | unergründliche | Worte | x | -te | Versuchung | Strudel | Mangel an Fülle | ein fernes Auge | aufgepfropft | ein fremdes Gehör | Schütte der Seele | UferLos | dennoch | und dann noch | Gehäuse aus Klang | bis ein Licht | s- | mich gebrochen]

bleib‘ doch stehen
in deinen Träumen. dann und wann.
Kreuze. Hoffnungen. aufgestellt –
Setzlinge an den felsigen Kanten der Zeit.
Ab- und Durchbruch –

Wunde. Erwachen